{"id":444846,"date":"2025-09-23T13:11:11","date_gmt":"2025-09-23T13:11:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/444846\/"},"modified":"2025-09-23T13:11:11","modified_gmt":"2025-09-23T13:11:11","slug":"deutsche-sicherheitspolitik-die-russen-verstehen-uns-viel-besser-als-wir-sie-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/444846\/","title":{"rendered":"Deutsche Sicherheitspolitik: &#8222;Die Russen verstehen uns viel besser als wir sie&#8220; &#8211; Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Florence Gaub hat gleich zu Beginn drei Botschaften. Erstens h\u00e4tten die Deutschen schon immer Angst gehabt: \u201eEs hat sich nur ge\u00e4ndert, wovor wir uns f\u00fcrchten.\u201c Zweitens sei die aktuelle Weltlage zwar schlimm, aber der Eindruck falsch, \u201edass es gerade so schlimm sei wie nie zuvor\u201c. Und drittens habe es jede Gesellschaft in der Hand, selbst etwas zu tun und sich auf Bedrohungen vorzubereiten. Dieses Gef\u00fchl der Eigenwirksamkeit k\u00f6nne sogar gl\u00fccklich machen, sagt die Leiterin des Forschungszentrums des Defense College der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Nato\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nato<\/a> in Rom und verweist auf Finnland. Die 1977 geborene Gaub steht Montagabend bei den <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Munich_Economic_Debates\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Munich Economic Debates<\/a> von Ifo-Institut und S\u00fcddeutscher Zeitung auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Der Titel ihres Vortrags \u201eZukunft ist mehr als das neue Gestern \u2013 Neue Rahmenbedingungen f\u00fcr die deutsche <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Sicherheitspolitik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sicherheitspolitik<\/a>\u201c deutet an, dass sich die Milit\u00e4rexpertin weniger f\u00fcr Waffensysteme oder den Umbau der Bundeswehr interessiert, sondern f\u00fcr die gro\u00dfen Zusammenh\u00e4nge. Bei der Nato arbeitet die Deutsch-Franz\u00f6sin als Forscherin stets mit einem \u201eKorridor, in dem Zukunft stattfinde\u201c. Viele Rahmenbedingungen seien bekannt und lassen sich auch Deutschlands Sicherheitspolitik im vierten Jahr des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine skizzieren.<\/p>\n<p>Schon vor Trump sagten die US-Amerikaner den Europ\u00e4ern, dass ihr Fokus k\u00fcnftig China sei<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Gaub nennt vier sichere Annahmen. Es sei nicht Donald Trump, der die Europ\u00e4er pl\u00f6tzlich im Stich lasse: Die USA h\u00e4tten schon 2010 ihren milit\u00e4rischen Fokus in Richtung Asien und China verschoben. Dass die europ\u00e4ischen Nato-Mitglieder lange das 2014 eingegangene Versprechen, zwei Prozent der Wirtschaftsleistung in ihre Armeen zu stecken, ignoriert h\u00e4tten, sei nicht die Schuld Trumps: \u201eWir waren schlechte B\u00fcndnispartner.\u201c An der Grundbotschaft der USA an die Europ\u00e4er, dass <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Russland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Russland<\/a> \u201evor allem euer Problem ist\u201c, werde sich nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Eindeutig sei auch der Weg Chinas hin zu einer milit\u00e4rischen Weltmacht. Dies sei Pekings Ambition, daf\u00fcr baue man mehrere Flugzeugtr\u00e4ger und investiere in Satelliten und Raketen. Unstrittig ist f\u00fcr Gaub auch, dass Russland weiter aufr\u00fcsten werde. Es gebe langfristige Pl\u00e4ne bis 2050, die Armee trainiere den Einsatz von Soldaten au\u00dferhalb Russlands, und in der Produktion von Drohnen, Raketen und Marschflugk\u00f6rpern sei das Land enorm gut.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Und Europa? Die Armeen seien eher schlecht ausger\u00fcstet, die Luftabwehr sei auf Angriffe mit Drohnen wenig vorbereitet, und auch f\u00fcr m\u00f6gliche Konflikte in der Arktis, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/politik\/arktis-groenland-usa-china-russland-e181454\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wo die Interessen von Nato-Staaten mit jenen Russlands kollidieren<\/a>, gebe es noch keine gute Strategie.<\/p>\n<p>Deutschland brauche Geduld f\u00fcr die Zeitenwende-Reformen der Bundeswehr<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">F\u00fcr die k\u00fcnftige Sicherheitsstrategie Deutschlands m\u00fcsse man auch beachten, was man noch nicht wisse. Auch hier nennt Gaub vier Punkte. Gelingt es <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Deutschland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschland<\/a>, die Zeitenwende umzusetzen? Die Expertin fordert Geduld: Zehn Jahre sei in einer Armee extrem schnell f\u00fcr eine Reform. Offen sei zudem, welche Intention Russland verfolge. Sie sei sich nicht sicher, ob <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Wladimir_Putin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wladimir Putin<\/a> die Nato zerst\u00f6ren wolle, aber klar sei: \u201eRussland m\u00f6chte Weltmacht sein.\u201c Entscheidend f\u00fcr die weitere Entwicklung sei auch, wie lange Russland in der Ukraine gebunden bleibe, denn erst dann k\u00f6nne sich der Kreml anderen Zielen widmen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Zuletzt \u00e4u\u00dfert sich Gaub skeptisch \u00fcber konkrete Jahreszahlen wie 2029 oder 2030 als den Zeitpunkt, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/meinung\/nato-russland-griffin-lightning-verteidigung-kommentar-li.3290886\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">an dem Russland die Nato angreifen k\u00f6nnte<\/a>. \u201eDies soll die Dringlichkeit klarmachen, aber es macht den Leuten auch Angst\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Dies k\u00f6nne aber kontraproduktiv sein, denn es sei wichtig, dass sich die Bev\u00f6lkerung mit diesen Themen auseinandersetze: \u201eWegducken ist falsch.\u201c Gaub wirbt daf\u00fcr, in Russland-Expertise zu investieren: \u201eDie Russen verstehen uns besser als wir sie.\u201c Die j\u00fcngsten Provokationen wie <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/nato-russland-estland-luftraum-trump-li.3315263\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Verletzungen des estnischen Luftraums durch russische Jets<\/a> spielten mit den \u00c4ngsten der Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>In Teilen der deutschen Gesellschaft ist ein Umdenken n\u00f6tig<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Damit die deutsche Gesellschaft wehrf\u00e4higer und gelassener werde, muss f\u00fcr Gaub noch eine Frage beantwortet werden: \u201eWas wollen wir mit dem Frieden anfangen, was f\u00fcr ein Deutschland wollen wir 2050 haben?\u201c Dar\u00fcber sprechen die Politiker viel zu wenig, dabei w\u00fcrde eine positive Vision helfen, dass sich B\u00fcrger engagieren und junge Leute f\u00fcr den Wehrdienst melden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Mit der neuen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Bundesregierung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundesregierung<\/a> ist Gaub insofern zufrieden, als die deutsche Strategie nun klarer umrissen sei. Dies sei auch wichtig f\u00fcr die Nato: \u201eWir selbst vergessen oft die eigene Vorbildfunktion. Wenn Deutschland nichts tut, dann verstecken sich Italien oder Belgien hinter uns.\u201c Dass es weiter n\u00f6tig sein werde, Russland durch ein starkes Milit\u00e4r abzuschrecken, davon ist Gaub \u00fcberzeugt. Moskau sei an Dialog leider nicht interessiert. Teile der deutschen Gesellschaft m\u00fcssen sich also anpassen: \u201eDie Tatsache, dass die Mauer 1989 gefallen ist, ohne dass eine einzige Kugel abgefeuert wurde, das hat sich bei uns in der strategischen DNA festgesetzt.\u201c Dieses Denken, das macht Gaubs Analyse klar, muss sich \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Florence Gaub hat gleich zu Beginn drei Botschaften. 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