{"id":442295,"date":"2025-09-22T12:44:16","date_gmt":"2025-09-22T12:44:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/442295\/"},"modified":"2025-09-22T12:44:16","modified_gmt":"2025-09-22T12:44:16","slug":"das-anderart-festival-ist-muenchens-alternative-zum-oktoberfest-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/442295\/","title":{"rendered":"Das AnderArt-Festival ist M\u00fcnchens Alternative zum Oktoberfest &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Wir befinden uns am letzten Septembersamstag, ganz <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> ist von Lederhosen- und Dirndlkleid-Tr\u00e4gerin besetzt \u2026 ganz M\u00fcnchen? Nein, auf dem von einer Schar unbeugsamer Kulturoptimisten bev\u00f6lkerten Odeonsplatz h\u00e4lt man dagegen, bunter, vielf\u00e4ltiger und durchaus feinsinniger als im allgegenw\u00e4rtigen Trarah und Umpftata. Dieses spontan errichtete Dorf mit H\u00fctten, Zeltchen und einer B\u00fchne nennt sich AnderArt-Festival. Und dass es ausgerechnet zur Mitte des Oktoberfestes, am sogenannten Italiener-Wochenende, dem Wiesnrummel mit R\u00f6mern und anderen internationalen G\u00e4sten trotzt, ist kein Zufall.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">AnderArt war von seinem Anfang vor fast 30 Jahren an gedacht als Alternative zum <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Oktoberfest\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oktoberfest<\/a>. Als ein Ort, an dem M\u00fcnchen aus dem engen Dirndlkorsett ausbrechen und sich zeigen k\u00f6nne, wie es auch \u2013 also wirklich \u2013 ist.\u00a0 Denn M\u00fcnchen ist ja nicht nur von Ur-Bayern besiedelt, sondern zum Drittel von Menschen mit nicht-deutscher Staatsb\u00fcrgerschaft, und zur H\u00e4lfte gar mit in anderen Kulturen Verwurzelten. Und die sollten der Welt, die zu Gast in der Weltstadt mit Herz ist, zeigen, wie gut oder wie anders es sich an der Isar leben l\u00e4sst.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">\u201eSo international musikalisch wie an diesem Tag ist M\u00fcnchen selten. G\u00e4nsehautgarantie!\u201c, steht deshalb auch im Begleittext zum 28. AnderArt. Das bietet am Samstag, 27. September, satte zehn Stunden Programm, und das wie immer bei freiem Eintritt. Die multikulturelle Vielfalt reicht von Latin-Rhythmen \u00fcber Hip-Hop zu Soul, Funk und <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Pop\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pop<\/a>, statt Blasmusik bringt Reggaeton die Menge zum Tanzen, und gemeinsam gesungen wird auch. Allerdings nicht \u201eHulapalu\u201c. Stattdessen \u00fcben Jens Junker und Ian Chapman vom \u201eGo Sing Choir\u201c zusammen mit der Rapperin G\u00fcndalein mit den Massen als Spontan-Chor mehrstimmig die Friedens-Pop-Hymne \u201eWhere is the love\u201c der Black Eyed Peas ein und f\u00fchren sie Youtube-Video-reif auf (16.30 Uhr). Zudem wird k\u00e4mpferische <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kunst\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kunst<\/a> mit Einfl\u00fcssen aus aller Welt ausgestellt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Somit ist AnderArt keine Kampfansage, aber eine sinnvolle Erg\u00e4nzung zum Oktoberfest \u2013\u00a0wobei, ein bisschen Konkurrenz macht sich die Stadt M\u00fcnchen als Ausrichter damit schon selbst. Respektive das Kulturreferat mit der engagierten AnderArt dem Wirtschaftsreferat mit seiner lukrativen Bierzeltkultur. Ganz zu Beginn sollte das Festival denn auch eher wie eine Multikultikopie des Traditionsrummels auf der Theresienwiese aussehen, sogar mit eigenem Umzug der hiesigen internationalen Kulturvereine. Da sich dann aber immer dieselben emsigen Tanz- und Brauchtumstruppen am Odeonsplatz pr\u00e4sentierten, hinterfragte der damalige Kulturreferent Julian Nida-R\u00fcmelin das Konzept.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Heute pr\u00e4sentiert sich AnderArt \u2013 organisiert von Barbara Hein \u2013 in einer modernen Form als Welt-Kulturen-Party, die ganz unbeeindruckt von der Wiesn funktioniert und sich vor keinem Pop-Festival verstecken muss. Die meisten der Protagonisten leben tats\u00e4chlich in M\u00fcnchen und pr\u00e4gen die hiesige Kulturszene\u00a0\u2013 haben aber weiter verzweigte Wurzeln als jede \u00fcbliche Blaskapelle. Zum Beispiel Los Babriks, die AnderArt um 12 Uhr einl\u00e4uten. Sie sind \u201edie internationalste Cumbia-Combo der Welt\u201c, wie die SZ einmal schrieb \u2013 ein Sextett aus sechs Nationen. \u00a0Der Bongo- und Guiro-Rhythmiker Hector Tapia aus Chile, der spanische Gitarrist Gonzalo Blasco, der Conga-Spieler Jose Maldonado, der japanische Trommer Monori Shimayama, der spanische Bassist Mauricio-Joran Cesena und der Organist John Marinelli aus den USA grooven sich durch die Cumbia-Kultur, die derzeit in der Club-Szene hochgehandelt ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/5476260c-153b-44db-ac7d-062113c73694.jpg\"   alt=\"Volksfest der anderen Art auf dem Odeonsplatz: Hier wurde bei einem AnderArt-Festival zu einer Salsa-Band getanzt.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Volksfest der anderen Art auf dem Odeonsplatz: Hier wurde bei einem AnderArt-Festival zu einer Salsa-Band getanzt. (Foto: Robert Haas)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Zwischen den Welten lebt nach eigener Ansicht auch Daniel He (15.15 Uhr) \u2013 der queere K\u00fcnstler wurde in China geboren und wohnt seit einigen Jahren in Deutschland, wo er \u201efreier, aber nicht einfacher\u201c leben k\u00f6nne. In seinen von Nick Drake oder Joni Mitchell beeinflussten Songs reflektiert er seine \u201eDistanz zur eigenen Herkunft\u201c, feiert aber zugleich das \u201eWeiterleben von Ritualen Sprache und emotionalen Spuren\u201c seiner Heimat\u00a0\u2013 diese Widerspr\u00fcche d\u00fcrfen in seinen Konzerten bestehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/04bb0655-c652-4b1b-8797-f2d3e4a6899e.jpg\"   alt=\"Zwischen den Welten: Der Songwriter Daniel He thematisiert seine chinesische Herkunft.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Zwischen den Welten: Der Songwriter Daniel He thematisiert seine chinesische Herkunft. (Foto: Inselgruppe)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Ihrem Namen nach ist Helene Niederstrasser in Bayern beheimatet, sie hat aber auch brasilianische Vorfahren, und als Vandalisbin wurde die 22-J\u00e4hrige zu einer Vorzeige-Streiterin der M\u00fcnchner Pop-Kulturszene: Ihre Songs oszillieren zwischen Indie-Pop und Punk, sind queer und feministisch. Ihren auch im Radio gern gespielten Retro-Schunkler \u201eWhite Girls\u201c sieht sie als \u201evielleicht sanfteste Alltagsrassismus-Kritik und ein \u00e4sthetisches Statement in einem Pop-Betrieb, der Diversit\u00e4t oft lieber kuratiert als lebt\u201c (18.15 Uhr).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/110a33b8-f6eb-4847-855b-ccf81503fca9.jpg\"   alt=\"Vandalisbin \u00fcbt mit Songs wie \u201eWhite Girls\u201c \u201esanfteste Alltagsrassismus-Kritik\u201c.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Vandalisbin \u00fcbt mit Songs wie \u201eWhite Girls\u201c \u201esanfteste Alltagsrassismus-Kritik\u201c. (Foto: Susanne Steinmassl)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Hauptattraktion ist DJ Romina Bernado alias Chocolate Remix um 20.30 Uhr. Sie kratzt die Menge mit Reggaeton auf, eigentlich ein \u00fcbersexualisiertes Macho-Genre. Sie aber dreht den hochenergetischen Musikstil auf Links, thematisiert damit Zensur und Diskriminierung der LGBTQIA+-Community und weitere politische Probleme.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/f1ad5598-ecc1-4072-8d85-d4fde9f3588c.jpg\"   alt=\"Dreht das Reggaeton-Genre auf Links: Romina Bernado alias Chocolate Remix.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Dreht das Reggaeton-Genre auf Links: Romina Bernado alias Chocolate Remix. (Foto: Siego Stickar)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Bernado wird aus Argentinien eingeflogen \u2013 so weltoffen ist das AnderArt. Da muss nicht jeder K\u00fcnstler aus M\u00fcnchen stammen, man duldet auch zugereiste wie die Bigband Dachau. Die bis zum Montreux Jazz Festival vorgedrungenen Stimmungsspezialisten mit ihrem glamour\u00f6sen Mix aus Jazz, Techno und Soul fusionieren um 13.15 Uhr mit JJ Jones, Wahlm\u00fcnchner und Zeremonienmeister aus Nashville, und der ukrainischen Jazz-S\u00e4ngerin Olga Lukachova. Um 16.15, 18.30 und 20 Uhr laden sie jeweils zum \u201eMusikant.innenstammtisch\u201c. Bei diesen Jam-Sessions muss nicht unbedingt bayerische Wirtshausmusik gespielt werden, aber es darf jeder mitmischen, der sich berufen f\u00fchlt. In der Geselligkeit m\u00f6chte man dem Oktoberfest in nichts nachstehen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">In den Kunst- und Aktionszelten auf dem Odeonsplatz sind spannende Ausstellungen zu sehen. Godwin Namanyabyoona verlie\u00df Uganda, wo er eine freie K\u00fcnstlergruppe gegr\u00fcndet hatte, 2018 unter dem Druck des Milit\u00e4rregimes. Er setzt sich in seinen Arbeiten mit der Kolonialgeschichte auseinander. Mohammad Folad Anzurgar fl\u00fcchtete 2024 aus Kabul, wo er als Dozent f\u00fcr Bildende Kunst an der Universit\u00e4t unterrichtet hatte. In seinen Bildern mache er \u201edie Schreie afghanischer Frauen sichtbar\u201c und thematisiert die verschwundene Freiheit in seiner Heimat.\u00a0 Auch das Frauen-Street-Art-Kollektiv Munich Wallflowers k\u00e4mpft in seinen Arbeiten politisch: Vanessa Hoffmann aus Florida in \u201eWimmelbildern\u201c, Marcela Gloria mit mexikanischen Motiven, Athiya alias Bulbl Ink aus Sri Lanka in Schwarz-Wei\u00df oder Melika Kerpel aus Izmir, die sich auf weltweiter jahrelanger Wanderschaft hat inspirieren lassen. Wenn man bedenkt, dass auf dem Oktoberfest tats\u00e4chlich noch 2024 \u00fcber sexistische Karussell-Illustrationen diskutiert wurde, sieht man: Auf der AnderArt ist man l\u00e4ngst weiter.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\"><a href=\"https:\/\/www.anderart-festival.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Anderart-Festival, Samstag, 27. September, 12 bis 22 Uhr, Odeonsplatz, Eintritt frei<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wir befinden uns am letzten Septembersamstag, ganz M\u00fcnchen ist von Lederhosen- und Dirndlkleid-Tr\u00e4gerin besetzt \u2026 ganz M\u00fcnchen? 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