{"id":440294,"date":"2025-09-21T17:15:22","date_gmt":"2025-09-21T17:15:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/440294\/"},"modified":"2025-09-21T17:15:22","modified_gmt":"2025-09-21T17:15:22","slug":"giverny-im-garten-von-claude-monet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/440294\/","title":{"rendered":"Giverny: Im Garten von Claude Monet"},"content":{"rendered":"<p>    Inhalt<br \/>\n    <a class=\"article-toc__fullview z-text-button\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/zeit-wissen\/2025\/05\/giverny-claude-monet-blumen-garten-impressionismus\/komplettansicht\" data-ct-label=\"all\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Auf einer Seite lesen    <\/a><\/p>\n<p>            Inhalt        <\/p>\n<ol class=\"article-toc__list\">\n<li class=\"article-toc__list-item\">\n<p>Seite 1Im Garten von Claude Monet<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"article-toc__list-item\"><a class=\"article-toc__item article-toc__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/zeit-wissen\/2025\/05\/giverny-claude-monet-blumen-garten-impressionismus\/seite-2\" data-ct-label=\"2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                    Seite 2Was diese Welt etwas angenehmer macht<br \/>\n                <\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p>    <a class=\"volume-teaser__link\" href=\"https:\/\/abo.zeit.de\/zeit-wissen-testen\/?icode=01w0296k0230Angdisint2301&amp;utm_medium=display&amp;utm_source=zon_magazin_artikel&amp;utm_campaign=wissenn1&amp;utm_content=&amp;wt_zmc=disint.int.zabo.zon_magazin_artikel.wissenn1....x\" title=\"Zur Ausgabe ZEIT Wissen Nr.\u00a005\/2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"volume-teaser__media-item volume-teaser__media-item--portrait\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/original__98x120.png\" alt=\"\" width=\"98\" height=\"120\"\/><\/p>\n<p>        Dieser Artikel stammt aus ZEIT Wissen Nr. 05\/2025. Hier k\u00f6nnen Sie die gesamte Ausgabe lesen.<\/p>\n<p>            Ausgabe entdecken<\/p>\n<p>    <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ob <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/claude-monet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Claude Monet<\/a> durch das Fenster seines Eisenbahnabteils die roten Tulpen bl\u00fchen sah? Oder die sp\u00e4ten Narzissen, die ihre Kelche der Fr\u00fchlingssonne entgegenstrecken? Im April 1883 entdeckte der Maler auf einer Bahnfahrt von Poissy nach Vernon einen Bauerngarten und das an der Nordseite gelegene Wohnhaus, das ihm sofort passend schien f\u00fcr seine zehnk\u00f6pfige Patchworkfamilie. Monet mietet den kleinen Hof und schreibt noch im Mai: &#8222;Ich bin in Ekstase. Giverny ist f\u00fcr mich ein herrliches Land.&#8220; Da war der Maler 43 Jahre alt, in der Mitte seines Lebens und bitterarm. Land und <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2022-03\/impressionismus-claude-monet-kunstpodcast\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blumen aber sollten ihn reich machen<\/a> \u2013 vor allem die Seerosen, die er ein paar Jahre sp\u00e4ter, 1889, auf der Weltausstellung in Paris zum ersten Mal in seinem Leben sah. Monet liebte Blumen ihrer Anmut wegen, er mochte die zarten, aber auch die kr\u00e4ftigen T\u00f6ne, das flirrende Licht, das florale \u00dcberma\u00df und nat\u00fcrlich das Liebesleben, das Bl\u00fcten ohne Scham ausstellen. Sind Blumen nicht die idealen Musen eines Malers? Zeigt sich in jeder einzelnen nicht das ganze Leben?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Vielleicht bin ich nur durch die Blumen zum Maler geworden&#8220;, schreibt Monet im Anblick von Vergissmeinnicht und Kapuzinerkresse, Gladiolen und Dahlien und nat\u00fcrlich der ganzen Vielfalt des Bauerngartens mit Malven, Glockenblumen und Storchschnabel. Dem Himmel n\u00e4her wachsen die stolzen Hochstammrosen, in weiten Schw\u00fcngen die verspielten Rosen und nahe der japanischen Br\u00fccke die herabst\u00fcrzende Glyzinie, Blauregen und Klematis. Und sp\u00e4ter wachsen auch die Seerosen auf dem Teich, den Monet graben l\u00e4sst und dessen Wasser das Licht und die ganze Sch\u00f6nheit des Gartens vervielfacht. Monet gestaltet die Natur nach seinen Vorstellungen. Er macht sich zum Sch\u00f6pfer der Motive seiner Kunst. Der Garten in Giverny ist ein Kunstwerk, das dazu dient, ein anderes \u2013 vielleicht noch gr\u00f6\u00dferes \u2013 Kunstwerk zu erschaffen. Mit den Gem\u00e4lden seiner Garten- und Wasserlandschaft verdient Monet schon bald viel Geld, er kauft das Haus, kauft mehr Land f\u00fcr noch mehr Blumen, noch mehr Bilder und Sch\u00f6nheit. Ein Jahr vor seinem Tod vollendet er den 22 Gro\u00dfgem\u00e4lde umfassenden letzten Seerosenzyklus.\n<\/p>\n<p>                            Mit den Bildern der amerikanischen Fotografin Aileen Bordman taucht man ein in Monets \u00fcberbordenden Garten in Giverny, 60 Kilometer nordwestlich von Paris.            \u00a9\u00a0Aileen Bordman<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">\n<strong>Blumen geben uns Hoffnung <\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Was faszinierte Monet an Blumen? Warum erfreuen wir uns an den ersten Schneegl\u00f6ckchen im Fr\u00fchjahr und den Herbstzeitlosen, wenn die Tage dunkler werden? Warum liegt im nutzlosen Betrachten ein Reiz, &#8222;der reicht, das Leben froh und gl\u00fccklich zu machen&#8220;, wie Jean-Jacques Rousseau in den Tr\u00e4umereien eines einsamen Spazierg\u00e4ngers schreibt? Blumen vermitteln uns die Vorstellung, dass das Leben kein Ende kennt, sondern einem Kreislauf folgt. Dass alles wieder von vorn losgehen kann. Dass das Sterben einen Sinn hat. Jede Bl\u00fcte ist ein Beweis der Endlichkeit, aber auch der Wiedergeburt. Eine Blume muss welken, damit ihre Fr\u00fcchte wachsen und ihre Samen sich verbreiten. Der einzige Lebenszweck einer Bl\u00fcte besteht darin, die Fortpflanzung sicherzustellen.\n<\/p>\n<p>                            Bordman kennt das Anwesen seit ihrer Jugend: Ihre Mutter geh\u00f6rte zu einer Gruppe, die sich in den 1970er-Jahren f\u00fcr seine Rettung engagierte.            \u00a9\u00a0Aileen Bordman<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Auch <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/sigmund-freud\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sigmund Freud<\/a> war ein gro\u00dfer Gartenliebhaber. Der Begr\u00fcnder der Psychoanalyse meinte, dass Pflanzen in Tr\u00e4umen sexuelle W\u00fcnsche darstellen oder verbergen. Im Sommer 1913 wurde Freud von dem Dichter Rainer Maria Rilke und seiner Geliebten Lou Andreas-Salom\u00e9 auf einer Bergwanderung begleitet. Freud schildert sp\u00e4ter, dass Rilke die Sch\u00f6nheit der Natur &#8222;nur als Vorboten des Verlustes&#8220; sehen konnte, nicht aber die Wandlungsf\u00e4higkeit alles Lebendigen. Freud dagegen schw\u00e4rmte davon, dass die Sch\u00f6nheit der Blumen nach ihrer Zerst\u00f6rung durch den Winter wiederkehre, und dass diese Wiederkehr im Verh\u00e4ltnis zu unserer Lebensdauer als eine ewige bezeichnet werden d\u00fcrfe.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">\n<strong>Blumen versch\u00f6nern die Welt<\/strong><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die \u00e4lteste Pflanze, die in einer menschlichen Siedlung gefunden wurde, ist 23.000 Jahre alt. Sie sieht aus wie ein G\u00e4nsebl\u00fcmchen, das man nicht essen konnte und das nicht als Medizin diente, und trotzdem gab es am Ufer des Sees Genezareth unendlich viele davon. Warum?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Natur bleibe unbeeindruckt von unseren Gef\u00fchlen, aber die evolution\u00e4re Bedeutung freudiger Empfindungen d\u00fcrfe man nicht untersch\u00e4tzen, sagen die Psychologin Jeannette Haviland-Jones und der Genetiker Terry McGuire von der Rutgers University. Sie vermuten, dass vor rund 5.000 Jahren Wildblumen sich auf den gerodeten B\u00f6den der Bauern selbst ausges\u00e4t hatten und in der umgegrabenen Erde besonders gut gediehen. Vielleicht lie\u00dfen die Bauern sie stehen. Vielleicht kultivierten sie die sch\u00f6nsten, vermehrten und verschenkten sie, schm\u00fcckten die H\u00e4user und die Gr\u00e4ber der Toten \u2013 weil ihnen die Blumen gefielen. So wie den Menschen am See von Genezareth die G\u00e4nsebl\u00fcmchen. Wir lieben die Natur nicht nur, weil sie uns satt macht, sondern weil sie unser Leben sch\u00f6ner macht.\n<\/p>\n<p>                            Das emotionale Erleben von Welt sei stark daran gebunden, dass wir ein \u00e4sthetisches Auge haben, das Blumen wahrnimmt, und dass wir Freude daran haben, sagt Kulturwissenschaftler Hartmut B\u00f6hme.            \u00a9\u00a0Aileen Bordman<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Als Robin Wall Kimmerer, Pflanzen\u00f6kologin und Mitglied der Citizen Potawatomi, gefragt wurde, warum sie sich als Studentin f\u00fcr Biologie entschieden habe, antwortete sie, dass sie herausfinden wollte, warum Astern und Goldruten so sch\u00f6n zusammen aussehen. &#8222;Bienen haben eine andere Farbwahrnehmung als Menschen, doch Gelb und Violett nehmen sie genauso wahr wie wir&#8220;, schreibt sie in ihrem Buch Ehrenhafte Ernte. Deshalb werden Astern, die in der N\u00e4he von Goldruten wachsen und umgekehrt, deutlich h\u00e4ufiger best\u00e4ubt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt Auf einer Seite lesen Inhalt Seite 1Im Garten von Claude Monet Seite 2Was diese Welt etwas angenehmer&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":440295,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,13682,29,214,156,30,114256,2075,1794,2705,319,114257,215,591],"class_list":{"0":"post-440294","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-claude-monet","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-frankreich","13":"tag-germany","14":"tag-giverny","15":"tag-kunst","16":"tag-kunst-und-design","17":"tag-malerei","18":"tag-paris","19":"tag-sigmund-freud","20":"tag-unterhaltung","21":"tag-wissen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115243419888698350","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/440294","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=440294"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/440294\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/440295"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=440294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=440294"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=440294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}