{"id":450232,"date":"2025-09-25T20:09:28","date_gmt":"2025-09-25T20:09:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/450232\/"},"modified":"2025-09-25T20:09:28","modified_gmt":"2025-09-25T20:09:28","slug":"stiftung-familienunternehmen-lobby-fuer-superreiche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/450232\/","title":{"rendered":"&#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220;: Lobby f\u00fcr Superreiche?"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 25.09.2025 17:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220; hat ein mittelst\u00e4ndisches Image. Doch offenbar vertritt sie eher die Interessen superreicher Familien und Konzerne. Nach Panorama-Recherchen z\u00e4hlen einige der gr\u00f6\u00dften Firmen des Landes zu den Finanziers.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Sebastian Friedrich, Kevin Gensheimer, Timo Robben und Carlotta Smok, NDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das ganze Familienunternehmertum im Blick haben &#8211; das ist das Selbstverst\u00e4ndnis der &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220;. Doch Recherchen des ARD-Magazins Panorama zeigen, dass hinter dem Begriff Familienunternehmen in erster Linie Gro\u00dfkonzerne und Superreiche stehen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Gro\u00df und klein&#8220; &#8211; so beschreibt die &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220; die Vielfalt der Familienunternehmen, die sie vertreten will. Zwar r\u00e4umt die &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220; ein, dass auch Milliard\u00e4re zu ihren Unterst\u00fctzern geh\u00f6ren, doch tats\u00e4chlich spielen Gro\u00dfunternehmen und Konzerne eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als bisher bekannt. Denn bislang war weitgehend unbekannt, wer konkret die Stiftung unterst\u00fctzt. Die Stiftung selbst gibt dazu kaum Auskunft. Was bei anderen Lobbyorganisationen selbstverst\u00e4ndlich ist, bleibt hier unklar.<\/p>\n<p>    Schwarz-Gruppe, Bertelsmann und W\u00fcrth unter den F\u00f6rderern<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Recherchen von Panorama zeigen nun erstmals, dass zu den Unterst\u00fctzern weitere Konzerne und Milliard\u00e4rsfamilien geh\u00f6ren. So haben Rossmann, einer der gr\u00f6\u00dften Drogeriemarkt-Ketten Europas, Deichmann, Europas gr\u00f6\u00dfter Schuhh\u00e4ndler, sowie die W\u00fcrth-Gruppe, weltweiter Marktf\u00fchrer f\u00fcr Montage- und Befestigungsmaterial, ihre F\u00f6rderschaft gegen\u00fcber Panorama best\u00e4tigt. Auch Bertelsmann, Europas gr\u00f6\u00dfter Medienkonzern, gibt auf Anfrage an, die Stiftung zu f\u00f6rdern. Man pflege einen anlassbezogenen Austausch, etwa zu Themen wie B\u00fcrokratieabbau, erkl\u00e4rte ein Sprecher gegen\u00fcber Panorama.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Konzern unter den nun erstmals bekannten F\u00f6rderern ist die Schwarz-Gruppe, zu der unter anderem Lidl und Kaufland geh\u00f6ren. Sie z\u00e4hlt zu den gr\u00f6\u00dften Einzelh\u00e4ndlern der Welt und erwirtschaftete im vergangenen Jahr, mit rund 175 Milliarden Euro, den h\u00f6chsten Umsatz im europ\u00e4ischen Einzelhandel. Eine Sprecherin der Schwarz-Gruppe best\u00e4tigte, dass die Unternehmen der Schwarz Gruppe die &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220; f\u00f6rdern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">David Dei\u00dfner, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Stiftung, m\u00f6chte sich zu einzelnen Namen nicht \u00e4u\u00dfern, betont aber mit Verweis auf das Stiftungskuratorium: &#8222;Es ist nicht so, dass wir nur die Interessen der gro\u00dfen Familienunternehmen vertreten w\u00fcrden und kleinere und mittlere Unternehmen irgendwie in Sippenhaft nehmen.&#8220;<\/p>\n<p>    Gro\u00dfkonzerne keine Einzelf\u00e4lle<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch solche Gro\u00dfkonzerne sind im Netzwerk der &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220; keine Einzelf\u00e4lle. Das zeigt eine Datenanalyse von Panorama. Nach eigener Angabe z\u00e4hlt die Stiftung insgesamt 600 F\u00f6rderer. Auf Grundlage interner Dokumente und Anfragen an Hunderte Unternehmen konnte Panorama rund 123 Firmen identifizieren, die ihre F\u00f6rderschaft best\u00e4tigt haben oder bei denen es gravierende Hinweise auf eine Unterst\u00fctzung gibt und die dies nicht dementiert haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Lediglich zwei Firmen auf dieser Liste sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU), also Firmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 50 Millionen Euro. Das entspricht einem Anteil von 1,6 Prozent, der in die Kategorie kleine oder mittlere Betriebe f\u00e4llt. Demnach sind 98,4 Prozent der recherchierten F\u00f6rderer Gro\u00dfunternehmen, also Firmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Mitglieder&#8220; im formalen Sinn hat die Stiftung nicht. Die Namen der F\u00f6rderer gibt sie nicht bekannt. Zur Begr\u00fcndung sagt ihr Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dei\u00dfner gegen\u00fcber: &#8222;Es ist so, dass wir nicht die gesamte F\u00f6rderer-Community \u00f6ffentlich machen k\u00f6nnen. Das d\u00fcrfen wir nicht, das sind auch datenschutzrechtliche Fragen.&#8220;<\/p>\n<p>    Greenpeace: Stiftung repr\u00e4sentiert Superreiche aus klimasch\u00e4dlichen Branchen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Panorama nutzte unter anderem Dokumente, die Greenpeace zugespielt wurden. Die Redaktion \u00fcberpr\u00fcfte diese unabh\u00e4ngig und zog weitere Quellen hinzu. Die Umweltorganisation fand in einer eigenen Recherche zum gr\u00f6\u00dferen Netzwerk der &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220; und der damit verbundenen &#8222;Stiftung Familienunternehmen und Politik&#8220; sogar 258 Unternehmen &#8211; und analysierte deren Klimasch\u00e4dlichkeit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">2021 entstand zus\u00e4tzlich die &#8222;Stiftung Familienunternehmen und Politik&#8220;, die im Lobbyregister gef\u00fchrt wird und nicht gemeinn\u00fctzig ist &#8211; anders als die urspr\u00fcngliche Stiftung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wiebke Denkena von Greenpeace erkl\u00e4rt, man habe sich mit der &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220; befasst, weil Konzerne bestimmter Branchen in besonderer Weise klimasch\u00e4dlich seien und Hochverm\u00f6gende oft einen klimabelastenden Lebensstil pflegten. Die Recherche zeige auch, dass der Schwerpunkt der Unternehmen des Netzwerks der &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220; auf besonders klimasch\u00e4dlichen Branchen liege.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">W\u00e4hrend Greenpeace also das weitere Netzwerk der Stiftung untersuchte, etwa Personen, Familien und Unternehmen, die im direkten und indirekten Kontakt mit der Stiftung stehen, nahm Panorama nur deren Kern, also die F\u00f6rderstruktur, in den Blick.<\/p>\n<p>    Betreibt die &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220; einen Etikettenschwindel?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220; wird seit Jahren vorgeworfen, in erster Linie die Interessen von Superreichen und Konzernen zu vertreten &#8211; und dabei vom mittelst\u00e4ndischen Image von Familienunternehmen zu profitieren. NGOs wie Finanzwende, Lobbycontrol und das Netzwerk Steuergerechtigkeit \u00e4u\u00dferten diesen Vorwurf bereits fr\u00fcher, ohne jedoch die hier recherchierten Namen zu kennen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dei\u00dfner weist das zur\u00fcck. Man habe immer deutlich gemacht, dass die F\u00f6rderer eher gr\u00f6\u00dfere Unternehmen seien. Tats\u00e4chlich hei\u00dft es auf der Homepage der Stiftung, sie werde &#8222;getragen von rund 600 Firmen aus dem Kreis gr\u00f6\u00dferer Familienunternehmen&#8220;. Gleichzeitig betont sie aber regelm\u00e4\u00dfig die Vielfalt der Familienunternehmen. 90 Prozent aller privatwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland seien Familienunternehmen &#8211; gro\u00dfe wie kleine. In ihrer Selbstdarstellung schreibt die Stiftung auf ihrer Homepage: &#8222;Viele gro\u00dfe und mittlere Familienunternehmen f\u00f6rdern die Stiftung.&#8220;<\/p>\n<p>    Lobby-Experte kritisiert mangelnde Transparenz<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wer die 600 F\u00f6rderer genau sind, bleibt weiterhin unklar. Auf Anfrage verweist die Stiftung auf die Mitglieder ihres Kuratoriums. Unter den dort aufgef\u00fchrten gut 50 Namen finden sich Vertreter etwa der Oetker-Gruppe, der Drogeriemarktkette dm und des Konsumg\u00fcter- und Chemiekonzerns Henkel.<\/p>\n<p>Das reiche nicht aus, meint der Lobbyismus-Experte Dieter Plehwe vom Wissenschaftszentrum Berlin f\u00fcr Sozialwissenschaften (WZB). Der Politikwissenschaftler besch\u00e4ftigt sich seit vielen Jahrzehnten mit Lobbyismus und hat in den 2000er-Jahren die NGO Lobbycontrol mitgegr\u00fcndet, ist dort aber inzwischen nicht mehr aktiv. Wer nicht offenlege, wer die Arbeit finanziere, m\u00fcsse sich den Vorwurf der Verschleierung gefallen lassen, so Plehwe.<\/p>\n<p>    Zentrale Themen: Erbschaftssteuer<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Stiftung setzte sich in der Vergangenheit etwa beim Thema Erbschaftsteuer besonders f\u00fcr eine Ausnahmeregelung auch f\u00fcr gro\u00dfe Erbschaften ein. Dank dieser sogenannten &#8222;Verschonungsbedarfspr\u00fcfung&#8220; k\u00f6nnen auch gro\u00dfe Erbschaften von \u00fcber 26 Millionen Euro bei geschickter Gestaltung weitgehend steuerfrei bleiben. &#8222;Der gr\u00f6\u00dfte Erfolg der Stiftung war es, ein transparentes, \u00fcbersichtliches und faires Erbschaftsteuerrecht zu verhindern&#8220;, sagt der langj\u00e4hrige SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding gegen\u00fcber Panorama.<\/p>\n<p>Die Stiftung Familienunternehmen wurde 2002 von Brun-Hagen Hennerkes gegr\u00fcndet. J\u00e4hrlich l\u00e4dt die Stiftung Familienunternehmen und seit 2021 die Stiftung Familienunternehmen und Politik zum &#8222;Tag des Familienunternehmens&#8220; ein, zuletzt im Mai ins Hotel Adlon in Berlin. Dort sprach unter anderem CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mehr zu diesem und anderen Themen sehen Sie heute um 21:45 Uhr bei Panorama im Ersten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 25.09.2025 17:00 Uhr Die &#8222;Stiftung Familienunternehmen&#8220; hat ein mittelst\u00e4ndisches Image. 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