{"id":453779,"date":"2025-09-27T05:51:10","date_gmt":"2025-09-27T05:51:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/453779\/"},"modified":"2025-09-27T05:51:10","modified_gmt":"2025-09-27T05:51:10","slug":"duesseldorfer-karneval-in-bochum-als-ein-bundesliga-spiel-schon-vor-anpfiff-vor-dem-abbruch-stand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/453779\/","title":{"rendered":"D\u00fcsseldorfer Karneval in Bochum: Als ein Bundesliga-Spiel schon vor Anpfiff vor dem Abbruch stand"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vor 35 Jahren standen sich die beiden Klubs des heutigen Topspiels der zweiten Bundesliga, der VfL Bochum und Fortuna D\u00fcsseldorf, an einem Karnevalssamstag im Ruhrstadion ebenfalls gegen\u00fcber. Eine Partie, die kurz nach dem Mauerfall eine sonderbare Geschichte schreiben sollte.<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Es stimmt tats\u00e4chlich: Karneval &#8211; das ist die Zeit der gr\u00f6\u00dften Narren&#8220;, schrieb der &#8222;Kicker&#8220; am Rosenmontag nach einem Samstag zum Vergessen im Bochumer Ruhrstadion. Die Partie des heimischen VfL gegen Fortuna D\u00fcsseldorf am Karnevalssamstag vor 35 Jahren hatte von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden. Was genau an diesem Nachmittag an der Castroper Stra\u00dfe alles schiefgelaufen war, dar\u00fcber sinnierte man noch lange in Bochum. Doch eine Sache war klar: So etwas sollte sich im besten Fall nie wiederholen.<\/p>\n<p>&#8222;Rot-wei\u00dfe Altbierseligkeit auf der einen, Aschermittwoch-Stimmung auf der anderen Seite&#8220;, fasste der &#8222;Reviersport&#8220; die Situation am n\u00e4chsten Tag zusammen &#8211; und rein sportlich betrachtet hatte das Fachblatt aus dem Ruhrgebiet damit recht. Die Fortuna hatte am Ende mit 2:1 in Bochum gewonnen &#8211; doch insgesamt hatte dieser kuriose Samstagnachmittag an der Castroper Stra\u00dfe fast nur Verlierer gesehen. Und daran hatte auch ein Mann aus Dresden seinen Anteil, auch wenn er es eigentlich nur gut gemeint hatte. Damals hatte im Zuge des Mauerfalls und der anstehenden Wiedervereinigung der VfL den Stadionsprecher von Dynamo Dresden, Gert Zimmermann, eingeladen.<\/p>\n<p>In diesen historischen Zeiten hatte sich Bochums Manager Klaus Hilpert direkt nach dem \u00d6ffnen der Mauer um einige Spieler des fr\u00fcheren Meisters der DDR-Oberliga bem\u00fcht &#8211; dabei allerdings vergessen, die Spitze von Dynamo dar\u00fcber zu informieren. Das war den Herren um Vereinspr\u00e4sident Alfons Saupe sauer aufgesto\u00dfen, doch Hilpert konnte die Situation retten und fortan wurde sogar \u00fcber eine dauerhafte Kooperation zwischen dem Westen (VfL) und dem Osten (Dynamo) gesprochen. Und in diesem Zuge stand nun am 24. Februar 1990 der sp\u00e4tere Sportreporter Gert &#8222;Zimmi&#8220; Zimmermann in der Sprecherkabine des Ruhrstadions. Doch das ging ungewollt nach hinten los.<\/p>\n<p>Auf &#8222;komische Lieder&#8220; folgt weniger lustiger Stress<\/p>\n<p>&#8222;Knapp 20.000 Zuschauer &#8211; unter ihnen 5000 Fortuna-Fans &#8211; lassen sich zum R\u00fcckrunden-Auftakt vom Stadionsprecher von Dynamo Dresden, Gert Zimmermann, begr\u00fc\u00dfen. Seinen Wunsch nach guter Stimmung verstehen einige falsch: 100 Freunde der Randale st\u00fcrmen \u00fcber den Rasen auf die Bochumer Kurve zu, die sich mit Leuchtraketen auf zweifelhafte Weise zur Wehr setzen&#8220;, schrieb der &#8222;Reviersport&#8220; hinterher. <\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich war die Lage an diesem Nachmittag noch weit vor dem Anpfiff hochbrisant. Denn Zimmermann, der \u00e4u\u00dferst sprachgewaltig und in guter Absicht versuchte, die Fans beider Lager in Stimmung zu bringen, erkannte zu sp\u00e4t den Ernst der Situation.<\/p>\n<p>Die Bochumer Ges\u00e4nge vom &#8222;D\u00fcsseldorfer Karnevalsverein&#8220; hatte der Dresdener Stadionsprecher lustig gefunden und so forderte er die VfL-Anh\u00e4nger schlie\u00dflich auf, noch mehr solch &#8222;komischer Lieder&#8220; zu singen. Das fanden die G\u00e4stefans, die in guter und beschwingter Karnevalslaune den Weg ins Ruhrgebiet angetreten waren, nat\u00fcrlich nach einer gewissen Zeit nicht mehr ganz so spa\u00dfig. Vor allem, wenn man bedenkt, dass damals noch die ber\u00fcchtigten Hooligans in den Stadien regierten. Und so fingen schon recht bald einige D\u00fcsseldorfer mit Schaum vor dem Mund an, an den Eisenz\u00e4unen zu rappeln. Vereinzelt hangelten sich Krawallmacher auch bereits die Absperrungen hinauf. <\/p>\n<p> Leuchtraketen, die auf das Spielfeld niederprasseln<\/p>\n<p>Das sah auch der damalige Stadionsprecher von Dynamo Dresden &#8211; sch\u00e4tzte die Lage aber v\u00f6llig falsch ein. Und so stachelte er die Fortunen, begeistert dar\u00fcber, dass nun auch auf der anderen Seite die &#8218;Stimmung&#8216; hochkochte, weiter an, als er lauthals in sein Mikrofon rief: &#8222;Kommt doch hoch! Oder traut ihr euch nicht? Heyheyhey. Was ist los mit euch?! Kommt hoch!&#8220; Und als die ersten &#8222;Fans&#8220; tats\u00e4chlich die Z\u00e4une passiert hatten und \u00fcber die Sitzpl\u00e4tze auf der S\u00fcd Richtung der heimischen Fans liefen, meinte Zimmermann noch: &#8222;Jippie. Kommt doch r\u00fcber! Hier ist was los. Yeah, kommt r\u00fcber!&#8220; <\/p>\n<p>Kurz darauf verstummte die Stimme aus Dresden und der etatm\u00e4\u00dfige Sprecher meldete sich mit bes\u00e4nftigenden Worten aus der Kabine hoch oben unter dem Dach des Ruhrstadions. Im Folgenden war es dem besonnenen Einsatz der Ordnungskr\u00e4fte zu verdanken, dass dieses Spiel am 24. Februar vor 35 Jahren \u00fcberhaupt begonnen werden konnte. Denn es stand schon vor dem Anpfiff kurz vor dem Abbruch. Doch auch sp\u00e4ter sollte es w\u00e4hrend der Partie immer wieder zu brenzligen Situationen kommen. <\/p>\n<p>Und so notierte der &#8222;Kicker&#8220; am Montag nach der Begegnung in der Saison 1989\/90 zwischen dem VfL und der Fortuna zusammenfassend und ohne Umschweife: &#8218;Karneval in Bochum&#8216; skandierten Tausende im D\u00fcsseldorfer Fanblock; einige demonstrierten, was sie darunter verstanden: Leuchtraketen prasselten reihenweise aufs Spielfeld und sorgten f\u00fcr minutenlange Unterbrechungen. Aus den Reihen der Bochumer &#8218;Fans&#8216; segelten Feuerzeuge auf den Rasen, eins traf Andreas Kaiser am Knie. Schiedsrichter F\u00f6ckler drohte mit Spielabbruch. Es stimmt tats\u00e4chlich: Karneval &#8211; das ist die Zeit der gr\u00f6\u00dften Narren.&#8220;<\/p>\n<p>Dass die Partie an diesem n\u00e4rrischen Samstag auch an den Bochumer Anh\u00e4ngern insgesamt nicht spurlos vorbeigegangen ist, zeigt eine launige Notiz aus dem &#8222;Reviersport&#8220;. Mit dem gewohnt pointierten Blick auf die kleinen, scheinbaren Nebens\u00e4chlichkeiten schrieb man: &#8222;Derweil verscherbelte ein Mitglied des Freundeskreises gl\u00e4serne Bierseidel mit den Unterschriften der VfLer zum Preis von 10 D-Mark, die der VfL-Kasse zugutekommen sollen. Die Kr\u00fcge gingen \u00fcberraschend weg wie warme Semmeln. Es ist zu vermuten, dass die Bochumer Sympathisanten noch am gleichen Abend ihren Kummer ertr\u00e4nken wollten.&#8220; Das war nach diesem so unr\u00fchmlichen Nachmittag f\u00fcr den Fu\u00dfball wahrscheinlich auch das Beste.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Vor 35 Jahren standen sich die beiden Klubs des heutigen Topspiels der zweiten Bundesliga, der VfL Bochum und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":453780,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1839],"tags":[7507,3364,29,3132,347,485,30,1209,8173],"class_list":{"0":"post-453779","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bochum","8":"tag-bochum","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-fortuna-duesseldorf","12":"tag-fussball","13":"tag-fussball-bundesliga","14":"tag-germany","15":"tag-nordrhein-westfalen","16":"tag-vfl-bochum"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115274703582693061","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/453779","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=453779"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/453779\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/453780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=453779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=453779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=453779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}