{"id":449636,"date":"2025-09-25T14:36:28","date_gmt":"2025-09-25T14:36:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/449636\/"},"modified":"2025-09-25T14:36:28","modified_gmt":"2025-09-25T14:36:28","slug":"schoenheitseingriffe-gefaehrliche-implantate-jahrelang-verwendet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/449636\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6nheitseingriffe &#8211; Gef\u00e4hrliche Implantate jahrelang verwendet"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 25.09.2025 15:37 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>\u00dcber Jahre wurde ein Gel-Implantat unter anderem zur Brust- und Ges\u00e4\u00dfvergr\u00f6\u00dferung genutzt, das offenbar schwerwiegende Komplikationen ausl\u00f6st. Deutsche Beh\u00f6rden schritten nicht ein &#8211; obwohl sie die Probleme kannten.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Sigrid\u00a0M\u00e4rz, Martin R\u00fccker und Katrin Kampling, NDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sicherer k\u00f6nnte ein Sch\u00f6nheitseingriff kaum sein: Das versprach die Werbung f\u00fcr ein Gel-Implantat, das rund zehn Jahre in Deutschland eingesetzt wurde. Es sei leicht zu injizieren, biokompatibel und nach drei bis f\u00fcnf Jahren vollst\u00e4ndig abgebaut. Zwar ist das Implantat im Moment nicht mehr auf dem Markt, aber auf diese Versprechen vertrauten viele Tausende Frauen und M\u00e4nner in Deutschland &#8211; und sie k\u00e4mpfen heute mit den Folgen, wie eine Recherche von <a href=\"https:\/\/investigativstation.de\/\" title=\"Investigativstation - Recherchen f\u00fcr eine bessere Gesundheit\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Investigativstation<\/a> und dem NDR ergab.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wie auch Alena* (*Name von der Redaktion ge\u00e4ndert) aus dem Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Die Handwerkerin w\u00fcnschte sich einen runderen Po und lie\u00df sich das Gel-Implantat &#8222;Los Deline&#8220; in einer Berliner Sch\u00f6nheitsklinik injizieren. &#8222;Ich habe den \u00c4rzten vertraut. Ich dachte, das ist so harmlos&#8220;, sagt sie heute.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ihre \u00c4rztin warb damit, dass &#8222;Los Deline&#8220; &#8222;biokompatibel&#8220; sei, sich innerhalb einiger Jahre langsam abbaue und &#8222;keine Sch\u00e4den&#8220; im Gewebe verursache. Sie spritzte das Gel-Implantat wohl Hunderten Patienten und vertrieb es auch an andere Kliniken. Auch andere Praxen warben mit dem Versprechen des Herstellers, dass das Gel zu rund 98 Prozent aus Wasser bestehe, der Rest sei ein Copolyamid. So schrieb eine Hamburger Sch\u00f6nheitsklinik auf ihrer Webseite: &#8222;Der Eingriff hinterl\u00e4sst keine Spuren und am n\u00e4chsten Tag ist alles wie immer, nur sch\u00f6ner.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Heute hat Alena, wie viele andere Betroffene, eine Odyssee hinter sich. Denn ihr Po entz\u00fcndete sich, sie musste mehrfach operiert werden und rund zwei Jahre lang fast durchgehend Antibiotika nehmen.<\/p>\n<p>    Schwere Komplikationen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Komplikationen traten h\u00e4ufig erst Jahre nach der Injektion auf. Der Filler verklumpte, wanderte durch den K\u00f6rper, l\u00f6ste teils schwere Entz\u00fcndungen aus. Betroffene berichten von tennisballgro\u00dfen Beulen am R\u00fccken, obwohl das Gel-Implantat ins Ges\u00e4\u00df gespritzt wurde. Sie zeigen Aufnahmen von eitrig-gelben Fl\u00fcssigkeiten, die aus offenen Stellen laufen. \u00c4rzte finden Filler in den Schamlippen, um den Darm herum, am R\u00fccken, in der Leiste, in den Beinen. Teils sind die Komplikationen lebensgef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dabei h\u00e4tten solche Sch\u00e4den durch beh\u00f6rdliches Eingreifen verhindert werden k\u00f6nnen. Bereits ab 2016 warnten wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen vor Komplikationen in Verbindung mit dem Gel-Implantat. Ab 2017 mehrten sich die Berichte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Gel-Implantat hat einen Namenswechsel hinter sich. Von 2011 bis 2017 wurde es unter dem Namen &#8222;Aquafilling&#8220; vom Hersteller Matrixcell verkauft. Ab 2017 wurde es als &#8222;Los Deline&#8220; vom Hersteller Biotrh vertrieben. Zentrale Verantwortliche hinter den Firmen sind identisch, ebenso wie die Zusammensetzung der Produkte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Aus meiner Sicht ist der Filler komplett ungeeignet f\u00fcr menschliches Gewebe&#8220;,\u00a0sagt der Gesichtschirurg Niels Christian Pausch vom Uniklinikum Leipzig. Er hatte 2018 eine Studie begonnen, um das Gel-Implantat an Patienten mit einer Gaumenspalte oder Narben nach einer Tumor-OP im Gesicht zu testen &#8211; und brach die Studie ab. Mehr als zwei Drittel der 16 Probanden zeigten Komplikationen wie Abszesse, Entz\u00fcndungen und migrierendes Gel.<\/p>\n<p>    Beh\u00f6rde h\u00e4tte eingreifen k\u00f6nnen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Anfang 2021 erhielt dann die zust\u00e4ndige deutsche Aufsichtsbeh\u00f6rde, das Bundesinstitut f\u00fcr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die erste von bis heute 20 so genannten Vorkommnismeldungen. So weisen \u00c4rzte und Patienten auf auff\u00e4llige Komplikationen mit Medizinprodukten wie Implantaten hin. Weil die ersten Meldungen &#8222;Aquafilling&#8220; betrafen, handelte das BfArM nicht. Der Filler sei nicht mehr auf dem Markt, das Unternehmen gebe es nicht mehr. Damit war der Fall f\u00fcr die Beh\u00f6rde erledigt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dabei war der Namenswechsel bekannt &#8211; und polnische Beh\u00f6rden hatten &#8222;Los Deline&#8220; bereits 2020 in Polen vom Markt genommen: nach einer &#8222;Reihe von F\u00e4llen lebensbedrohlicher und gesundheitsgef\u00e4hrdender Komplikationen&#8220; mit dem Vorg\u00e4nger &#8222;Aquafilling&#8220;. Laut dem Berliner Medizinrechtsanwalt J\u00f6rg Heynemann ist das ein typisches Problem in Deutschland. Es passiere oft, dass Hersteller &#8222;das identische Produkt unter einem neuen Namen auf den Markt bringen &#8211; und dann geht das ganze Prozedere beim BfArM von vorne los&#8220;. Dass Tausende das offenbar fehlerhafte Produkte in sich tr\u00fcgen, spiele bei der Fallbewertung der Beh\u00f6rde ebenfalls keine Rolle, kritisiert er. Auf Anfrage sieht das BfArM kein Vers\u00e4umnis auf seiner Seite.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ab Ende 2021 trafen beim BfArM jedoch auch Meldungen zu &#8222;Los Deline&#8220; ein. In mehreren F\u00e4llen habe man daraufhin beim Hersteller Biotrh nachgefragt, erkl\u00e4rt das BfArM &#8211; dieser habe best\u00e4tigt, dass m\u00f6gliche Komplikationen &#8222;im akzeptablen Bereich seiner Risikoanalyse&#8220; lagen. Das Fazit der Beh\u00f6rde: &#8222;Korrekturma\u00dfnahmen waren daher auf Basis der dem BfArM vorliegenden Informationen nicht indiziert.&#8220;<\/p>\n<p>    Andere europ\u00e4ische Beh\u00f6rden reagieren<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dabei h\u00e4tte die Beh\u00f6rde, wie andere europ\u00e4ische Pendants, beim Zertifizierer nachfragen k\u00f6nnen. Hersteller m\u00fcssen ihre Medizinprodukte &#8211; vor allem die der h\u00f6chsten Risikoklasse 3 &#8211; von einer benannten Stelle pr\u00fcfen lassen. Das sind von der EU zugelassene Pr\u00fcfinstitute wie etwa der T\u00dcV oder die Dekra; sie stellen nach der Pr\u00fcfung CE-Zertifikate aus, mit denen der Verkauf der Produkte in der EU erlaubt ist. Sowohl f\u00fcr &#8222;Aquafilling&#8220; als auch &#8222;Los Deline&#8220; gab es solche Zertifikate.<\/p>\n<p>    Pr\u00fcfstelle entzieht &#8222;Los Deline&#8220; 2023 Zertifizierung<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr &#8222;Los Deline&#8220; hatte die t\u00fcrkische Pr\u00fcfstelle Szutest die Marktf\u00e4higkeit bescheinigt. Nach den Meldungen anderer europ\u00e4ischer Aufsichtsbeh\u00f6rden &#8211; nicht des BfArM &#8211; gab Szutest das Produkt ins Labor. Die Messung fand Polyacrylamid. Szutest entzog &#8222;Los Deline&#8220; daraufhin das Zertifikat, im Herbst 2023 kam es zum europaweiten R\u00fcckruf.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Polyacrylamid wurde bereits in den 1990er-Jahren in Medizinprodukten der Sch\u00f6nheitsbranche eingesetzt. Fast genauso lange sind zum Teil schwere Nebenwirkungen bekannt. Ab 2006 sp\u00e4ter verbannte beispielsweise China Polyacrylamid aus Produkten zur Brustvergr\u00f6\u00dferung, bis dahin erhielten laut Sch\u00e4tzungen etwa 200.000 Frauen Injektionen mit Polyacrylamid-haltigen Gelen in die Brust. In den USA bekamen derartige Filler erst gar keine Zulassung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch mit dem Aus f\u00fcr &#8222;Los Deline&#8220; ist das Problem der Gel-Implantate in Deutschland noch lange nicht erledigt. In den kommenden Jahren d\u00fcrften Tausende weitere Betroffene auftauchen, da die Komplikationen verz\u00f6gert auftreten. Wie viele solcher F\u00e4lle es aktuell gibt, wei\u00df niemand, Fachleute sprechen von Tausenden bis Zehntausenden potenziellen Betroffenen. Zudem wehrt sich Hersteller Biotrh laut eigener Aussage vor Gericht gegen den Entzug des Zertifikats, der Hersteller h\u00e4lt das &#8222;Los Deline&#8220;-Implantat weiterhin f\u00fcr sicher.<\/p>\n<p>    Probleme k\u00f6nnten sich wiederholen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass sich die Probleme wiederholen, ist auch keineswegs ausgeschlossen. Zwar wurde die europ\u00e4ische Medical Devices Regulation 2021 versch\u00e4rft, so m\u00fcssen Hersteller klinische Daten zur Sicherheit ihrer Medizinprodukte vorlegen &#8211; doch die gab es auch schon f\u00fcr &#8222;Aquafilling&#8220;. Auch weiterhin suchen sich die Firmen ihre Pr\u00fcfstelle selbst aus. &#8222;Aquafilling&#8220; und &#8222;Los Deline&#8220; waren von zwei unterschiedlichen Stellen offenbar problemlos zertifiziert worden. Zudem k\u00f6nnten die Regelungen k\u00fcnftig wieder gelockert werden, da Hersteller \u00fcber die b\u00fcrokratischen H\u00fcrden klagen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Ich kann einfach nicht verstehen, warum das Produkt in Deutschland zugelassen worden ist&#8220;, sagt Handwerkerin Alena heute. F\u00fcr ihre vielleicht lebensrettenden Operationen musste ihre Ersparnisse zur Altersvorsorge aufbrauchen, denn in der Regel zahlen die Krankenkasse solche Eingriffe nicht. Neben den k\u00f6rperlichen &#8211; und psychischen &#8211; Folgen qu\u00e4len Betroffene deshalb finanzielle Sorgen und die Angst vor einer ungewissen Zukunft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die komplette Recherche von Panorama 3 sehen Sie <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/panorama3\/meldungen\/schoenheits-ops-gefaehrliche-komplikationen-durch-medizinprodukt,aquafilling-implantate-102.html\" title=\"Panorama 3\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 25.09.2025 15:37 Uhr \u00dcber Jahre wurde ein Gel-Implantat unter anderem zur Brust- und Ges\u00e4\u00dfvergr\u00f6\u00dferung genutzt, das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":449637,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[13,116155,14,15,12,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-449636","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-headlines","9":"tag-implantate","10":"tag-nachrichten","11":"tag-news","12":"tag-schlagzeilen","13":"tag-top-news","14":"tag-top-meldungen","15":"tag-topmeldungen","16":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115265443159552103","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/449636","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=449636"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/449636\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/449637"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=449636"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=449636"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=449636"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}