{"id":447213,"date":"2025-09-24T15:40:21","date_gmt":"2025-09-24T15:40:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/447213\/"},"modified":"2025-09-24T15:40:21","modified_gmt":"2025-09-24T15:40:21","slug":"daenemark-entschuldigt-sich-bei-groenlaenderinnen-fuer-spiralen-skandal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/447213\/","title":{"rendered":"D\u00e4nemark entschuldigt sich bei Gr\u00f6nl\u00e4nderinnen f\u00fcr Spiralen-Skandal"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 24.09.2025 14:44 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Tausenden Gr\u00f6nl\u00e4nderinnen wurden in den 60er- und 70er-Jahren gegen ihren Willen eine Spirale eingesetzt &#8211; im Auftrag der d\u00e4nischen Regierung. Heute reist D\u00e4nemarks Regierungschefin Frederiksen nach Gr\u00f6nland, um sich zu entschuldigen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Julia W\u00e4schenbach, ARD-Studio Stockholm\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als Nikkuliinannguaq 15 Jahre alt ist, wird sie ungeplant schwanger. Die Gr\u00f6nl\u00e4nderin m\u00f6chte das Kind nicht behalten und geht zum Arzt &#8211; einem D\u00e4nen. Doch der setzt ihr ohne ihr Wissen eine Spirale ein. &#8222;Weder der Arzt noch die Krankenschwestern haben mich um Erlaubnis gebeten&#8220;, erz\u00e4hlt sie uns, als wir sie in Nuuk besuchen. &#8222;Sp\u00e4ter habe ich die Spirale selbst rausgezogen &#8211; und lange dar\u00fcber geschwiegen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Was der 65-J\u00e4hrigen als Teenagerin widerfahren ist, besch\u00e4ftigt sie bis heute. Was sie lange nicht wusste: Vielen Gr\u00f6nl\u00e4nderinnen geht es genau wie ihr. Mehr als 4.000 Frauen und M\u00e4dchen setzen \u00c4rzte im Auftrag D\u00e4nemarks in den 60er- und 70er-Jahren eine Spirale ein. Mit der Zwangsverh\u00fctung wollte D\u00e4nemark das Bev\u00f6lkerungswachstum in der fr\u00fcheren Kolonie begrenzen. Die Begr\u00fcndung: Man k\u00f6nne den Wohlfahrtsstaat sonst nicht mehr finanzieren. Sp\u00e4ter hie\u00df es: Man wolle die verantwortungslosen Frauen und ihre ungeborenen Kinder nur sch\u00fctzen.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                         &#8222;Weder der Arzt noch die Krankenschwestern haben mich um Erlaubnis gebeten&#8220;, erkl\u00e4rt die damals 15-j\u00e4hrige Nikkuliinannguaq.\n                    <\/p>\n<p>    Drastischer R\u00fcckgang der Geburtenzahlen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die Ma\u00dfnahme hat zu einem drastischen R\u00fcckgang der Geburtenzahlen gef\u00fchrt&#8220;, erkl\u00e4rt die Historikerin Astrid Nonbo Andersen vom D\u00e4nischen Institut f\u00fcr Internationale Studien. &#8222;Aber es hat f\u00fcr einige dieser Frauen auch bedeutet, dass sie unfruchtbar wurden und ihr Leben lang gro\u00dfe Schmerzen hatten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein dunkles Kapitel in der d\u00e4nisch-gr\u00f6nl\u00e4ndischen Geschichte. Viele Frauen, so auch Nikkuliinannguaq, haben aus Scham nie dar\u00fcber gesprochen, was ihnen passiert ist. Manche wussten bis vor ein paar Jahren noch nicht einmal, dass das, was sie in ihrem K\u00f6rper hatten oder haben, eine Spirale ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dann erregt ein Podcast im D\u00e4nischen Rundfunk 2022 Aufmerksamkeit: Darin erz\u00e4hlt die Betroffene Naja Lyberth von ihrem Erlebnis als gerade einmal 14-J\u00e4hrige. &#8222;Ich erinnere mich nicht detailliert an den Arzt oder die Krankenschwester&#8220;, sagt sie damals. &#8222;Aber mein K\u00f6rper erinnert sich. Mein ganzer Unterleib hat sich zusammengezogen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach Naja Lyberth melden sich immer mehr Frauen zu Wort, die \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht haben. Nach Recherchen des D\u00e4nischen Rundfunks betraf die Ma\u00dfnahme rund die H\u00e4lfte der gr\u00f6nl\u00e4ndischen Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter. Der damalige gr\u00f6nl\u00e4ndische Regierungschef M\u00fate B. Egede sprach im vergangenen Jahr im d\u00e4nischen Fernsehen sogar von einem &#8222;V\u00f6lkermord&#8220;.<\/p>\n<p>    Ein Fall von gro\u00dfer Tragweite<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Das war ein Schock f\u00fcr viele in Gr\u00f6nland und auch in D\u00e4nemark, dass das so eine systematische Politik war, und dass man bislang keinen Fokus darauf hatte&#8220;, sagt die Forscherin Astrid Nonbo Andersen. &#8222;Der Fall hat die Beziehung zwischen D\u00e4nemark und Gr\u00f6nland ver\u00e4ndert und komplizierter gemacht. Weil er so viele Menschen betrifft und so eine gro\u00dfe Tragweite hat.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist nicht der einzige Fall, der einen Schatten auf das d\u00e4nisch-gr\u00f6nl\u00e4ndische Verh\u00e4ltnis wirft. Gr\u00f6nland war zwar formell nur bis 1953 d\u00e4nische Kolonie. Doch bis heute geh\u00f6rt die Insel zum d\u00e4nischen K\u00f6nigreich und hat erst nach und nach immer mehr Autonomie erlangt. Unmittelbar vor und nach dem offiziellen Ende der Kolonialzeit wollte D\u00e4nemark das Land modernisieren &#8211; mit teils drastischen Mitteln.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">So wurden kurz vor dem Ende der Kolonialzeit 22 gr\u00f6nl\u00e4ndische Kinder von ihren Familien getrennt und nach D\u00e4nemark geschickt &#8211; um sie zu D\u00e4nen umzuerziehen. Sp\u00e4ter sollten die Kinder in ihre Heimat zur\u00fcckziehen und dort Teil der Elite des Landes werden. Doch viele landeten in Kinderheimen, sahen ihre Familien nie wieder und k\u00e4mpften mit psychischen Problemen. Aufarbeitet wurde auch dieser Fall erst vor einigen Jahren. D\u00e4nemarks Ministerpr\u00e4sidentin Mette Frederiksen entschuldigte sich bei den noch lebenden sogenannten Experiment-Kindern.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die Historikerin vom D\u00e4nischen Institut f\u00fcr Internationale Studien, Astrid Nonbo Andersen, erkl\u00e4rt, viele Menschen in Gr\u00f6nland und D\u00e4nemark waren schockiert als klar wurde, dass hinter der massenhaften Sterilisation der Frauen System steckte.\n                    <\/p>\n<p>    Zeitpunkt der Entschuldigung \u00fcberrascht<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nun will sie auch die Opfer der Spiralen-Kampagne um Verzeihung bitten. Dass die D\u00e4nen im Umgang mit Gr\u00f6nland in der Vergangenheit viele Fehler gemacht haben &#8211; und dass Gr\u00f6nl\u00e4nderinnen und Gr\u00f6nl\u00e4nder in D\u00e4nemark auch heute viel zu oft noch ungerecht behandelt und diskriminiert werden &#8211; daran herrscht kein Zweifel. In der Beziehung der beiden L\u00e4nder gibt es noch viel, was der Aufarbeitung bedarf. Die Entschuldigung ist erst der Anfang.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Was viele aber \u00fcberrascht hat, ist ihr Zeitpunkt. Denn Mette Frederiksen k\u00fcndigte die Entschuldigung ausgerechnet an dem Tag an, als d\u00e4nische Medien Ende August \u00fcber mutma\u00dfliche US-Spionage auf Gr\u00f6nland berichteten. Zufall?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der d\u00e4nische Journalist Niels Fastrup glaubt: Frederiksen will Verbundenheit und Ann\u00e4herung in einer Zeit demonstrieren, in der viele M\u00e4chte an Gr\u00f6nland zerren. Allen voran die USA. Als US-Pr\u00e4sident Donald Trump Ende vergangenen Jahres erneut seine Absicht verk\u00fcndet hatte, Gr\u00f6nland \u00fcbernehmen zu wollen, hatte das f\u00fcr viel Wirbel gesorgt.<\/p>\n<p>    Nutzen die USA die offenen Wunden der Gr\u00f6nl\u00e4nder?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Seitdem ist D\u00e4nemark st\u00e4ndig in Sorge, dass Trump und Co. die offenen Wunden der Gr\u00f6nl\u00e4nder und das schwierige Verh\u00e4ltnis zum ehemaligen Kolonialherren ausnutzen k\u00f6nnte, um einen Keil zwischen die beiden L\u00e4nder zu treiben. &#8222;Eins ist klar&#8220;, sagt Fastrup. &#8222;Wenn in Gr\u00f6nland eine gro\u00dfe Abneigung gegen die d\u00e4nische Gesellschaft entsteht, gegen die Gemeinschaft im K\u00f6nigreich, dann k\u00f6nnte so eine anti-d\u00e4nische Stimmung zu der Forderung f\u00fchren, dass Gr\u00f6nland schnell komplett unabh\u00e4ngig werden soll.&#8220; So eine Stimmung k\u00f6nnten die USA ausnutzen, f\u00fcrchten die D\u00e4nen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das d\u00fcrfte D\u00e4nemark zus\u00e4tzlich motiviert haben, an der Beziehung zu Gr\u00f6nland zu arbeiten. Der Grund f\u00fcr die lange erwartete Entschuldigung d\u00fcrfte es aber nicht sein. Daf\u00fcr reist Mette Frederiksen zu einer offiziellen Feier extra in die gr\u00f6nl\u00e4ndische Hauptstadt Nuuk. F\u00fcr gr\u00f6nl\u00e4ndische Frauen wie Nikkuliinannguaq ist das ein wichtiges Signal. &#8222;Es bedeutet viel&#8220;, sagt sie. &#8222;Sie muss sich entschuldigen f\u00fcr das, was wir durchgemacht haben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch die Frauen w\u00fcnschen sich nicht nur eine Entschuldigung, sondern auch eine finanzielle Entsch\u00e4digung. Das Geld k\u00f6nne zwar ihren Schmerz nicht ungeschehen machen, aber es sei eine Anerkennung ihres Leides sagen sie. Die d\u00e4nische Regierung will nun einen sogenannten Vers\u00f6hnungsfonds einrichten. Wie hoch eine Entsch\u00e4digung ausfallen wird, wei\u00df noch niemand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 24.09.2025 14:44 Uhr Tausenden Gr\u00f6nl\u00e4nderinnen wurden in den 60er- und 70er-Jahren gegen ihren Willen eine Spirale eingesetzt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":447214,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,1160,3364,29,30,452,13,115731,14,15,12],"class_list":{"0":"post-447213","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-daenemark","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-groenland","15":"tag-headlines","16":"tag-kolonialgeschichte","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115260032639335870","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/447213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=447213"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/447213\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/447214"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=447213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=447213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=447213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}