{"id":445993,"date":"2025-09-23T23:52:14","date_gmt":"2025-09-23T23:52:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/445993\/"},"modified":"2025-09-23T23:52:14","modified_gmt":"2025-09-23T23:52:14","slug":"argentinien-in-der-krise-mileis-wirtschaftsreformen-vor-dem-scheitern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/445993\/","title":{"rendered":"Argentinien in der Krise: Mileis Wirtschaftsreformen vor dem Scheitern"},"content":{"rendered":"<p>                            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/shutterstock_2638934695-1fafbc10e4f97fe8.jpeg\"  width=\"3500\" height=\"1967\"  alt=\"Argentiniens Pr\u00e4sident Javier Milei bei einer Wahlkampfveranstaltung\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"source akwa-caption__source\">(Bild:\u00a0OSCAR GONZALEZ FUENTES \/ <a href=\"https:\/\/www.shutterstock.com\/de\/image-photo\/president-argentina-javier-milei-during-conference-2638934695\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener\">Shutterstock.com<\/a>)<\/p>\n<p class=\"lead beitraganriss\">Pr\u00e4sident Javier Milei wollte Argentinien mit radikalen Reformen aus der Krise f\u00fchren. Doch nun drohen Kapitalflucht und Hyperinflation. Kann US-Hilfe das Blatt noch wenden?<\/p>\n<p>F\u00fcr Argentiniens Pr\u00e4sidenten Javier Milei wird es eng. Als der Libert\u00e4re Ende 2023 mit einem radikalen Sparprogramm antrat, keimte Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Befreiungsschlag.<\/p>\n<p>Doch nach anf\u00e4nglichen Erfolgen steckt das Land nun tiefer in der Krise als je zuvor. Milei k\u00e4mpft gegen Kapitalflucht und eine drohende Hyperinflation. Die USA erw\u00e4gen eine Rettungsaktion, doch Experten warnen vor den Risiken.<\/p>\n<p>Mileis &#8222;Schocktherapie&#8220;: Hoffnungsvoller Start mit Erfolgen<\/p>\n<p>Mileis Plan glich einer \u00f6konomischen &#8222;Schocktherapie&#8220;: harte Einschnitte bei Staatsausgaben und Subventionen, \u00d6ffnung der Wirtschaft, Inflationsbek\u00e4mpfung durch einen starken Peso.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst schien das Konzept aufzugehen: Die Inflationsrate sank von fast 300 Prozent im April 2024 auf <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/e5e314d0-31cf-44e0-9167-63a787baac47\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">rund 34 Prozent im Sommer 2025<\/a>. Zugleich erreichte Milei einen ausgeglichenen Haushalt. Internationale Geldgeber wie der IWF gew\u00e4hrten Argentinien Kredite von \u00fcber 40 Milliarden Dollar. Die M\u00e4rkte honorierten die Trendwende, Investoren fassten neues Vertrauen.<\/p>\n<p>Doch der Aufschwung trug die Saat neuer Probleme in sich, wie sich jetzt zeigt. Um die Inflation in den Griff zu bekommen, hielt Milei den Wechselkurs des Peso k\u00fcnstlich hoch.<\/p>\n<p>Doch die starke W\u00e4hrung erwies sich als gef\u00e4hrliche Wachstumsbremse: Argentiniens Exporte wurden weniger wettbewerbsf\u00e4hig, w\u00e4hrend billige Importe ins Land str\u00f6mten. Die Folge: Argentinien verpasste es, ausreichend Dollarreserven f\u00fcr den Schuldendienst anzusparen.<\/p>\n<p>Heute gilt der <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2025-09-23\/milei-s-peso-is-20-overvalued-and-fragile-analysts-say\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Peso als massiv \u00fcberbewertet<\/a>. Analysten beziffern die \u00dcberbewertung auf 20 bis 30 Prozent. Um die W\u00e4hrung zu st\u00fctzen, sah sich die Zentralbank gezwungen, in nur drei Tagen 1,1 Milliarden Dollar auf den Devisenmarkt zu pumpen. Ein gef\u00e4hrlicher Aderlass, der die Reserven des Landes bedrohlich schrumpfen lie\u00df. Experten sch\u00e4tzen die frei verf\u00fcgbaren Devisenreserven Argentiniens auf nur noch rund f\u00fcnf Milliarden Dollar.<\/p>\n<p>Politische Fehlschl\u00e4ge ersch\u00fcttern Vertrauen<\/p>\n<p>Nun r\u00e4cht sich, dass Milei zu sehr auf Konfrontation setzte. Eine <a href=\"https:\/\/www.ft.com\/content\/9c0c5a18-2f4e-4b91-a585-cac95a34c2e4\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">schwere Wahlniederlage seiner Partei<\/a> in der wichtigen Provinz Buenos Aires, in der ein Drittel der Argentinier lebt, geriet zum Debakel. Zugleich ersch\u00fctterte ein Korruptionsskandal um Mileis Schwester und Stabschefin Karina das Vertrauen in den Pr\u00e4sidenten, dessen Zustimmungswerte erstmals unter 40 Prozent fielen.<\/p>\n<p>Mileis harte Linie entfremdete ihn von moderaten Verb\u00fcndeten im Parlament. In zentralen Abstimmungen \u00fcber den Haushalt f\u00fcgten ihm Abgeordnete empfindliche Niederlagen zu. Sie verhinderten K\u00fcrzungen und setzten h\u00f6here Ausgaben f\u00fcr Bildung und Gesundheit durch \u2013 gegen das Veto des Pr\u00e4sidenten. Inzwischen steht Milei vor den wichtigen Zwischenwahlen am 26. Oktober ohne verl\u00e4ssliche Mehrheit da.<\/p>\n<p>Die politische Krise trifft Argentinien in einem Moment wirtschaftlicher Schw\u00e4che. Entt\u00e4uschte Investoren ziehen ihr Kapital in Massen aus dem Land ab. Der Peso ger\u00e4t immer <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2025-09-19\/argentina-milei-defends-peso-to-last-dollar-as-devaluation-jitters-mount\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">st\u00e4rker unter Druck<\/a> und n\u00e4hert sich gef\u00e4hrlich seiner Untergrenze \u2013 trotz aller St\u00fctzungsk\u00e4ufe der Zentralbank.<\/p>\n<p>An den Anleihem\u00e4rkten gelten argentinische Bonds wieder als &#8222;notleidend&#8220;. Zugleich spitzt sich die soziale Lage zu: Die L\u00f6hne sind weiter gesunken, die Arbeitslosigkeit steigt. Laut Umfragen schwindet die Geduld der B\u00fcrger mit Mileis Reformen.<\/p>\n<p>USA erw\u00e4gen Rettungsaktion \u2013 Experten warnen<\/p>\n<p>In dieser Lage sch\u00f6pft Milei neue Hoffnung: US-Finanzminister Scott Bessent hat seinem ideologischen Verb\u00fcndeten Hilfe in Aussicht gestellt. Alle Optionen l\u00e4gen auf dem Tisch, erkl\u00e4rte Bessent und nannte Swap-Linien, Devisenk\u00e4ufe und den Erwerb argentinischer Anleihen als m\u00f6gliche Instrumente. An den M\u00e4rkten zeigten die Signale aus Washington zun\u00e4chst Wirkung: Der Peso und argentinische Anleihen erholten sich.<\/p>\n<p>Doch in den USA mehren sich kritische Stimmen. Die einflussreiche Senatorin Elizabeth Warren warnte Finanzminister Bessent <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2025-09-23\/warren-questions-bessent-on-argentina-bailout-as-milei-waits\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">in einem Brief<\/a>, eine Rettungsaktion d\u00fcrfe nicht &#8222;auf Kosten des amerikanischen Volkes&#8220; gehen. Sie warf der Regierung von Pr\u00e4sident Donald Trump zudem vor, Milei aus rein ideologischen Gr\u00fcnden zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Auch Experten sehen die m\u00f6glichen US-Hilfen skeptisch. Milliardenschwere Finanzspritzen, so ihre Bef\u00fcrchtung, k\u00f6nnten den Peso noch weiter \u00fcberbewerten \u2013 und so eine dringend n\u00f6tige Abwertung der W\u00e4hrung verhindern. Argentiniens strukturelle Probleme aber blieben ohne einen neuen politischen Konsens und eine glaubw\u00fcrdige Wirtschaftspolitik ungel\u00f6st, warnen f\u00fchrende \u00d6konomen.<\/p>\n<p>Ausblick: Stunde der Wahrheit nach den Zwischenwahlen<\/p>\n<p>Noch h\u00e4lt sich Milei mit Notma\u00dfnahmen \u00fcber Wasser. Steuererleichterungen f\u00fcr Agrarexporte etwa sollen dringend ben\u00f6tigte Dollar ins Land holen. Auch die politischen Signale der USA st\u00fctzen den Peso vorerst. Doch sp\u00e4testens nach den Zwischenwahlen am 26. Oktober droht Argentinien die Stunde der Wahrheit.<\/p>\n<p>Nur wenn es Milei gelingt, eine stabile Mehrheit hinter seine Reformen zu scharen, d\u00fcrfte ihm eine Atempause verg\u00f6nnt sein. Zugleich muss er den Peso wohl oder \u00fcbel abwerten, um Argentiniens Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu st\u00e4rken. Scheitert der Pr\u00e4sident, k\u00f6nnte das Land erneut in eine verheerende Inflationsspirale geraten. Schon jetzt warnen Experten, ohne Kurswechsel f\u00fchre der Weg zur\u00fcck in die gef\u00fcrchtete Hyperinflation.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"(Bild:\u00a0OSCAR GONZALEZ FUENTES \/ Shutterstock.com) Pr\u00e4sident Javier Milei wollte Argentinien mit radikalen Reformen aus der Krise f\u00fchren. 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