{"id":452266,"date":"2025-09-26T15:36:20","date_gmt":"2025-09-26T15:36:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/452266\/"},"modified":"2025-09-26T15:36:20","modified_gmt":"2025-09-26T15:36:20","slug":"90-strafrechtler-basteln-an-der-stpo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/452266\/","title":{"rendered":"90 Strafrechtler basteln an der StPO"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Es ist der Herbst der Reformkommissionen, auch im Bundesjustizministerium: Dort arbeiten seit Donnerstag in sechs Arbeitsgruppen rund 90 Strafrechtsexperten an einer Reform der StPO. Das Ziel: Strafprozesse sollen effizienter werden.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Wenn das fachliche Knowhow im eigenen Haus nicht ausreicht, um einen Gesetzentwurf auszuarbeiten, bem\u00fchen Ministerien seit eh und je externen Sachverstand und Expertise hinzu. Bei gro\u00dfen Reformprojekten werden dann Kommissionen gebildet, um alle fachlich-relevanten Player um Rat zu fragen.\u00a0<\/p>\n<p>So geschehen seit Donnerstag auch bei der im Koalitionsvertrag angek\u00fcndigten &#8222;grundlegenden&#8220; \u00dcberarbeitung der Strafprozessordnung (StPO). Etwa 90 Personen aus Wissenschaft, Praxis und Bundesl\u00e4ndern werden sich in den n\u00e4chsten Monaten in sechs Arbeitsgruppen die StPO zu Brust nehmen und auf ihren Reformbedarf abklopfen. Liefern sollen sie bis zum Herbst 2026. &#8222;Im Mittelpunkt der Kommissionsarbeiten soll die Frage stehen, wie sich strafgerichtliche Hauptverhandlungen z\u00fcgiger und effizienter durchf\u00fchren lassen \u2013 ohne zentrale rechtsstaatliche Verfahrensgrunds\u00e4tze preiszugeben&#8220;, hei\u00dft es in einer Erkl\u00e4rung des Bundesministeriums der Justiz und f\u00fcr Verbraucherschutz (BMJV).\u00a0<\/p>\n<p>Mehr Effizienz im Strafprozess, ohne Einbu\u00dfen von Rechtsstaatlichkeit? Klar ist schon jetzt: Der Arbeitsauftrag f\u00fcr die Kommission bedeutet f\u00fcr die Beteiligten eine Herkulesaufgabe und es ist davon auszugehen, dass es in den n\u00e4chsten Monaten zu hitzigen Diskussionen kommen wird. Kontroversen zwischen Strafverfolgern und Richtern mit Vertretern aus der Anwaltschaft d\u00fcrften vorprogrammiert sein.\u00a0<\/p>\n<p>Keine formellen Abstimmungen, sondern &#8222;einvernehmliche Empfehlungen&#8220;<\/p>\n<p>Der Kommission im engeren Sinne werden 22 Mitglieder unter dem Vorsitz der BMJV-Ministerialdirektorin Dr. Heike Neuhaus angeh\u00f6ren. Vom Bundesgerichtshof wurde der Vorsitzende Richter Prof. J\u00fcrgen Sch\u00e4fer berufen, die Bundesanwaltschaft vertritt Prof. Hartmut Schneider. Aus der Strafrechtslehre sind die Professoren Anna Albrecht (Potsdam), Katrin H\u00f6ffler (Berlin), Hans Kudlich (Erlangen-N\u00fcrnberg) und Arndt Sinn (Osnabr\u00fcck) dabei. Daneben dann vier Vertreter aus der Anwaltschaft, drei aus den Richterverb\u00e4nden und Juristinnenbund sowie acht L\u00e4ndervertreter.<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug. Weitere knapp 70 Experten werden in sechs eingerichteten Arbeitsgruppen die Basisarbeit der Reform leisten.\u00a0<\/p>\n<p>Die Arbeitstitel der AGs lauten:<\/p>\n<ul>\n<li>Rechtsmittel und Instanzenzug<\/li>\n<li>Strafbefehl, Beschleunigtes Verfahren, Verfahren vor den Amtsgerichten<\/li>\n<li>Durchf\u00fchrung der Hauptverhandlung \u2013 Verhandlungsf\u00fchrung<\/li>\n<li>Beweistransfer und Unmittelbarkeit<\/li>\n<li>Beweisaufnahme<\/li>\n<li>Zwischenverfahren, Verteidigung, Opferbeteiligung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Drei dieser Arbeitsgruppen werden von Mitarbeitern des BMJV geleitet, die anderen von Vertretern der L\u00e4nder. Erste Arbeitstermine, hei\u00dft es, seien bereits vereinbart. Nach au\u00dfen dringen soll jedoch nichts: In den Arbeitsgruppen wurde Vertraulichkeit vereinbart.\u00a0<\/p>\n<p>Fest steht auch, dass es in den AGs keine formellen Abstimmungen zu Streitpunkten geben wird. Ziel seien, so erl\u00e4utert eine BMJV-Sprecherin, vielmehr &#8222;einvernehmliche Empfehlungen&#8220;, die in den Abschlussbericht einflie\u00dfen sollen. Angesichts der Vielzahl von Kontroversen im Bereich Strafprozess darf man gespannt sein, wie umfassend dieser am Ende ausfallen wird.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>DAV und NRV setzen auf Dokumentation der Hauptverhandlung<\/p>\n<p>Eines der kontroversen Themen wird sicher die Dokumentation der Hauptverhandlung sein. Strafrechtler Prof. Ali B. Norouzi ist f\u00fcr den Deutschen Anwaltverein (DAV) eines der 22 Kommissionsmitglieder. &#8222;F\u00fcr den DAV bleibt die Dokumentation der Hauptverhandlung \u2013 ob in dieser Legislatur oder der n\u00e4chsten \u2013 ein wichtiger Schritt, der viele Problemfelder l\u00f6sen und zur Transparenz des Verfahrens beitragen kann,&#8220; so Norouzi dazu.\u00a0<\/p>\n<p>Auch das Kommissionsmitglied der Neuen Richtervereinigung (NRV), Richter am Landgericht Sven Kersten, sieht das so. Die Audio-Dokumentation der Hauptverhandlung sei ein Herzensanliegen der NRV. \u201dAber auch eine Reform des Instanzenzuges und des Rechtsmittelrechts, ohne dabei die Beschuldigtenrechte aus dem Blick zu verlieren, wird ein wichtiger Schwerpunkt sein&#8220;, so Kersten.<\/p>\n<p>Eine audio-visuelle Dokumentation der Hauptverhandlung gilt seit jeher vor allem als Herzensanliegen der Anwaltschaft. Ob sich die neue Kommission darauf verst\u00e4ndigen wird, ist indes \u00e4u\u00dferst fraglich: In der letzten Wahlperiode\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/justiz\/j\/bundesrat-blockade-dokumentation-hauptverhandlung-virtuelle-justiz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">scheiterte der damalige Bundesjustizminister Marco Buschmann sogar damit, Bundesl\u00e4nder und Justiz von einer abgeschw\u00e4chten Dokumentationsvariante zu \u00fcberzeugen<\/a>. Sein Gesetzentwurf versauerte im Vermittlungsausschuss.<\/p>\n<p>Angesprochen auf den Arbeitsauftrag der Kommission, f\u00fcr einen effizienteren Strafprozess zu sorgen, betont Norouzi gegen\u00fcber LTO, dass f\u00fcr ihn\u00a0der Begriff der &#8222;Effizienz&#8220;\u00a0nicht negativ konnotiert, sondern ein neutraler Begriff sei.\u00a0<\/p>\n<p>Stefanie Hubig: &#8222;Strafprozesse dauern zu lange&#8220;<\/p>\n<p>Nach dem Willen der Bundesregierung soll es in der Kommission in erster Linie um Beschleunigung gehen. &#8222;Strafprozesse in Deutschland dauern oft zu lange&#8220;, beklagt Bundesministerin der Justiz und f\u00fcr Verbraucherschutz Dr. Stefanie Hubig (SPD).\u00a0Straft\u00e4ter sollten z\u00fcgig ihr Urteil erhalten, w\u00e4hrend die Rechte von Beschuldigten und Opfern gewahrt bleiben m\u00fcssen. &#8222;Deshalb straffen und modernisieren wir die Strafprozessordnung. Um der Kriminalit\u00e4t des 21. Jahrhunderts effektiv zu begegnen, brauchen wir neue Verfahrensregeln&#8220;, so Hubig.<\/p>\n<p>Formal abgeschlossen sollen die Arbeiten der Kommission sp\u00e4testens zum Ende des n\u00e4chsten Jahres mit der Vorlage und anschlie\u00dfenden Ver\u00f6ffentlichung des Kommissionsberichts. Ein \u00f6ffentlicher Zwischenbericht ist nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Aufbauend auf den entsprechenden Empfehlungen wird das BMJV sodann einen Referentenentwurf erarbeiten, der laut der Ministeriumssprecherin &#8222;so fr\u00fchzeitig vorgelegt werden soll, dass das Gesetzgebungsverfahren noch in der laufenden Legislaturperiode abgeschlossen werden kann&#8220;. \u00a0<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tGigantisches Reformprojekt im BMJV gestartet:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t26.09.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/58253 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t26.09.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist der Herbst der Reformkommissionen, auch im Bundesjustizministerium: Dort arbeiten seit Donnerstag in sechs Arbeitsgruppen rund 90&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":452267,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[5862,29,5863,30,13,5860,5861,14,15,1009,5864,5866,5865,12,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-452266","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-analysen","9":"tag-deutschland","10":"tag-experten","11":"tag-germany","12":"tag-headlines","13":"tag-hintergruende","14":"tag-hintergrundinformationen","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-recht","18":"tag-rechtsexperten","19":"tag-rechtsfragen","20":"tag-rechtsthemen","21":"tag-schlagzeilen","22":"tag-top-news","23":"tag-top-meldungen","24":"tag-topmeldungen","25":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115271345282013405","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/452266","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=452266"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/452266\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/452267"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=452266"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=452266"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=452266"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}