{"id":446332,"date":"2025-09-24T03:09:10","date_gmt":"2025-09-24T03:09:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/446332\/"},"modified":"2025-09-24T03:09:10","modified_gmt":"2025-09-24T03:09:10","slug":"putins-schattenflotte-wie-sanktionen-umgangen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/446332\/","title":{"rendered":"Putins Schattenflotte: Wie Sanktionen umgangen werden"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Dias I&#8220;, &#8222;Hercules I&#8220; oder &#8222;Ulysses&#8220; hei\u00dfen die \u00d6ltanker einer gro\u00dfen griechischen Reederei. Mehrere Dutzend Schiffe verschiedener Klassen finden sich in deren Flottenliste. Die &#8222;Aris&#8220; ist nicht mehr darunter. Der \u00d6ltanker wechselte 2023 den Besitzer und wurde damit zu einem prominenten Beispiel f\u00fcr besondere griechische Schiffsverk\u00e4ufe der j\u00fcngeren Vergangenheit: Nach Recherchen der griechischen Investigativ-Journalistinnen Danai Maragoudaki und Eliza Triantafyllou ist die Aris heute der russischen Schattenflotte zuzurechnen. Damit sind Schiffe gemeint, die russisches \u00d6l transportieren, <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/sanktionen-gegen-moskau-warum-die-eu-sie-schrittweise-verhaengt,UloxqEW\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">um damit Sanktionen zu umgehen<\/a>. <\/p>\n<p>\u00d6ltanker Aris mehrmals umbenannt<\/p>\n<p>Sie sind dabei in der Regel im Besitz von Firmen, die keine Verbindungen zu L\u00e4ndern haben, die sich an den Sanktionsma\u00dfnahmen beteiligen. Die Herkunft des \u00d6ls soll auf diese Weise verschleiert werden, um es zu markt\u00fcblichen Preisen verkaufen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>H\u00e4ufig werden die Schiffe neu getauft und neu registriert. So auch die Aris: Sie fuhr nach den Recherchen von Maragoudaki und Triantafyllou zun\u00e4chst unter dem Namen &#8222;Canis Power&#8220; f\u00fcr neue Besitzer weiter und wurde dann erneut verkauft, um auf den Namen &#8222;N Cerna&#8220; getauft zu werden. <\/p>\n<p>Verk\u00e4ufe an &#8222;Tarnfirmen&#8220;? <\/p>\n<p>Den <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/russische-schattenflotte-auch-westliche-reeder-lieferten-tanker,UbohNIj\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Umfang derartiger Schiffsverk\u00e4ufe<\/a> zeigt ein Bericht der Kyiv School of Economics. Darin kamen die Autoren zu dem Schluss, dass zwischen 2022 und 2024 aus Europa und Amerika 230 Tanker verkauft wurden, die letztlich <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/eu-staaten-setzen-neue-russland-sanktionen-in-kraft,UljOQJk\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in der russischen Schattenflotte<\/a> landeten. Von diesen 230 Schiffen stammte mehr als die H\u00e4lfte von griechischen Reedern \u2013 das Land hat eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfe Flotte.<\/p>\n<p>Die Tanker gingen an Firmen, etwa mit Sitz in Liberia, den Cayman Inseln oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Solche Firmen sind seit Beginn des Ukraine-Krieges massenhaft gegr\u00fcndet worden. Viele von ihnen haben Verbindungen nach Russland. Allein im Jahr 2022 waren es laut dem US-Finanzdienstleister &#8222;S&amp;P global&#8220; mehr als 860.<\/p>\n<p>Wie gro\u00df ist die russische Schattenflotte?<\/p>\n<p>Der international t\u00e4tige Schiffsmakler BRS rechnet der weltweiten Schattenflotte mehr als 1.100 Schiffe zu \u2013 dazu z\u00e4hlen auch Tanker, die Venezuela oder dem Iran geh\u00f6ren. Die Seite TankerTrackers kommt auf eine \u00e4hnlich hohe Zahl: rund 1.200 \u2013 darunter auch viele Riesentanker mit besonders gro\u00dfem Fassungsverm\u00f6gen. Knapp jeder f\u00fcnfte Liter \u00d6l weltweit w\u00fcrde an Bord eines Schiffes der Schattenflotte transportiert. Die russische Flotte w\u00fcrde im Schnitt um 30 Tanker pro Monat erweitert. <\/p>\n<p>Risiko: Veraltete Schattenflotte<\/p>\n<p>Die Schiffe der Schattenflotte sind durchschnittlich mehr als 20 Jahre alt, hat der Branchendienst Splash24\/7 errechnet. Die Tanker, die sonst auf den Weltmeeren unterwegs sind, sind j\u00fcnger: im Schnitt 15 Jahre. Zudem gelten die Schattenflotten-Tanker als schlecht gewartet, und sie sind in der Regel nicht \u00fcber eine der weltweit anerkannten Gesellschaften versichert. Dass die Schiffe oft ihre GPS-Systeme ausschalten oder fehlleiten, erh\u00f6ht nach Ansicht von Experten die Gefahr f\u00fcr Kollisionen auf See. Wer w\u00fcrde im Fall einer \u00d6lkatastrophe vor europ\u00e4ischen K\u00fcsten f\u00fcr die Kosten aufkommen? <\/p>\n<p>Gutes Gesch\u00e4ft mit alten Tankern<\/p>\n<p>F\u00fcr die griechischen Reeder waren die bekannt gewordenen Verk\u00e4ufe ein gutes Gesch\u00e4ft: Statt fast nichts mehr zu bekommen oder die \u00e4lteren Tanker verschrotten zu m\u00fcssen, wurden pl\u00f6tzlich fantastische Preise erzielt. In einem Fall wurde ein Tanker f\u00fcr fast 40 Millionen Dollar verkauft, der vier Jahre zuvor f\u00fcr knapp die H\u00e4lfte gekauft worden war und der heute, laut der Kyiv School of Economics, Teil der russischen Schattenflotte ist.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind die Verk\u00e4ufe erstmal legal, sagt die Juristin Nele Matz-L\u00fcck, Professorin mit dem Schwerpunkt V\u00f6lker- und Seerecht an der Universit\u00e4t Kiel. Auch wenn die Verk\u00e4ufer leicht vorhersehen k\u00f6nnten, wie ihre Schiffe sp\u00e4ter einmal eingesetzt werden. Es sei eine moralische Frage, so die Juristin. &#8222;Aber ich f\u00fcrchte: So sind die Gesch\u00e4ftsmethoden, so ist der Markt ein ganzes St\u00fcck weit.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Dias I&#8220;, &#8222;Hercules I&#8220; oder &#8222;Ulysses&#8220; hei\u00dfen die \u00d6ltanker einer gro\u00dfen griechischen Reederei. 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