{"id":454728,"date":"2025-09-27T14:51:15","date_gmt":"2025-09-27T14:51:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/454728\/"},"modified":"2025-09-27T14:51:15","modified_gmt":"2025-09-27T14:51:15","slug":"von-fellbach-nach-mexiko-familie-wandert-aus-fuehlen-uns-von-der-schulpflicht-eingeschraenkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/454728\/","title":{"rendered":"Von Fellbach nach Mexiko: Familie wandert aus \u2013 \u201eF\u00fchlen uns von der Schulpflicht eingeschr\u00e4nkt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Angefangen hatte alles mit einer Frage: Spanien oder <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Mexiko\" title=\"Mexiko\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mexiko<\/a>? \u201eIch hatte schon Lust auf ein bisschen mehr Abenteuer\u201c, sagt Debora. Also ging sie nach Mexiko, um dort den zweiten Teil ihres Bachelorstudiums anzutreten.<\/p>\n<p>Eine Entscheidung, die ihr Leben nachhaltig pr\u00e4gen sollte. Denn wie es der Zufall wollte, landete sie an der gleichen Universit\u00e4t wie Coraz\u00f3n. Das war 2009. Zwei Jahre sp\u00e4ter heirateten die beiden.<\/p>\n<p>Heute haben sie zwei T\u00f6chter und leben in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Fellbach\" title=\"Fellbach\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fellbach<\/a> \u2013 doch nicht mehr lange. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.auswandererziele-in-europa-wohin-es-deutsche-auswanderer-zieht.094da217-a29a-4ecc-be16-f3aa473a851d.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Kisten sind gepackt, das Visum f\u00fcr Debora ist organisiert<\/a>, inzwischen sind die M\u00f6bel in Deboras Heimat bei Chemnitz untergebracht. Sie wandern aus. Nach Mexiko.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Familie\" title=\"Familie\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Familie<\/a> aus Fellbach: Im Winter fl\u00fcchten sie nach Mexiko <\/p>\n<p>Nach\u00a0ihrer Hochzeit 2011, zogen sie nach Stuttgart f\u00fcr das Masterstudium. Sp\u00e4ter dann nach Fellbach in eine gr\u00f6\u00dfere Wohnung. Dort bekamen sie die T\u00f6chter Valentina und Paulina. Coraz\u00f3n arbeitete bei Mercedes-Benz, Debora blieb bei den Kindern zuhause. In den kalten deutschen Wintern fl\u00fcchteten sie oft nach Mexiko, um Sonne zu tanken und Zeit mit Coraz\u00f3ns Familie zu verbringen. In der Regel vier Wochen, w\u00e4hrend der Elternzeit waren es auch mal siebeneinhalb Wochen.<\/p>\n<p>So f\u00fchlte die Familie sich lange wohl in Fellbach. Doch seit zwei, drei Jahren besch\u00e4ftigte sie der Gedanke: Wie w\u00e4re es, mal in Mexiko zu leben? \u201eIch glaube, manche Leute haben gedacht, wir machen es nie\u201c, sagt Debora. So lange h\u00e4tten sie dar\u00fcber gesprochen, und dann den Plan wieder ein bisschen angepasst, ge\u00e4ndert, verschoben \u2013 aber nie verworfen. Dann passierten zwei Dinge: Nachdem sich schon l\u00e4nger angebahnt hatte, dass Coraz\u00f3ns Job nicht so sicher bleiben w\u00fcrde, wie er es bisher war, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.krise-in-der-autoindustrie-was-kommt-nach-mercedes-und-bosch-das-machen-menschen-nach-der-abfindung.259ee23b-933c-428e-8f2d-46a3c11d4330.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">unterschrieb der 39-J\u00e4hrige im Juli die K\u00fcndigung und nahm eine Abfindung mit<\/a>.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/media.media.4aa4bd49-e3e0-4af7-b87a-7136e1f9a7b4.original1024.media.jpeg\"\/>     Erst im September sind die Erstkl\u00e4ssler in Baden-W\u00fcrttemberg eingeschult worden \u2013 bevor Tochter Valentina in die   <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Schule\" title=\"Schule\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schule<\/a> muss, wollten Debora und Coraz\u00f3n mit den Kindern weg.    Foto: picture alliance \/ dpa    <\/p>\n<p>Und: F\u00fcr die jetzt siebenj\u00e4hrige Valentina nahte die Schulzeit. \u201eWenn ein Kind hier in die Schule geht, bindet einen das noch mehr an einen Ort\u201c, sagt Debora. Sie wollten ihre Tochter ungern einschulen und ein paar Monate sp\u00e4ter auswandern. Also beschlossen sie, gleich zu gehen. Im August buchten sie den Flug. Mitte Oktober geht es los.<\/p>\n<p>Ihr Plan ist, die Kinder in Mexiko selbst zu unterrichten. In Deutschland w\u00e4re das nicht m\u00f6glich.<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.tipps-fuers-homeschooling-die-welt-als-klassenzimmer.7f2ad0f5-2cb4-4a43-9735-23d9465e73fc.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Hier m\u00fcssen Kinder wegen der Schulpflicht zwangsl\u00e4ufig in eine Schule gehen \u2013 Homeschooling ist (im Normalfall) verboten<\/a>. So streng sind viele andere L\u00e4nder nicht: Oftmals ist zwar das Lernen Pflicht, aber auch Homeschooling oder alternative Bildungseinrichtungen sind in Ordnung, solange bestimmte Standards eingehalten werden. Zwar gibt es laut der Verfassung auch in Mexiko eine Schulpflicht, die wird laut Informationen unserer Zeitung aber nicht wie in Deutschland streng verfolgt.<\/p>\n<p> Warum die Schulpflicht f\u00fcr die Auswanderer-Familie ein Grund ist, zu gehen <\/p>\n<p>\u201e<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.lehrerin-fordert-eine-sinnvollere-schule-lebensnaehe-statt-frust-und-unlust.06a2cadf-db44-4b96-92af-49d8cf3e6f2f.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wir f\u00fchlen uns durch die Schulpflicht schon eingeschr\u00e4nkt<\/a>\u201c, sagt Debora. Ein Grund sind die vorgeschriebenen Ferienzeiten: Sie wollen ihren Kindern erm\u00f6glichen, ihre beiden Herkunftsl\u00e4nder intensiv zu erleben, nicht nur in den Schulferien.<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund: Sie finden freies, nach den Interessen der Kinder geleitetes Lernen besser als fixen Schulunterricht. \u201eKinder wollen ja lernen\u201c, sagt Debora. Es sei angeboren, dass sie neugierig sind und Fragen stellen. \u201eWenn man dem in dem Moment nachgeht, wo das Kind daf\u00fcr offen ist, saugt es den Inhalt nur so auf\u201c, sagt die 36-J\u00e4hrige. \u201eSo kommt es einen Riesenschritt weiter, als wenn man dem Kind ein Heft kauft und zu bestimmten Zeiten mit ihm lesen \u00fcben will.\u201c<\/p>\n<p>Sie habe oft Dinge erkl\u00e4rt, wenn sie mit den Kindern unterwegs war. Hier ein Wort, das sie lesen lernten, dort ein paar Zahlen zum Nachrechnen. \u201eLernen ist unserer Meinung nach nicht auf einen Klassenraum oder ein Schulbuch begrenzt\u201c, sagt Debora. \u201eDas kann man \u00fcberall.\u201c<\/p>\n<p>Damit hat die Familie schon Erfahrung. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.tipps-fuers-homeschooling-die-welt-als-klassenzimmer.7f2ad0f5-2cb4-4a43-9735-23d9465e73fc.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Auch bisher waren Valentina und Paulina nicht in der Kita oder im Kindergarten<\/a>. Eine bewusste Entscheidung. \u201eWir haben es sehr zu sch\u00e4tzen gelernt, den Tagesablauf frei gestalten zu k\u00f6nnen\u201c, sagt die Mama, \u201eund auch die Einfl\u00fcsse, denen die Kinder ausgesetzt sind, oder ihre Kontakte bewusst zu gestalten.\u201c Oft denken andere, die Kinder h\u00e4tten ohne Kita und Kindergarten keine Freunde und s\u00e4\u00dfen nur zuhause herum. \u201eWir haben das ganz anders erlebt\u201c, sagt Debora.<\/p>\n<p>Fast jeden Tag haben sie Termine. Spielgruppen, Chor, Kunstschule, ein Nachmittag im Park, bei dem die Mama Sport macht und die Kinder spielen. So sei ein richtiger Freundeskreis entstanden. Viele Freunde betreuen ihre Kinder ebenfalls selbst. Und auch zu Arztbesuchen oder aufs Rathaus hat Debora die Kinder eben mitgenommen. \u201eViele denken, das geht nicht \u2013 aber es geht\u201c, sagt sie. Zeit f\u00fcr sich habe sie in den vergangenen Jahren zwar nur selten gehabt. Aber einen kleinen <a href=\"https:\/\/vidamexa.de\/?srsltid=AfmBOooDkDeJXrrOr74LY_VOzp5IbGJHqDudpntSugEERl7mEK68ZEP_\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Onlineshop mit mexikanischen Produkten<\/a> kann sie nebenher betreiben. Sie sagt: \u201eWir haben das alles immer als sehr bereichernd empfunden\u201c.<\/p>\n<p>Wie genau sie die Lernzeit ihrer Kinder gestalten wollen, haben Debora und Coraz\u00f3n noch nicht festgelegt. \u201eIch habe mich schon belesen und bei anderen Familien erkundigt, die ihre Kinder zuhause beschulen\u201c, sagt Debora. Die meisten h\u00e4tten erst einmal Zeit gebraucht, um eine f\u00fcr sich passende Methode zu finden. \u201eEs gibt verschiedene Apps, Fernschulen, Material, das man bestellen kann\u201c, sagt Debora. So etwas k\u00f6nne sie sich als Anregung gut vorstellen.<\/p>\n<p>Ihr Plan ist, in Mexiko zun\u00e4chst bei Coraz\u00f3ns Eltern unterzukommen, und sich dann umzuschauen, wo sie leben wollen. \u201eWir probieren mal eine Stadt aus, vielleicht am Meer, und dann probieren wir eine andere aus\u201c, sagt Debora. Mit Homeschooling und Homeoffice. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.schottland-auswanderer-freiburg-60-stunden-woche.925d1f45-1bd9-4b5b-9f72-73a57f1850ab.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Denn auch Coraz\u00f3n will sich in Mexiko einen Job suchen<\/a>, den er zu hundert Prozent von zuhause machen kann. So will die Familie sich ihren Freiraum schaffen.<\/p>\n<p> Vielleicht geht es auch noch ganz woanders hin <\/p>\n<p>Denn auch wenn sie prim\u00e4r in Mexiko leben, wollen sie weiterhin regelm\u00e4\u00dfig nach Deutschland kommen. Im Sommer. Und wer wei\u00df \u2013 wenn es sie sp\u00e4ter noch woanders hinzieht, sei auch das nicht ausgeschlossen, sagt Debora. \u201eWir m\u00f6gen das Ortsunabh\u00e4ngige.\u201c<\/p>\n<p>Dass die Wahl jetzt auf Mexiko fiel, war ein St\u00fcck weit vorprogrammiert \u2013 immerhin kommt der Papa von dort. Die Familie hat das Land aber auch unabh\u00e4ngig davon als kinderfreundlich erlebt. Etwa, weil Kinder dort einfach dazugeh\u00f6ren und auch mal laut sein d\u00fcrfen, sagt Debora. Wenn sie bei ihren bisherigen Aufenthalten medizinische Hilfe brauchten, seien sie und die Kinder bisher immer versorgt worden. Machen sie sich Sorgen wegen der Sicherheit? \u201eNein\u201c, sagt Coraz\u00f3n. \u201eKlar muss man aufpassen, aber es gibt gen\u00fcgend Familien und Kinder, die dort leben.\u201c Debora erg\u00e4nzt: \u201eManche Sachen, die man hier macht, w\u00fcrde man dort vielleicht nicht machen\u201c. Aber sie sind ja auch nicht ganz neu im Land.<\/p>\n<p>Das ist der Plan. Jetzt gilt es erst einmal, fertig zu packen und sich von den Freunden zu verabschieden. \u201eIm Moment empfinde ich es schon als Befreiung, so viel Kram loszulassen\u201c, sagt Debora. Gleichzeitig sei ein bisschen Wehmut dabei, aus der Wohnung auszuziehen, in der sie so lange als Familie gewohnt haben.<\/p>\n<p>Auch die Kinder sind irgendwie traurig, dass sie nicht mehr hier wohnen werden, sagt Debora. Sicherlich m\u00fcssten sie sich nun umgew\u00f6hnen, das Essen neu ausprobieren, zum Beispiel. Aber bisher h\u00e4tten sie sich immer gut eingefunden und schnell Freundschaften geschlossen. Valentina spricht gut Spanisch, die vierj\u00e4hrige Paulina versteht alles. \u201eDas geht bei Kindern ja schnell\u201c, sagt Coraz\u00f3n. Er freut sich nat\u00fcrlich, zur\u00fcck nach Mexiko zu ziehen. Auf seine Familie und auf das Essen ganz besonders.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Angefangen hatte alles mit einer Frage: Spanien oder Mexiko? \u201eIch hatte schon Lust auf ein bisschen mehr Abenteuer\u201c,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":454729,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[2525,35124,1634,3364,29,553,37153,4480,6725,30,208,966,92650,1441],"class_list":{"0":"post-454728","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-abfindung","9":"tag-auswandern","10":"tag-baden-wuerttemberg","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-familie","14":"tag-familiengeschichten","15":"tag-familienleben","16":"tag-fellbach","17":"tag-germany","18":"tag-mexiko","19":"tag-schule","20":"tag-schulpflicht","21":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115276826855285749","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/454728","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=454728"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/454728\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/454729"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=454728"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=454728"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=454728"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}