{"id":453670,"date":"2025-09-27T04:50:14","date_gmt":"2025-09-27T04:50:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/453670\/"},"modified":"2025-09-27T04:50:14","modified_gmt":"2025-09-27T04:50:14","slug":"dresden-bilder-zeigen-die-ddr-durch-roger-melis-augen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/453670\/","title":{"rendered":"Dresden: Bilder zeigen die DDR durch Roger Melis&#8216; Augen"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\n<a name=\"Die\">Die<\/a> beiden Tauben haben es offenbar eilig. Auf dem Foto, das Roger Melis 1979 vor der Neuen Wache in Berlin machte, trippeln sie gesch\u00e4ftig \u00fcber den leergefegten Platz Richtung Bildrand. Die Menschenmenge, die sich hinter einer Absperrung um den Platz versammelt hat, die beiden Wachsoldaten vor dem Portal und das einsame Mikrophon in der Mitte \u2013 alles scheint in Erwartung dieser beiden V\u00f6gel zu verharren. Spekulationen dar\u00fcber, ob es sich bei dieser Szene eigentlich um eine bevorstehende Wachabl\u00f6sung oder um eine Kundgebung zum <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/deutsche-einheit\/mauerfall\/demonstration-plauen-tag-der-republik-102.html\" title=\"7. Oktober 1989: Demonstration in Plauen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tag der Republik<\/a> handelt, bleiben dem Betrachter \u00fcberlassen.\n<\/p>\n<p>Fotos zeigen stille Augenblicke, jenseits aller Sensation<\/p>\n<p class=\"text\">\nMit wunderbarer Beil\u00e4ufigkeit hat Roger Melis diesen Augenblick festgehalten, der die Zeit, in der er lebte, doch so gut charakterisiert. Das Foto ist Teil seiner Retrospektive im <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/sachsen-kollwitz-leonhardi-hegenbarth-kuenstlermuseen-100.html\" title=\"K\u00fcnstlermuseen: Wo man K\u00e4the Kollwitz und Josef Hegenbarth \u00fcber die Schulter schauen kann\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leonhardi-Museum in Dresden<\/a>, das Aufnahmen aus den 1960er- bis Anfang der 1990er-Jahre versammelt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Der Fotograf muss das Leben \u00fcberraschen, praktisch beim Sprung aus dem Bett&#8220;, formulierte schon Henri Cartier Bresson 1952 in seinem Essay &#8222;Images \u00e0 la sauvette&#8220; sein Credo f\u00fcr gute Stra\u00dfenfotografie. Keine mit Bedeutung \u00fcberladenen Szenen gelte es abzubilden, sondern verdichtete Momente voller Leichtigkeit, forderte er.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Die Stars waren die einfachen Leute.<\/p>\n<p>Bernd Heise, Museumsdirektor<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nAuch die Fotos von Roger Melis zeigen stille Augenblicke, jenseits aller Sensation. Museumsdirektor Bernd Heise ist zugleich von der formalen Strenge der Bildkomposition begeistert. &#8222;Die Sachen haben immer eine Form, die sich behauptet. Und das ist ja mindestens ebenso wichtig wie der Inhalt.&#8220;\n<\/p>\n<p>Hommage an Ausstellungsort Dresden<\/p>\n<p class=\"text\">\nAus allen Themen, die Roger Melis in seiner <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/chemnitz\/chemnitz-stollberg\/foto-geschaeft-herbst-geschichte-dittersdorf-100.html\" title=\"70 Jahre &quot;Foto Herbst&quot; in Dittersdorf: Ein ganzes Leben in Bildern\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fotokunst<\/a> bearbeitete, suchte sich Heise die seiner Ansicht nach besten und wichtigsten Fotos f\u00fcr die \u00dcberblicksschau heraus. Als Bildreporter f\u00fcr Zeitschriften und im Eigenauftrag fotografierte Roger Melis etwa das d\u00f6rfliche Leben, Handwerksberufe, Kinder und Jugendliche oder Stra\u00dfenszenen. In <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausflug-tipps\/dresden-tag-ausflug-sehenswuerdigkeiten-106.html\" title=\"Dresden an einem Tag: Die Top 6 Sehensw\u00fcrdigkeiten f\u00fcr einen Ausflug\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dresden<\/a> h\u00e4ngen jedoch auch Bilder mit einem konkreten Bezug zum Ausstellungsort.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;In diesem Raum gibt es quasi einen Essay \u00fcber Mei\u00dfen, wo er einfach Alltagssituationen in Kneipen und Caf\u00e9s fotografiert hat,&#8220; erl\u00e4utert Heise im Erdgeschoss des verwinkelten Museumsbaus. Auch Dresden ist mit einigen Aufnahmen vertreten. &#8222;Bei den K\u00fcnstlerportr\u00e4ts sind acht K\u00fcnstler dabei, die wir hier selbst auch schon ausgestellt haben&#8220;,  freut sich Heise.\n<\/p>\n<p><a name=\"Portraits\">Portraits<\/a> von Nina Hagen bis Manfred Krug<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas Portr\u00e4tschaffen Roger Melis\u2019 bildet einen zweiten Schwerpunkt der Schau. Seine 1963 entstanden Aufnahmen sind eine Art Bestandsaufnahme der kulturellen und intellektuellen Szene Berlins. Von Helene Weigel und <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/politik-gesellschaft\/anna-seghers-schriftstellerin-100.html\" title=\"Anna Seghers: Ein geteiltes Leben\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Anna Seghers<\/a>, Peter Hacks und Heiner M\u00fcller bis <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/politik-gesellschaft\/kultur\/wolf-biermann-ausbuergerung-102.html\" title=\"16. November 1976: Wolf Biermann und seine Ausb\u00fcrgerung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wolf Biermann<\/a>, Bettina Wegner und <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/deutschland\/gesellschaft\/nina-hagen-musik-geburtstag-kultur-news-100.html\" title=\"Nina Hagen wird 70: Wie die S\u00e4ngerin zur Ikone wurde\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nina Hagen<\/a> hat er sie alle abgelichtet.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Man sieht ja auch, wenn K\u00fcnstler wie <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/literatur\/buch-tipps-christa-wolf-100.html\" title=\"Christa Wolf: Diese 5 B\u00fccher bewegen bis heute\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christa Wolf<\/a> oder Sarah Kirsch mehrfach vorkommen, wie sich das in der Zeit wandelt&#8220;, meint Heise. &#8222;Wir sehen auch die Zeit der Weggeher, der Ausreisen.&#8220; Etwa auf dem Foto, das die Lyrikerin Sarah Kirsch auf einem Turm von gepackten Kisten zeigt. Oder einen nachdenklichen <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/deutschland\/panorama\/manfred-krug-tagebuecher-buch-kultur-news-100.html\" title=\"Neue Tageb\u00fccher: Wie Manfred Krug sein \u00c4lterwerden erlebt hat\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Manfred Krug<\/a> vor seinem Oldtimer. &#8222;Au\u00dferdem ist hier die legend\u00e4re Zeit im Prenzlauer Berg zu sehen, in den 80er-Jahren, als es alles schon freier war in bestimmten Gegenden, wo einfach der Kessel schon brodelte&#8220;, so Heise.\u00a0\n<\/p>\n<p><a name=\"Fotos\">Fotos<\/a> zeigen Menschen in der DDR mit realistischem Blick<\/p>\n<p class=\"text\">\nAllen Aufnahmen, die in elegantem Schwarzwei\u00df die W\u00e4nde des Leonhardi-Museums f\u00fcllen, eigen ist die Unmittelbarkeit, mit der das Motiv eingefangen ist. So lebendig und wahrhaftig, dass man als Betrachterin das Gef\u00fchl hat, selbst Adressat des Blickes zu sein, der doch in die Kamera gerichtet ist.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Es geht um eine ganz unmittelbare Wahrnehmung eines Menschenbildes.<\/p>\n<p>Bernd Heise, Museumsdirektor<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Ich glaube, es geht um eine ganz unmittelbare Wahrnehmung eines Menschenbildes&#8220;,  res\u00fcmiert Bernd Heise. &#8222;Also, dass man sich f\u00fcr eine Person interessiert. Und da ist es egal, ob das ein B\u00e4ckergeselle ist, oder ein K\u00fcnstler oder ein Kohlentr\u00e4ger.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nHeise, der seit zwanzig Jahren regelm\u00e4\u00dfig Foto-Ausstellungen zeigt, sieht darin ein Ph\u00e4nomen des <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/thueringen\/ddr-in-schwarz-weiss-fotos100.html\" title=\"Die vielen Perspektiven: Foto-Erz\u00e4hlband zeigt Alltagsmomente in der DDR\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fotorealismus der DDR<\/a>. &#8222;Die W\u00fcrde, mit der die Leute dargestellt worden sind. Also eben nicht zelebriert oder irgendwelche Stars, sondern die Stars waren die einfachen Leute, die in ihren \u00f6ligen Klamotten in der Fabrikhalle sitzen. Das finde ich toll.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAn der Grundstra\u00dfe unweit des Dresdner K\u00f6rnerplatzes gelegen, ist das Leonhardi-Museum schon aufgrund seiner eigenwilligen Architektur ein lohnendes Ausflugsziel. Die wunderbaren Bilder von Roger Melis sollte man auf keinen Fall verpassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die beiden Tauben haben es offenbar eilig. 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