{"id":447880,"date":"2025-09-24T21:47:30","date_gmt":"2025-09-24T21:47:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/447880\/"},"modified":"2025-09-24T21:47:30","modified_gmt":"2025-09-24T21:47:30","slug":"nimmerleinstage-ueber-leben-im-ausnahmezustand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/447880\/","title":{"rendered":"\u201cNimmerleinstage\u201d &#8211; \u00dcber Leben im Ausnahmezustand"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-93212 alignleft\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/20250924_140231-525x700.jpg\" alt=\"\" width=\"276\" height=\"368\"  \/>Der Stadtf\u00fchrer Manuel Schmitz erz\u00e4hlt uns eine Abenteuergeschichte<\/p>\n<p>Von Hajo Friedrich<\/p>\n<p>\u201eDie Apokalypse hatte begonnen und er konnte seine Brille nicht finden\u201c. Mit solch einer Mischung aus Schrecken und Banalit\u00e4t beginnt das jetzt im Selbstverlag erschienene B\u00fcchlein \u201eNimmerleinstage\u201c von Manuel Schmitz. Erstmalig ver\u00f6ffentlicht der Br\u00fcssel-Stadtf\u00fchrer und Politikwissenschaftler damit einen fiktionalen Text.<\/p>\n<p>Ich empfehle \u2013 nicht zuletzt auch in Schulen \u2013 die Lekt\u00fcre des in Br\u00fcssel spielenden und sich leicht lesenden Bandes. Danach d\u00fcrften vor allem manche Kenner und Bewohner Br\u00fcssels die Stadt und die darin ans\u00e4ssigen Institutionen und Menschen in einem anderen, vielleicht realistischeren Licht sehen.<\/p>\n<p><b>Worum geht es?<\/b><\/p>\n<p>\u201eIn Br\u00fcssel geht die Welt unter\u201c, hei\u00dft es lapidar, und der traurige Held der Geschichte \u2013 der stark kurzsichtige Max \u2013 kann in seinem Haus im Br\u00fcsseler Norden seine Sehhilfe nicht finden. Fast alle Bewohner haben die Stadt verlassen. Und auch seine Frau und Kinder befinden sich panisch auf der Flucht in den vermeintlich sichereren europ\u00e4ischen Norden.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass sich unser Held seinen Fu\u00df verknackst hat und sich nun nur noch humpelnd auf den Weg zu einem Optiker in der noblen Avenue Louise macht, wo \u2013 wie er hofft \u2013 eine neue Brille auf ihn wartet. Der Weg dahin durch die verw\u00fcstete Stadt ist eine kleine, den Leser und die Leserin in Atem haltende Abenteuergeschichte.<\/p>\n<p><b>Dystopien wieder im Anmarsch?<\/b><\/p>\n<p>Handlung und Stimmung der \u201eNimmerleinstage\u201c haben mich teilweise etwas an die dystopischen Texte von Stanislaw Lem, Arno Schmidt und Christian Kracht sowie Filme des Russen Andrei Tarkovsky erinnert. Und auch an den Wissenschaftler Stephen Emmott, in dessen Sachbuch \u201eZehn Milliarden\u201c ein seri\u00f6ser Experte gefragt wird, was ein \u00dcberlebender in einer zusammengebrochenen Zivilisation am meisten brauchen k\u00f6nnte. \u201eEin Gewehr\u201c, lautetet \u2013 meiner Erinnerung nach \u2013 die lapidare Antwort.<\/p>\n<p><b>Die Farbe Rot<\/b><\/p>\n<p>Das Buch hat 200 Seiten und kostet 17 Euro. Vielleicht hat es ja irgendwann mal einen noch h\u00f6heren Sammlerwert; auch weil es \u00fcber einen sehr sch\u00f6nen Einband verf\u00fcgt \u2013 n\u00e4mlich Papier, das sich wie Leder anf\u00fchlt. Und es ist, wie die belgischen Nummernschilder, in roter Schrift gesetzt. Wobei das Vorbild f\u00fcr Schmitz wohl eher \u201eDie unendliche Geschichte\u201c von Bestsellerautor Michael Ende gewesen sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Er wolle weder eine \u201epost-apokalyptische Geschichte\u201c noch etwas mit \u201asex and crime\u2018 vorlegen, sagt Schmitz im pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch. Eher einen kleinen, surrealistischen Gro\u00dfstadtroman, der in seinem Titel ja auf den erfundenen Heiligenname \u201eSankt Nimmerlein\u201c und damit einen Termin oder ein Ereignis anspielt, das eigentlich niemals eintreten sollte. Tja, denkste. <\/p>\n<p><b>Berlaymont \u2013 bitte melden!<\/b><\/p>\n<p>Denn genau mit der Illusion, dass die Institutionen in der Hauptstadt Br\u00fcssel \u2013 wie etwa EU-Kommission und NATO \u2013 auf ewig Wohlstand, Sicherheit und Ordnung garantieren, r\u00e4umt die Novelle indirekt t\u00fcchtig auf. Die Pal\u00e4ste der EU-Machtelite sind offensichtlich zerst\u00f6rt oder verwaist. Und ihre wortreichen, vollmundigen Besitzer schon l\u00e4ngst in sichere H\u00e4fen abgetaucht. Kein Wunder, dass die \u201eNimmerleinstage\u201c das Europaviertel links liegen lassen.<\/p>\n<p>Eindr\u00fccklich schildert Schmitz, wie eng der Horizont wird, wenn Stadt und Land weitgehend der Anarchie ausgeliefert sind. Unklar l\u00e4sst er jedoch, wer und was genau hinter dem \u201eunerh\u00f6rten Ereignis\u201c steckt und, offensichtlich vom S\u00fcden herkommend, nach der Wallonie nun auch Br\u00fcssel angreift, verw\u00fcstet und dabei merkw\u00fcrdige, riesige rote Kugeln (schon wieder rot) ins Stra\u00dfenbild pflanzt. Stoff f\u00fcr Spekulationen aller Art, aber auch Fortsetzungen und Verfilmungen bietet das in roten(!) Einband gefasste B\u00e4ndchen zuhauf. <\/p>\n<p><b>Neue Zivilisation<\/b><\/p>\n<p>Klar scheint dem Helden nur, dass nach dem Angriff eine \u201eneue Zivilisation\u201c entstehen wird, die wohl auch wieder \u201ekomplexe Organisationen\u201c ben\u00f6tigt. \u201eDenn die B\u00fcrokratie hat schon im Zweistromland begonnen\u201c- also vor langer Zeit in Vorderasien zwischen den Fl\u00fcssen Euphrat und Tigris, sagt Manuel Schmitz.<\/p>\n<p>Die Stadt Br\u00fcssel, Architektur \u2013 insbesondere \u201eMachtarchitektur\u201c \u2013 interessieren den geb\u00fcrtigen Trierer schon lange. Selbst Br\u00fcsselkennern und langj\u00e4hrige -bewohnern sei etwa sein dazugeh\u00f6riges Buch empfohlen: <a href=\"https:\/\/belgieninfo.net\/schnellkurs-bruessel-belgien-europa-manuel-schmitz-machts-moeglich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schnellkurs Br\u00fcssel-Belgien-Europa \u2013 Manuel Schmitz macht\u2018s m\u00f6glich \u2013 Belgieninfo<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-93213 alignright\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/20250920_160500-525x700.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"320\"  \/><\/p>\n<p><b>Warum schreiben? \u201eDas Tollste ist, sich selber zu \u00fcberraschen\u201c <\/b><\/p>\n<p>Warum jetzt erstmals ein fiktionaler Text und welche Erfahrungen hat er beim Schreiben gemacht?<\/p>\n<p>Irgendwie glaube er an die romantische Idee der \u201eVerzauberung der Welt\u201c sowie das \u201eWunder der Kreativit\u00e4t\u201c durch die Literatur. \u201eDas Tollste ist, sich selber zu \u00fcberraschen\u201c, sagt der Autor. So sei ihm die Geschichte mit Max \u201ewoanders hingerannt\u201c als er sich urspr\u00fcnglich gedacht habe. Zwei Enden h\u00e4tte er f\u00fcr die Geschichte im Kopf gehabt. Und wie geht es jetzt weiter? \u201eIch merke, wie ich wieder anfange, W\u00f6rter zu sammeln\u201c.<\/p>\n<p>In Zukunft wolle er sich st\u00e4rker auf das Schreiben konzentrieren. Seinem Stil, leicht absurd, in bildhafter Sprache und mit einem Augenzwinkern zu schreiben, will er jedoch treu bleiben. Gleiches gilt seinem sympathischen Faible, gelegentlich f\u00fcr manche etwas altmodisch klingende W\u00f6rter in seine Sprache einzuflechten.<\/p>\n<p><b>Manuel Schmitz \u2013 live<\/b><\/p>\n<p>Wer den vielf\u00e4ltigen K\u00fcnstler live erleben m\u00f6chte, kann dies in diesem Jahr mindestens noch zweimal:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">Am <b>16. Oktober<\/b> h\u00e4lt er in den Halles Saint-G\u00e9ry einen (englischsprachigen) Vortrag mit dem Titel \u201eArchitecture as an expression of power\u201c. Mehr Informationen: <a href=\"https:\/\/ante.brussels\/conferences\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/ante.brussels\/conferences\/<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">und am <b>9. Dezember<\/b> ist \u2013 Stand heute \u2013 eine Lesung aus den \u201eNimmerleinstagen\u201c geplant \u2013 mit anschlie\u00dfendem Gespr\u00e4ch mit dem Autor in der Br\u00fcsseler <b>EU-Landesvertretung Rheinland-Pfalz<\/b>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Wo sind die \u201eNimmerleinstage\u201c erh\u00e4ltlich?<\/b><\/p>\n<p>In den Buchhandlungen Gutenberg, Passaporta, Librebook und \u00fcber die Internetseite des Autors: <a href=\"https:\/\/www.manuelschmitz.be\/produktseite\/nimmerleinstage\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.manuelschmitz.be\/produktseite\/nimmerleinstage<\/a><\/p>\n<p><b>Zur Person<\/b>:<\/p>\n<p>Manuel Schmitz, geboren 1974, lebt seit 20 Jahren in Br\u00fcssel. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Als Stadtf\u00fchrer erkl\u00e4rt er seit 2016 die Stadt, vorher unterrichtete der promovierte Politikwissenschaftler an den Universit\u00e4ten Trier und L\u00f6wen. 2023 erschien seine Architekturgeschichte Br\u00fcssels mit dem Titel \u201eMonumental: Macht und Architektur in Br\u00fcssel: <a href=\"https:\/\/belgieninfo.net\/schnellkurs-bruessel-belgien-europa-manuel-schmitz-machts-moeglich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schnellkurs Br\u00fcssel-Belgien-Europa \u2013 Manuel Schmitz macht\u2018s m\u00f6glich \u2013 Belgieninfo<\/a><\/p>\n<p>\u201eNimmerleinstage\u201c ist sein erster Roman.<\/p>\n<p>Im Rahmen seines Projekts der Stadterkundung hat Schmitz jede der 6.000 Stra\u00dfen der belgischen Hauptstadt erlaufen. Auf 567 Spazierg\u00e4ngen ist er dabei 2.900 Kilometer durch die Stadt gestreift. \u201eEine etwas verr\u00fcckte Idee, um seine neue Heimat besser kennenzulernen \u2013 oder eine eigenwillige Aneignung der Stadt\u201c, wie er sagt. Mehr Informationen auf seiner Website: <a href=\"http:\/\/www.manuelschmitz.be\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.manuelschmitz.be<\/a> <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Stadtf\u00fchrer Manuel Schmitz erz\u00e4hlt uns eine Abenteuergeschichte Von Hajo Friedrich \u201eDie Apokalypse hatte begonnen und er konnte&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":447881,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1423,115858,1784,937,1785,29,214,548,30,80,49352,1159,215],"class_list":{"0":"post-447880","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-belgien","9":"tag-berlymont","10":"tag-books","11":"tag-bruessel","12":"tag-buecher","13":"tag-deutschland","14":"tag-entertainment","15":"tag-eu","16":"tag-germany","17":"tag-kultur","18":"tag-martin-schmitz","19":"tag-nato","20":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115261475904184485","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/447880","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=447880"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/447880\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/447881"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=447880"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=447880"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=447880"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}