{"id":45574,"date":"2025-04-19T23:51:10","date_gmt":"2025-04-19T23:51:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/45574\/"},"modified":"2025-04-19T23:51:10","modified_gmt":"2025-04-19T23:51:10","slug":"er-stritt-fuer-bremens-denkmaeler-mich-zieht-man-nicht-ueber-den-tisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/45574\/","title":{"rendered":"Er stritt f\u00fcr Bremens Denkm\u00e4ler: &#8222;Mich zieht man nicht \u00fcber den Tisch&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\n<p>Standdatum: 19. April 2025.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nImmo Maus<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Nach 24 Jahren geht Bremens oberster Denkmalpfleger in den Ruhestand. Georg Skalecki scheute f\u00fcr seine Anliegen keinen Streit. Doch mit seinem Image hadert er ein wenig. <\/p>\n<p>Auf Schritt und Tritt durch Bremen eilt Georg Skalecki ein Ruf voraus. Viele kennen ihn als einen Amtsleiter, der Widerst\u00e4nde aush\u00e4lt und keinem Streit aus dem Weg geht. Aber nur \u2013 und darauf legt er gro\u00dfen Wert \u2013 wenn es seinem Auftrag dienlich ist. Fast ein Vierteljahrhundert lag es in seiner Verantwortung, Objekte und Bauten mit kulturellem Wert in Bremen zu erforschen und deren Erhalt zu sichern. Und wenn es Skalecki f\u00fcr n\u00f6tig erachtete, legte er sich auch mal mit Investoren an oder widersprach in der \u00d6ffentlichkeit manchen beh\u00f6rdlichen Vorhaben.<\/p>\n<p>Keine Scheu vor \u00d6ffentlichkeit<\/p>\n<p>Er wei\u00df um sein Image als streitbaren Geist. Doch mitunter irritiert ihn diese Wahrnehmung, denn der Streit entspreche eigentlich \u00fcberhaupt nicht seinem Naturell. Keineswegs habe er Freude an Auseinandersetzungen, beteuert der Denkmalpfleger. Seine Aufgabe nehme er nun mal ernst.<\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Im Privaten streite ich deutlich weniger. <\/p>\n<p>Georg Skalecki, Leiter des Landesamts f\u00fcr Denkmalpflege<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Er habe immer Kompromisse gesucht, aber manchmal m\u00fcsse man auch mal Klartext reden, so Skalecki. Und das tat der geborene Saarl\u00e4nder und studierte Kunsthistoriker und Arch\u00e4ologe immer wieder, seitdem er im Jahr 2001 seine Stelle in Bremen antrat. <\/p>\n<p>Fast immer ger\u00e4uschlos gearbeitet \u2013 aber nur fast<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/skalecki-landesamt-denkmalpflege-100~_v-512x288_c-1745050532252.jpg\" data-gallery-entry-for=\"skalecki-landesdenkmalpfleger-ruhestand-100\" data-size=\"1920x1080\" class=\"text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Georg Skalecki sitzt mit Kollegen an einem Tisch.\" title=\"Bild: Radio Bremen\" data-image-owner=\"Radio Bremen\" data-image-title=\"Georg Skalecki sitzt mit Kollegen an einem Tisch.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/skalecki-landesamt-denkmalpflege-100~_v-512x288_c-1745050532252.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/skalecki-landesamt-denkmalpflege-100~_v-640x360_c-1745050532252.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Besprechung im Landesamt: Die meisten Projekte der Denkmalpflege gehen still \u00fcber die B\u00fchne.<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Als ordentlichen und stets gut organisierten Vorgesetzten beschreiben ihn seine Mitarbeiter. Einer von ihnen ist Uwe Schwarz, der schon seit 20 Jahren im Amt arbeitet. Ihm zufolge trifft bei seinem Chef Akkuratesse manchmal auch auf pragmatische Hemds\u00e4rmligkeit: &#8222;Ich kann mich gut erinnern, dass wir auch schon mal alte Computer im privaten Pkw nach Stuhr gebracht haben. Oder wenn im Haus etwas umzur\u00e4umen war, war er sich nie zu fein f\u00fcr etwas.&#8220; Anekdoten wie diese h\u00f6rt Skalecki gerne zu \u2013 und erg\u00e4nzt dann, dass er als Student als M\u00f6belpacker gearbeitet habe.<\/p>\n<p>Die meisten Projekte, die auf Skaleckis Tisch landeten, wurden in Ruhe umgesetzt. &#8222;Wie viele Ma\u00dfnahmen haben wir ger\u00e4uschlos abgewickelt? Da gibt es keinen Streit und da wird wenig berichtet.&#8220; Fast immer war es also ein Arbeiten im Stillen, aber eben nur fast. Die \u00d6ffentlichkeit nahm Georg Skalecki immer dann wahr, wenn es nicht ger\u00e4uschlos war. <\/p>\n<p>Information zum Thema<br \/>\nWiderspruch von Skalecki: Eine Auswahl<\/p>\n<ul>\n<li>Georg Skalecki war etwa anderthalb Jahre im Amt, als er 2003 Stellung gegen ein Bauprojekt in Vegesack bezog. Der damalige CDU-Wirtschaftssenator Hartmut Perschau hatte einem Investor freie Hand beim Bau des Einkaufszentrums Haven H\u00f6\u00f6ft zugesagt. Skalecki sah den freien Blick auf den historischen Haferspeicher bedroht. Letztlich konnte er sich mit seinen Bedenken aber nicht durchsetzen..<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Der ehemalige B\u00fcrgerschaftspr\u00e4sident Christian Weber pl\u00e4dierte 2005 daf\u00fcr, die ber\u00fchmte Bronzestatue der Bremer Stadtmusikanten von Gerhard Marcks vor das Parlament zu verlegen. An der Wand des Rathauses gebe die Statue kein gutes Fotomotiv ab, mokierte Weber. Denkmalpfleger Skalecki hielt nichts davon. Die Stadtmusikanten seien f\u00fcr den Ort am Rathaus geschaffen worden und dort sollte man sie auch belassen. Webers Idee wurde nie umgesetzt. .<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Mit dem Umzug ins Stephaniviertel hatte Radio Bremen keine Verwendung mehr f\u00fcr den Sendesaal in Schwachhausen. Ein Investor wollte das Geb\u00e4ude abrei\u00dfen, die einzigartige &#8222;Haus-in-Haus&#8220;-Konstruktion des Konzertsaals erachtete der Landesdenkmalpfleger aber f\u00fcr \u00fcberaus sch\u00fctzenswert. Lange k\u00e4mpfte er f\u00fcr den Erhalt und nach jahrelangem Hin und Her war es schlie\u00dflich geschafft: Unter anderem der Bremer Bauunternehmer Klaus H\u00fcbotter kaufte den Sendesaal und rettete ihn 2009 vor dem Abriss. .<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Die angedachte Neugestaltung des Domshofs rief Skalecki 2024 auf den Plan. Die Baubeh\u00f6rde und das Wirtschaftsressort bef\u00fcrworteten Pl\u00e4ne, wonach ein vier Meter hoher Anstieg entstehen sollte \u2013 also eine Art gebaute D\u00fcne. Skalecki protestierte: Das Bauwerk versperre die Sicht auf das Rathaus. Er bef\u00fcrchtete gar, der Status als UNESCO-Welterbe sei in Gefahr. Die Bedenken des Denkmalpflegers wurden erh\u00f6rt: Es blieb bei den Pl\u00e4nen.    .<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Im Jahr 2008 stellte ein Investor seine Pl\u00e4ne f\u00fcr den alten Wasserturm auf dem Stadtwerder vor. Auf das denkmalgesch\u00fctzte Geb\u00e4ude wollte er einen Glasaufbau setzen. Dagegen wehrte sich Skalecki. Es folgten lange Jahre des Stillstands. 2024 lagen dann Entw\u00fcrfe auf dem Tisch, die auch den Segen vom Denkmalpfleger fanden. Sie sehen Wohnungen und Gastronomie vor. Sp\u00e4testens im ersten Quartal 2026 sollen die Umbauarbeiten starten..<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ende der Information zum Thema<\/p>\n<p>Skalecki erwartet Augenh\u00f6he<\/p>\n<p>Vor allem Skaleckis Widerspruch zu den Hochhaus-Entw\u00fcrfen f\u00fcr das ehemalige Sparkassen-Areal am Brill ist vielen Bremerinnen und Bremern bis heute in Erinnerung. 2019 hatte der US-Stararchitekt Daniel Libeskind Pl\u00e4ne pr\u00e4sentiert, die in Bremens Innenstadt den Bau von vier Hochh\u00e4usern vorsahen. Georg Skalecki war alarmiert, weil er das Stadtbild Bremens f\u00fcr grundlegend gef\u00e4hrdet hielt. Er griff zu seiner sch\u00e4rfsten Waffe: den Gang an die \u00d6ffentlichkeit. Bremen sei nicht New York, warnte Skalecki damals. Heute offenbart er, wie sehr er sich damals \u00fcber die Investoren ge\u00e4rgert habe. Die Shapira-Br\u00fcder h\u00e4tten ihm bei einem Treffen deutlich zu verstehen gegeben, dass sie seine Aufgabe, die Denkmalpflege, f\u00fcr nicht sehr bedeutsam halten.<\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Da war in der internen Diskussion dann auch klar, dass das f\u00fcr Skalecki kein Thema ist. Also nicht mit mir. Mich zieht man nicht einfach so \u00fcber den Tisch.<\/p>\n<p>Georg Skalecki, Leiter des Landesamts f\u00fcr Denkmalpflege<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Auch in Beh\u00f6rden und im Rathaus wusste jeder, dass Bremens Denkmalpfleger zu seinen \u00dcberzeugungen steht. Die Macht von Skaleckis Worten verlangte Amtstr\u00e4gern mit politischer Macht mitunter viel ab. Das best\u00e4tigt auch Bremens B\u00fcrgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). Skaleckis Augenmerk habe unter anderem der Innenstadt und dem Welterbe gegolten. Und man habe mit ihm durchaus mit &#8222;verst\u00e4rkter H\u00f6flichkeit&#8220; diskutieren k\u00f6nnen, so der B\u00fcrgermeister. <\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Er hatte schon seine \u00dcberzeugungen, die nicht immer alle sofort geteilt haben. Aber das braucht man ja auch in solcher Funktion.<\/p>\n<p>Andreas Bovenschulte (SPD), B\u00fcrgermeister<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/skalecki-jacobs-100~_v-512x288_c-1745050532765.jpg\" data-gallery-entry-for=\"skalecki-landesdenkmalpfleger-ruhestand-100\" data-size=\"1920x1080\" class=\"text-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Georg Skalecki spricht mit Christian Jacobs.\" title=\"Bild: Radio Bremen\" data-image-owner=\"Radio Bremen\" data-image-title=\"Georg Skalecki spricht mit Christian Jacobs.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/skalecki-jacobs-100~_v-512x288_c-1745050532765.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/skalecki-jacobs-100~_v-640x360_c-1745050532765.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Georg Skalecki mit Christian Jacobs bei einer Begehung der Stadtwaage.<\/p>\n<p>Bild: Radio Bremen<\/p>\n<p>Skalecki forderte stets Augenh\u00f6he. Mit vielen Investoren pflegte er durchaus ein gutes Verh\u00e4ltnis, soweit diese den Denkmalschutz ernst genommen haben. Mit Christian Jacobs habe er als Denkmalpfleger zum Beispiel kaum Probleme gehabt. Jacobs kaufte vor einigen Jahren im Balgequartier mehrere Geb\u00e4ude und baut diese aktuell um. Auch die denkmalgesch\u00fctzte Stadtwaage geh\u00f6rt ihm. Die Hinweise von Skalecki nimmt er ernst. Jacobs sch\u00e4tzt seine Expertise. Generell erwarte er, dass Beh\u00f6rdenleiter eine eigene Meinung und Sachkenntnis haben, erkl\u00e4rt Jacobs. Aber nat\u00fcrlich l\u00e4uft es auch nicht immer reibungslos, weil Denkmalpfleger Altes bewahren und Investoren Neues schaffen wollen. <\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Aber durch die Reibung entsteht ja Energie. Man tauscht sich aus und daraus entwickeln sich bessere L\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Christian Jacobs, Investor<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Abschied in den Ruhestand<\/p>\n<p>Ende April endet Georg Skaleckis Zeit als oberster Denkmalpfleger. Vorbei sind die Jahre, in denen er mitunter auf Offensive schaltete und K\u00e4mpfe austrug. Die 24 Jahre haben durchaus Spuren hinterlassen. Er f\u00fchle sich etwas m\u00fcde und freue sich nun auf den Ruhestand. Und wie soll er bei den Menschen in Bremen in Erinnerung bleiben? Als jemand, der R\u00fcckgrat bewiesen und vieles f\u00fcr die Stadt getan \u2013 und auch manches verhindert habe, so Skalecki. K\u00fcnftig werde er seine Meinung nicht mehr kundtun, erkl\u00e4rt er und \u2013 schiebt dann mit einem verschmitzten L\u00e4cheln nach: nur, wenn es dringend von N\u00f6ten ist. <\/p>\n<p>Mehr zum Thema:<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nbuten un binnen, 15. April 2025, 19:30 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Standdatum: 19. April 2025. Autorinnen und Autoren: Immo Maus Nach 24 Jahren geht Bremens oberster Denkmalpfleger in den&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":45575,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1824],"tags":[2420,3364,29,30,4397],"class_list":{"0":"post-45574","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bremen","8":"tag-bremen","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-x"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114367318297093442","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45574","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45574"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45574\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/45575"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45574"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45574"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45574"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}