{"id":448828,"date":"2025-09-25T07:01:12","date_gmt":"2025-09-25T07:01:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/448828\/"},"modified":"2025-09-25T07:01:12","modified_gmt":"2025-09-25T07:01:12","slug":"dresdner-geologie-team-erforscht-perus-national-geheimnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/448828\/","title":{"rendered":"Dresdner Geologie-Team erforscht Perus National-Geheimnis"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nEin Forschungsteam der Dresdner Hochschule f\u00fcr Technik und Wissenschaft (HTW) ist auf Vermessungs-Tour in Peru in der W\u00fcste von Nasca. Die Steinw\u00fcste ist bekannt f\u00fcr sogenannte Geoglyphen, Zeichnungen von Tieren und Pflanzen, die vor 800 bis 2000 Jahren von einer fr\u00fcheren Kultur in den Boden gescharrt worden waren. Eine Dresdner Arch\u00e4ologin, Maria Reiche, hatte diese Figuren ab 1941 vermessen und kartiert. Der Zweck der Zeichnungen ist bis heute ein R\u00e4tsel. Zum heutigen Forschungsteam aus Dresden geh\u00f6rt die Vermessungstechnikerin Christiane Richter, die sich schon lange mit den Geheimnisse der W\u00fcste von Nasca befasst.\n<\/p>\n<p>Woran forscht das Team aus Dresden derzeit in der W\u00fcste von Nasca?<\/p>\n<p class=\"text\">\nWir haben mit unseren Arbeiten die Linien und Figuren der Pampa von Nasca und Palpa nahezu komplett vermessen. Aktuell erforschen wir die Aqu\u00e4dukte der Nasca. Das Hauptproblem der Menschen hier in der W\u00fcste vor 2000 Jahren war das Wasser. Die Bew\u00e4sserungsanlagen, die sie vor 2000 Jahren gebaut haben, gibt es noch. 40 davon werden noch heute f\u00fcr die Landwirtschaft genutzt. Wir vermessen diese Aqu\u00e4dukte seit 2016, bewerten ihren Zustand und erstellen f\u00fcr die Beantragung der Aqu\u00e4dukte als Kulturerbe beziehungsweise auch als Weltkulturerbe Planungsunterlagen. Das Projekt wird dieses Jahr fertiggestellt.\n<\/p>\n<p>Sie waren schon oft vor Ort. Was ist so faszinierend an uralten Linien und Aqu\u00e4dukten in einer Steinw\u00fcste? <\/p>\n<p class=\"text\">\nDas Faszinierendste ist, dass, wenn man \u00fcber die Linien fliegt und diese gigantischen Zeichnungen sieht und dann in der Pampa merkt, dass man dort gar nichts sieht. Dann fragt man sich: Wie waren die Menschen vor 2000 Jahren in der Lage, solche gigantischen und fantastischen Zeichnungen anzufertigen? Und was mich immer wieder fasziniert, ist, wie Maria Reiche \u00fcber 40 Jahre hinweg mehr oder weniger allein in der Pampa dieses riesige Areal durchstreift, vermessen, dokumentiert hat und am Ende als Lebensziel quasi die Ernennung zum Weltkulturerbe der UNESCO erreicht hat.\n<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu den Bodenzeichnungen. Hunderte Tierfiguren, aber auch Pflanzendarstellungen, beispielsweise die Figur eines Affen oder eines Kolibris, einer Spinne, sind geometrisch akkurat in den Boden gekratzt worden. Wie kann man sich die vorstellen?<\/p>\n<p class=\"text\">\nDa gibt es zun\u00e4chst mal Linien, und diese Linien k\u00f6nnen mehrere Kilometer bis zu 17 Kilometer lang schnurgerade durch die Pampa verlaufen. Das Besondere ist, dass diese Figuren in der Regel zumindest aus einer durchg\u00e4ngigen Linie geschaffen sind. Das hei\u00dft, sie haben einen Eingang, und wenn man durch die Figur durchl\u00e4uft, kommt man an einem anderen Punkt an einem Ausgang wieder raus.\n<\/p>\n<p>Von welchen Gr\u00f6\u00dfenordnungen reden wir bei den Zeichnungen? <\/p>\n<p class=\"text\">\nNehmen wir mal den Affen. Der hat eine Ausdehnung, etwa so gro\u00df wie ein Fu\u00dfballfeld. Und wenn man den Affen durchl\u00e4uft, dann muss man eine Strecke von etwa zwei Kilometern zur\u00fccklegen. Aber das Laufen in der Pampa, insbesondere in diesen Figuren, ist nicht so einfach, weil die Linien meist nur zehn bis 15 Zentimeter breit sind. Das hei\u00dft, man muss einen Fu\u00df vor den anderen setzen, um nichts zu zerst\u00f6ren. Die meisten Figuren sind etwas kleiner, f\u00fcnf bis 800 Meter, wenn man sie durchl\u00e4uft.\n<\/p>\n<p>Wie gro\u00df ist das Gebiet, in dem Maria Reiche diese Linien kartiert hat? <\/p>\n<p class=\"text\">\nInsgesamt sprechen wir von einem gesch\u00fctzten Gebiet von ungef\u00e4hr 3.200 Quadratkilometern. Die wichtigsten und interessantesten Figuren sind auf einem Gebiet von etwa 500 Quadratkilometern enthalten. Das ist noch deutlich gr\u00f6\u00dfer als das gesamte Stadtgebiet von Dresden, inklusive der Dresdener Heide. Ein riesiges Territorium!\n<\/p>\n<p>Das Sie aber nicht zu Fu\u00df erschlossen haben?<\/p>\n<p class=\"text\">\nZu Beginn unserer Arbeiten haben wir das mit ganz klassischen Vermessungsinstrumenten gemacht. Das hei\u00dft, man hat ein Instrument in der Pampa aufgebaut, und eine Person musste die Linien ablaufen mit einem sogenannten Reflektor. Wenn man so eine Linie oder eine Figur durchl\u00e4uft, muss man also alle paar Meter an einem Punkt anhalten, und der wurde gemessen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nInzwischen gibt es modernere Messmethoden wie zum Beispiel GPS, also Satelliten-Positionierung. Damit ist die Vermessung deutlich einfacher geworden. Hinzu kommt, dass wir heute sehr hochaufl\u00f6sende Satellitendaten haben. Wir haben ausgew\u00e4hlte Regionen der Pampa auch mit Drohnen \u00fcberflogen. Das erleichtert die Vermessungsarbeiten heutzutage sehr deutlich.\n<\/p>\n<p>Und diese Vermessungsarten sind weniger gef\u00e4hrlich! Im Juni 1955 flog Maria Reiche, festgebunden am Querbalken eines Helikopterschlittens in die Luft, um die Scharrbilder aus 200 Metern H\u00f6he abzulichten. Obwohl die Figuren heute kartiert und vermessen sind, mit neuester Technik \u2013 alle R\u00e4tsel sind offenbar immer noch nicht gel\u00f6st.<\/p>\n<p class=\"text\">\nZum einen ist bis heute nicht gekl\u00e4rt, wie die Nasca diese riesigen Zeichnungen angelegt haben, wenn sie denn nicht fliegen konnten, wovon man ausgehen muss. Zum anderen: Warum haben sie das getan? Warum hat man solche riesigen Zeichnungen in die W\u00fcste gescharrt, bei Temperaturen im Sommer von durchaus 40, 50 Grad? Das wird wohl immer ein R\u00e4tsel bleiben.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nMaria Reiche hatte festgestellt, das \u00fcber vielen langen Linien die Sonne auf- oder untergeht oder auch der Mond. Sie vermutete, dass es sich um eine astronomische Kalender-Anlage handelt. Dass beispielsweise der Schamane der Nasca, wenn die Sonne \u00fcber einer bestimmten Linie auf- oder unterging, den B\u00fcrgern seiner Gemeinde sagen konnte, &#8218;jetzt ist es Zeit f\u00fcr die Aussaat oder Ernte&#8216;.\n<\/p>\n<p>Welche anderen Vermutungen gibt es? <\/p>\n<p class=\"text\">\nGleichzeitig wurden in der Pampa Rituale abgehalten. Man findet auch heute noch kleine Opferalt\u00e4re, wo beispielsweise Keramiken oder Lebensmittel abgelegt wurden. Also fanden dort Zeremonien statt. Zu welchem Zweck, wissen wir nicht. In unserem Forschungsprojekt haben wir inzwischen alle geraden Linien und Fl\u00e4chen untersucht hinsichtlich ihrer Ausrichtung auf Sonne, Mond oder sehr helle Sterne. Tats\u00e4chlich weisen 70 Prozent all dieser Linien und Fl\u00e4chen auf Himmels-Ereignisse, also aufgehende Sonne, Mond oder Sterne. Ob es sich dabei tats\u00e4chlich um einen Kalender handelt, k\u00f6nnen wir nicht sagen.\n<\/p>\n<p>Mit welchen Problemen haben die Nasca-Linien und Bew\u00e4sserungsanlagen heute zu k\u00e4mpfen? <\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Pampa von Nasca ist seit 1994 gesch\u00fctztes Gebiet, UNESCO-Weltkulturerbe, das ist der Verdienst von Maria Reiche. Es ist verboten, die Pampa zu betreten. Im Schutzgebiet liegen aber auch die St\u00e4dte Nasca und Palpa und viele kleine Ortschaften. Deshalb ist es schwierig zu \u00fcberwachen, dass wirklich nichts zerst\u00f6rt wird.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEin riesiges Problem sind die gro\u00dfen Vorkommen an Gold und Kupfer in der Region. Arbeiter siedeln sich an und gro\u00dfe Minen werden erschlossen. Urspr\u00fcnglich war das Schutzgebiet etwa 5.200 Quadratkilometer gro\u00df, inzwischen sind es nur noch 3.200 Quadratkilometer. Auch der Klimandel hinterl\u00e4sst Spuren, Starkregenereignisse verursachen  Zerst\u00f6rungen. Aber auch der Massentourismus.\n<\/p>\n<p>Die Zeichnungen und Aqu\u00e4dukte der Nasca haben etwa 2000 Jahre \u00fcberlebt. Schaffen die noch mal 2000? <\/p>\n<p class=\"text\">\nWir haben inzwischen eine Internet-Applikation, wo jeder im Internet schauen kann, welche Linien und Figuren es in der Pampa von Nasca gibt und in dieser Form sind die Linien zumindest digital f\u00fcr die Nachwelt erhalten. Die Linien als Gesamtes zu sch\u00fctzen ist angesichts der Gr\u00f6\u00dfe ein schwieriges Unterfangen und wahrscheinlich auf lange Zeit gesehen nicht m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Forschungsteam der Dresdner Hochschule f\u00fcr Technik und Wissenschaft (HTW) ist auf Vermessungs-Tour in Peru in der W\u00fcste&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":448829,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1835],"tags":[6425,3364,29,2386,597,116023,5301,30,116022,6759,859],"class_list":{"0":"post-448828","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-dresden","8":"tag-archaeologie","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-dresden","12":"tag-forschung","13":"tag-geoglyphen","14":"tag-geologie","15":"tag-germany","16":"tag-maria-reiche","17":"tag-mdr-wissen","18":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115263654190773651","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/448828","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=448828"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/448828\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/448829"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=448828"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=448828"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=448828"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}