{"id":44268,"date":"2025-04-19T11:55:26","date_gmt":"2025-04-19T11:55:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/44268\/"},"modified":"2025-04-19T11:55:26","modified_gmt":"2025-04-19T11:55:26","slug":"der-weg-ist-frei-fuer-das-leipziger-freiheits-und-einheitsdenkmal-video-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/44268\/","title":{"rendered":"Der Weg ist frei f\u00fcr das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal + Video \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Vor der Stadtratsabstimmung zum Planungsbeschluss f\u00fcr das Freiheits- und Einheitsdenkmal auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz ging es noch einmal hoch her, wurde diskutiert \u00fcber Sinn und Aussehen des im Oktober 2024 gek\u00fcrten Siegerentwurfs. Eine Diskussion, die so auch in der Haushaltsdebatte des Stadtrates im M\u00e4rz wetterleuchtete. Und manchmal hatte man fast den Eindruck: Nun scheitert auch der zweite Anlauf kurz vor dem Ziel. Doch am 16. April kam es anders.<\/p>\n<p>Zwar verk\u00fcndeten BSW- und AfD-Fraktion mal wieder, dass sie gegen das Denkmal w\u00e4ren. Den einen war es dem Oktober 1989 nicht angemessen. Die anderen beharrten wieder auf einem B\u00fcrgerentscheid, meinten \u2013 wie AfD-Stadtrat Sascha Jecht \u2013 erst dann bek\u00e4me so ein Denkmal Legitimation. Was nat\u00fcrlich so nicht stimmt und auch nicht gew\u00e4hrleistet, dass dann ein besserer Denkmalentwurf gew\u00e4hlt w\u00fcrde.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/e7dc573bb3d046a89def48cac56ab88b.gif\" alt=\"\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/04\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2025\/04\/1\"\/><\/p>\n<p>Und CDU-Stadtrat Michael Weickert \u2013 der sich als im Herbst 1989 Geborener geradezu als \u201eKind der Revolution\u201c empfindet \u2013 sagte etwas Wichtiges, was in den Diskussionen um B\u00fcrgerentscheid und B\u00fcrgerbeteiligung immer wieder ignoriert wird: dass der Leipziger Stadtrat ein demokratisch frei gew\u00e4hltes Parlament ist und in freie Entscheidung bisher jeden Schritt hin zum Freiheits- und Einheitsdenkmal selbst entschieden hat. Das nennt sich repr\u00e4sentative Demokratie.<\/p>\n<p>Und deshalb haben die 70 gew\u00e4hlten Stadtr\u00e4t\/-innen alles Recht, selbst zu entscheiden, ob der von der Jury im Herbst 2024 zum Sieger gek\u00fcrte Entwurf \u201eBanner, Fahnen, Transparente\u201c von ZILA Architekt.innen, Architekten, Leipzig (Clemens Zirkelbach, Peter Ille, Dirk L\u00e4mmel und Alexej Kolyschkow) und Bea Meyer und Michael Grzesiak auch so umgesetzt wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Stadtrat-Michael_Weickert-CDU-00005995.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-622411 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Stadtrat-Michael_Weickert-CDU-00005995.jpg\" alt=\"Michael Weickert (CDU) im Leipziger Stadtrat am 16.04.25. Foto: Jan Kaefer\" width=\"5472\" height=\"3648\"  \/><\/a>Michael Weickert (CDU) im Leipziger Stadtrat am 16.04.25. Foto: Jan Kaefer<\/p>\n<p>Genau das stand am Mittwoch zur Debatte. Und einige Rednerinnen und Redner nutzten die Gelegenheit nat\u00fcrlich, auch auf die Schwierigkeit jedes Denkmal-Prozesses hinzuweisen. Die durch den Entwurf mit seinen wei\u00df gestalteten Transparent-Elementen noch verst\u00e4rkt werden. Denn genau deshalb regen sie zur Debatte und zur Kontroverse an. Gar nicht erst, wenn das Denkmal mal eingeweiht wird.<\/p>\n<p>Sondern \u2013 wie zu erleben \u2013 schon im Vorfeld. Die Gr\u00fcnen-Stadtr\u00e4tin Dr. Gesine Mertens wies darauf hin, wie provozierend wei\u00df bleibende Transparente tats\u00e4chlich sind. Erst recht in einer Zeit, in der man medial beobachten kann, wie Menschen in autorit\u00e4ren Regimen wie Russland mit leeren, wei\u00dfen Bl\u00e4ttern demonstrieren, weil ihnen jede \u00c4u\u00dferung zur Politik des russischen Pr\u00e4sidenten verboten ist.<\/p>\n<p>Wei\u00df provoziert. Und deutet \u2013 so Mertens \u2013 eben auch darauf hin, dass es sowohl bei der Einheit als auch bei der Freiheit um \u201eunvollendete Projekte\u201c geht. Die Einheit ist es ganz un\u00fcbersehbar. Auch 35 Jahre nach dem Vollzug der Einheit wird eifrig \u00fcber die Spaltung in Ost und West debattiert und einige Leute w\u00fcnschen sich sogar die Mauer zur\u00fcck, weil sie die Widerspr\u00fcche nicht aushalten oder glauben, fr\u00fcher w\u00e4re alles besser gewesen. Und mit der Freiheit ist es genauso: Man kann sie sich erk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Aber sie ist keine Troph\u00e4e, die man dann einfach in die Vitrine stellt. Das machen die Entwicklungen in den USA derzeit mehr als deutlich. Es gibt immer wieder Kr\u00e4fte, die mit brachialer R\u00fccksichtslosigkeit daran arbeiten, die gewonnene Freiheit wieder zu zerst\u00f6ren. Es bleibt ein Prozess. Und das nun geplante Denkmal er\u00f6ffnet auch diesen Raum der Unsicherheit, sich dar\u00fcber immer wieder neu zu verst\u00e4ndigen.<\/p>\n<p>Oder mit den Worten von SPD-Stadtr\u00e4tin Pia Heine: \u201eEin Denkmal darf kontrovers sein.\u201c<\/p>\n<p>Mertens wurde dabei ganz klassisch und zitierte Aristoteles\u2019 \u201ehorror vacui\u201c. \u201eWir k\u00f6nnen es nicht aushalten, dass da nichts ist\u201c, so Mertens.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Stadtrat-Sven_Morlok-Freie_Fraktion-FDP-00005946.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-622424 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Stadtrat-Sven_Morlok-Freie_Fraktion-FDP-00005946.jpg\" alt=\"Herr Sven Morlok (Freie Fraktion\/FDP) im Leipziger Stadtrat am 16.04.25. Foto: Jan Kaefer\" width=\"5472\" height=\"3648\"  \/><\/a>Sven Morlok (Freie Fraktion\/FDP) im Leipziger Stadtrat am 16.04.25. Foto: Jan Kaefer<\/p>\n<p>Weshalb es dann in Folge <a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2024831&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">des CDU-Antrags<\/a>, die leeren Transparente mit Losungen aus dem Herbst 1989 zu bespielen, auch intensive Kontakte zu den K\u00fcnstlern gab, die zwar \u2013 so OBM Burkhard Jung \u2013 zu Recht darauf beharrten, dass der Siegerentwurf so umgesetzt wird, wie er im Herbst 2024 ausgezeichnet wurde. Aber eine tempor\u00e4re Bespielung der Banner finden die K\u00fcnstler gut, weil sie genau das schaffe, was das Denkmal bezweckt: Eine Aneignung des Denkmals durch die Leipzigerinnen und Leipziger, wie CDU-Stadtr\u00e4tin Sabine Heymann betonte.<\/p>\n<p>Noch kurz vor der Ratsversammlung <a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2024910&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">formulierte die Gr\u00fcnen-Fraktion einen \u00c4nderungsantrag zum CDU-Antrag<\/a>, der doch erheblich in die Kunstfreiheit eingriff und auch das Wort \u201etempor\u00e4r\u201c nicht enthielt. Und das, was das K\u00fcnstlerkollektiv eigentlich bezweckte \u2013 den \u201eInterpretationsspielraum\u201c \u2013 eher negativ interpretierte. Obwohl das \u2013 so OBM Jung \u2013 geradezu die St\u00e4rke des Entwurfs w\u00e4re.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Stadtrat-Pia_Heine-SPD-00005896.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-622419 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Stadtrat-Pia_Heine-SPD-00005896.jpg\" alt=\"Frau Pia Heine (SPD) im Leipziger Stadtrat am 16.04.25. Foto: Jan Kaefer\" width=\"5472\" height=\"3648\"  \/><\/a>Pia Heine (SPD) im Leipziger Stadtrat am 16.04.25. Foto: Jan Kaefer<\/p>\n<p>Die CDU-Fraktion \u00fcbernahm dann auch lieber den Gr\u00fcnen-\u00c4nderungsantrag, der die Worte \u201etempor\u00e4r und reversibel\u201c enthielt und auch darauf aufmerksam machte, dass die Bespielung der Elemente nicht dem OBM oder dem Stadtrat zur Entscheidung verbleiben d\u00fcrfe. Was auch FDP-Stadtrat Sven Morlok betonte. Parteipolitik habe auf den Kunstelementen nichts zu suchen. Die Gr\u00fcnen schlugen stattdessen vor: \u201eDie notwendigen technischen Voraussetzungen f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige tempor\u00e4re Interventionen und Installationen auf 30 % der wei\u00dfen Fl\u00e4chen werden geplant und mit dem Bau des Denkmals geschaffen.<\/p>\n<p>Die Stadt wird beauftragt, zusammen mit der K\u00fcnstler*innengruppe um den Siegerentwurf, dem Kuratorium Friedliche Revolution und der Initiative \u2018Tag der Friedlichen Revolution \u2013 Leipzig 9. Oktober 1989\u2019 bis zur Einweihung des Denkmals dem Stadtrat eine Rahmenkonzeption f\u00fcr eine breite Beteiligung der Leipziger*innen und ihrer G\u00e4ste f\u00fcr m\u00f6gliche Interventionen im Geiste der Grundwerte der Friedlichen Revolution vorzulegen.\u201c<\/p>\n<p>OBM Burkhard Jung \u00fcbernahm diesen Antrag mit in<a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2020150&amp;refresh=false&amp;TOLFDNR=2161097\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> die Vorlage der Stadt<\/a>. Und auch wenn AfD- und BSW-Fraktion schon klargemacht hatten, dass sie gegen die Vorlage stimmen w\u00fcrden, und sich auch die meisten Linke-Stadtr\u00e4te nicht entschlie\u00dfen konnten, daf\u00fcr zu stimmen, bekam die Vorlage dennoch eine deutliche Mehrheit von 42:27 Stimmen. Die Planungen f\u00fcr das Denkmal k\u00f6nnen also beginnen und am 9. Oktober 2025 kann der Grundstein gelegt werden.<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor der Stadtratsabstimmung zum Planungsbeschluss f\u00fcr das Freiheits- und Einheitsdenkmal auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz ging es noch einmal hoch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":44269,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,29,15087,30,71,859,1108,5329],"class_list":{"0":"post-44268","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-freiheits-und-einheitsdenkmal","11":"tag-germany","12":"tag-leipzig","13":"tag-sachsen","14":"tag-stadtrat","15":"tag-video"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114364502780752118","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44268","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=44268"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/44268\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/44269"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=44268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=44268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=44268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}