{"id":444762,"date":"2025-09-23T12:26:20","date_gmt":"2025-09-23T12:26:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/444762\/"},"modified":"2025-09-23T12:26:20","modified_gmt":"2025-09-23T12:26:20","slug":"teamtheater-zeigt-heinrich-manns-der-untertan-und-liefert-wenig-denkanstoesse-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/444762\/","title":{"rendered":"Teamtheater zeigt Heinrich Manns \u201eDer Untertan\u201c \u2013 und liefert wenig Denkanst\u00f6\u00dfe &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Der Rausch der Macht. Die Begeisterung am Kollektiv. Die Lust eine feste Ordnung zu haben, die jedem einen Platz zuweist. Wo klar ist, vor wem gebuckelt und auf wen getreten wird.\u00a0Das sind die Grundmotive in Heinrich Manns Roman \u201eDer Untertan\u201c. Einen Monat vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs beendet, seziert das Buch die Psyche der deutschen Mittel- und Oberschicht. Der Roman ist ein Sittengem\u00e4lde des Kaiserreichs und zeigte schon damals die Lust am Herrschen und Beherrschtwerden, die Deutschland in zwei Weltkriege treiben sollte. 111 Jahre nach seiner Ver\u00f6ffentlichung trifft der Roman zwischen Demokratie-D\u00e4mmerung und Rechtsruck wieder den Zeitgeist.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Kein Wunder also, dass der Roman f\u00fcr die B\u00fchne adaptiert wird: In <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> hat ihn Regisseur Georg B\u00fcttel f\u00fcr das Teamtheater inszeniert.\u00a0 B\u00fcttel erz\u00e4hlt die Geschichte von Diederich He\u00dfling (Johannes Sch\u00f6n) mit nur drei Schauspielern, in einem minimalistischen B\u00fchnenbild (Thomas Bruner) zwischen hockergro\u00dfen Papierrollen, einem kleinen Tisch und einigen Fotow\u00e4nden mit Schwarz-Wei\u00df-Aufnahmen. Im Mittelpunkt zun\u00e4chst: der Aufstieg Diederichs, des Sohnes eines Papierfabrikanten aus der Provinz, der schon in der Schule seine Klassenkameraden verpfeift und j\u00fcdische Mitsch\u00fcler drangsaliert. Die Auff\u00fchrung bleibt dabei nahe an Manns Vorlage und startet mit einem gem\u00e4chlichen Erz\u00e4hltempo.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Das \u00e4ndert sich, als Diederich nach Berlin zieht. Er studiert Chemie, tritt einer schlagenden Verbindung bei und verliebt sich in die junge Agnes. Und hier \u00e4ndert sich das St\u00fcck.\u00a0Die Schauspieler drehen auf, und das St\u00fcck wird wirklich lustig. Verantwortlich daf\u00fcr sind neben dem \u00fcberzeugenden Johannes Sch\u00f6n als Diederich auch seine beiden Kollegen Jan Walter und Franziska Maria P\u00f6\u00dfl. Die beiden wechseln flie\u00dfend von einer Nebenrolle zur n\u00e4chsten, sind mal Hauptmann, mal Geliebte und dann Blumentopf. Sie transportieren dabei eine Freude und Leichtigkeit am Spiel, die auch das Publikum ansteckt und den Saal mit Leben f\u00fcllt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/4c0a9142-f86d-4162-b2f2-fa521c004e71.jpg\"   alt=\"Jan Walter (Foto) und Franziska Maria P\u00f6\u00dfl schl\u00fcpfen von einer Nebenrolle in die n\u00e4chste \u2013\u00a0und werden dabei auch mal zum Blumentopf.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Jan Walter (Foto) und Franziska Maria P\u00f6\u00dfl schl\u00fcpfen von einer Nebenrolle in die n\u00e4chste \u2013\u00a0und werden dabei auch mal zum Blumentopf. (Foto: Robert Haas)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Das Erz\u00e4hltempo zieht \u00fcber den Abend immer weiter an, die Vorstellung wird bunter, greller, lustiger \u2013 nur leider \u00fcberhitzt sie im letzten Drittel. Diederich ist jetzt ein gemachter Mann, mit Doktortitel und Schmiss im Gesicht und besoffen von Kaiser und Nation. Zur\u00fcck in seiner Heimatstadt windet er sich weiter mit Lug, Trug und \u00dcberheblichkeit nach oben. Nur geht das auf der B\u00fchne ein wenig unter: Im Ged\u00e4chtnis bleibt mehr, wie die drei Schauspieler Diederichs Abort-Papier \u201eWeltmacht\u201c vorstellen, w\u00e4hrend sie mit patriotischen Plakaten auf den Papierrollen hocken und Furzger\u00e4usche machen, als der Dialog der letzten verzweifelten Demokraten vor Ort. Die politische Dimension von Manns Charakterstudie schafft es so leider nicht bis zu den Zuschauern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Was bleibt, ist ein netter Theaterabend: Die Schauspieler lassen ihr Herz auf der B\u00fchne, das Publikum wird unterhalten; man lacht \u00fcber den autorit\u00e4ren Charakter Diederichs. Nur Denkanst\u00f6\u00dfe liefert das St\u00fcck wenig. Daf\u00fcr sind seine wichtigsten Stellen von zu viel grellem Humor umstellt. Der Zeitgeist hat den Untertanen wieder aktuell gemacht \u2013 seine wichtigste Botschaft transportiert die Inszenierung aber nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Rausch der Macht. Die Begeisterung am Kollektiv. 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