{"id":448677,"date":"2025-09-25T05:36:13","date_gmt":"2025-09-25T05:36:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/448677\/"},"modified":"2025-09-25T05:36:13","modified_gmt":"2025-09-25T05:36:13","slug":"handelsmetropole-nuernberg-in-einem-haus-sah-ich-personen-beiderlei-geschlechts-die-zum-verkauf-bestimmt-waren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/448677\/","title":{"rendered":"Handelsmetropole N\u00fcrnberg: \u201eIn einem Haus sah ich Personen beiderlei Geschlechts, die zum Verkauf bestimmt waren\u201c"},"content":{"rendered":"<p>N\u00fcrnberg z\u00e4hlte um 1500 zu den globalen Knotenpunkten von Handel, Technik und Wissen. Seine Kaufleute beteiligten sich auch an der Expansion Europas, zeigt eine Ausstellung. Manche Aspekte des Sklavenhandels werden dabei jedoch verschwiegen.<\/p>\n<p data-external=\"Article.FirstParagraph\">\u201eAm 14. August (1505) nachmittags fuhren wir zur Stadt. Da schossen sie mit Bogen und B\u00fcchsen und warfen mit Steinen auf uns &#8230; doch es war alles wirkungslos. Wir schossen an zwei Stellen Feuer in die Stadt und verbrannten viele ihrer H\u00e4user &#8230; Wir fanden die vorher erw\u00e4hnten gro\u00dfen Sch\u00e4tze, so viele, dass es mir unm\u00f6glich ist, alles aufzuz\u00e4hlen. Gott sei ewig Lob, Ehre und Ruhm, Amen.\u201c <\/p>\n<p>So beschrieb ein gewisser Balthasar Springer die Eroberung der Stadt Kilwa Kisiwani an der K\u00fcste des heutigen Tansania. \u201eWir\u201c \u2013 das war eine portugiesische Flotte von 22 Schiffen unter dem Kommando von Francisco de Almeida, die sich anschickte, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article190453683\/Vasco-da-Gama-So-eroberte-Portugals-Flotte-den-Indischen-Ozean.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article190453683\/Vasco-da-Gama-So-eroberte-Portugals-Flotte-den-Indischen-Ozean.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">den kurz zuvor von Vasco da Gama entdeckten Seeweg<\/a> nach Indien durch die Anlage von St\u00fctzpunkten abzusichern. Weil das \u00f6konomische  Perspektiven er\u00f6ffnete und dabei auch Eroberungen und lukrative Pl\u00fcnderungen zu erwarten waren, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article250635907\/Venezuela-als-Kolonie-Die-Deutschen-sind-schlimmer-als-die-wildesten-Loewen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article250635907\/Venezuela-als-Kolonie-Die-Deutschen-sind-schlimmer-als-die-wildesten-Loewen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hatten die gro\u00dfen Handelsh\u00e4user der <\/a>Hirschvogel, Imhoff und des N\u00fcrnberger Zweiges der Welser in die Ausr\u00fcstung von drei Schiffen investiert und ihnen Springer als Anwalt ihrer Interessen mitgegeben. <\/p>\n<p>Der Erfolg des Unternehmens ist nur eines von vielen Beispielen, mit denen das Germanische Nationalmuseum in N\u00fcrnberg die Rolle der m\u00e4chtigen Reichsstadt an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit in der Weltwirtschaft vorf\u00fchrt. <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.gnm.de\/ausstellungen\/aktuell\/nuernberg-global\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.gnm.de\/ausstellungen\/aktuell\/nuernberg-global&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">\u201eN\u00fcrnberg Global 1300\u20131600\u201c hei\u00dft die Sonderausstellung<\/a>, und sie hat es in sich, zum einen, was die G\u00fcte der gezeigten Objekte angeht, zum anderen, wie sie sich aus unterschiedlichen Perspektiven zu Bildern zusammenf\u00fcgen, die Vergleiche mit der Gegenwart provozieren. Denn N\u00fcrnberg war ein Zentrum der Technologie, des Handels und des Wissens, eingebunden in globale Netzwerke.<\/p>\n<p>Mit etwa 40.000 Einwohnern z\u00e4hlte die fr\u00e4nkische Metropole zu den gr\u00f6\u00dften St\u00e4dten des Heiligen R\u00f6mischen Reiches. Ihr Wohlstand gr\u00fcndete vor allem auf der Innovationskraft und Erfahrung ihrer Handwerker, die die Garantiemarke \u201eN\u201c zu einem international anerkannten Qualit\u00e4tsausweis gemacht hatten. <\/p>\n<p>Wichtigste Produkte waren Metallwaren aller Art, erzeugt von Spezialisten in mehr als 80 verschiedenen Einzelberufen, in denen mehr als 2000 Meister t\u00e4tig waren. Das Spektrum reichte von K\u00f6rperharnischen, die beinahe in Gro\u00dfserie hergestellt wurden, bis zu individuell gefertigten, h\u00f6chst komplexen R\u00fcstungen aus Platten und Ringen, \u00fcber Gold- und Silberschmiedearbeiten bis hin zu feinmechanischen Instrumenten. Daneben existierte ein Luxussegment, das exklusivste W\u00fcnsche befriedigte.<\/p>\n<p>Das trieb die internationalen Beziehungen an. Metalle wie Silber, Kupfer, Eisen, Zinn, Zink mussten in gro\u00dfen Mengen importiert werden, was einheimische Unternehmer zur Investition in den Bergbau motivierte. Im Gegenzug machten  N\u00fcrnberger Qualit\u00e4tsprodukte als internationale Handelswaren Furore, mit denen portugiesische und spanische Kaufleute in \u00dcbersee ihre Gesch\u00e4fte machten. <\/p>\n<p>\u00dcber Venedig wurde das Osmanische Weltreich beliefert, aus dem Textilien, Antiquit\u00e4ten,  Manuskripte und Pflanzen ihren Weg nach Franken fanden. Das hinderte N\u00fcrnberg indes nicht, sich als einzige Stadt des Heiligen R\u00f6mischen Reiches <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article200969996\/Tuerken-vor-Wien-1529-Jungfrawen-bis-in-den-todt-genoettigt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article200969996\/Tuerken-vor-Wien-1529-Jungfrawen-bis-in-den-todt-genoettigt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1529 aktiv an der Verteidigung Wiens gegen die T\u00fcrken<\/a> zu beteiligen.<\/p>\n<p>Mit dem Handel mehrte sich das Wissen in vielf\u00e4ltiger Weise. Dessen Aufschwung illustriert ein Beispiel aus der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article250457752\/Albrecht-Duerer-Die-Missionarsstellung-war-erlaubt-Analverkehr-bei-Todesstrafe-verboten.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article250457752\/Albrecht-Duerer-Die-Missionarsstellung-war-erlaubt-Analverkehr-bei-Todesstrafe-verboten.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Werkstatt des N\u00fcrnberger Kommunikationsgenies Albrecht D\u00fcrer<\/a>. Sein ber\u00fchmter <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article141184672\/Renaissance-Spiele-Als-das-Nashorn-den-Elefanten-in-Lissabon-besiegte.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article141184672\/Renaissance-Spiele-Als-das-Nashorn-den-Elefanten-in-Lissabon-besiegte.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Holzdruck eines \u201eRhinocerus\u201c (1515)<\/a>, das ein indischer F\u00fcrst einem portugiesischen Gouverneur zum Geschenk gemacht hatte und das \u2013 zur Gabe an den Papst umgewidmet, 1516 vor der K\u00fcste Liguriens ertrank, bezeugte den Europ\u00e4ern nicht nur, dass es die Wunder Indiens wirklich gab. Sondern die Darstellung D\u00fcrers wanderte wieder hinaus in die Welt, wo sie am Ende des 16. Jahrhunderts als Vorlage f\u00fcr ein Groteskenprogramm in einem Palast in Tunja in Kolumbien diente. <\/p>\n<p>Auch ein anderes Blatt D\u00fcrers bezeugt N\u00fcrnbergs Position in einem vielschichtigen globalen Netzwerk: Anfang des 17. Jahrhunderts nahm sich ein <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article238253599\/Grossmogul-Babur-Mit-Schiesspulver-gelang-ihm-die-Eroberung-Indiens.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article238253599\/Grossmogul-Babur-Mit-Schiesspulver-gelang-ihm-die-Eroberung-Indiens.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Miniaturenmaler am Hof des Gro\u00dfmoguln in Indien<\/a> den \u201eEvangelist Johannes an der Kreuzigung\u201c (1511) zum Vorbild.<\/p>\n<p>Doch als weltweit t\u00e4tiger Akteur geriet N\u00fcrnberg auch auf die Schattenseiten von Europas Aufbruch in die Welt. Das spiegelt der Bericht, den der Stadtarzt Hieronymus M\u00fcnzer \u00fcber seine Reise auf die Iberische Halbinsel 1494\/95 verfasste. Zwei Jahre zuvor hatte Christoph Kolumbus im Westen des Atlantiks Land entdeckt. Kurz vor M\u00fcnzers Aufbruch teilte <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article231591719\/Papst-Alexander-VI-Er-liebte-blonde-Maetressen-und-teilte-die-Welt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article231591719\/Papst-Alexander-VI-Er-liebte-blonde-Maetressen-und-teilte-die-Welt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Papst Alexander VI. im Vertrag von Tordesillas<\/a> die Welt in eine spanische und eine portugiesische Einflusssph\u00e4re. M\u00fcnzer, der in N\u00fcrnberg zum Mitarbeiterkreis um Hartmann Schedels \u201eWeltchronik\u201c geh\u00f6rte, bekam Zugang zu den iberischen K\u00f6nigsh\u00f6fen und erfuhr viel \u00fcber die laufenden und geplanten Kolonialunternehmungen in \u00dcbersee.<\/p>\n<p>Dabei wurde der Arzt in Valencia auch Zeuge des Sklavenhandels: \u201eIn einem Haus sah ich Personen beiderlei Geschlechts, die zum Verkauf bestimmt waren, auch Kinder und Knaben. Sie waren von Teneriffa, einer der Kanarischen Inseln &#8230; Es gab einen Kaufmann aus Valencia, der in einem Schiff 87 herbeibrachte, von denen 14 starben &#8230; Ich sah viele Gefangene in Eisenketten und hinter Gittern, die zu sehr harten Arbeiten gezwungen wurden.\u201c Das sollte bald in g\u00e4nzlich anderen Gr\u00f6\u00dfenordnungen Schule machen, als die <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article213932738\/Sklavenhandel-Woher-Amerika-seine-Sklaven-aus-Afrika-importierte.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article213932738\/Sklavenhandel-Woher-Amerika-seine-Sklaven-aus-Afrika-importierte.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europ\u00e4er daran gingen, mit Millionen afrikanischer Sklaven<\/a> ihre Plantagen und Bergwerke in der Neuen Welt zu betreiben.<\/p>\n<p>\u00dcber den sogenannten atlantischen Dreieckshandel wird oft \u00fcbersehen, dass Gewalt auch im Indischen Ozean das entscheidende Mittel war, mit dem Europa seine Expansion vorantrieb. Daf\u00fcr steht zum Beispiel der eingangs zitierte Bericht des Balthasar Springer \u00fcber die Eroberung des Hafenstadt Kilwa im Jahr 1505. Weil sich an der Finanzierung der portugiesischen Flottenexpedition auch drei Handelsh\u00e4user aus N\u00fcrnberg beteiligten, wird das im \u00fcppigen Katalog der Ausstellung als Beispiel pr\u00e4sentiert, dass sich auch Deutsche an dieser brutalen Form der \u201eeurop\u00e4ischen Weltnahme\u201c beteiligten.<\/p>\n<p>Wie dieses Unternehmen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus6884ef8a10b8f718b650281d\/Taeter-und-Opfer-Die-postkoloniale-Theorie-will-dass-wir-dieses-Narrativ-glauben.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/plus6884ef8a10b8f718b650281d\/Taeter-und-Opfer-Die-postkoloniale-Theorie-will-dass-wir-dieses-Narrativ-glauben.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im postkolonialen Diskurs<\/a> zu deuten ist, erkl\u00e4ren die beiden Historiker <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/scholar.google.com\/citations?user=Br7bbm4AAAAJ&amp;hl=en\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/scholar.google.com\/citations?user=Br7bbm4AAAAJ&amp;hl=en&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Elgidius E. B. Ichumbaki<\/a> und <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/377736477_Art_Objects_and_Belief_Systems_Among_the_Wangoni_of_Tanzania\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/377736477_Art_Objects_and_Belief_Systems_Among_the_Wangoni_of_Tanzania&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Dominicus Z. Makukula<\/a> von der Universit\u00e4t Daressalam. Danach war Kilwa eines von zahlreichen bl\u00fchenden Gemeinwesen an der \u201eSuaheli-K\u00fcste\u201c (Swahili-K\u00fcste), dem K\u00fcstenstreifen zwischen Somalia und Mosambik. In der Stadt lebten bis zu 20.000 Menschen unterschiedlicher Ethnien zusammen, meistenteils Muslime. Kilwa geh\u00f6rte zu den \u201eHauptakteuren im internationalen Handel\u201c in Ostafrika und nach Indien, das durch die Monsunwinde leicht zu erreichen war. <\/p>\n<p>Der Reichtum Kilwas gr\u00fcndete auf der \u201eKontrolle \u00fcber den lukrativen Goldhandel\u201c sowie \u00fcber \u201eden Handel mit ,exotischen G\u00fctern\u2018 wie Duftharzen, Gew\u00fcrzen, Schildkr\u00f6tenpanzern, Kokos\u00f6l, Mangrovenstangen, Ebenholz, Tierh\u00e4uten und Mineralien\u201c, schreiben Ichumbaki\/Makukala in ihrem Katalogbeitrag und klagen an: Um sich diese Ressourcen anzueignen, \u201earbeiteten portugiesische und deutsche Akteure in ihrem imperialistischen Streben nach Eroberung und Ausbeutung zusammen\u201c. Daher t\u00e4ten Deutschland und Portugal gut daran, \u201edie damaligen Gr\u00e4ueltaten in Ostafrika anzuerkennen und konkrete Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um die Kluft im Entwicklungsstand zu beseitigen\u201c.<\/p>\n<p>Dieser Schulterschluss mit der postkolonialen Theorie wirft allerdings Fragen auf. In seinem \u201eHandbuch Geschichte der Sklaverei\u201c charakterisiert der Historiker <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michael_Zeuske\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michael_Zeuske&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Michael Zeuske<\/a> Kilwa n\u00e4mlich als \u201eeinen der wichtigsten Sklavenh\u00e4fen Ostafrikas\u201c. Der Handel lag in den H\u00e4nden von Arabern und Muslimen, die ab dem 16. Jahrhundert vor allem in den <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article232299601\/Osmanisches-Reich-Als-Selim-I-starb-hatte-er-sein-Reich-verdreifacht.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article232299601\/Osmanisches-Reich-Als-Selim-I-starb-hatte-er-sein-Reich-verdreifacht.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">islamischen Gro\u00dfreichen der Osmanen<\/a>, Safawiden im Iran <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article240195969\/Grossmogul-Aurangzeb-Um-Indien-zu-islamisieren-ruinierte-er-sein-Reich.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/kopf-des-tages\/article240195969\/Grossmogul-Aurangzeb-Um-Indien-zu-islamisieren-ruinierte-er-sein-Reich.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">und der Gro\u00dfmoguln in Indien zahlungskr\u00e4ftige Abnehmer<\/a> in gro\u00dfem Stil fanden. <\/p>\n<p>Zwar haben sich auch Portugiesen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article251390336\/Niederlande-und-Sklaverei-Man-riss-ihnen-Fleisch-mit-rot-gluehenden-Zangen-vom-Koerper.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article251390336\/Niederlande-und-Sklaverei-Man-riss-ihnen-Fleisch-mit-rot-gluehenden-Zangen-vom-Koerper.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">und sp\u00e4ter Niederl\u00e4nder<\/a>, Franzosen und Briten in dieses sklavistische System gedr\u00e4ngt. Aber das Gros als Lieferanten und Kunden machten \u2013 ganz anders als im atlantischen Dreieckshandel \u2013 die Anrainer des Indik aus. Denn Menschenraub und -handel waren schon lange vor dem Auftauchen der Europ\u00e4er um den Indischen Ozean etabliert. Der arabische Reisende Ibn Battuta, der 1331 Kilwa besuchte, berichtet, dass dessen Sultan \u201eh\u00e4ufig Raubz\u00fcge in das Land der Zanj unternimmt\u201c. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article256240928\/Sklaven-im-Islam-Die-Koepfe-der-Enthaupteten-wurden-an-den-Mauern-der-belagerten-Staedte-gestapelt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article256240928\/Sklaven-im-Islam-Die-Koepfe-der-Enthaupteten-wurden-an-den-Mauern-der-belagerten-Staedte-gestapelt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Als Zanj wurden in arabischen Quellen Sklaven<\/a> genannt, die bereits im 9. Jahrhundert in gro\u00dfer Zahl aus Ostafrika ins Arabische Weltreich gehandelt wurden. <\/p>\n<p>Nach Ibn Battuta machten \u201eZanj von sehr schwarzer Hautfarbe\u201c den Gro\u00dfteil der 10.000 bis 20.000 Einwohner Kilwas aus. Wenn der S\u00fcdasien-Historiker <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michael_Mann_(Historiker)\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michael_Mann_(Historiker)&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">Michael Mann<\/a> in seiner \u201eGeschichte des Menschenhandels um den Indischen Ozean\u201c konstatiert, dass \u201eohne Sklaven in den dortigen Gesellschaften Wirtschaft, Handel, Milit\u00e4r und Verwaltung kollabiert (w\u00e4ren) oder h\u00e4tten nur mit gro\u00dfen Einschr\u00e4nkungen aufrecht erhalten werden k\u00f6nnen\u201c, dann scheint die Vermutung nicht aus der Luft gegriffen zu sein, dass der Reichtum Kilwas auch vor 1505 nicht zuletzt auf Menschenraub gr\u00fcndete. Dies zu verschweigen, macht Anklageschriften, wie sie jetzt der Katalog der N\u00fcrnberger Ausstellung bietet, nicht \u00fcberzeugender.<\/p>\n<p>\u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.gnm.de\/ausstellungen\/aktuell\/nuernberg-global\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.gnm.de\/ausstellungen\/aktuell\/nuernberg-global&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\">N\u00fcrnberg Global 1300\u20131600<\/a>\u201c, Germanisches Nationalmuseum, bis 22. M\u00e4rz 2026<\/p>\n<p><b>Schon in seiner Geschichts-Promotion besch\u00e4ftigte sich <\/b><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/berthold-seewald\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/berthold-seewald\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><b>Berthold Seewald<\/b><\/a><b> mit Br\u00fcckenschl\u00e4gen zwischen antiker Welt und Moderne. Als WELT-Redakteur geh\u00f6rte die Fr\u00fche Neuzeit zu seinem Arbeitsgebiet.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"N\u00fcrnberg z\u00e4hlte um 1500 zu den globalen Knotenpunkten von Handel, Technik und Wissen. 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