{"id":442889,"date":"2025-09-22T18:19:36","date_gmt":"2025-09-22T18:19:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/442889\/"},"modified":"2025-09-22T18:19:36","modified_gmt":"2025-09-22T18:19:36","slug":"marschlande-am-thalia-ein-theaterabend-ohne-sogwirkung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/442889\/","title":{"rendered":"&#8222;Marschlande&#8220; am Thalia: Ein Theaterabend ohne Sogwirkung"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/marschlande-102.webp\" alt=\"Eine Schwarze Frau steht im schwarzen Glitzeranzug und wei\u00dfem Federmantel auf einer B\u00fchne.\" title=\"Eine Schwarze Frau steht im schwarzen Glitzeranzug und wei\u00dfem Federmantel auf einer B\u00fchne. | Kerstin Schomburg\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>\n            Stand: 22.09.2025 16:26 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Nach &#8222;Was ihr wollt&#8220; von Shakespeare am Freitag folgte mit &#8222;Marschlande&#8220; am Sonntag das zweite St\u00fcck unter der neuen Intendanz von Sonja Anders am Thalia Theater. Gelungen ist die Inszenierung nicht so recht.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/hamburg\/wir_ueber_uns\/peter-helling,peterhelling112.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Peter Helling<\/a><\/p>\n<p class=\"\">Es beginnt alles ganz kuschelig und idyllisch. &#8222;Diese Felder, diese Weite&#8220;, schw\u00e4rmt Britta. &#8222;Herzlich willkommen in den Vier- und Marschlanden, dem Gem\u00fcsegarten Hamburgs!&#8220;, schallt es ihr entgegen. Britta, gespielt von Cath\u00e9rine Seifert, zieht mit Mann und Tochter aus der Stadt in ein H\u00e4uschen in den Vier- und Marschlanden. &#8222;Es ist sch\u00f6n!!&#8220;, rufen sie gemeinsam aus. Doch der Schein tr\u00fcgt.<\/p>\n<p>    Frauenschicksale auf zwei Zeitebenen<\/p>\n<p class=\"\">F\u00fcr Brittas \u00fcberarbeiteten Ehemann ist es ein erf\u00fcllter Traum, f\u00fcr sie bedeutet der Umzug Einsamkeit. Dann st\u00f6\u00dft sie auf einen Namen, der sie neugierig macht, den der Abelke Bleken. &#8222;Abelke, eine alleinstehende B\u00e4uerin, wusstest du das? Das war zu dieser Zeit echt selten&#8220;, sagt Britta. Die historische Figur hat hier vor 450 Jahren als Gro\u00dfb\u00e4uerin gelebt. Und damit betritt die zweite Hauptfigur die B\u00fchne in Gestalt von Nellie Fischer-Benson, in historisch anmutenden Gew\u00e4ndern.<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/marschlande-104.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/marschlande-104.webp\" alt=\"Zwei Frauen in historischen Kost\u00fcmen laufen Hand in Hand \u00fcber eine B\u00fchne.\" title=\"Abelke (l., Nellie Fischer Benson) und Leneke (Maike Knirsch) sind die Figuren aus der zweiten Zeitebene. | Kerstin Schomburg\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Abelke (l., Nellie Fischer Benson) und Leneke (Maike Knirsch) sind die Figuren aus der zweiten Zeitebene.<\/p>\n<p class=\"\">Zwei Zeitebenen laufen von jetzt an parallel. Die Vier- und Marschlande werden zum Schauplatz f\u00fcr eine dramatische Geschichte &#8211; zumindest wird das behauptet. 1570 tobt hier an der Elbe die Allerheiligen-Flut. Zuckendes Licht, die Deiche brechen, \u00fcber eine durchsichtige Stoffbahn flackern Schwarzwei\u00dfbilder. Als Abelke versucht, trotzdem ein selbstbestimmtes Leben zu f\u00fchren, wird sie als Hexe angeklagt, nur weil sie eine Frau ist und weil sie nach dem Sturm offenbar kl\u00fcger wirtschaftet als ihre m\u00e4nnlichen Nachbarn. Das weckt Neid.<\/p>\n<p class=\"\">Britta ist 2025 in ihrer Ehe einklemmt mit einem Mann, der recht traditionell von ihr verlangt, sie m\u00f6ge doch den Haushalt machen. &#8222;Aber ich wollte nie ein Haus, das wir uns gar nicht leisten k\u00f6nnen&#8220;, sagt Britta aufgebracht. Ihr Mann schreit zur\u00fcck: &#8222;Wir k\u00f6nnen es uns leisten. Ich verdiene genug!!&#8220; Zusammengehalten werden die beiden Zeitebenen durch eine Frauenfigur, die h\u00f6chst symboltr\u00e4chtig als &#8222;das Land&#8220; (gespielt von Florence Adjidome) in glitzerndem Hosenanzug \u00fcber die B\u00fchne schreitet und geheimnisvoll gurrt und spricht: &#8222;Bin See, bin uralt &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/marschlande-106.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/marschlande-106.webp\" alt=\"Florence Adjidome als Das Land und Cath\u00e9rine Seifert als Britta Stoever sitzen auf der B\u00fchne\" title=\"Das Land (Florence Adjidome) h\u00e4lt die Zeitebenen zusammen - hier sucht sie Halt bei Britta (Cath\u00e9rine Seifert) | Kerstin Schomburg\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Das Land (Florence Adjidome) h\u00e4lt die Zeitebenen zusammen &#8211; hier sucht sie Halt bei Britta (Cath\u00e9rine Seifert)<\/p>\n<p>    Unangenehme didaktische Note<\/p>\n<p class=\"\">Nur leider gibt das dem Abend auch nicht mehr Tiefgang. Beide Zeitebenen verbinden sich nicht. Regisseurin Jorinde Dr\u00f6se zeichnet holzschnittartige Charaktere aus der gleichnamigen Romanvorlage von Jarka Kubsova. Fr\u00fch versteht man, dass es um die Unterdr\u00fcckung der Frau geht, damals wie heute: damals der Scheiterhaufen, heute der Herd im Einfamilienhaus? Doch damit bekommt der Theaterabend eine unangenehm didaktische Note. Vereinfacht wird gesagt: Frauen sind Opfer, M\u00e4nner sind T\u00e4ter. H\u00e4mische und v\u00f6llig \u00fcberzeichnete Figuren.<\/p>\n<p class=\"\">Leider entsteht aus der Suche Brittas nach Abelkes Schicksal kein Sog, keine Spannung. Die Eheprobleme von Britta haben die Doppelb\u00f6digkeit einer Vorabendserie. Und als Tochter Mascha auch noch in der Schule gemobbt wird, schl\u00e4gt die Inszenierung schnell den Bogen zur Hexenverfolgung von 1570.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/screenshot-45960.webp\" alt=\"Sonja Anders vor Open-Air-B\u00fchne am Thalia Theater in Hamburg.\" title=\"Sonja Anders vor Open-Air-B\u00fchne am Thalia Theater in Hamburg. | Screenshot\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Eine Woche Programm, drau\u00dfen und bei freiem Eintritt: So startet die neue Intendantin in ihre erste Spielzeit. <\/p>\n<p>    Gemischte Publikumsreaktionen<\/p>\n<p class=\"\">Die Reaktionen im Publikum sind gemischt. &#8222;Der Text hatte ja die Tiefe, aber das Spiel, die Dialoge, die Lautst\u00e4rke haben ihm die Tiefe etwas genommen&#8220;, sagt ein Frau. Eine andere Besucherin meint: &#8222;Es ist ja auch ein schweres Thema, man geht nicht raus und sagt: Hu! Wir fanden aber, das war sehr komprimiert und das Wichtigste gut zusammengefasst, auf die heutige Zeit \u00fcbertragen.&#8220; Und ein Paar ist geradezu euphorisch: &#8222;Wir waren begeistert von der Regie, von den Darstellern, auch von dem sch\u00f6nen B\u00fchnenbild.&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">An einer Stelle flimmern Bilder verfolgter Frauen \u00fcber die B\u00fchne, als wolle das St\u00fcck sagen: Die Hexenverfolgung h\u00f6rt nicht auf. Das sind ohne Frage Schicksale, die erz\u00e4hlt werden sollen, ja m\u00fcssen. Aber hier wird daraus Lehr- und Zeigetheater, ohne Geheimnis, ohne Abgr\u00fcnde. Dieser zweite Theaterabend zum Auftakt der neuen Intendanz im Thalia Theater ist leider im Schlick versandet.<\/p>\n<p class=\"\"><a href=\"https:\/\/www.thalia-theater.de\/de\/stuecke\/marschlande\/175\" title=\"Link zur Thalia-Seite zu &quot;Marschlande&quot;\" class=\"js-link-dialog\" data-type=\"external\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marschlande ist bis zum 28. Dezember am Thalia Theater in Hamburg zu sehen.<\/a><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/wasihrwollt-100.webp\" alt=\"Frau legt ihren Kopf auf einen riesigen Pfirsich\" title=\"Frau legt ihren Kopf auf einen riesigen Pfirsich | Katrin Ribbe\/Thalia Theater\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Die Inszenierung ist gut und zeitgem\u00e4\u00df. Dennoch, der gut zweieinhalbst\u00fcndige Abend findet schwer zu einem Rhythmus.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/sonjaanders148.webp\" alt=\"Eine Frau mit Brille, kurzen Haaren und dunkler Jacke schaut freundlich\" title=\"Eine Frau mit Brille, kurzen Haaren und dunkler Jacke schaut freundlich | NDR Screenshot\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Die 60-J\u00e4hrige ist die neue Chefin am Thalia Theater Hamburg. Begegnungen liegen ihr am Herzen &#8211; und feministische Themen. Ein Portr\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 22.09.2025 16:26 Uhr Nach &#8222;Was ihr wollt&#8220; von Shakespeare am Freitag folgte mit &#8222;Marschlande&#8220; am Sonntag das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":442890,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[29,30,692,94],"class_list":{"0":"post-442889","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-hamburg","11":"tag-theater"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115249334112207434","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/442889","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=442889"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/442889\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/442890"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=442889"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=442889"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=442889"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}