{"id":453130,"date":"2025-09-26T23:49:11","date_gmt":"2025-09-26T23:49:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/453130\/"},"modified":"2025-09-26T23:49:11","modified_gmt":"2025-09-26T23:49:11","slug":"was-literatur-mit-hiphop-gemeinsam-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/453130\/","title":{"rendered":"Was Literatur mit HipHop gemeinsam hat"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Einen Preis entgegenzunehmen, ist eine neue Erfahrung f\u00fcr Kurt Tallert. In der \u00d6ffentlichkeit zu stehen, nicht: Das tut der 39-J\u00e4hrige l\u00e4ngst als Musiker und Produzent unter dem Namen Retrogott. Nun aber hat er sich als Autor nicht nur ein neues Genre erobert, sondern mit seinem Buch \u201eSpur und Abweg\u201c auch den Uwe-Johnson-F\u00f6rderpreis, der alle zwei Jahre f\u00fcr ein herausragendes Prosa-Deb\u00fct vergeben wird.<\/p>\n<p>\u201eSampling\u201c auf Spurensuche in Biografie des Vaters<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Als \u00e4sthetische Gemeinsamkeit zwischen HipHop und Literatur beschrieb Kurt Tallert bei der Preisverleihung am Freitagabend in Neubrandenburg, sich mit Vergangenem auseinanderzusetzen und aus vorhandenem Material etwas Neues zu erschaffen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Dem \u201eSampling\u201c seines Buches liegt eine Spurensuche in der Biografie seines Vaters und deren Wirkung auf sein eigenes Selbstverst\u00e4ndnis zugrunde. Aus Tagebuchaufzeichnungen, Briefen, Notizen, Dokumenten rekonstruiert er das lebenslange Trauma des von den Nazis als \u201eHalbjude\u201c geschm\u00e4hten Harry Tallert (1927-1997): den Verlust von Zugeh\u00f6rigkeit, das Leiden unter einer ihm zugeschriebenen Identit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Erstmals in der 20-j\u00e4hrigen Geschichte des Uwe-Johnson-F\u00f6rderpreises, den die Mecklenburgische Literaturgesellschaft (MLG) gemeinsam mit dem Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg und der Berliner Kanzlei Gentz vergibt, ist das Preistr\u00e4gerbuch kein Roman. Als \u201eautobiografischen Essay mit belletristischen Ambitionen und autofiktionalen Anleihen\u201c beschreibt Tallert es in seiner Dankesrede und bekennt, als N\u00e4chstes durchaus auch Lust auf einen Roman zu haben.<\/p>\n<p>Bewusste Abwege von der vorgezeichneten Spur<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Als \u201epoetisch und lakonisch zugleich\u201c w\u00fcrdigt Laudatorin Annette Leo die Sprache des Preistr\u00e4gers und bekennt, von dessen Buch \u00fcberrascht worden zu sein: \u201eWovon er erz\u00e4hlt, ist mir vertraut &#8211; dachte ich jedenfalls\u201c, sagte die Historikerin und Autorin, deren Vater ebenfalls aus einer j\u00fcdischen Familie stammte.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Doch Kurt Tallert blicke aus einer ganz anderen Perspektive auf die NS-Zeit, und das nicht nur aus der gr\u00f6\u00dferen Distanz der n\u00e4chsten Generation. Er entwickle einen \u201eStrom des Erinnerns, der keineswegs geradlinig verl\u00e4uft\u201c. Die titelgebende Spur sei nicht nur als hinterlassenes Zeichen zu verstehen, eher als vorgezeichnete, \u201egespurte\u201c Loipe, die bewusst um der Abwege willen verlassen werde.<\/p>\n<p>Hochkar\u00e4tige Lesereihe und Preistr\u00e4ger-Schar<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Dem Namenspatron des Preises w\u00e4re Kurt Tallert ganz sicher sympathisch gewesen, weil er \u201ehinter die Kruste des Gewesenen\u201c schaue, befand Germanist Prof. Carsten Gansel, Vorstandsvorsitzender der Mecklenburgischen Literaturgesellschaft. Den Schriftsteller Uwe Johnson (1934-1984) dem Lesepublikum seiner Heimat nahe zu bringen, hat sich die Vereinigung mit den seit 1994 ausgerichteten Uwe-Johnson-Tagen auf die Fahnen geschrieben &#8211; die diesj\u00e4hrige Reihe bietet bis Mitte November Veranstaltungen unter anderem mit Helga Schubert, Gitta Lindemann, Jakob Hein und Charly H\u00fcbner auf.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Zum 1995 ins Leben gerufenen Uwe-Johnson-Preis, den bislang unter anderem Walter Kempowski, Christoph Hein, Christa Wolf, Lutz Seiler, Jenny Erpenbeck und zuletzt Iris Wolff erhielt, gesellte sich 2005 im j\u00e4hrlichen Wechsel der F\u00f6rderpreis f\u00fcr literarische Deb\u00fcts, die \u201eebenso unbestechlich und jenseits der ,einfachen Wahrheiten&#8216; deutsche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft reflektieren\u201c.<\/p>\n<p>Signal gegen \u201eVerdumpfbackung\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">So auch Kurt Tallert, der ein \u201ein mehrfacher Hinsicht au\u00dfergew\u00f6hnliches Buch\u201c geschrieben habe, so die Jury: \u201eEr f\u00fcllt beim Erz\u00e4hlen Leerstellen der Vergangenheit und w\u00e4hlt Abwege der Erinnerung, um der Spur seines Vaters folgen zu k\u00f6nnen. Die Spur verl\u00e4uft quer durch die Gegenwart.\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Dank zollt Tallert denn auch der Anerkennung f\u00fcr sich ebenso wie f\u00fcr seinen Vater. Das Vergessen aufzuhalten, sei \u201eAufgabe jeder Generation\u201c, fordert er: \u201eWenn man den Kampf aufgibt, siegt die Verdumpfbackung der Debatte.\u201c<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eSpur und Abweg\u201c ist erschienen im DuMont Buchverlag, K\u00f6ln (240 Seiten, ISBN 978-3-7558-0525-0).<\/p>\n<p>Reihenweise LiteraturSo gehen die Uwe-Johnson-Tage weiter<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">2. 10., Stadtarchiv Neubrandenburg: \u201eAus dem (verschwiegenen) Innenleben der DDR\u201c &#8211; Aram Radomskis Filme und der Weg zur Wende<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">7. 10., Frau Rilke Buchladen Neustrelitz: \u201eSchwebende Lasten\u201c mit Annett Gr\u00f6schner<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">8. 10., Kunstsammlung Neubrandenburg: \u201eDer heutige Tag. Ein Stundenbuch der Liebe\u201c mit Helga Schubert<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">9. 10., Kulturquartier Neustrelitz: \u201eMeine Fensterpl\u00e4tze\u201c mit Gitta Lindemann<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">23. 10., Regionalbibliothek Neubrandenburg: \u201eDie vorletzte Frau\u201c mit Katja Oskamp<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">27. 10., Kunstsammlung Neubrandenburg: \u201eZ\u00e4rtlicher Regen, Erinnerung. Die Dichterin Eva Strittmatter\u201c &#8211; Film und Gespr\u00e4ch mit Leonore Brandt<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">30. 10., Stadtarchiv Neubrandenburg: \u201eWie Grischa mit einer verwegenen Idee beinahe den Weltfrieden ausl\u00f6ste\u201c mit Jakob Hein<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">6. 11., Stadtarchiv Neubrandenburg: \u201eMedienskepsis in Ostdeutschland. Warum das Misstrauen in den Journalismus kein Erbe der DDR ist\u201c mit Michael Meyen<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">11. 11., Regionalbibliothek Neubrandenburg: \u201eAngela Merkel. Zwischen Legende und Wirklichkeit &#8211; Die kritische Biografie\u201c mit Klaus-R\u00fcdiger Mai<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">13. 11., Schauspielhaus Neubrandenburg: \u201eWenn du w\u00fcsstest, was ich wei\u00df &#8230; Uwe Johnson &#8211; Der Autor meines Lebens\u201c mit Charly H\u00fcbner<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">14. 11., Uwe-Johnson-Bibliothek G\u00fcstrow: \u201eBlitz aus heiterem Himmel\u201c mit Carsten Gansel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Einen Preis entgegenzunehmen, ist eine neue Erfahrung f\u00fcr Kurt Tallert. 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