{"id":441887,"date":"2025-09-22T08:59:12","date_gmt":"2025-09-22T08:59:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/441887\/"},"modified":"2025-09-22T08:59:12","modified_gmt":"2025-09-22T08:59:12","slug":"verkehrsminister-schnieder-senkt-puenktlichkeitsziele-der-bahn-und-verkleinert-vorstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/441887\/","title":{"rendered":"Verkehrsminister Schnieder senkt P\u00fcnktlichkeitsziele der Bahn \u2013 und verkleinert Vorstand"},"content":{"rendered":"<p>Bis 2026 sollten eigentlich mindestens 70 Prozent der Z\u00fcge p\u00fcnktlich fahren. Doch dieses Ziel sei \u201enicht ann\u00e4hernd erreichbar\u201c, sagt Bundesverkehrsminister Schnieder. Deshalb wurde es nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Daf\u00fcr gibt es eine neue Bahnchefin.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Mit neuer Bahnchefin, abgeschw\u00e4chten P\u00fcnktlichkeitszielen und einem Fokus auf Sauberkeit und Sicherheit will Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die Krise der Deutschen Bahn angehen. Doch bis sich f\u00fcr die Fahrg\u00e4ste grundlegend Verbesserungen einstellen, d\u00fcrfte es noch einige Jahre dauern. <\/p>\n<p>Die bisherige Vorst\u00e4ndin f\u00fcr den Regionalverkehr, Evelyn Palla, wird den Konzern k\u00fcnftig f\u00fchren, wie Schnieder in Berlin offiziell mitteilte. Sie l\u00f6st damit den bisherigen Bahnchef Richard Lutz ab, dessen Aus Mitte August bekannt wurde. <\/p>\n<p>Schnieder gab zudem das Ziel aus, dass bis Ende 2029 mindestens 70 Prozent der Fernz\u00fcge ohne gr\u00f6\u00dfere Verz\u00f6gerungen im Netz unterwegs sind. Die bisherigen, deutlich h\u00f6heren Ziele der Bahn selbst, kritisierte er als \u201ejenseits aller Realit\u00e4t\u201c und als nicht ann\u00e4hernd erreichbar. Die Bahn wollte bereits im Jahr 2027 eine P\u00fcnktlichkeit von mindestens 75 Prozent schaffen. <\/p>\n<p>Mittelfristig soll die Quote nun laut Ministerium bei mindestens 80 Prozent liegen, langfristig bei mindestens 90 Prozent. Im Nahverkehr soll die P\u00fcnktlichkeit dauerhaft mehr als 90 Prozent betragen. Ein konkreter Zeitraum f\u00fcr diese Ziele geht aus der Strategie nicht hervor. <\/p>\n<p>Neue Chefin mit kleinerem Vorstandsteam<\/p>\n<p>Um die neuen Ziele der Bahn zu erreichen, sei Palla auf dem Chefsessel die beste Kandidatin, sagte Schnieder. Sie folgt auf Bahnchef Lutz, der die vielen Krisen der Bahn in den vergangenen Jahren nicht gel\u00f6st hatte. Es habe bei der Suche viele Gespr\u00e4che gegeben, am Ende sei das Ergebnis eindeutig gewesen, betonte der Minister. Das wichtigste Ziel sei nun die Zuverl\u00e4ssigkeit. <\/p>\n<p>Palla ist seit 2019 bei der Deutschen Bahn. Zun\u00e4chst war sie Finanzvorst\u00e4ndin bei DB Fernverkehr, seit 2022 ist sie f\u00fcr den Regionalverkehr mit rund 780.000 Fahrten monatlich \u2013 inklusive aller S-Bahnen \u2013 verantwortlich. Die 1973 in Bozen geborene S\u00fcdtirolerin gilt als empathischer als ihr Vorg\u00e4nger Lutz, auch charismatischer. DB Regio schrieb unter ihr im ersten Halbjahr wieder schwarze Zahlen. <\/p>\n<p>Die neue Bahnchefin wird k\u00fcnftig einem sechsk\u00f6pfigen Vorstand vorsitzen. Damit fallen in dem Gremium zwei Ressorts weg. Bislang gab es im Konzernvorstand acht Posten, die zurzeit auf sieben Mitglieder aufgeteilt sind. Personalvorstand Martin Seiler ist seit einigen Monaten auch kommissarisch f\u00fcr die Finanzen zust\u00e4ndig. K\u00fcnftig soll das Ressort Infrastruktur wegfallen, um die Netztochter DB InfraGo st\u00e4rker vom Mutterkonzern zu entflechten.<\/p>\n<p>Minister fordert drei Sofortprogramme f\u00fcr mehr Kundenzufriedenheit<\/p>\n<p>\u201eHeute dr\u00fccken wir auf Neustart\u201c, sagte Schnieder zur neuen Bahn-Strategie. Sie sieht auch drei \u201eSofortprogramme f\u00fcr ein besseres Reiseerlebnis\u201c vor:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Erste soll zu mehr Sicherheit und Sauberkeit an Bahnh\u00f6fen f\u00fchren. Ziel sei es, \u201eeine objektiv wie subjektiv verbesserte Sicherheit und Sauberkeit durch einen Mix aus Personal und Technik\u201c zu erreichen, hei\u00dft es darin, etwa durch Video\u00fcberwachung. Das Sofortprogramm soll ab dem ersten Quartal 2026 greifen.<\/li>\n<li>F\u00fcr eine bessere Kundenkommunikation soll die Fahrgastapp DB Navigator verbessert werden. \u201eZiel ist, dass Ver\u00e4nderungen im Reiseverlauf in dem Augenblick weitergegeben werden, wenn diese Informationen innerhalb der DB vorliegen\u201c, hei\u00dft es in der Strategie.<\/li>\n<li>F\u00fcr mehr Komfort in den Z\u00fcgen des Fernverkehrs soll die Sauberkeit in den Z\u00fcgen verbessert werden. Auch das Angebot im Bordbistro soll sich verbessern. Die DB Fernverkehr soll ein Ma\u00dfnahmenpaket umsetzen, um bereits 2026 sp\u00fcr- und messbare Verbesserungen zu erreichen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Schafft die Bahn die neuen P\u00fcnktlichkeitsziele?<\/p>\n<p>Mit den Vorgaben zur P\u00fcnktlichkeit oder zum Komfort im Fernverkehr nimmt der Bund die Bahn nun wie erwartet enger an die Leine. Im ersten Halbjahr war mehr als ein Drittel der Fernz\u00fcge der Bahn unp\u00fcnktlich unterwegs. Im Juli habe es an drei Tagen in Folge weniger als 40 Prozent P\u00fcnktlichkeit im Fernverkehr gegeben, betonte Schnieder. Das k\u00f6nne nicht so bleiben. Am Montag kam es zu weitreichenden Einschr\u00e4nkungen zwischen Hamburg und Berlin aufgrund von Oberleitungssch\u00e4den. <\/p>\n<p>Hauptgrund f\u00fcr die hohe Unzuverl\u00e4ssigkeit ist das marode und \u00fcberlastete Schienennetz. Schnieder will daf\u00fcr sorgen, dass die f\u00fcr die Infrastruktur zust\u00e4ndige DB InfraGo k\u00fcnftig eigenst\u00e4ndiger und unabh\u00e4ngiger vom Gesamtkonzern agieren kann. Daf\u00fcr werde etwa gepr\u00fcft, ob der bisherige Beherrschungsvertrag zwischen Bahn und InfraGo fortbestehen soll. Eine Entscheidung dar\u00fcber soll im ersten Halbjahr 2026 fallen. <\/p>\n<p>Die Sparte soll zudem eindeutiger auf das Gemeinwohl ausgerichtet werden. Gewinne sollen nur insofern erzielt werden, als dass sie diesem Ziel zugutekommen. <\/p>\n<p>InfraGo-Chef Nagl soll gehen<\/p>\n<p>Bei der InfraGo plant Schnieder ebenfalls einen Wechsel an der Spitze: Dirk Rompf soll den \u00d6sterreicher Philipp Nagl ersetzen. Rompf ist seit 2021 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei der Strategieberatung Ifok. Davor war er jahrelang Vorstand der DB Netz AG, dem Vorg\u00e4nger-Unternehmen der DB InfraGo. \u00dcber die Personalie muss noch der Aufsichtsrat der InfraGo entscheiden. Laut einem Bericht des \u201eTagesspiegel\u201c gibt es in dem Gremium auf Arbeitnehmerseite erheblichen Widerstand. <\/p>\n<p>Nagl gilt als ausgewiesener Bahn-Fachmann. Unter seiner Leitung wurde der jahrelange Verfall des Schienennetzes gestoppt. Er ist einer der K\u00f6pfe hinter dem sogenannten Generalsanierungskonzept, der umfassenden Sanierung von mehr als 40 vielbefahrenen Bahnstrecken. Rompf war Netz-Chef unter dem damaligen Konzernvorstand Ronald Pofalla. In dieser Zeit verfiel die Infrastruktur zunehmend, weil zu wenig Geld in den Erhalt investiert wurde.<\/p>\n<p>An dem Konzept der Generalsanierung h\u00e4lt Schnieder in seiner neuen Strategie fest. Es sieht vor, dass bis 2036 mehr als 40 besonders wichtige Strecken grundlegend modernisiert werden. Ziel ist es, auf diese Weise die Zahl der Baustellen nach und nach zu reduzieren und den Zugverkehr wieder zuverl\u00e4ssiger fahren zu lassen. <\/p>\n<p>\u201eDie Kunden m\u00fcssen sich auf die angebotene Leistung der DB AG verlassen k\u00f6nnen, optimal informiert sein und sich gleichzeitig wohlf\u00fchlen, wenn sie das System Schiene nutzen\u201c, hei\u00dft es in der Strategie. Das Ziel \u201esp\u00fcrbare Zuverl\u00e4ssigkeit\u201c habe f\u00fcr den Bund die h\u00f6chste Priorit\u00e4t.<\/p>\n<p>dpa\/ll\/kami<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bis 2026 sollten eigentlich mindestens 70 Prozent der Z\u00fcge p\u00fcnktlich fahren. 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