{"id":445983,"date":"2025-09-23T23:46:13","date_gmt":"2025-09-23T23:46:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/445983\/"},"modified":"2025-09-23T23:46:13","modified_gmt":"2025-09-23T23:46:13","slug":"comeback-der-diva-mariah-carey-muss-sich-nicht-bewegen-weil-die-welt-sich-um-sie-dreht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/445983\/","title":{"rendered":"Comeback der Diva: Mariah Carey muss sich nicht bewegen, weil die Welt sich um sie dreht"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Was war denn da schon wieder los? Einen Tag, nachdem Mariah Carey in New York bei den MTV VMAs den Vanguard Award f\u00fcr ihren Beitrag zur Musikvideokunst erhalten hatte, fragten Nachrichtenseiten am Dienstag, ob man sich wieder Sorgen um sie machen m\u00fcsse. Als Anlass wurde zum einen ihr rund sechsmin\u00fctiger Auftritt genannt, bei dem sie eine Reihe ihrer gr\u00f6\u00dften Hits zum Besten gab, w\u00e4hrend sie sich kaum von der Stelle r\u00fchrte, und zum anderen eine After-Show-Party, wo sie mit Busta Rhymes den Hit \u201eI Know What You Want\u201c sang \u2013 beziehungsweise es zumindest versuchte.<\/p>\n<p>Leider konnte sie sich nicht an den Text erinnern und traf auch selten den Ton. Aber man muss das verstehen: Sie befand sich auf einer Musikindustrieparty, niemand \u00fcbersteht so etwas n\u00fcchtern. Und was ihre statische Darbietung bei den VMAs angeht: Carey ist 56 Jahre alt und bewegt sich eben nicht mehr wie mit 20. Zumal sie sich auch schon mit 20 nicht wirklich bewegt hat \u2013 das hat sie eigentlich nie getan. Als wahre Diva \u2013 und wir verwenden den Begriff nicht leichtfertig \u2013 hat sie das auch gar nicht n\u00f6tig: Die Welt dreht sich ja um sie.<\/p>\n<p>Nach sieben Jahren Pause ver\u00f6ffentlicht sie nun ihr Album \u201eHere For It All\u201c, obwohl \u2013 wenn man es genau nimmt \u2013 es gar kein Comeback ist. Sie war ja nie weg. Jedes Jahr ist sie p\u00fcnktlich zu Weihnachten mit \u201eAll I Want For Christmas\u201c pr\u00e4sent, und au\u00dferdem gab es vor f\u00fcnf Jahren noch ihre Autobiografie \u201eThe Meaning of Mariah Carey\u201c. Ein spektakul\u00e4rer Erfolg: auf Platz eins der Bestsellerliste der \u201eNew York Times\u201c und mit allen Zutaten angereichert, die das amerikanische Herz begehrt. Eine Aufstiegsgeschichte aus gro\u00dfer Armut zu einer der reichsten Musikerinnen der Gegenwart, Rassismuserfahrungen \u2013 wei\u00dfe Mutter, schwarzer Vater \u2013, das krause Haar, das f\u00fcr den Welterfolg glatt gek\u00e4mmt werden sollte, eine dramatische Ehe mit dem 21 Jahre \u00e4lteren Plattenfirmenmogul Tommy Mottola, die Befreiung aus dem goldenen K\u00e4fig, die Neuerfindung, der Nervenzusammenbruch und das tats\u00e4chliche Comeback vor 20 Jahren.<\/p>\n<p>Die verbl\u00fcffte Leserschaft erf\u00e4hrt, dass all ihre Lieder \u00fcber Schmetterlinge, Regenb\u00f6gen und Armb\u00e4nder mit Anh\u00e4ngern tats\u00e4chlich biografischen Ursprungs sind \u2013 was an etlichen Beispielen detailliert dargelegt wird. Nach der Lekt\u00fcre hat man das Gef\u00fchl, dass Carey k\u00fcnstlerisch betrachtet weniger mit Whitney Houston oder C\u00e9line Dion verbunden ist als vielmehr mit Bob Dylan und Joni Mitchell.<\/p>\n<p>Grob betrachtet l\u00e4sst sich ihr bisheriges Werk in etwa drei Phasen einteilen. Die erste beginnt 1990 mit dem Deb\u00fct \u201eMariah Carey\u201c, das sie im Genre des Adult Contemporary verortet, und erstreckt sich \u00fcber \u201eEmotions\u201c (1991) und \u201eMusic Box\u201c (1993). Mit dem \u00dcbergangsalbum \u201eDaydream\u201c (1995) beginnt Phase zwei, die vom deutlichen Schwenk in Richtung Hip-Hop gepr\u00e4gt ist. Weil sie vom Adult Contemporary so nachhaltig gelangweilt ist, nimmt sie sogar nebenher mit der Band Chick das Grunge-Album \u201eSomeone\u2019s Ugly Daughter\u201c auf, f\u00fcr das sie s\u00e4mtliche Songs schreibt. Die Songs tragen Titel wie \u201eDemented\u201c, \u201eAgony\u201c und \u201eLove Is a Scam\u201c, doch die Plattenfirma untersagt die Ver\u00f6ffentlichung, weswegen das Werk mit einer Ersatzs\u00e4ngerin neu eingespielt wird \u2013 schade.<\/p>\n<p>Was den Hip-Hop angeht, ist die Plattenfirma ebenfalls nicht begeistert, aber man l\u00e4sst sie gew\u00e4hren. Die neue Phase w\u00e4hrt drei Alben lang, n\u00e4mlich von \u201eButterfly\u201c (1997) \u00fcber \u201eRainbow\u201c (1999) bis \u201eGlitter\u201c (2001), dem Soundtrack des gleichnamigen Films. Weil der Film ausgerechnet am 11. September 2001 in die Kinos kam, floppt er aus naheliegenden Gr\u00fcnden spektakul\u00e4r, und Carey erlebt einen \u00f6ffentlichkeitswirksamen Burn-out. \u201eCharmbracelet\u201c soll 2002 wieder richten, indem es an Phase eins anschlie\u00dft \u2013 was jedoch mit dem n\u00e4chsten Werk wieder verworfen wird.<\/p>\n<p>Sie l\u00e4sst Leute immer warten<\/p>\n<p>2005 erlebt Carey dann das gro\u00dfe Comeback mit \u201eThe Emancipation of Mimi\u201c, dem Beginn von Phase drei, die von Selbstfindungswerken mit minimalistischem R&amp;B sowie betont komplexen Titeln gepr\u00e4gt ist. Es folgen \u201eE=MC\u00b2\u201c (2008), \u201eMemoirs of an Imperfect Angel\u201c (2009) und \u201eMe. I Am Mariah \u2026 The Elusive Chanteuse\u201c (2014). Komplizierter konnte es anschlie\u00dfend nicht werden, weshalb mit \u201eCaution\u201c (2018) das \u00dcbergangswerk zu Phase vier erscheint, die nun mit dem neuen Album beginnt. \u201eHere For It All\u201c ist gewisserma\u00dfen die logische Folge aus 35 Jahren Karriere.<\/p>\n<p>Wir haben die Adult-Contemporary-Balladen, den angegospelten Soul, den Hip-Hop-Einfluss, den zeitgen\u00f6ssischen R&amp;B und die unverzichtbare Selbstbespiegelung im Er\u00f6ffnungsst\u00fcck. \u201eMir ist vieles egal, wenn es nicht um mich geht \/ Lass zuerst das Geld sprechen, Gespr\u00e4che sind nicht umsonst \/ Ich bin die D I V A, ja, das ist MC \/ Ich bin ein scharfer, hei\u00dfer K\u00f6rper, ja, das bin ich\u201c, singt sie in \u201eMi\u201c. Aber das ist nat\u00fcrlich nur die halbe Wahrheit, weil wir seit rund 20 Jahren wissen, dass Carey nicht nur \u201eMi\u201c ist, sondern eben \u201eMimi\u201c \u2013 und Mimi hat auch ein Talent zur Selbstironie, ein Umstand, der in der Berichterstattung \u00fcber Carey gern unterschlagen wird.<\/p>\n<p>Die aktuelle Single \u201eSugar Sweet\u201c handelt im Kern davon, dass sie immer sehr lange braucht, um sich f\u00fcr ihren Liebsten zurechtzumachen \u2013 Haare, N\u00e4gel, Make-up \u2013, sodass der Liebste irgendwann schon wieder zur T\u00fcr heraus ist, weil er keine Zeit mehr hatte. Aber Mariah, gro\u00dfz\u00fcgig, wie sie ist, bleibt dann ganz \u201ezuckers\u00fc\u00df\u201c, weil sie wei\u00df, dass der Kerl sowieso bei ihr bleibt. Tats\u00e4chlich ist Careys Zeitmanagement einigerma\u00dfen beklagenswert \u2013 der Autor musste einmal einen ganzen Tag warten, bis sie endlich zum Interviewtermin erschien.<\/p>\n<p>Wenn \u201eSugar Sweet\u201c so autobiografisch ist wie ihre anderen Lieder, dann d\u00fcrfte der Mann, der derzeit st\u00e4ndig auf sie warten muss, ger\u00fcchteweise Anderson .Paak sein \u2013 die beiden sind angeblich ein Paar. Vielleicht auch deswegen gibt es auf dem neuen Album das Duett \u201ePlay This Song\u201c mit .Paak zu h\u00f6ren, in dem es um eine Grundvoraussetzung des Wartens geht: n\u00e4mlich dass der jeweils andere nicht da ist. Weil .Paak wie Carey vielbesch\u00e4ftigte Musiker sind, bekommen sie sich wahrscheinlich nur selten zu Gesicht, weshalb sie sich hier gegenseitig den Rat geben, eben diesen Song zu h\u00f6ren, weil er daran erinnert, dass man sich irgendwann doch einmal getroffen haben muss.<\/p>\n<p>Und so singt sich Carey auf dem deutlich organischer instrumentierten Album durch etliche Sehnsuchtszust\u00e4nde und endet mit dem Titelsong, einer der tollsten Powerballaden, die man je von ihr geh\u00f6rt hat. Mit Pianobegleitung, geschn\u00f6rkeltem Gesang, Pfeift\u00f6nen und einer dramatischen Gipfelst\u00fcrmerei schraubt sie sich in die H\u00f6he. \u201eBaby, I\u2019m here for it all\u201c, jubiliert sie. Wir schlie\u00dfen uns an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was war denn da schon wieder los? 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