{"id":450907,"date":"2025-09-26T02:40:13","date_gmt":"2025-09-26T02:40:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/450907\/"},"modified":"2025-09-26T02:40:13","modified_gmt":"2025-09-26T02:40:13","slug":"streit-um-statue-auf-grab-wie-bunt-darf-ein-grabmal-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/450907\/","title":{"rendered":"Streit um Statue auf Grab: Wie bunt darf ein Grabmal sein?"},"content":{"rendered":"<p>Die Frage, wie individuell Orte der Trauer auf Friedh\u00f6fen sein d\u00fcrfen, hat in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Baden-W%C3%BCrttemberg\" title=\"Baden-W\u00fcrttemberg\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Baden-W\u00fcrttemberg<\/a> auch das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Verwaltungsgericht_Stuttgart\" title=\"Verwaltungsgericht Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verwaltungsgericht Stuttgart<\/a> besch\u00e4ftigt. Hier wirft Harald Schott am Donnerstag einen Flyer in den Briefkasten. Der 68-J\u00e4hrige hat 2019 seinen Sohn Ricardo verloren und ihm in Wallhausen bei Schw\u00e4bisch Hall ein Grabmal errichtet. Das Verwaltungsgericht hat die Frage nach individueller Trauer dahingehend beantwortet, dass eine mit Sockel etwa 1,50 Meter gro\u00dfe, orange-gelbe Statue, die Ricardo abbilden soll, jenseits des Zumutbaren f\u00fcr andere Friedhofsbesucher liegt.<\/p>\n<p>In der Folge eines langwierigen Rechtsstreits zwischen der Familie Schott und der Gemeinde Wallhausen musste die Skulptur Ende 2024 abgebaut werden. \u201eEine Berufung des Stuttgarter Urteils ist am Verwaltungsgerichtshof Mannheim nicht zugelassen worden\u201c, sagt Schott. Das Verwaltungsgericht begr\u00fcndete seine Entscheidung damals unter anderem damit, dass \u201eaufdringliche oder effektheischende Grabmale\u201c f\u00fcr ein ungest\u00f6rtes Totengedenken nicht geeignet seien, wie der SWR damals berichtete.<\/p>\n<p>Gef\u00fchle der Hinterbliebenen verletzt <\/p>\n<p>Auch nach juristischen Niederlagen bleibt Harald Schott dabei: Das Grabmal, helle Farbe hin oder her, sei unproblematisch und schon gar nicht \u201eeffektheischend\u201c. Im Gegenteil: \u201eRicardo war Grafikdesigner, die bunten Farben passen zu ihm.\u201c Er k\u00f6nne auch heute \u201enoch nicht fassen, was f\u00fcr ein Urteil gef\u00e4llt wurde\u201c, sagt er. Nicht so trauern zu d\u00fcrfen, wie man wolle, verletze nicht nur seine Gef\u00fchle, sondern auch die seiner Frau, seiner Freunde, die von anderen Hinterbliebenen.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/media.media.184b4818-9847-40e8-8c15-d00be9f32fad.original1024.media.jpeg\"\/>     Vater Hartmut Schott vor dem Verwaltungsgericht    Foto: Sascha Maier    <\/p>\n<p>Deswegen k\u00e4mpft er weiterhin daf\u00fcr, die Statue wieder aufstellen zu d\u00fcrfen. Heute ist er in Stuttgart und wirft den Flyer in den Briefkasten des Gerichts. Sp\u00e4ter will er noch vor dem Staatsministerium gegen die Entscheidung protestieren. Die juristischen Mittel seien ausgesch\u00f6pft. Mit dieser Aktion will der Vater zeigen, dass es ihm ernst ist, mit den Beteiligten nochmals in einen Dialog zu treten und hofft auf eine Neubewertung des Sachverhalts. Daf\u00fcr nimmt der gl\u00e4ubige Christ sogar einen knapp einst\u00fcndigen Fu\u00dfmarsch im Regen in Kauf \u2013 vom Verwaltungsgericht bis zum Staatsministerium. Um den K\u00f6rper tr\u00e4gt er ein Plakat, das das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Grab\" title=\"Grab\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Grab<\/a> seines Sohnes zeigt, so wie es aussah, bevor das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Gericht\" title=\"Gericht\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gericht<\/a> zum Nachteil der Familie urteilte.<\/p>\n<p>Vers\u00e4umnisse bei der Genehmigung <\/p>\n<p>Mit seiner Meinung, dass die Statue den Friedhofsfrieden nicht gest\u00f6rt habe, steht der Vater nicht alleine da \u2013 wenn man den Argumenten auf dem eingeworfenen Faltblatt folgt. Dort wird Herbert Schneider, der Verbandsvorsitzende der Friedhofsverwalter in Deutschland e.V., mit der Einsch\u00e4tzung zitiert, dass \u201ean der beanstandeten Skulptur nichts Anst\u00f6\u00dfiges oder gar Sittenwidriges\u201c zu entdecken sei. Die Familie argumentiert au\u00dferdem damit, dass das Gericht bei der Entscheidung keine Expertise hinzugezogen habe, \u201edie friedhofsfachliche Perspektive\u201c gefehlt habe. \u201eIch w\u00fcnsche mir auch, dass sich die verstaubte Gesetzeslage hier \u00e4ndert.\u201c Dabei gebe es f\u00fcr den Hauptfriedhof in Wallhausen \u2013 im Gegensatz zu dem anderen <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Friedhof\" title=\"Friedhof\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Friedhof<\/a> an der Kirche im Ort \u2013 keine speziellen Gestaltungsvorschriften; auch ein Grund, warum er Ricardo gerade dort ein Grabmal errichten wollte.<\/p>\n<p>Die Argumente, die die Gemeinde Wallhausen im Rechtsstreit ins Feld gef\u00fchrt hatte, waren pragmatischer: Es habe Klagen \u00fcber die Ricardo-Figur gegeben. Die Statue sei so nie genehmigt worden, hie\u00df es au\u00dferdem. Laut einem SWR-Bericht sei lediglich f\u00fcr ein mit 70 Zentimetern nur halb so hohes Grabmal gr\u00fcnes Licht gegeben worden, die \u201esignalorangene\u201c Farbe sei verschwiegen worden.<\/p>\n<p>Hartmut Schott dementiert gar nicht, dass er den Genehmigungsvorschriften damals nicht in allen Details nachgekommen war. \u201eWir waren in tiefer Trauer\u201c, so der Psychologe und Seelsorger, der mit seinem Plakat um den Hals in der Innenstadt, wo er inzwischen angelangt ist, neugierige Blicke auf sich zieht. Er habe aber einen Nachantrag gestellt, der abgeschmettert worden sei.<\/p>\n<p>Seine Hauptanliegen nun: Dass sich der Gemeinderat in Wallhausen mit ihm an einen Tisch setzt und mit ihm gemeinsam einen L\u00f6sung findet, mit der alle leben k\u00f6nnten. \u201eDer Sinn von Politik ist Freiheit, um ein Miteinander der Verschiedenen\u201c, steht auf der R\u00fcckenseite des Plakats, das er mit sich herumschleppt. Es ist der Titel eines Buchs von Ministerpr\u00e4sident Winfried Kretschmann, in dem sich dieser mit der j\u00fcdischen Publizistin Hannah Arendt auseinandersetzt. Hartmut Schott findet, das Zitat des Politikers sei ein guter Startpunkt, um mit der Gemeinde zum Thema Trauerbew\u00e4ltigung in Dialog zu treten.<\/p>\n<p> Zu Kompromissen bereit <\/p>\n<p>Dabei gibt sich Schott kompromissbereit: \u201eWenn es Menschen gibt, die sich an dem Grab so st\u00f6ren, k\u00f6nnte ich mir vorstellen, meinen Sohn umzubetten, an eine weniger prominente Stelle.\u201c Auch eine Hecke um das Grab zu ziehen w\u00e4re f\u00fcr ihn denkbar.<\/p>\n<p>Noch sei unklar, ob sich die Verwaltung und der Gemeinderat des 3.700-Einwohner-Orts noch einmal des Falls annehmen werden. Solange bleibt die Ricardo-Skulptur, bei deren Abbau Schott beigewohnt und erneut mit den Tr\u00e4nen gerungen habe, wie er erz\u00e4hlt, bei ihm zuhause im Keller.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Frage, wie individuell Orte der Trauer auf Friedh\u00f6fen sein d\u00fcrfen, hat in Baden-W\u00fcrttemberg auch das Verwaltungsgericht Stuttgart&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":450908,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[8296,31099,1634,3364,29,2690,30,42742,78013,1441,116482,116481],"class_list":{"0":"post-450907","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-friedhof","9":"tag-abbau","10":"tag-baden-wuerttemberg","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-gericht","14":"tag-germany","15":"tag-grab","16":"tag-ricardo","17":"tag-stuttgart","18":"tag-verwaltungsgericht-stuttgart","19":"tag-wallhausen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115268290159757067","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/450907","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=450907"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/450907\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/450908"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=450907"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=450907"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=450907"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}