{"id":448475,"date":"2025-09-25T03:38:10","date_gmt":"2025-09-25T03:38:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/448475\/"},"modified":"2025-09-25T03:38:10","modified_gmt":"2025-09-25T03:38:10","slug":"caecilia-classen-wird-100-jahre-alt-und-erzaehlt-von-ihrem-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/448475\/","title":{"rendered":"C\u00e4cilia Cla\u00dfen wird 100 Jahre alt und erz\u00e4hlt von ihrem Leben"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\"> 100 Jahre sind eine lange Zeit. Vor einem Jahrhundert war die Weimarer Republik gerade entstanden, M\u00e4nner und Frauen trugen H\u00fcte, Autos waren noch nicht so weit verbreitet wie heutzutage und sahen dazu noch ganz anders aus. In diese Welt wurde am 25. September 1925 C\u00e4cilia Cla\u00dfen \u2013 genannt Cilly \u2013 hineingeboren. Die Isengrabenerin wird heute 100 Jahre alt und hat viel aus ihrem Leben zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">F\u00fcr das Gespr\u00e4ch hat Cla\u00dfen extra ihre Lebensgeschichte auf Papier gebracht. \u201eSie hat zwei Wochen daran gearbeitet\u201c, erz\u00e4hlt Tochter Maria Cla\u00dfen, die gemeinsam mit ihrem Bruder Gerd gekommen ist, um ihre Mutter beim Erz\u00e4hlen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Diese Hilfe braucht die 100-J\u00e4hrige eigentlich gar nicht, denn geistig ist C\u00e4cilia Cla\u00dfen noch sehr fit. Sie holt mehrere Zettel hervor, aus denen sie vorliest. \u201eIch wurde 1925 in Erkelenz geboren\u201c, sagt sie. Im Alter von rund zehn Jahren zog ihre Familie in den Wegberger Ortsteil Isengraben, dort lebt die 100-J\u00e4hrige noch heute.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eAcht Jahre ging ich zur Schule\u201c, sagt sie. Mit 14 musste sie aufh\u00f6ren \u2013 denn der Zweite Weltkrieg machte ihren Pl\u00e4nen, weiterzulernen, einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen begann sie, in einer Seidenweberei zu arbeiten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eDort hatte ich vier Webst\u00fchle, an denen ich zun\u00e4chst Kleider und sp\u00e4ter Fallschirmseide gefertigt habe\u201c, so Cla\u00dfen. Die Arbeit lief in Fr\u00fch- und Sp\u00e4tschichten ab, was sehr anstrengend war. Dazu kam die st\u00e4ndige Angst, von Bomben getroffen zu werden. \u201eJede Nacht heulte der Fliegeralarm\u201c, erinnert sie sich. \u201eDann mussten wir in den Keller gehen\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Isengraben sei vom Krieg nicht direkt betroffen gewesen. \u201eAber die Panzer habe ich st\u00e4ndig vorbeifahren h\u00f6ren\u201c, sagt die 100-J\u00e4hrige.\u201eUm den Grenzlandring gab es Gr\u00e4ben, in die wir bei Fliegeralarm reingegangen sind\u201c, so Cla\u00dfen. \u201eDie boten immerhin Splitterschutz\u201c, berichtet sie.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Angst war im Krieg ihr st\u00e4ndiger Begleiter. \u201eMan kann sich nach dran gew\u00f6hnen\u201c, sagt sie. \u201eDen man wusste nie, ob einem etwas auf den Kopf f\u00e4llt\u201c. Einmal seien Sch\u00fcsse durch den Giebel ihres Hauses gekommen. In ihrem Schlafzimmer haben diese dann L\u00f6cher in den Boden gemacht. \u201eDa haben wir dann sp\u00e4ter Teppichboden dr\u00fcber gemacht\u201c, so die 100-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zur Arbeit nach Wegberg fuhr sie immer Fahrrad. Irgendwann ging das Gummi an den Reifen kaputt, Ersatz war nicht zu bekommen. \u201eDa hat mein Vater einen Wasserleitungsschlauch um den Reifen gebastelt\u201c, erinnert sie sich. Mit dieser klapprigen Konstruktion brauchte sie fast eine halbe Stunde zur Arbeit. \u201eUnd wenn ich ankam, dann haben meine Arme immer gezittert vor Anstrengung\u201c, so Cla\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eAber direkte Not hatten wir im Krieg nicht\u201c, sagt sie. Die Familie hatte einen Garten, H\u00fchner und ein Hausschwein. Nach Kriegsende wurde das Geld der Familie 1948 dann jedoch nahezu wertlos, da die D-Mark die Reichsmark ersetzte. \u201ePl\u00f6tzlich waren alle Gesch\u00e4fte voller Waren, aber wir hatten kein Geld, um etwas zu kaufen\u201c, sagt sie. Jede Person h\u00e4tte lediglich 40 D-Mark erhalten.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">1950 heiratete Cla\u00dfen ihren Ehemann Gerhard und bekam vier Kinder. \u201eMein Mann kam gesund aus dem Krieg zur\u00fcck, st\u00fcrzte aber dann im Alter von 39 Jahren von Dachstuhl und war schwer hirnverletzt\u201c, sagt sie. Drei\u00dfig Jahre lang pflegte Cla\u00dfen ihren Mann, bevor er 1992 schlie\u00dflich starb.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein besonderes Highlight war Cla\u00dfens erster Flug nach Frankreich. \u201eDa sa\u00df eine Staatssekret\u00e4rin von <a href=\"https:\/\/rp-online.de\/thema\/helmut-kohl\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Helmut Kohl<\/a> neben mir, die mir ihren Platz am Fenster anbot, damit ich herausschauen konnte\u201c, so die 100-J\u00e4hrige. Es sollte auch nicht ihr letzter Flug sein.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Heute hat die 100-J\u00e4hrige sieben Enkel und sechs Urenkel. \u201eDie besuchen mich alle regelm\u00e4\u00dfig\u201c, sagt sie. Durch Beschwerden an der H\u00fcfte und an den Knien ist sie gehbehindert. Aber kopflich ist Cla\u00dfen noch sehr fit und geht mit der Zeit. \u201eMit 97 habe ich mir meinen ersten Laptop selbst geschenkt\u201c, sagt sie. \u201eUnd sie kann auch damit umgehen\u201c, bekr\u00e4ftigen ihre Kinder. Den Laptop nutzt sie etwa, um Nachrichten zu lesen und sich christliche Messen anzuschauen. Die Religion ist immer schon ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens gewesen. Jeden Sonntag wird sie von ihrer Tochter in die Kirche gebracht.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zu Cla\u00dfens Hobbys geh\u00f6rt das Gedichteschreiben. \u201eDas kann sie wirklich gut\u201c, bekr\u00e4ftigt ihr Sohn. \u201eIch habe sogar einen Ordner mit ihren Gedichten namens \u201aMamas gesammelte Werke\u2018\u201c, so Maria Cla\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch auf die Frage, was ihr Schl\u00fcssel zu langem Leben ist, hat sich Cla\u00dfen vorbereitet. \u201eZun\u00e4chst liegt das an der liebevollen F\u00fcrsorge meiner Tochter Maria\u201c, sagt sie. \u201eWenn ich gewusst h\u00e4tte, dass sie so was sagt, dann h\u00e4tte ich ihren Zettel weggeschmissen\u201c, entgegnet Tochter Maria. \u201eAber es stimmt\u201c, bekr\u00e4ftigt Sohn Gerd.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eUnd au\u00dferdem glaube ich als Christin, dass unser guter Gott f\u00fcr jeden Menschen eine bestimmte Lebenszeit vorgesehen hat\u201c, sagt sie. \u201eDa kann ich nur dankbar sein\u201c. Zu ihrem Geburtstag ist die ganze Familie zusammengekommen, um mit ihr zu feiern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"100 Jahre sind eine lange Zeit. Vor einem Jahrhundert war die Weimarer Republik gerade entstanden, M\u00e4nner und Frauen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":448476,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1849],"tags":[13558,18929,115968,115967,3364,29,54081,548,663,3934,115971,30,13,115969,4046,4455,14,15,1209,12,115970,7012,10668],"class_list":{"0":"post-448475","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-moenchengladbach","8":"tag-13558","9":"tag-angst","10":"tag-cecilia","11":"tag-classen","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-erzaehlen","15":"tag-eu","16":"tag-europa","17":"tag-europe","18":"tag-fliegeralarm","19":"tag-germany","20":"tag-headlines","21":"tag-isengraben","22":"tag-krieg","23":"tag-moenchengladbach","24":"tag-nachrichten","25":"tag-news","26":"tag-nordrhein-westfalen","27":"tag-schlagzeilen","28":"tag-seidenweberei","29":"tag-staendig","30":"tag-weltkrieg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115262855881223904","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/448475","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=448475"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/448475\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/448476"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=448475"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=448475"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=448475"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}