{"id":45540,"date":"2025-04-19T23:31:11","date_gmt":"2025-04-19T23:31:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/45540\/"},"modified":"2025-04-19T23:31:11","modified_gmt":"2025-04-19T23:31:11","slug":"warum-ein-22-jaehriger-deutscher-sein-leben-fuer-die-ukraine-riskiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/45540\/","title":{"rendered":"Warum ein 22-j\u00e4hriger Deutscher sein Leben f\u00fcr die Ukraine riskiert"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Russlands Krieg gegen die Ukraine verfolgte der 22-j\u00e4hrige Ruben Mawick schon vor Russlands Vollinvasion, obwohl er keinerlei pers\u00f6nliche Verbindung zur Ukraine hat. Als Russland im Februar 2022 den gro\u00dfangelegten Angriffskrieg begann, war Ruben im Vergleich zu vielen anderen nicht geschockt.<\/p>\n<p>&#8222;Ich wei\u00df noch, als ich um 5:00 morgens die Bilder von Raketeneinschl\u00e4gen in Kyjiw gesehen habe. Menschen, die fliehen, russische Panzer, die \u00fcber die Grenze rollen. Da war mir schon klar: Ich will da hin&#8220;, so Ruben gegen\u00fcber Euronews. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/icon-cross-10x10-grey-6.svg.svg+xml\" width=\"10\" height=\"10\" alt=\"Close advertising\" fetchpriority=\"high\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt war er jedoch noch kein ausgebildeter Rettungssanit\u00e4ter.<\/p>\n<p>Bis zu seiner ersten Reise in die Ukraine sollte noch ein Jahr vergehen. Er f\u00fchrte Online-Interviews mit verschiedenen Hilfsorganisationen, bis er eine gefunden hatte, die ihm vertrauensw\u00fcrdig vorkam. <\/p>\n<p>Kalte F\u00fc\u00dfe bekam der damals 20-J\u00e4hrige auch auf der langen Reise von Dortmund bis in die Ukraine nicht. &#8222;Ich war froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe&#8220;, erkl\u00e4rt Ruben heute. &#8222;Ich habe mich meines Erachtens so gut vorbereitet, wie es geht, wenn man noch nie Krieg erfahren hat.&#8220;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Sobald sich etwas bewegt, wird geschossen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Das urspr\u00fcngliche Ziel seines ersten Einsatzes war die Gro\u00dfstadt Dnipro, s\u00fcd\u00f6stlich der Hauptstadt Kyjiw. <\/p>\n<p>&#8222;Der Plan hat sich dann aber durch die Sprengung des <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2023\/06\/06\/katastrophe-am-kachowka-staudamm-russlands-wille-zur-zertorung-der-ukraine\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kachowka-Staudamms<\/a> ge\u00e4ndert. Stattdessen bin ich nach S\u00fcden gefahren und habe dort ein anderes Team getroffen. Danach ging es f\u00fcr mich auf meine erste Mission&#8220;, erinnert er sich.<\/p>\n<p>&#8222;Wir wurden ziemlich schnell von einer Drohne aufgekl\u00e4rt und sind in Deckung gegangen&#8220;, so Ruben. Die Gefahr war real und auch der Tod war allgegenw\u00e4rtig. Je weiter die Gruppe fuhr, desto lauter wurden die Einschl\u00e4ge, bis sie schlie\u00dflich selbst unter Beschuss gerieten.<\/p>\n<p>&#8222;Etwa 200 Meter vor uns wurde ein Checkpoint beschossen&#8220;, erz\u00e4hlt Ruben. Die einzige alternative Route f\u00fchrte \u00fcber verminte Felder. <\/p>\n<p>&#8222;Ein Durchkommen ohne Risiko war unm\u00f6glich. Die russische Aufkl\u00e4rung arbeitet pr\u00e4zise, ihre Drohnen erkennen Fahrzeuge aus mehreren Kilometern Entfernung. Sobald sich etwas bewegt, wird geschossen. Auch unsere Markierung als Hilfsfahrzeug bot keinen Schutz&#8220;, sagt Ruben.<\/p>\n<p>Um unversehrt zu entkommen, wartete die Gruppe eine Feuerpause ab. &#8222;Wir z\u00e4hlten die Einschl\u00e4ge und erkannten ein Muster: keine Dauerfeuer, sondern taktische Salven. Als eine L\u00fccke von etwa 30 bis 40 Sekunden entstand, fuhren wir los.&#8220; <\/p>\n<p>Sie h\u00f6rten einen Einschlag, dann kurz Stille. Daraus schloss Ruben, dass sich die Artillerie neu ausgerichtet hatte. &#8222;Wir rasten durch den Checkpoint, gerade noch rechtzeitig. Sekunden nachdem wir durch waren, schlugen die n\u00e4chsten Granaten ein.&#8220;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Zu viele Menschen, zu laut, keine Kontrolle&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ganz in die Ukraine wollte Ruben nicht gehen. Seine Aufenthalte dauerten jeweils zwischen drei und sechs Wochen. Die erste R\u00fcckkehr beschreibt der 22-J\u00e4hrige als &#8222;heftig&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn man die Ukraine verl\u00e4sst, merkt man sofort: keine Checkpoints, kein Mensch redet dar\u00fcber und es ist kein Thema, ob gleich etwas passieren k\u00f6nnte&#8220;, bemerkt Ruben.<\/p>\n<p>Nach seiner ersten R\u00fcckkehr besuchte er in seiner Heimat ein Sch\u00fctzenfest und erlitt eine Panikattacke. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>&#8222;Zu viele Menschen, zu laut, keine Kontrolle&#8220;, stellte Ruben fest. Menschenmengen bedeuten in der Ukraine oft Gefahr. Sie sind ein h\u00e4ufiges Ziel russischer Angriffe.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Sie wurde mitten im Krieg geboren. Sie kennt nichts anderes&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Trotz allem war f\u00fcr Ruben klar: Er w\u00fcrde zur\u00fcckkehren. Im Sommer 2023 brach er zu seinem zweiten Einsatz in die Ukraine auf. Diesmal mit einer neuen NGO, die im Osten des Landes t\u00e4tig war.<\/p>\n<p>F\u00fcr den 22-j\u00e4hrigen Deutschen ist es schwer zu ertragen, dass Orte, an denen er sich zuvor relativ sicher f\u00fchlte, heute Frontgebiet sind. <\/p>\n<p>&#8222;Besonders hart ist es wegen der Menschen, die man dort kennengelernt hat. Kinder in D\u00f6rfern, denen man S\u00fc\u00dfigkeiten geschenkt hat. Nicht zu wissen, was mit ihnen passiert ist, das macht mich fertig.&#8220; <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Besonders beeindruckt hat ihn ein kleines M\u00e4dchen, das er in einem Dorf kennengelernt hatte. Sie sprachen keine gemeinsame Sprache, aber sie malten zusammen mit Kreide auf dem Boden. <\/p>\n<p>&#8222;Immer wieder dieses sechs- oder siebenj\u00e4hrige M\u00e4dchen zu sehen, das jedes Mal zusammenzuckte, wenn ein Einschlag zu h\u00f6ren war&#8220;, erz\u00e4hlt er und h\u00e4lt kurz inne. &#8222;Sie wurde mitten im Krieg geboren. Sie kennt nichts anderes.&#8220;<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen hat Ruben ein Stofftier geschenkt, dass er bis heute bei sich tr\u00e4gt. Was aus ihr geworden ist, wei\u00df er nicht. &#8222;Ich habe versucht, etwas herauszufinden, aber es sind so viele Schicksale t\u00e4glich, da verliert man den \u00dcberblick.&#8220; <\/p>\n<p>Das Treffen mit dem M\u00e4dchen ging dem deutschen Sanit\u00e4ter nicht aus dem Kopf, f\u00fcr ihn war ihre Situation einfach nur zutiefst ungerecht. &#8222;Sie konnte nichts daf\u00fcr. Sie spielte einfach nur, und trotzdem musste sie leiden.&#8220; <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Schicksale wie das des M\u00e4dchens haben den Drang zu helfen in Ruben nur verst\u00e4rkt.  <\/p>\n<p><strong>9. September 2023<\/strong><\/p>\n<p>An einen Tag wird sich Ruben immer ganz genau erinnern, n\u00e4mlich an den 9. September 2023. <\/p>\n<p>Gemeinsam mit den anderen freiwilligen Helfern Emma, Johan und Tonko machte er sich auf den Weg in Richtung Bachmut. &#8222;Wir wussten, die Mission war gef\u00e4hrlich&#8220;, so Ruben.<\/p>\n<p>Bevor sie losfuhren, fragte Ruben Tonko, ob er hinter dem Fahrer sitzen k\u00f6nne, denn das sei der sicherste Platz im Auto. &#8222;Es war ein britisches Fahrzeug, also sa\u00df der Fahrer rechts. Scharfsch\u00fctzen zielen normalerweise auf die linke Seite.&#8220; Tonko meinte, Ruben k\u00f6nne sitzen, wo er will.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>&#8222;Je n\u00e4her wir kamen, desto mehr Zerst\u00f6rung sahen wir. Es war ruhig, wir h\u00f6rten keine Artillerie.&#8220; Die Gruppe war zwischen Bachmut und Tschassiw Jar. Ruben erinnert sich, dass sie viele zerst\u00f6rte Milit\u00e4rfahrzeuge, Humvees, und PKWs auf der Stra\u00dfe gesehen hatten, die nicht verrostet, sondern zerst\u00f6rt waren.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Teilweise lagen da frische Lebensmittel. Da lag eine frische, volle, nicht eingefallene Melone. Die konnte nicht \u00e4lter als eine Woche sein&#8220;, merkt Ruben an. Ruben war sofort klar, dass etwas nicht stimmte. Die Gruppe war jedoch an einem &#8222;point of no return&#8220;.<\/p>\n<p>Ihre Einsch\u00e4tzung war, dass russische FPV-Drohnen die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr sie darstellten. Sie mussten sich so schnell wie m\u00f6glich weiterbewegen: &#8222;Anhalten und drehen ist gef\u00e4hrlich, weswegen wir weitergefahren sind.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Licht aus<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Und dann, ziemlich genau um 11:30 Uhr, schlug eine russische Panzerabwehrrakete vorne links in unser Fahrzeug ein.&#8220; Er selbst habe die Rakete und die Explosion nicht gesehen oder geh\u00f6rt, nur ein Piepsen. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>&#8222;Pl\u00f6tzlich war das Licht aus. Ich war mir sicher, dass ich tot bin. Dann habe ich gesp\u00fcrt, wie die Metallsplitter in meinen K\u00f6rper eingedrungen sind.&#8220;<\/p>\n<p>Sein Leben zog an ihm vorbei, doch er war nicht panisch, sondern n\u00fcchtern. &#8222;Ich dachte: Ich bin erst 20. Es ist echt nicht cool, jetzt zu sterben. Aber \u00e4ndern kann ich es nicht. Ich muss es akzeptieren.&#8220;<\/p>\n<p>Dann sah er Flammen und ihm war klar, wenn er \u00fcberleben will, muss er es aus dem Auto schaffen. Er begann, in irgendeine Richtung zu kriechen.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Ich konnte ein wenig Sonnenlicht sehen. Ein anderes Licht, kein Feuer. Da war ein kaputtes Fenster, nichts Festes, worauf ich treten konnte und ich habe mich irgendwie da durchgezw\u00e4ngt. Meine H\u00e4nde sind daran kleben geblieben, aber ich habe es geschafft, rauszukommen&#8220;, erinnert er sich.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>&#8222;Es gab dann nochmal so eine kleine Verpuffung, einen Feuerball. Genau in dem Moment bin ich raus.&#8220; Zu seiner eigenen \u00dcberraschung konnte er noch stehen. Von da an war sein \u00dcberlebensmodus aktiviert.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Was, wenn jetzt die Russen kommen und mich lebendig gefangen nehmen?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich musste einfach funktionieren. Ich habe gedacht: Okay, ich habe massive Verbrennungen. Es hat nicht gespritzt. Blut lief mir die rechte Schulter runter. Ich habe meine Hand in den Mund gelegt, nachgef\u00fchlt, ob meine Z\u00e4hne noch da sind, ob der Kiefer intakt ist. Es war alles taub&#8220;, erz\u00e4hlt Ruben. &#8222;Meine rechte Hand war verbrannt, meine linke durchl\u00f6chert. Ich konnte kaum noch etwas greifen.&#8220;<\/p>\n<p>Er begann, sich weiter zu untersuchen. Doch da seine H\u00e4nde voller Blut waren, konnte er nicht erkennen, woher das Blut kam. <\/p>\n<p>Er blickte Richtung Bachmut. Dann kam ihm der Gedanke: &#8222;Was, wenn jetzt die Russen kommen und mich lebendig gefangen nehmen?&#8220; <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Die einzige Option f\u00fcr ihn war, sich in dem Fall das eigene Leben zu nehmen: <\/p>\n<p>&#8222;Also habe ich nach meinem Messer gesucht, um mich notfalls selbst t\u00f6ten zu k\u00f6nnen. Gefangenschaft war f\u00fcr mich keine Option. Ich glaube, ich bin daf\u00fcr zu schwach. Ich wei\u00df, was sie mir antun w\u00fcrden, ich bin ihr ideales Hassobjekt. Man kennt die Berichte: Rohrreiniger trinken und <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2024\/08\/08\/russlands-kriegswaffe-sexuelle-gewalt-gegen-ukrainische-manner-und-jungen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vergewaltigung<\/a>. Das wollte ich auf keinen Fall erleben.&#8220;<\/p>\n<p>Doch er konnte das Messer nicht finden. Er dachte, wenn er jetzt ein russisches Fahrzeug sieht, rennt er in eines der umliegenden Felder, mit der Hoffnung, dass dort noch Mienen l\u00e4gen, die ihn t\u00f6ten w\u00fcrden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Doch es kamen keine russischen Soldaten. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Ruben ging um das Fahrzeug herum und sah Johan, der versuchte, Tonko aus dem Auto zu ziehen. &#8222;Johan hatte Verbrennungen an Armen und Beinen. Lebensgef\u00e4hrlich, wie bei mir&#8220;, merkte Ruben an. Zuerst musste jedoch behandelt werden, &#8222;was als Erstes t\u00f6tet&#8220;.<\/p>\n<p>Tonko war deutlich schlimmer zugerichtet. &#8222;Er hatte sehr starke Verbrennungen im Gesicht, schwere Verletzungen an den H\u00e4nden und sein Bein rechts war ab dem Knie gr\u00f6\u00dftenteils ab.&#8220; Ruben wusste, dass er sofort handeln musste und legte ihm innerhalb von Sekunden ein Tourniquet an.<\/p>\n<p>Als er seinen Freund behandelte, merkte Ruben, dass seine H\u00e4nde nicht mehr funktionierten. &#8222;Die Schrapnells haben wohl die Nerven getroffen. Es war ein ganz ekliges Gef\u00fchl von Taubheit&#8220;, erinnert sich der heute 22-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt schaute Johan nach Emma, konnte sie aber nicht finden. Trotz der Situation blieb er sehr ruhig. Tonko sagte etwas zu ihm, doch Ruben konnte ihn nicht verstehen. Er war noch taub kurz nach der Explosion.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Tonko kroch dann auf die Stra\u00dfe, &#8222;genau da, wo wir gerade eben getroffen wurden&#8220;, erz\u00e4hlt Ruben. Die Russen m\u00fcssen uns da jetzt sehen k\u00f6nnen, dachte er sich und schrie Tonko an, er solle zur\u00fcckkommen.\u00a0<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wer soll hierherkommen, um uns zu retten?&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Tonkos Verletzungen waren so stark, dass Ruben sie vor Ort nicht h\u00e4tte versorgen k\u00f6nnen. Zudem wusste er, dass die russischen Streitkr\u00e4fte die Gruppe erneut angreifen k\u00f6nnten. <\/p>\n<p>&#8222;Wenn die merken, hier sind \u00dcberlebende, was sie gemerkt haben, als Tonko auf die Stra\u00dfe gekrochen ist, werden sie uns weiter unter Beschuss nehmen. Bei den Russen gibt es keine \u00dcberlebenden. Es ist selten, dass sie es zulassen, wenn sie es verhindern k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Ruben war klar, dass sie schnell medizinische Hilfe brauchten. Zu warten war jedoch auch keine Option. &#8222;Wer soll hierherkommen, um uns zu retten?&#8220; fragte er sich.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Er kam zu dem Schluss, dass er und Johan los mussten, auch, um so schnell wie m\u00f6glich Hilfe f\u00fcr Tonko zu holen. Aufgrund ihrer eigenen Verletzungen konnten sie ihn auch nicht tragen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Rakete schlug von links in das Auto ein, weswegen sich er und Johan sicher waren, dass Emma h\u00f6chstwahrscheinlich bereits tot war.\u00a0<\/p>\n<p>Den ersten Kilometer sind die beiden in einem Seitengraben an der Landstra\u00dfe entlanggekrochen. &#8222;Ich erinnere mich genau an die Grashalme. Das hohe Gras hat in meine offenen Fleischwunden geschnitten. Das f\u00fchlte sich an wie Rasierklingen.&#8220; <\/p>\n<p>Links und rechts lagen \u00fcberall kleine Schmetterlingsminen. Kurz darauf wechselte Ruben auf die Stra\u00dfe, denn die wurde dichter mit B\u00e4umen, und zudem es lagen mehr Autos in den Gr\u00e4ben. &#8222;Ich habe dann bemerkt, dass ich viel schlechter Luft bekommen habe.&#8220; <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Er warf Plattentr\u00e4ger, Helm und Schutzbrille ab.\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Dann haben die Einschl\u00e4ge wieder angefangen&#8220;, aber durch seinen Geh\u00f6rverlust konnte Ruben die Distanz nicht einsch\u00e4tzen. Sp\u00e4ter wurde ihm von einem ukrainischen Soldaten gesagt, dass die Einschl\u00e4ge lediglich 50 Meter von ihm entfernt einschlugen. <\/p>\n<p>Johan und Ruben sind trotzdem weitergelaufen, haben aber Abstand zueinander gehalten, &#8222;falls einer von uns auf eine Mine tritt und damit nur einer von uns stirbt.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>&#8222;Ich hatte ganz wilde Gedankeng\u00e4nge: Was ist, wenn ich hier sterbe? Wie wird meine Familie davon erfahren?&#8220;, erinnert sich Ruben heute.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Nach vier Kilometern erreichten die beiden ein Schlachtfeld. Auf dem Boden lagen mehrere Wasserflaschen, manche davon angebrochen. &#8222;Wir haben uns die Flaschen genommen und ausgetrunken.&#8220; <\/p>\n<p>Die zur\u00fcckgelassenen Freunde gingen den beiden nicht aus dem Kopf. Sp\u00e4ter erfuhren sie, dass Emma sofort tot war, da der Raketeneinschlag so nah bei ihr war. &#8222;F\u00fcr uns ist ein guter Tod ein schneller Tod.&#8220;<\/p>\n<p>Nach einer Weile sahen Johan und Ruben ein ukrainisches Fahrzeug mit ukrainischen Soldaten. &#8222;Wir waren als humanit\u00e4re Helfer erkennbar und die beiden haben uns an den Versorgungspunkt gebracht, an dem ich normalerweise half.&#8220; <\/p>\n<p>Sp\u00e4ter erfuhr Ruben erfahren, dass sie von einer ukrainischen Drohne geortet wurden und dann sofort ein Team geschickt wurde. Diese Drohne hatte er nie bemerkt. &#8222;Es h\u00e4tte auch eine russische Drohne sein k\u00f6nnen&#8220;, sagt der 22-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Als sie an der Basis angekommen waren, wurden die beiden sofort versorgt, machten aber deutlich, dass zwei ihrer Freunde noch am Einschlagsort waren. &#8222;Mir wurde dann auf einmal kalt, ich hatte keine Schmerzen, aber ich konnte meine H\u00e4nde nicht mehr sp\u00fcren.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>Der Gedanke, jemanden zur\u00fcckgelassen zu haben, qu\u00e4lte Ruben. Es wurde ihm gesagt, dass sofort ein Team geschickt wurde, aber Tonko bei der Ankunft schon tot war. <\/p>\n<p>Das Team kam zur ungef\u00e4hr gleichen Zeit an, als die beiden auf die ukrainischen Soldaten trafen. H\u00e4tten er und Johan Tonko mitgenommen, h\u00e4tten sie ihm auch nicht mehr helfen k\u00f6nnen, glaubt Ruben. Diese Tatsache hat Ruben geholfen, den Tod seines Freundes zu akzeptieren. <\/p>\n<p>&#8222;Mir tat es sehr leid, dass er alleine war, als er gestorben ist. Doch w\u00e4re ich da geblieben, w\u00e4re ich wahrscheinlich von einer russischen Drohne get\u00f6tet worden.&#8220;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Die ersten N\u00e4chte im Krankenhaus waren hart f\u00fcr Ruben. Aufgrund der Verbrennungen war Schlafen generell schwer, und sobald er einschlafen konnte, fingen die Albtr\u00e4ume an. <\/p>\n<p>&#8222;Ich habe in den Tr\u00e4umen meine Freunde sterben sehen, die noch am Leben sind. In den Tr\u00e4umen hatte ich auch schon die Narben am Bein, weswegen ich im Traum dachte, dass ich schon wieder getroffen wurde.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p><strong>&#8222;Ich muss weitermachen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Angriff verlie\u00df Ruben die Ukraine vorerst und wurde nach Dortmund gebracht, um dort behandelt zu werden. <\/p>\n<p>Eineinhalb Monate sp\u00e4ter hatte er seine erste <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2022\/04\/21\/psychische-hilfe-fur-ukrainische-fluchtlinge-in-europa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Therapiestunde<\/a> in Deutschland. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>&#8222;Ich wusste, da wird was kommen. Ich wollte schon w\u00e4hrenddessen begleitet werden und mir nicht erst sp\u00e4t etwas suchen. In Deutschland ist es nicht so einfach, einen Therapieplatz zu kriegen.&#8220;<\/p>\n<p>Die Therapie sieht er mitunter als Grund, warum er tags\u00fcber keine Flashbacks von dem Angriff hat. &#8222;Ich h\u00f6re tags\u00fcber keine Ger\u00e4usche wie zum Beispiel das einer Drohne. Das habe ich nicht, dennoch merke ich, dass bei Ger\u00e4uschen etwas passiv in meinem Kopf passiert.&#8220;<\/p>\n<p>Was ihm vor allem hilft, ist das Sprechen \u00fcber das, was er erlebt hat. Von seinen Verletzungen hat sich Ruben mittlerweile gr\u00f6\u00dftenteils erholt. Die Narben seien zwar hart, jedoch nicht \u00fcber den Gelenken und w\u00fcrden ihm deshalb bei der Bewegung nicht beeintr\u00e4chtigen.\u00a0 Auch 40 bis 50 Schrapnelle hat er noch in seinem K\u00f6rper. &#8222;Im Kiefer habe ich auch noch ein Knochenst\u00fcck von Emma. Das ist durch die Flugbahn der Rakete passiert.&#8220;<\/p>\n<p>Trotz der Verletzung und des Angriffs war Ruben seitdem noch \u00f6fter in der Ukraine und half bei Rettungsmissionen. Die R\u00fcckkehr nennt er eine weitere gro\u00dfe Hilfe bei der Verarbeitung von dem, was er erlebt hat. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/logo-euronews-grey-6-180x22.svg.svg+xml\" width=\"180\" height=\"22\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/>WERBUNG<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist, &#8222;der Krieg leider <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2025\/04\/16\/sumy-uberlebende-und-arzte-schildern-das-grauen-des-todlichen-russischen-raketenangriffs\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nicht vorbei<\/a>, nur weil ich verletzt wurde. Mir war klar, es kann etwas passieren. Trotzdem ist das Sterben der Kinder dort nicht vorbei. Ich muss weitermachen.&#8220; <\/p>\n<p>Momentan sieht sich Ruben n\u00fctzlicher in Deutschland, indem er <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/C716C0kNdQ0\/?img_index=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Spenden f\u00fcr die Ukraine<\/a> sammelt. Dass er wieder in die Ukraine zur\u00fcckkehrt, schlie\u00dft er jedoch keineswegs aus.<\/p>\n<p><script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"WERBUNG Russlands Krieg gegen die Ukraine verfolgte der 22-j\u00e4hrige Ruben Mawick schon vor Russlands Vollinvasion, obwohl er keinerlei&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":45541,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,685,29,13,1589,1435,14,15,1713,12,317],"class_list":{"0":"post-45540","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-bundeswehr","11":"tag-deutschland","12":"tag-headlines","13":"tag-humanitaere-hilfe","14":"tag-krieg-in-der-ukraine","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-russischer-ueberfall-auf-die-ukraine","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114367239796101884","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45540","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45540"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45540\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/45541"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45540"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45540"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45540"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}