{"id":448135,"date":"2025-09-25T00:16:13","date_gmt":"2025-09-25T00:16:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/448135\/"},"modified":"2025-09-25T00:16:13","modified_gmt":"2025-09-25T00:16:13","slug":"ehrenamt-in-stuttgart-vier-freiwillige-und-ihre-geschichte-wenn-man-kann-soll-man-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/448135\/","title":{"rendered":"Ehrenamt in Stuttgart: Vier Freiwillige und ihre Geschichte: \u201eWenn man kann, soll man helfen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Anderen helfen, weil das Leben gut zu einem war? Oder weil es selbstverst\u00e4ndlich ist, anderen beizustehen? Ihre Motive sind unterschiedlich. Aber alle tun in Stuttgart Gutes.<\/p>\n<p>Die eigene Mitte finden <\/p>\n<p>Margarete Lisek k\u00f6nnte gar nicht mehr ohne ihr <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Ehrenamt\" title=\"Ehrenamt\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ehrenamt<\/a> sein. Seit bald 18 Jahren besucht die geb\u00fcrtige Polin Bewohnerinnen und Bewohner im Haus Adam-M\u00fcller-Guttenbrunn in Stuttgart-Rot. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.ehrenamtspreis-unserer-zeitung-nicht-umsonst-sagt-man-ehrenamt-haelt-gesund.68fb00f4-57f9-4feb-a702-0e217a0a6986.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dabei tun sich der 67-J\u00e4hrigen st\u00e4ndig neue Welten auf. <\/a>Sie begleitet die Senioren zur Messe und empfindet dabei selbst ein Gef\u00fchl tiefer innerer Geborgenheit. \u201eMan findet seine Mitte, wenn man zusammen mit anderen betet\u201c, sagt sie. Als sie begann, f\u00fcllte sie ihre Arbeit in einem B\u00fcro nicht aus. In Polen arbeitete sie als Grundschullehrerin. Sie vermisste den Kontakt zu Menschen. \u201eUnd alte Menschen habe ich schon immer gemocht\u201c, sagt sie. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/media.media.7c9bece0-1d76-44b1-b650-9996d7acec96.original1024.media.jpeg\"\/>     Margarete Lisek    Foto: <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Caritas\" title=\"Caritas\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Caritas<\/a>\/Hugh Hinderlider\/Caritas    <\/p>\n<p>Doch nicht nur zum Beten kommt sie. Denn wenn das Vertrauen erst mal da ist, erz\u00e4hlen viele Menschen aus ihrem Leben. F\u00fcr Margarete Lisek ist das oft wie eine ganz pers\u00f6nliche Geschichtsstunde. Lisek ist \u00fcberzeugt: \u201eHinter jedem Menschen steht eine interessante Lebensgeschichte.\u201c So hat sie gleich zu Beginn ihres ehrenamtlichen Einsatzes eine Frau kennengelernt, die im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiterin von Polen nach Stuttgart entf\u00fchrt wurde und dort nach ihrer Befreiung durch die Alliierten blieb. Margarete Lisek spricht von ihr voller W\u00e4rme und Respekt. Trotz all ihrer schlechten Erfahrungen wollte die alte Dame ein Grab in Stuttgart. Familie hatte sie keine. Lisek, die vor 45 Jahren der Liebe wegen ihre Heimat verlassen hat, konnte ihr diesen Wunsch durch hartn\u00e4ckiges Nachbohren erf\u00fcllen. Die Stadt Stuttgart \u00fcbernahm die Kosten des Grabes f\u00fcr 20 Jahre. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"meinvfbIcon\" src=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/media.media.0ea35dc3-cd0f-4f5f-9738-e5db772ac229.original.svg\"\/> <\/p>\n<p> Helfen trotz vollem Terminkalender <\/p>\n<p>Khadija Moussaoui h\u00e4tte eigentlich genug zu tun. Sie ist voll berufst\u00e4tig. Die 32-J\u00e4hrige arbeitet im Schichtdienst als Heilerziehungspflegerin in einer Pflegeeinrichtung. Helfen und Unterst\u00fctzen sind ihr t\u00e4gliches Gesch\u00e4ft. Aber dennoch hilft die Marokkanerin, die vor drei Jahren f\u00fcr ihre Ausbildung nach Deutschland kam, anderen, die sich nicht so gut wie sie auf Deutsch verst\u00e4ndigen k\u00f6nnen. Denn da gibt es viele Situationen. Schlie\u00dflich wei\u00df sie noch genau, wie das war, als sie mit B2-Sprachkenntnissen frisch angekommen war und merkte, dass Lesen, Verstehen und im gesch\u00fctzten Raum Fragen zu einem Text beantworten etwas ganz anderes ist, als im Alltag zu verstehen, was die Leute sagen. \u201eDa ist man aufgeregt\u201c, sagt sie. Manchmal h\u00e4tte sie sich jemanden wie sie an der Seite gew\u00fcnscht. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/media.media.3f868317-870e-48ba-930f-0485393c6d85.original1024.media.jpeg\"\/>     Khadija Moussaoui    Foto: privat    <\/p>\n<p>In dem zur\u00fcckliegenden Jahr, das sie sich jetzt ehrenamtlich engagiert, hat sie schon so einiges erlebt. Denn immer, wenn sie gerufen wird, geht es um Existenzielles \u2013 auf der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, beim Jugendamt, beim Arzt oder im Krankenhaus. Und manchmal vergessen die Menschen, denen sie dann als Sprachmittlerin zur Seite steht, dass sie nur die \u00dcberbringerin unangenehmer Entscheidungen ist. Manchmal findet sie selbst traurig, was sie \u00fcbersetzt. \u201eDas sind ja immer Menschen\u201c sagt sie. Auch wenn sie gelernt hat, dass zum Helfen auch das professionelle Abgrenzen geh\u00f6rt, besch\u00e4ftigt sie manches nat\u00fcrlich sehr. Aber offenbar geh\u00f6rt das Helfen zu ihrem Naturell. Schon immer sei das so gewesen . Zuhause in Marokko oder hier im Alltag. Wenn sie sieht, dass jemand gerade nicht klarkommt, bei einer Fahrkartenkontrolle etwa, kann sie gar nicht anders als zu fragen: \u201eKann ich Ihnen helfen?\u201c<\/p>\n<p>\u00a0Immer die Kinder im Blick  <\/p>\n<p>Wenn\u2019s um das Wohl von Kindern geht, muss Muaadh Mohammed einfach eingreifen. F\u00fcr sie, sagt er, seien furchtbare Situationen zehnmal schlimmer als f\u00fcr Erwachsene. Die Frage, die ihn zeitlebens begleitet: \u201eWer k\u00fcmmert sich um die Kinder, wenn etwas Schlimmes geschieht?\u201c. Schon als er selbst in Berlin in einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft lebte und niemand wegen Corona das Gel\u00e4nde verlassen durfte, hat er im dortigen Kindergarten mit den Kindern aus dem Heim gespielt. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/media.media.de45844d-72b8-4fe8-8ae1-bf09b093750d.original1024.media.jpeg\"\/>     Muaadh Mohammed    Foto: Caritas\/Hugh Hinderlider    <\/p>\n<p>Muaadh Mohammed hat 2013 sein Heimat Jemen zum Studium in Richtung T\u00fcrkei verlassen. Aber schon dort hat er \u00fcber die Uni in Schulen auf dem Land um Kinder gek\u00fcmmert. \u201eDas hat mir immer Spa\u00df gemacht\u201c, sagt er. Und so ging es dann eben weiter. <\/p>\n<p> Seinen Bachelor als Bauingenieur hat er in der T\u00fcrkei in gemacht. Jetzt studiert er an der Universit\u00e4t Stuttgart noch Umweltschutztechnik. Momentan macht er ein Praktikum in einem Ingenieurb\u00fcro f\u00fcr M\u00fcllverbrennungsanlagen. Von seiner ehrenamtlichen T\u00e4tigkeit halten ihn Studium und Job jedoch nicht ab. \u201eWenn man helfen kann, dann soll man auch helfen\u201c, sagt er. Das sei eine Frage der Verantwortlichkeit f\u00fcreinander. Er versteht nicht recht, warum das nicht alle so sehen. <\/p>\n<p>Er spricht Arabisch, T\u00fcrkisch, Englisch und Deutsch. Inzwischen koordiniert er den Einsatz der Ehrenamtlichen in einem Wohnheim in Stuttgart-Vaihingen. Aber schon zuvor hat er in Stuttgart-Bad Cannstatt in einer Unterkunft am Reitstadion den frisch angekommenen Kinder ein paar Stunden zu schenken, \u201ein denen sie Kind sein konnten\u201c. Gl\u00fcckt ihm das, dann macht das auch ihn zufrieden.<\/p>\n<p> Einmal <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/VfB_Stuttgart\" title=\"VfB\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">VfB<\/a> und zur\u00fcck <\/p>\n<p>Siegfried Bartholom\u00e4 ist mit seinen 67 Jahren einer, der ins Ehrenamt einstieg, nachdem er in Rente gegangen ist. Bartholom\u00e4 begleitet die Mitarbeitenden der Neckartalwerkst\u00e4tten der Caritas, wenn sie ins Stadion zu einem Spiel des VfB Stuttgart gehen. Die zweite Saison macht er das jetzt. Er holte die jungen M\u00e4nner, die geistig oder k\u00f6rperliche eingeschr\u00e4nkt sind, auf einem vereinbarten Parkplatz vor dem Stadion ab. Dorthin werden sie mit einem Shuttlefahrzeug gebracht. Ab 18.45 Uhr ist der B\u00f6blinger bei einem Abendspiel dann im Einsatz. \u201eDann gehen wir gemeinsam eine Stadionwurst essen\u201c, erkl\u00e4rt er. Danach zieht das Gr\u00fcppchen weiter zu den Pl\u00e4tzen. Bartholom\u00e4s Aufgabe: er gibt den Jungs Orientierung, damit sie im gro\u00dfen Stadionrund zurecht finden. Und er bringt sie am Ende auch wieder zum Shuttlefahrzeug. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/media.media.d0104958-0a10-4a92-8ecf-cf049008de7d.original1024.media.jpeg\"\/>     Siegfried Bartholom\u00e4    Foto: Caritas\/Hugh Hinderlider    <\/p>\n<p>Wenn das dann abgefahren ist, muss er sehen, wie er nach Hause kommt. Mit der S-Bahn sei das nicht immer ein Vergn\u00fcgen. \u201eAber es macht Spa\u00df\u201c, sagt er. Au\u00dferdem habe er in seinem Leben immer Gl\u00fcck gehabt. Der Vorsatz war schon lange da, in der Rente etwas von diesem Gl\u00fcck zur\u00fcckzugeben. Jetzt tut er das, wovon er auf seinen Dienstfahrten f\u00fcr ein Versicherungsunternehmen nie gekommen sei. Mittlerweile hat er f\u00fcnf Ehren\u00e4mter. So ist er neben anderen noch in der Grundschule, in die er vor 60 Jahren selbst eingeschult worden ist, als Helfer f\u00fcr die verl\u00e4ssliche Grundschule im Einsatz. F\u00fchlt er sich manchmal etwas gestresst von seinen vielen Aufgaben? \u201eIch bin sehr, sehr zufrieden. Ich lebe das, das baut mich auf\u201c. Er freut sich richtig, dass die Sommerpause in der Bundesliga jetzt um ist. Am Abend hat er wieder einen Einsatz im Stadium. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Anderen helfen, weil das Leben gut zu einem war? Oder weil es selbstverst\u00e4ndlich ist, anderen beizustehen? 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