{"id":442515,"date":"2025-09-22T14:55:11","date_gmt":"2025-09-22T14:55:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/442515\/"},"modified":"2025-09-22T14:55:11","modified_gmt":"2025-09-22T14:55:11","slug":"zoegern-kostet-menschenleben-so-kann-europa-putin-zum-frieden-draengen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/442515\/","title":{"rendered":"Z\u00f6gern kostet Menschenleben: So kann Europa Putin zum Frieden dr\u00e4ngen"},"content":{"rendered":"<p>                    Z\u00f6gern kostet Menschenleben<br \/>\n                So kann Europa Putin zum Frieden dr\u00e4ngen<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t              \tEin Gastbeitrag von Nico Lange<br \/>\n\t\t\t\t              22.09.2025, 16:33 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p><strong>Der Ukraine so zu helfen, dass sie gerade standh\u00e4lt, verl\u00e4ngert den Krieg zulasten der Ukraine und Europas. Tr\u00f6pfchenweise Hilfe ist ineffizient, riskant und die teuerste Variante. Um den Kampf um die europ\u00e4ische Ordnung zu gewinnen, m\u00fcssen wir rasch handeln &#8211; konkret und schnell.<\/strong><\/p>\n<p>Auch in Kostjantyniwka in der Ostukraine leuchten im Herbst die Bl\u00e4tter in den sch\u00f6nsten Farben. Doch die Stra\u00dfen sind leer. Von den einst 67.000 Einwohnern sind nur noch wenige da, von drei Seiten n\u00e4hern sich langsam russische Truppen. Geblieben sind st\u00f6rrische alte Leute wie Oma Ljuba. Sie schrieb k\u00fcrzlich an eine ihrer T\u00f6chter in Deutschland: &#8222;Die Bl\u00e4tter schillern wie immer bunt, aber die Kinder sind alle weggegangen. H\u00f6rt Europa uns noch rufen?&#8220;<\/p>\n<p>Diese Frage trifft ins Herz. Denn dieser Krieg ist kein ferner Konflikt um ein paar Quadratkilometer im Donbass. Russlands Krieg ist ein Angriff auf Europa &#8211; auf unsere Sicherheit, unsere Freiheit, unsere Zukunft.<\/p>\n<p>Wladimir Putin f\u00fchrt den gr\u00f6\u00dften Krieg in Europa seit 1945, um die europ\u00e4ische Ordnung grundlegend zu ver\u00e4ndern. Putins Ziele sind ein Russland ohne geografische, politische oder rechtliche Grenzen &#8211; ein Europa ohne NATO, ohne EU, ohne US-amerikanische Sicherheitsgarantie. Ein Europa, in dem Moskau dominiert, erpresst und unterwirft.<\/p>\n<p>Milit\u00e4risch ist Putin weitgehend erfolglos<\/p>\n<p>Putin denkt immer in Machtbeziehungen: Partnerschaften gibt es nicht, nur unterwerfen oder unterworfen werden. Putin glaubt, Menschen handeln nur aus Zwang oder gegen Bezahlung. Dass die Ukrainerinnen und Ukrainer aus \u00dcberzeugung ihre Heimat verteidigen, passt nicht in sein Weltbild &#8211; und genau das verleitete ihn schon 2014 und 2022 zu fatalen Fehleinsch\u00e4tzungen.<\/p>\n<p>Milit\u00e4risch ist Putin bislang noch weitgehend erfolglos: Der Vormarsch auf Kyjiw brach nach 72 Stunden zusammen, ukrainische Gegenoffensiven bei Charkiw, Cherson und auf der Krim zeigten, dass Russland verwundbar ist. Doch im Informationskrieg im Westen h\u00e4lt Putin sich weiter: Er n\u00e4hrt den Eindruck, er sei unaufhaltbar &#8211; und setzt auf europ\u00e4ische Angst, Z\u00f6gerlichkeit, Unentschlossenheit und baldige politische Gelegenheiten, die ihm in die H\u00e4nde spielen.<\/p>\n<p>Unsere implizite europ\u00e4ische Strategie &#8211; der Ukraine immer nur so viel zu geben, dass sie gerade standh\u00e4lt, &#8222;so lange wie n\u00f6tig&#8220; &#8211; ist l\u00e4ngst ans Ende gekommen. Sie verl\u00e4ngert den Krieg zulasten der Ukraine und zulasten Europas. Tr\u00f6pfchenweise Hilfe ist milit\u00e4risch ineffizient, politisch riskant und \u00f6konomisch die teuerste Variante.<\/p>\n<p>Zwischen Putins nihilistischem Umsturzversuch der europ\u00e4ischen Ordnung und unseren wertegeleiteten Interessen gibt es keinen Kompromiss. Europa muss Putin besiegen. Die europ\u00e4ischen Partner m\u00fcssen die Ukraine endlich ausstatten und zus\u00e4tzlich Ma\u00dfnahmen ergreifen, um Russland milit\u00e4risch, wirtschaftlich und finanziell unter Druck zu setzen, damit echte Verhandlungsbereitschaft entsteht.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt auch, Grauzonen zu schlie\u00dfen: NATO- und EU-Mitgliedschaft f\u00fcr die Ukraine, f\u00fcr die Republik Moldau und f\u00fcr die Staaten des Westbalkans sind nicht nur Sicherheitsgarantien, sondern auch Voraussetzungen f\u00fcr wirtschaftlichen Wiederaufbau, Investitionen und europ\u00e4isches Wachstum. Wer nur defensiv denkt, verliert. Wir brauchen eine Vorstellung davon, wie wir Europa aktiv gestalten &#8211; auch ohne amerikanische F\u00fchrung.<\/p>\n<p>Aktion statt Appell<\/p>\n<p>Um den Kampf um die europ\u00e4ische Ordnung zu gewinnen, m\u00fcssen wir rasch handeln &#8211; mit konkreten, schnellen n\u00e4chsten Schritten statt mit langwierigen Gesamtkonzepten, mit Aktionen statt Appellen, mit eigener europ\u00e4ischer Wirksamkeit statt mit Anrufen bei &#8222;Daddy&#8220;.<\/p>\n<ul>\n<li>Zun\u00e4chst gilt es, umgehend gemeinsam mit der Ukraine eine integrierte Luftverteidigung aufzubauen, die Luftraum\u00fcberwachung und Systeme vernetzt, Drohnenabwehr verbessert, Zivilisten vor Raketen und Marschflugk\u00f6rpern sch\u00fctzt sowie die wertvollen Front-Erfahrungen der Ukrainer f\u00fcr den Schutz der NATO-Ostflanke nutzbar zu machen.<\/li>\n<li>Parallel dazu braucht die Ukraine Abstandswaffen mit hohen Reichweiten, um russische F\u00fchrungszentren, Munitionsdepots, Flugpl\u00e4tze und Drohnenfabriken tief im russischen Hinterland gezielt, schnell und nachhaltig ausschalten zu k\u00f6nnen. Das verschafft der Ukraine wichtige milit\u00e4rische Vorteile und ist gleichzeitig im europ\u00e4ischen Sicherheitsinteresse.<\/li>\n<li>Es ist entscheidend f\u00fcr einen schnellen Waffenstillstand und Chancen auf Frieden, s\u00e4mtliche europ\u00e4ische Energie- und Rohstoffimporte aus Russland schlagartig zu beenden \u2013 kein \u00d6l, kein Gas, kein Fl\u00fcssiggas, kein Uran oder Titan d\u00fcrfen mehr durch Europa gekauft werden, auch nicht \u00fcber Umwege wie Indien. Jeder Euro f\u00fcr russische Energie und Rohstoffe verl\u00e4ngert den Krieg. Und auch Trump k\u00e4me durch einen europ\u00e4ischen Stopp in Zugzwang. <\/li>\n<li>Ein weiterer sofort umsetzbarer Schritt ist ein vollst\u00e4ndiger Stopp der sogenannten Schattenflotte in der Ostsee. Alte Tanker, die die Sanktionen umgehen, d\u00fcrfen aus Umwelt- und Sicherheitsgr\u00fcnden nicht l\u00e4nger die Ostsee befahren. Einer der zentralen Geldfl\u00fcsse Putins kommt dadurch zum Erliegen.<\/li>\n<li>Gleichzeitig sollte Europa ein Sofortprogramm in H\u00f6he von zehn Milliarden Euro f\u00fcr die ukrainische R\u00fcstungsindustrie auflegen, den ukrainischen Haushalt mit 50 Milliarden Euro makrofinanziell stabilisieren und mit einem mehrj\u00e4hrigen Multimilliarden-Programm die k\u00fcnftigen Streitkr\u00e4fte der Ukraine systematisch aufbauen. Das Geld daf\u00fcr wird einfach aus den beschlagnahmten russischen Verm\u00f6gen genommen &#8211; geredet wurde jetzt dar\u00fcber wahrlich genug.<\/li>\n<li>Aufbauend auf den guten Schritten der Sanktionspakete 18 und 19 m\u00fcssen bestehende Sanktionen weiter versch\u00e4rft und vor allem konsequent durchgesetzt werden \u2013 auch gegen\u00fcber Drittstaaten, die bei der Umgehung helfen, und die daf\u00fcr endlich sp\u00fcrbare wirtschaftliche und politische Konsequenzen erfahren sollten.<\/li>\n<li>Solange Russland den Krieg fortsetzt, sollten keine neuen Schengen-Visa f\u00fcr russische Staatsb\u00fcrger ausgestellt und bestehende Visa schrittweise entzogen werden \u2013 beginnend mit den Diplomatenp\u00e4ssen und den Visa f\u00fcr Funktion\u00e4re, Oligarchen und deren h\u00e4ufig im Schengen-Raum lebenden Kindern.  <\/li>\n<li>Parallel dazu kann und sollte Europa die russische Bev\u00f6lkerung endlich direkt ansprechen und klar kommunizieren, dass eine friedliche und gute Zukunft mit Russland m\u00f6glich ist \u2013 aber nur, wenn dieser Krieg verloren wird.<\/li>\n<li>Um die eigene Handlungsf\u00e4higkeit zu sichern, darf die EU nicht zulassen, dass einzelne Mitgliedstaaten in einer existenziellen Lage weiter Entscheidungen blockieren. Ungarn muss ab sofort das Stimmrecht im Rat der Europ\u00e4ischen Union vor\u00fcbergehend entzogen werden.<\/li>\n<li>Schlie\u00dflich sollte Europa eine eigene Milit\u00e4rpr\u00e4senz in der Ukraine vorbereiten \u2013 unter EU-Rechtsgrundlage des Artikels 42, die auch f\u00fcr ein deutsches Mandat gangbar w\u00e4re, und offen f\u00fcr Partner wie Gro\u00dfbritannien, die T\u00fcrkei, Japan oder Australien \u2013 um die Streitkr\u00e4fte der Ukraine zu unterst\u00fctzen und ein unmissverst\u00e4ndliches Signal der Entschlossenheit und Abschreckung zu senden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieser europ\u00e4ische Fahrplan ist realistisch und sofort umsetzbar. Wir sollten uns damit endlich von der Illusion verabschieden, die Zeit spiele f\u00fcr uns. Mit Ank\u00fcndigungen, gestanzter politischer Kommunikation und b\u00fcrokratischer Politikverwaltung l\u00e4sst sich Putin nicht besiegen. Jeder Monat, in dem wir z\u00f6gern, kostet Menschenleben, zerst\u00f6rt Infrastruktur und schw\u00e4cht die Glaubw\u00fcrdigkeit Europas.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Nico-Lange.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Nico Lange ist Senior Fellow der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz. Der Beitrag ist eine Kurzfassung seiner Rede zur Er\u00f6ffnung des Wintersemesters 2025\/2026 am Schweizerischen Institut f\u00fcr Auslandsforschung in Z\u00fcrich.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Nico-Lange.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Nico Lange ist Senior Fellow der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz. Der Beitrag ist eine Kurzfassung seiner Rede zur Er\u00f6ffnung des Wintersemesters 2025\/2026 am Schweizerischen Institut f\u00fcr Auslandsforschung in Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>Wenn wir jetzt handeln, k\u00f6nnen wir die Lage noch in diesem Jahr zugunsten der Ukraine wenden \u2013 und damit die Grundlage f\u00fcr einen gerechten Frieden schaffen. <\/p>\n<p>Oma Ljuba aus Kostjantyniwka k\u00f6nnte erleben, wie ihre Kinder und Enkel zur\u00fcckkehren, wie Leben und Hoffnung in ihre Stadt zur\u00fcckkehren, wie Wachstum, Innovation, sch\u00f6pferische Kraft und Wohlstand wieder an die Stelle roher Gewalt und dumpfer Zerst\u00f6rung treten.<\/p>\n<p>Das ist das freie Europa, das wir wollen \u2013 und das wir jetzt gewinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Z\u00f6gern kostet Menschenleben So kann Europa Putin zum Frieden dr\u00e4ngen Ein Gastbeitrag von Nico Lange 22.09.2025, 16:33 Uhr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":442516,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,661,114694,13,5020,14,1159,15,16,4043,4044,850,307,12,4743,306,107],"class_list":{"0":"post-442515","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-angriff-auf-die-ukraine","11":"tag-gastbeitraege","12":"tag-headlines","13":"tag-kreml","14":"tag-nachrichten","15":"tag-nato","16":"tag-news","17":"tag-politik","18":"tag-russia","19":"tag-russian-federation","20":"tag-russische-foederation","21":"tag-russland","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-waffen","24":"tag-wladimir-putin","25":"tag-wolodymyr-selenskyj"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115248531441056382","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/442515","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=442515"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/442515\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/442516"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=442515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=442515"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=442515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}