{"id":442147,"date":"2025-09-22T11:23:16","date_gmt":"2025-09-22T11:23:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/442147\/"},"modified":"2025-09-22T11:23:16","modified_gmt":"2025-09-22T11:23:16","slug":"jodler-und-laendler-auf-der-stradivari-klassik-trifft-volksmusik-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/442147\/","title":{"rendered":"Jodler und L\u00e4ndler auf der Stradivari: Klassik trifft Volksmusik &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Wer dieser Tage auf die Wiesn geht, k\u00f6nnte mit etwas Gl\u00fcck auch das Goldmund Quartett treffen. Dass die vier dort regelm\u00e4\u00dfig gemeinsam waren, kann man jedenfalls dem Booklet ihres neuen Albums entnehmen. Wenn nach einem Jahr Pause im vollen Bierzelt der \u201eB\u00f6hmische Traum\u201c erklinge, sagt Cellist Raphael Paratore, dann sei das \u201ewie ein musikalisches Heimkommen\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">\u201eDahoam\u201c hei\u00dft die Scheibe denn auch, die p\u00fcnktlich zum Anstich bei Berlin Classics erschienen ist und alles enth\u00e4lt, was Streichquartette sonst garantiert nie spielen: Jodler und L\u00e4ndler, Polka und Marsch. Streichquartett und <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Volksmusik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Volksmusik<\/a>, das ist eine ungew\u00f6hnliche Kombi, der Weg f\u00fcr Bl\u00e4ser von Haus aus k\u00fcrzer, Blechbl\u00e4ser zumal. Kaum ein Trompeter oder Hornist in einem Symphonieorchester, der nicht jugendliche Blaskapellenerfahrung mitbr\u00e4chte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Dass die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Klassik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Klassik<\/a>, rein historisch betrachtet, ohne volkst\u00fcmliche Einfl\u00fcsse ein gutes St\u00fcck \u00e4rmer w\u00e4re, beweist das Album jedenfalls, unter anderem mit dem Menuett aus dem G-Dur-Streichquartett op. 64 Nr. 4 von Joseph Haydn, dem \u201eErfinder\u201c der gesamten Gattung. Noch Mozart, vertreten mit einem Arrangement seiner Sechs L\u00e4ndlerischen KV 606 aus dem Todesjahr 1791, schrieb viele T\u00e4nze, Schubert sowieso, wie im \u201eGalop\u201c aus D 735 zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Doch ab der Romantik verlor das Verh\u00e4ltnis zunehmend seine Unschuld, verraten folkloristische Einsprengsel immer auch die Sehnsucht der Klassik nach einer Urspr\u00fcnglichkeit und Volksn\u00e4he, die sie sich selbst nicht mehr zutraut. Im ausgehenden 19. Jahrhundert erkunden viele Klassiker das Volksgut ihrer Heimat(en), um jeweils eigene musikalische Nationalschulen darauf zu begr\u00fcnden. Vielleicht ist es auch der parallele Aufstieg des politischen Nationalismus, der das Einvernehmen endg\u00fcltig infrage stellt. Ab sp\u00e4testens Mitte des 20. Jahrhunderts jedenfalls verzichten klassische Neut\u00f6ner fast v\u00f6llig auf folkloristische Ankl\u00e4nge, schon weil ihnen das Material in der Regel zu tonal ist. Dennoch gibt es immer wieder Ensembles und Musiker, die die Genregrenzen zu \u00fcberwinden suchen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/9d4f03a6-83c2-4199-a267-7bac7464f208.jpg\"   alt=\"Klassisches Streichquartett-Habiat: Das Goldmund Quartett bei \u201eKlassik pur im Isartal\u201c in der Loisachhalle\u00a0 in Wolfratshausen.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Klassisches Streichquartett-Habiat: Das Goldmund Quartett bei \u201eKlassik pur im Isartal\u201c in der Loisachhalle\u00a0 in Wolfratshausen. (Foto: Hartmut P\u00f6stges)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Nun also auch das <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/goldmund-quartett-konzert-kritik-muenchen-prinzregententheater-1.6306977\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Goldmund Quartet<\/a>t, das Alpenl\u00e4ndisches gern schon mal als Zugabe in Konzerten bot. Schlie\u00dflich sind Florian Sch\u00f6tz und Pinchas Adt (Violinen), Christoph Vandory (Viola) und Raphael Paratore waschechte M\u00fcnchner Buam, die bereits seit Schulzeiten miteinander spielen und sp\u00e4ter alle an der Musikhochschule in der Arcisstra\u00dfe studierten. Die Liebe zu den bayerischen Bergen verriet schon 2017 das Cover ihrer Deb\u00fct-CD mit Streichquartetten von Haydn, die neue wurde vor der idyllischen Kulisse von Schloss Elmau eingespielt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Das laufende Jahr hat den Vieren schon einige Neuheiten gebracht, die Gr\u00fcndung eines eigenen Kammermusikfestivals in Kloster Irsee ebenso wie die Goldmund Academy, in der die Mittdrei\u00dfiger nachwachsende Ensembles f\u00f6rdern, zudem schon im Februar eine Platte mit Mendelssohn-Quartetten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Zeitgen\u00f6ssische <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Musik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Musik<\/a> hat das Goldmund schon immer gern in seine Programme aufgenommen, aber sicher noch keine von Karl Edelmann, dem Chef der \u201eAltbairischen Blasmusik\u201c, der vieles f\u00fcr die Platte arrangiert hat, von Cornelia Schabarok, Florin Pallhuber oder Herbert Pixner, dem S\u00fcdtiroler Multiinstrumentalisten, der selbst gern den Grenzgang zur Klassik sucht und hier gleich mit vier Titeln vertreten ist. Das satt wiesengr\u00fcne Booklet n\u00e4hert sich jedenfalls entschlossen nicht-klassischen Neuerscheinungen an, indem es auf die \u00fcbliche historische Einordnung nebst Komponistenbiografien verzichtet.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Wer beim Auflegen allzu Z\u00fcnftiges erwarten w\u00fcrde, l\u00e4ge dennoch falsch. Das Goldmund spielt auf dem legend\u00e4ren \u201ePaganini-Quartett\u201c aus vier Stradivari-Instrumenten, die sie kaum mit auf die Wiesn nehmen werden. Die japanische Nippon Music Foundation leiht sie ihnen als erstem deutschen Streichquartett \u00fcberhaupt. Intonation, Homogenit\u00e4t, das Wechselspiel der Stimmen, das alles verr\u00e4t die Herkunft aus der Klassik. Man wahrt, was den Kern alles Klassischen ausmacht, Ma\u00df, auch im fein dosierten Rubato. Dennoch sp\u00fcrt man die Vertrautheit der vier mit dem volkst\u00fcmlichen Idiom. Etwa wenn das Cello in Pallhubers \u201eVergiss mi net\u201c die Zither imitiert, in vielen gesch\u00e4rften Bogenstrichen, juchzenden Vorschl\u00e4gen, springenden Trillern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Man wandelt auf dem schmalen Grat zwischen Anverwandlung und Anbiederung, Folk goes Schubert sozusagen. Und im \u201eB\u00f6hmischen Traum\u201c, dem Klassiker von Norbert G\u00e4lle, darf Raphael Paratore tun, wovon er wahrscheinlich schon lange tr\u00e4umt: Einmal die Tuba geben, buff-buff, buff-buff, immer Quarte abw\u00e4rts. Bevor zum Abschluss noch gemeinsam gesungen wird, als schellackverrauschter Nostalgie-Gimmick.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Live im Konzert wird das Goldmund das Programm \u00fcbrigens in n\u00e4chster Zeit nicht spielen, daf\u00fcr bleiben Konzertveranstaltergrenzen wohl doch zu un\u00fcberwindlich. Aber die eine oder andere Zugabe d\u00fcrfte sicher drin sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer dieser Tage auf die Wiesn geht, k\u00f6nnte mit etwas Gl\u00fcck auch das Goldmund Quartett treffen. 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