{"id":445104,"date":"2025-09-23T15:35:15","date_gmt":"2025-09-23T15:35:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/445104\/"},"modified":"2025-09-23T15:35:15","modified_gmt":"2025-09-23T15:35:15","slug":"deutschland-schlingert-weiter-die-wirtschaft-verliert-die-geduld-mit-friedrich-merz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/445104\/","title":{"rendered":"Deutschland schlingert weiter: Die Wirtschaft verliert die Geduld mit Friedrich Merz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wer dieser Tage auf die deutsche Wirtschaft blickt, sieht kein Land im Aufbruch. Kanzler Merz ist so unbeliebt wie nie. Seine Rhetorik stimmt. Aber den Worten m\u00fcssen Taten folgen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Hoffnung stirbt zuletzt &#8211; mit diesem Mantra hielten sich Unternehmer und Top-Manager in Deutschland monatelang halbwegs bei Laune. Doch was einst nach Zuversicht klang, ist inzwischen eine leere Phrase. Ern\u00fcchterung macht sich breit.<\/p>\n<p>R\u00fcckschau. Davos, im Januar. Donald Trump, gerade zum zweiten Mal als US-Pr\u00e4sident vereidigt, sorgte in seiner Video-Schalte zum Weltwirtschaftsforum mit seiner aggressiven &#8222;America first&#8220;-Rede f\u00fcr Aufsehen. F\u00fcr die auf Exportgesch\u00e4fte getrimmten deutschen Top-Manager war das ein erster Schock-Moment.<\/p>\n<p> M\u00fcnchen, im Februar. Trump-Vize JD Vance verst\u00e4rkte durch seine Abrechnung mit Europa auf der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz das Misstrauen &#8211; auch bei Wirtschaftsf\u00fchrern. Sp\u00e4testens da war klar: Florierende Exporte in Richtung USA k\u00f6nnen die miesen Rahmenbedingungen in Deutschland nicht mehr ausgleichen. <\/p>\n<p>Berlin, im Mai. Friedrich Merz wurde vom Bundestag zum Kanzler gew\u00e4hlt. Die Wahl hatte die Union schon knapp drei Monate vorher gewonnen. Die Stimmung in den Top-Etagen hellte sich sp\u00fcrbar auf. Hoffnung machte sich breit. Der neue Kanzler verstehe die Wirtschaftsf\u00fchrer. Jetzt werde das endlich etwas mit dem Aufschwung.<\/p>\n<p>Berlin, im Juli. Ein weiteres Mal wurde die Zuversicht befeuert. Die Spitzen der deutschen Wirtschaft feierten sich, \u00f6ffentlichkeitswirksam verpackt als Investitionsgipfel &#8222;Made for Germany&#8220; im Kanzleramt &#8211; inklusive Gruppenfoto auf einer Showtreppe. Das Versprechen der 61 vertretenden Firmen: 631 Milliarden Euro bis zum Jahr 2028 in Deutschland zu investieren.<\/p>\n<p>Miserable Werte f\u00fcr Merz <\/p>\n<p>Und jetzt? Entt\u00e4uschung. Bis zuletzt hielten sich die Bosse zur\u00fcck mit Kritik. Es brauche einfach noch Zeit. Bis zum Jahresende &#8211; so sagten mehrere Manager, die bei dem Kanzler-Gipfel waren &#8211; wolle man stillhalten. Wenn bis dahin nichts passiere, k\u00f6nne man immer noch Druck machen.<\/p>\n<p>Von wegen! Am Montag gab es einen weiteren Gipfel in der Schaltzentrale des Kanzlers. Ohne Gruppenfoto. Diskreter &#8211; und ernster. Die Pr\u00e4sidenten Deutschlands f\u00fchrender Wirtschaftsverb\u00e4nde BDI, BDA, DIHK und ZDH schauten vorbei. Und forderten mehr Tempo beim B\u00fcrokratieabbau, bei Sozial- und Krankenkassenreformen und mehr Gegenwind bei \u00fcberzogenen Auflagen aus Br\u00fcssel. Die Heftigkeit der Kritik hat selbst die Spitzenpolitik \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Wirtschaft verliert die Geduld &#8211; auch die Bev\u00f6lkerung. Merz ist dem aktuellen &#8222;Trendbarometer&#8220; zufolge so unbeliebt wie nie, 70 Prozent der Menschen sind unzufrieden mit ihm. Gleichzeitig zieht die AfD mit einem Allzeit-Hoch von 27 Prozent klar an der Union vorbei. <\/p>\n<p>Die Angst w\u00e4chst: 64 Prozent der B\u00fcrger f\u00fcrchten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, ebenfalls ein Negativrekord seit Zeiten der Ampel. Und 74 Prozent glauben nicht daran, dass die Regierung den Sozialstaat reformieren kann. Das Fundament f\u00fcr Vertrauen br\u00f6ckelt.<\/p>\n<p>Die Antwort der Regierung: Man m\u00f6ge Geduld haben. Das Versprechen: &#8222;Volldampf&#8220;. Doch &#8222;Volldampf&#8220; bleibt ein Schlagwort, solange Strukturen blockieren, Entscheidungswege Jahre dauern &#8211; und solange die Politik glaubt, dass neue Personalien den fehlenden Fortschritt kaschieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kampf mit der B\u00fcrokratie <\/p>\n<p>Statt wirklicher Reformen setzt sie aktuell auf Schaufenster-Personalien. Der fr\u00fchere Commerzbank-Chef und UBS-Vorstand Martin Blessing soll als &#8222;Chief Investment Officer&#8220; mehr Investitionen nach Deutschland locken. Und bei der Bahn wird mit Evelyn Palla eine neue Chefin pr\u00e4sentiert. Als ob ein Ex-Banker mehr Vertrauen schaffen k\u00f6nnte als solide wirtschaftliche Rahmendaten, verl\u00e4ssliche Energiepreise und schnelle Genehmigungen. Und als ob ein Chefwechsel bei der Bahn \u00fcber Nacht einen Sanierungsfall kurieren k\u00f6nne eines Unternehmens, das jahrzehntelang vernachl\u00e4ssigt wurde &#8211; auch von der Politik.<\/p>\n<p>Weder ein &#8222;Investment-Botschafter&#8220; noch eine neue Bahnchefin ersetzen fehlende Standortstrategie. Wer Probleme mit K\u00f6pfen statt Konzepten l\u00f6sen will, verwechselt F\u00fchrung mit Show. Wenig Strukturreformen, viel Aktionismus &#8211; so wirkt das. Eine Beruhigungspille f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit &#8211; aber kein Heilmittel f\u00fcr die Krankheiten des Standorts D.<\/p>\n<p>Die Liste der Aufgaben ist lang. Die Bundesregierung will die B\u00fcrokratiekosten der Wirtschaft um 16 Milliarden Euro senken und bis 2030 80 Prozent der Verwaltungsleistungen digitalisieren. Der aktuelle Stand lag zuletzt laut eines Berichts der Bundesregierung bei 16 Prozent.<\/p>\n<p> Das mutet nicht an wie ein Modernisierungspfad. Eher wie ein R\u00fcckstand, der t\u00e4glich sp\u00fcrbar ist. Unternehmen, die l\u00e4ngst KI und Automatisierung einsetzen k\u00f6nnten, k\u00e4mpfen weiter mit Formularbergen. Mittelst\u00e4ndler verwenden, so sagt es eine aktuelle KfW-Studie, im Schnitt sieben Prozent ihrer Arbeitszeit, rund 32 Stunden im Monat, ausschlie\u00dflich f\u00fcr B\u00fcrokratie. Das summiert sich auf 1,5 Milliarden Stunden pro Jahr &#8211; und Kosten von 61 Milliarden Euro. Der L\u00f6wenanteil entf\u00e4llt auf steuerliche Pflichten, Dokumentationen und Rechnungswesen. Prozesse, die anderswo l\u00e4ngst digitalisiert sind, fressen hierzulande Produktivit\u00e4t und Innovationskraft.<\/p>\n<p>Deutschland steht an einem Scheideweg. Kapital, Know-how und Chancen sind da &#8211; aber all das wird erdr\u00fcckt von Papierbergen, Genehmigungsh\u00fcrden und politischen Verz\u00f6gerungen. Die Bitte um Geduld ersetzt keine Strategie. Sie ist die Vorstufe zur Resignation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer dieser Tage auf die deutsche Wirtschaft blickt, sieht kein Land im Aufbruch. 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