{"id":448713,"date":"2025-09-25T05:57:11","date_gmt":"2025-09-25T05:57:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/448713\/"},"modified":"2025-09-25T05:57:11","modified_gmt":"2025-09-25T05:57:11","slug":"koeln-dicaprio-in-einem-wilden-epos-one-battle-after-another-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/448713\/","title":{"rendered":"K\u00f6ln | DiCaprio in einem wilden Epos: \u00abOne Battle After Another\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6ln (dpa) &#8211; Der amerikanische Filmemacher Paul Thomas Anderson (\u00abMagnolia\u00bb) gilt nicht gerade als Flie\u00dfbandregisseur. Wenn er etwas macht, l\u00e4sst er sich durchaus Zeit &#8211; so auch bei seinem neuen Werk \u00abOne Battle After Another\u00bb. Vor 20 Jahren habe er angefangen, an der Geschichte f\u00fcr den Film zu arbeiten, berichtet der Cineasten-Liebling. Das Wissen um dieses gro\u00dfz\u00fcgige Zeit-Budget im Kopf f\u00e4llt der Schauer umso ausgepr\u00e4gter aus, der sich w\u00e4hrend der rund zweieinhalb Stunden im Kino-Sessel einstellt. Der Film wirkt be\u00e4ngstigend aktuell &#8211; wie ein Echtzeit-Kommentar zum Amerika des Donald Trumps.<\/p>\n<p>Mit einem Star-Aufgebot rund um Leonardo DiCaprio, Sean Penn und Benicio Del Toro erz\u00e4hlt Anderson \u00fcber Generationen hinweg die Geschichte militanter linker Aktivisten, die sich als revolution\u00e4re Bewegung begreifen, angef\u00fchrt vor allem von selbstbewussten schwarzen Frauen. In einer autorit\u00e4ren, von Rassisten durchsetzten Gesellschaft machen sie gegen Abtreibungsverbote mobil und &#8211; da wird es nun interessant &#8211; fordern freie Grenzen.<\/p>\n<p>Gleich in der Er\u00f6ffnungsszene st\u00fcrmt der Revoluzzer-Trupp ein US-Lager an der mexikanischen Grenze und befreit dort eingesperrte Migranten. Man muss nicht viel \u00fcber Trumps Migrationspolitik (\u00abIch werde Truppen an die S\u00fcdgrenze der USA entsenden, um die katastrophale Invasion in unser Land abzuwehren\u00bb) wissen, um Andersons Bilder mit der aktuellen politischen Gro\u00dfwetterlage in Verbindung zu bringen.<\/p>\n<p>Babyflasche statt Revolution<\/p>\n<p>Das Erstaunliche ist, dass der Regisseur es gar nicht unbedingt darauf anlegt. Im Kern erz\u00e4hlt er in einem wilden Verquirlen aus Action-, Kom\u00f6dien- und Drama-Elementen eine Familiengeschichte.<\/p>\n<p>DiCaprio spielt darin mit fettigen Haaren den arg heruntergerockten Revolution\u00e4r Bob. F\u00fcr die Aktivisten-Gruppe hat er einst an Sprengs\u00e4tzen get\u00fcftelt. Vor allem aber war er mit einer ihrer Vork\u00e4mpferinnen zusammen, genannt Perfidia &#8211; und faszinierend gespielt von Teyana Taylor. Als Perfidia ein Kind bekommt, trennen sich die Wege. Sie entscheidet sich f\u00fcr Weltrevolution, er f\u00fcr Windeln. Als eine Aktion der RAF-\u00e4hnlichen Gruppe f\u00fcrchterlich eskaliert und Perfidia geschnappt wird, taucht Bob irgendwo in den Weiten Amerikas unter und beginnt eine jahrzehntelange Existenz zwischen Alkohol, Paranoia und v\u00e4terlichen Sorgen.<\/p>\n<p>Die Vergangenheit holt ihn ein, als pl\u00f6tzlich ein alter Erzfeind beginnt, auf ihn Jagd zu machen. Colonel Steven J. Lockjaw &#8211; gespielt von Sean Penn &#8211; war einst im Dienst, als die linke Truppe das Migranten-Lager nahe Mexiko aufbrach. Aus der Dem\u00fctigung entwickelte sich bei ihm eine seltsame, auch sexuell konnotierte Besessenheit von Bobs Ex-Freundin Perfidia. \u00dcberhaupt kann man sagen, dass der Film viel Spice hat, wie man neudeutsch sagt. Sex spielt eine gewichtige Rolle. Ein alter Gedanke: Das Private ist politisch.<\/p>\n<p>Zwischen Weihnachten und Rassistenkumpanei<\/p>\n<p>Vor allem Penn l\u00e4uft zur Hochform auf und spielt seinen Colonel wie einen G.I. Joe aus Steroiden. Mit bizarr muskul\u00f6sen Oberarmen, B\u00fcrstenschnitt und K\u00fchlschrank-Gang versucht er, den Lauf der Dinge in seinem Sinne zu beeinflussen. Eigentlich eine Witzfigur, kann er gesellschaftlich schnell aufsteigen, auch aufgrund eines sinistren M\u00e4nnerbundes, der einerseits eine seltsame Faszination f\u00fcr s\u00fc\u00dfliche Weihnachtstraditionen hegt (\u00abChristmas Adventurers Club\u00bb), andererseits aus beinharten Rassisten besteht.<\/p>\n<p>Aus den vielen Themen (Politik, Familie, Sex, Religion, Fanatismus, Paranoia, \u00dcberwachung) und Genres (Drama, Action, Satire) entwickelt Anderson einen kaum einsortierbaren, aber vielschichtigen und wuchtigen Film mit herausragenden Schauspielern, dem man einzig vorwerfen kann, dass er sich an seinen starken Bildern selbst berauscht und eine Stunde zu lang geraten ist.<\/p>\n<p>Anderson wollte sich auf Zeitloses fokussieren<\/p>\n<p>Es w\u00e4re auch falsch zu sagen, dass er sich politisch ganz auf eine Seite schl\u00e4gt. Vielmehr zeigt \u00abOne Battle After Another\u00bb &#8211; was ein bisschen klingt wie der steinalte Fu\u00dfballer-Spruch \u00abNach dem Spiel ist vor dem Spiel\u00bb &#8211; die Absurdit\u00e4ten politischer Extreme. Nicht nur die Rassisten des Weihnachtsclubs wirken l\u00e4cherlich, auch die fast mit beh\u00f6rdlichem Ernst gef\u00fchrte Revolutionsgruppe, die irgendwann zu vergessen scheint, dass es um Menschen geht.<\/p>\n<p>Anderson selbst behauptet, dass er das aktuelle Weltgeschehen nur schwerlich \u00fcberblicke und daher eher zeitlos erz\u00e4hlen wollte. Das Ende ger\u00e4t &#8211; ohne zu viel zu verraten &#8211; fast schon obsz\u00f6n kitschig und unglaubw\u00fcrdig. Aber auch irgendwie ermutigend, denn verloren ist erst einmal nichts. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel &#8211; das gilt hoffentlich auch f\u00fcr den Weltenlauf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"K\u00f6ln (dpa) &#8211; Der amerikanische Filmemacher Paul Thomas Anderson (\u00abMagnolia\u00bb) gilt nicht gerade als Flie\u00dfbandregisseur. 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