{"id":455788,"date":"2025-09-28T01:01:13","date_gmt":"2025-09-28T01:01:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/455788\/"},"modified":"2025-09-28T01:01:13","modified_gmt":"2025-09-28T01:01:13","slug":"berlin-grossdemonstration-fuer-gaza-von-linken-bringt-tausende-auf-die-strasse-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/455788\/","title":{"rendered":"Berlin: Gro\u00dfdemonstration f\u00fcr Gaza von Linken bringt Tausende auf die Stra\u00dfe &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Zwischen Trommelwirbel, dr\u00f6hnenden Bassger\u00e4uschen und dem nasalen Sound eines arabischen Blasinstruments, das nach Dudelsack klingt, versucht Linkenvorsitzende Ines Schwerdtner sich Geh\u00f6r zu verschaffen. Es ist Gro\u00dfdemotag in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Berlin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berlin<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Die_Linke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Linke<\/a> hat sich vor dem Neptunbrunnen am Alexanderplatz versammelt, um gegen die israelische Kriegsf\u00fchrung im <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Gazastreifen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gazastreifen<\/a> zu protestieren. Sie fordert au\u00dferdem einen sofortigen Stopp aller Waffenlieferungen an <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Israel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Israel<\/a>, Zugang f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe nach Gaza, die Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens und \u201edie Freilassung aller politischen Gefangenen und Geiseln.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">\u201eIch verstehe euren Schmerz\u201c, sagt Schwerdtner in die Menge, doch ihre Stimme wird von Buhrufen \u00fcbert\u00f6nt. \u201eHeuchlerin\u201c, schreien einzelne aus der Masse und dann lauter: \u201eEntschuldige dich erst mal.\u201c Ihre S\u00e4tze prallen nun an einer Wand von Protestrufen ab, weil das \u201eEntschuldige dich erst mal\u201c sich unter den Teilnehmenden bereits verselbstst\u00e4ndigt hat. Es ist kaum mehr verst\u00e4ndlich, was Schwerdtner \u00fcberhaupt noch sagen will.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Die Rufe kommen aus der Ecke, in der sich die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) \u2013 eine vom <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Verfassungsschutz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verfassungsschutz<\/a> beobachtete und als linksextremistisch eingestufte Organisation \u2013 positioniert hat. Einem Teilnehmer kommt die Solidarisierung der Linken offenkundig viel zu sp\u00e4t: Es habe andere Gro\u00dfkundgebungen f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser in Berlin gegeben, f\u00fcr die sich die Linke nicht starkgemacht habe, kritisiert er und erinnert au\u00dferdem an die Szene, als auf einer Veranstaltung in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Belgien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Belgien<\/a> dieses Jahr Schwerdtner ein Pal\u00e4stinenser-Schal um die Schultern gelegt wurde. Eingezeichnet waren darauf Israel und die pal\u00e4stinensischen Gebiete, doch s\u00e4mtliche israelische St\u00e4dte waren in Arabisch genannt \u2013 so als g\u00e4be es Israel gar nicht. Viele, auch Stimmen aus der eigenen Partei, interpretierten das als antisemitisches Symbol, das die Ausl\u00f6schung Israels andeuten sollte. Weshalb Schwerdtner diesen Schal vermutlich noch w\u00e4hrend der Veranstaltung damals ablegte. \u201eHeuchlerisch\u201c sei ihre Reaktion gewesen, findet der Demonstrationsteilnehmer aus den R\u00e4ngen der DKP \u2013 es ist sein Grund sie auszubuhen.<\/p>\n<p>Der Nahostkonflikt ist in der Linken ein schwieriges Thema<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">\u201eWir haben zu lange geschwiegen\u201c, sagt Schwerdtner augenscheinlich dem Unmut der trotzigen Masse nachgebend. \u201eWir werden unserer Verantwortung gerecht\u201c, erkl\u00e4rt sie und schiebt mechanisch noch ein kraftloses \u201eHoch auf die internationale Solidarit\u00e4t\u201c nach, wof\u00fcr sie zum ersten Mal Applaus erh\u00e4lt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">In der Linken ist der Umgang mit dem <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Nahostkonflikt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nahostkonflikt<\/a> ein ambivalentes bis schwieriges Thema. Teile der Partei sehen im j\u00fcdischen Staat ein \u201eSiedlerkolonialprojekt\u201c, welches die Pal\u00e4stinenser unterdr\u00fcckt. Weshalb auch parteiintern zwischen antisemitischen und israelfeindlichen Positionen einerseits und Solidarit\u00e4tsbekundungen mit der pal\u00e4stinensischen Zivilbev\u00f6lkerung sowie Kritik an Israels Milit\u00e4raktionen andererseits geschwankt wird. Im Oktober 2024 <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/parteiaustritte-fraktionschef-schulze-austritte-aus-der-linken-bitter-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-241024-930-268952\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verlie\u00dfen mehrere prominente Mitglieder \u2013 vermehrt aus Berlin \u2013 die Partei<\/a>, unter anderem wegen Differenzen im Umgang mit dem Antisemitismus.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Dieses Stimmungsbild spiegelt sich auch in den Bannern und Parolen wider, die am Samstag in die Luft gehalten werden. Darauf zu lesen sind Forderungen nach einem Ende der \u201ekolonialistischen Besetzung\u201c ebenso wie Appelle zum Stopp s\u00e4mtlicher Waffenlieferungen. Zu sehen ist auch die umstrittene Parole \u201efrom the river to the sea, Palestine will be free\u201c, die einige deutsche Gerichte als antisemitisch einstufen und die als Ausl\u00f6schungsfantasie gegen einen j\u00fcdischen Staat ausgelegt wird. Die Worte \u201eriver\u201c und \u201esea\u201c wurden geschw\u00e4rzt und mit dem Hinweis \u201eZensur durch deutsche Staatsr\u00e4son\u201c versehen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Eine andere halbvermummte Teilnehmerin hat auf ihrem Banner stehen, dass Israel eine Bedrohung f\u00fcr j\u00fcdisches Leben \u00fcberall sei. Sie findet, dass an den sich nun h\u00e4ufenden \u00dcbergriffen gegen J\u00fcdinnen und Juden die israelische Regierung mit ihrer Kriegsf\u00fchrung schuld sei. Mancher w\u00fcrde da von klassischer T\u00e4ter-Opfer-Umkehr sprechen.<\/p>\n<p>Linken-Demonstration soll in einer Gro\u00dfkundgebung m\u00fcnden<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Zu der Demonstration in der Innenstadt hat ein B\u00fcndnis von etwa 50 Gruppen aufgerufen, darunter propal\u00e4stinensische Organisationen, Medico International, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Amnesty_International\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Amnesty International<\/a> und die Partei Die Linke. Die Demonstration in der Innenstadt ist als Zubringerdemo zu einer noch viel gr\u00f6\u00dferen Kundgebung \u201eAll Eyes on Gaza\u201c am Gro\u00dfen Stern gedacht, wohin sich die Massen \u2013 nach groben Sch\u00e4tzungen der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Polizei\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Polizei<\/a> etwa 60 000 Teilnehmer oder mehr\u2013 am Nachmittag auch hinbewegen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Auch wenn die Demonstration laut Polizei ohne gr\u00f6\u00dfere Zwischenf\u00e4lle verl\u00e4uft, ist die Stimmung aufgeladen. Als der Zug aus dem \u201eAll Eyes on Gaza\u201c-Lager an einer sehr \u00fcberschaubaren Zahl von Gegendemonstranten vorbeizieht, buhen vereinzelt Teilnehmer die Gegenseite aus und rufen laut \u201esch\u00e4mt euch\u201c auf Englisch. Eine junge Frau schreit den israelische Fahnen schwenkenden Demonstranten etwas auf Arabisch zu und verweigert eine \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">\u201eIch stehe hier, weil ich es unertr\u00e4glich finde, dass es inzwischen gef\u00e4hrlicher geworden ist, mit j\u00fcdischen Symbolen durch die Stadt zu laufen, als Fahnen linksextremistischer und terroristischer Organisationen zu zeigen\u201c, sagt ein junger Mann mit einer Maske und vollst\u00e4ndig abgedunkelter Sonnenbrille im Gesicht. Auch er f\u00fcrchtet \u00dcbergriffe und bleibt deshalb lieber anonym. \u201eMan wird auch unter den Gegendemonstranten wenig Anh\u00e4nger der amtierenden Regierung in Israel finden\u201c, sagt er, dennoch empfindet er es als seine Pflicht, gegen \u201eall die Israelhasser hier\u201c zu protestieren.<\/p>\n<p>Parteivorsitzende zeigen sich zufrieden<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Im Stadtteil <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kreuzberg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kreuzberg<\/a> hat die Polizei sogar eine mutma\u00dflich islamistische Demonstration unterbrochen. Es sollen dort verbotene Parolen gefallen und verfassungswidrige Zeichen gezeigt worden sein. Der Tagesspiegel berichtete, dass dort der Terrororganisation Hamas gehuldigt\u00a0wurde.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Es war nicht klar, ob es der Linken gelingen w\u00fcrde, mit der Gro\u00dfdemonstration breite Bev\u00f6lkerungsschichten anzusprechen, hatten sich in der Vergangenheit doch vermehrt Teilnehmer aus migrantischen Kreisen und der linken Szene auf \u00e4hnlichen Veranstaltungen getummelt. Die Linke selbst spricht dieses Mal gar von 100 000 Teilnehmenden \u2013 Familien mit Kinderwagen, M\u00fctter mit ihren Kindern und Senioren waren zu sehen. \u201eWir haben die Mehrheitsmeinung der Bev\u00f6lkerung auf die Stra\u00dfe getragen und senden ein deutliches Signal an <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Friedrich_Merz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedrich Merz<\/a> und die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Bundesregierung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundesregierung<\/a>: Stopp aller Waffendeals mit Israel, Druck durch Sanktionen und die Anerkennung Pal\u00e4stinas sind l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Deutschland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschland<\/a> darf sich nicht weiter hinter taktischen Ausfl\u00fcchten verstecken\u201c, hei\u00dft es in einem finalen Statement der Vorsitzenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwischen Trommelwirbel, dr\u00f6hnenden Bassger\u00e4uschen und dem nasalen Sound eines arabischen Blasinstruments, das nach Dudelsack klingt, versucht Linkenvorsitzende Ines&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":455789,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[10631,1423,296,1173,31,29,536,548,158,775,739,738,30,411,7568,148,130,5796,581,16,121,149,419],"class_list":{"0":"post-455788","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-amnesty-international","9":"tag-belgien","10":"tag-berlin","11":"tag-bundesregierung","12":"tag-cdu","13":"tag-deutschland","14":"tag-die-linke","15":"tag-eu","16":"tag-europaeische-union","17":"tag-friedrich-merz","18":"tag-gaza","19":"tag-gazastreifen","20":"tag-germany","21":"tag-israel","22":"tag-kreuzberg","23":"tag-leserdiskussion","24":"tag-menschenrechte","25":"tag-naher-osten","26":"tag-nahostkonflikt","27":"tag-politik","28":"tag-polizei","29":"tag-sueddeutsche-zeitung","30":"tag-verfassungsschutz"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115279225925877693","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/455788","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=455788"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/455788\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/455789"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=455788"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=455788"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=455788"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}