{"id":456281,"date":"2025-09-28T06:01:12","date_gmt":"2025-09-28T06:01:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/456281\/"},"modified":"2025-09-28T06:01:12","modified_gmt":"2025-09-28T06:01:12","slug":"europe-first-berlin-setzt-auf-europaeische-ruestungsindustrie-statt-us-waffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/456281\/","title":{"rendered":"&#8222;Europe First&#8220;: Berlin setzt auf europ\u00e4ische R\u00fcstungsindustrie statt US-Waffen"},"content":{"rendered":"<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Die Bundeswehr soll zur &#8222;st\u00e4rksten konventionellen Streitmacht Europas&#8220; werden, erkl\u00e4rte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Mai. Vor der Regierung liegt damit eine doppelte Herausforderung: den Personalmangel durch einen neuen Wehrdienst zu lindern und zugleich die Truppe z\u00fcgig mit moderner Ausr\u00fcstung auszustatten.<\/p>\n<p>&#8222;Buy European&#8220;<\/p>\n<p>Laut Politico arbeitet die Bundesregierung an einem umfassenden R\u00fcstungs- und Beschaffungsplan im Umfang von bis zu 83 Milliarden Euro. Der Gro\u00dfteil der Auftr\u00e4ge soll an europ\u00e4ische Hersteller flie\u00dfen; lediglich etwa acht Prozent sollen in den USA eingekauft werden. Nach Informationen von Politico plant die Bundesregierung zwischen September 2025 und Dezember 2026 insgesamt 154 gr\u00f6\u00dfere R\u00fcstungsbeschaffungen.<\/p>\n<p>Die Abh\u00e4ngigkeit Europas von amerikanischen R\u00fcstungsg\u00fctern hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri haben sich die Waffenimporte aus den USA nach Europa &#8211; einschlie\u00dflich der Ukraine &#8211; zwischen 2020 und 2024 im Vergleich zu den f\u00fcnf Jahren zuvor mehr als verdreifacht.<\/p>\n<p>Zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten ging der gr\u00f6\u00dfte Anteil der US-Waffenexporte nach Europa: Der Anteil stieg von 13 Prozent (2015\u20132019) auf 35 Prozent (2020\u20132024). Insgesamt verdoppelten die europ\u00e4ischen Nato-Staaten in diesem Zeitraum ihre R\u00fcstungsimporte, wobei zwei Drittel davon aus den Vereinigten Staaten stammten.<\/p>\n<p>Deutschland verzeichnete einen besonders drastischen Anstieg: Die Waffenimporte nahmen um 334 Prozent zu, rund 70 Prozent davon kamen aus den USA.<\/p>\n<p>Auch global bauten die USA ihre f\u00fchrende Rolle weiter aus. Ihre Exporte legten zwischen den beiden F\u00fcnfjahreszeitr\u00e4umen um 21 Prozent zu, der Anteil am weltweiten Waffenhandel wuchs von 35 auf 43 Prozent.<\/p>\n<p>Nun will Berlin einen neuen Kurs einschlagen, ganz nach dem Motto &#8222;Buy European&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p>Abwehr made in the USA: Vom Patriot-System bis zum &#8222;Kill Switch&#8220;<\/p>\n<p>Laut dem USA-Experten und Autor Dr. Josef Braml sollte bei diesem Schritt nicht der Fehler gemacht werden, Ursache und Wirkung zu verdrehen. <\/p>\n<p>&#8222;Die Ursache war, dass Trump deutlich gemacht hat, dass auf Amerika kein Verlass mehr ist&#8220;, erkl\u00e4rt Braml im Gespr\u00e4ch mit Euronews. Nachdem dies klar geworden sei, &#8222;ergibt es keinen Sinn mehr, Tribut f\u00fcr einen Schutz zu zollen, den wir nicht mehr kriegen&#8220;.<\/p>\n<p>Braml zufolge wurde dieses &#8222;Tribut&#8220; gezahlt, indem amerikanische Waffen gekauft wurden, die Deutschland und andere europ\u00e4ische L\u00e4nder von US-Systemen abh\u00e4ngig machten.<\/p>\n<p>Dazu z\u00e4hlt auch das Abwehrsystem &#8222;Patriot&#8220;, von dem Deutschland derzeit noch sechs St\u00fcck besitzt. Das System gilt als eines der modernsten und leistungsf\u00e4higsten Luftabwehrsysteme weltweit. Laut The Atlantic hat die US-Regierung den Export dieser Systeme vor\u00fcbergehend gestoppt, da das Pentagon sie als knapp betrachtet und vorrangig f\u00fcr den eigenen Einsatz reservieren m\u00f6chte.\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr manche Waffensysteme gibt es jedoch bislang noch keine europ\u00e4ische L\u00f6sung. Darunter f\u00e4llt beispielsweise das Kampfjet Modell F-35.\u00a0<\/p>\n<p>Christophe Gomart, ehemaliger Chef des franz\u00f6sischen Milit\u00e4r Geheimdienstes und heutiger EU-Abgeordneten der Europ\u00e4ischen Volkspartei, stellte dieses Jahr die These eines sogenannten &#8222;Kill Switches&#8220; in den Raum, bei denen die USA ein Sperrsystem in die Jets einbauen, dass aktiviert werden k\u00f6nnte, wenn der Flugplan nicht vom Pentago genehmigt wird.<\/p>\n<p>Die Existenz des &#8222;Kill Switches&#8220; konnte jedoch nicht best\u00e4tigt werden, da es &#8222;keine M\u00f6glichkeit gebe, die F-35 aus der Ferne einfach abzuschalten&#8220;, so ein Sprecher des Verteidigungsministeriums zur Tagesschau.<\/p>\n<p>Die Bundesregierung h\u00e4lt somit an der Bestellung der Jets f\u00fcr die Truppe bei. &#8222;Bei der F-35 handelt es sich aber um ein Kampfflugzeug der f\u00fcnften Generation, das es in Europa so derzeit noch nicht gibt. Durch seine Stealth Technologie kann es fast gar nicht erkannt werden. Wenn von der Truppe an uns solche Forderungen gestellt werden, k\u00f6nnen wir also nur in den USA kaufen&#8220;, so eine Sprecherin des Bundesamt f\u00fcr Ausr\u00fcstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) zu Euronews.<\/p>\n<p>&#8222;Souver\u00e4nit\u00e4t hei\u00dft auch, dass man sich selbst sch\u00fctzen kann&#8220;<\/p>\n<p>Pieter Wezeman, Forscher am Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri und Mitautor der Studie zu den j\u00fcngsten Zahlen der europ\u00e4ischen Waffenimporte aus den USA, betont jedoch, dass Europa bereits gegensteuere: &#8222;Die Nato-Staaten in Europa haben Schritte unternommen, um ihre Importabh\u00e4ngigkeit zu verringern und die eigene R\u00fcstungsindustrie zu st\u00e4rken. Doch die transatlantische Beziehung im R\u00fcstungsgesch\u00e4ft hat tiefe Wurzeln.&#8220;<\/p>\n<p>Der Marshall-Plan und die NATO legten nach dem Zweiten Weltkrieg den Grundstein f\u00fcr die Sicherheits- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA. Seit dem Amtsantritt von Donald Trump bem\u00fcht sich die Bundesregierung, die bilateralen Beziehungen aufrechtzuerhalten. Dennoch l\u00e4uft der deutsche Kurs den Erwartungen des US-Pr\u00e4sidenten zuwider.\u00a0<\/p>\n<p>Trump hat seine zweite Amtszeit mit dem Versprechen &#8222;America First&#8220; angetreten. Diese Reihe von politischen Ma\u00dfnahmen zielt darauf ab, au\u00dfen- und innenpolitische Entscheidungen zu treffen, die den Interessen der USA Vorrang vor den Interessen aller anderen Nationen einr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Noch im Februar hatte Trump die NATO-Partner dazu aufgefordert, ihre Verteidigungsausgaben auf f\u00fcnf Prozent zu steigern und US-Waffen zu beschaffen. In seinem Haushalt, der sogenannten &#8222;One Big Beautiful Bill&#8220; (<a href=\"https:\/\/armedservices.house.gov\/legislation\/one-big-beautiful-bill.htm#:~:text=About%20the%20One%20Big%2C%20Beautiful%20Bill%3A&amp;text=The%20OBBB%20includes%20%24150%20billion,visionary%20Peace%20through%20Strength%20agenda.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">OBBB<\/a>), hat Trump als Teil seiner &#8222;Peace through Strength&#8220;-Agenda&#8220; rund 150 Milliarden US-Dollar an verpflichtenden Mitteln f\u00fcr das US-Verteidigungsministerium vorgesehen.\u00a0<\/p>\n<p>Auf die eigene R\u00fcstungsindustrie k\u00f6nne man sich demnach verlassen, so Braml, vor allem, wenn es um Ersatzteile oder Software f\u00fcr einzelne Systeme gehe. &#8222;Souver\u00e4nit\u00e4t hei\u00dft auch, dass man sich selbst sch\u00fctzen kann&#8220;, so der USA-Experte Braml zu Euronews. Sollte dies nicht der Fall sein, mache man sich Braml zufolge erpressbar.<\/p>\n<p>Bei seinem ersten offiziellen Besuch im Wei\u00dfen Haus r\u00e4umte <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2025\/04\/23\/merz-botschaft-europa-kann-wieder-auf-deutschland-zahlen-eine-analyse\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Merz <\/a>ein, dass, &#8222;ob es uns gef\u00e4llt oder nicht, wir werden noch lange Zeit von den Vereinigten Staaten von Amerika abh\u00e4ngig bleiben.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Die Sicherheit ist weg, die Pax Americana ist tot&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Wir leben in einer neuen Zeitrechnung, in einer multipolaren Weltordnung und wenn es uns nicht gelingt, Europa als eigenst\u00e4ndigen Pol aufzustellen, dann haben wir verloren in dieser Welt, in der die Starken machen, was sie k\u00f6nnen, und die Schwachen leiden&#8220;, so der USA-Experte und Autor von &#8222;Die transatlantische Illusion&#8220;.<\/p>\n<p>Am Ende zeigt jedoch schon der Blick in die Patentstatistik: Wenn es um R\u00fcstungstechnologie geht, gibt in Europa weiterhin Washington den Takt vor.<\/p>\n<p>So meldeten zwischen 2015 und 2021 laut einer <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/fileadmin\/user_upload\/Studien\/Kurzberichte\/PDF\/2025\/IW-Kurzbericht_2025-Patente-R%C3%BCstungs-Verteidigungstechnologie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Studie<\/a> des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) US-Unternehmen knapp 18.000 Patente an, w\u00e4hrend alle 27 EU-Staaten zusammen auf weniger als 12.000 Patente kamen. Deutschland liegt innerhalb der EU mit rund 4.300 Patentanmeldungen an zweiter Stelle nach Frankreich, ist insgesamt aber stark von US-Konzernen abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Fortfahren wie bisher ist f\u00fcr Braml deshalb keine Option: &#8222;Die Sicherheit ist weg, die Pax Americana ist tot.&#8220; Jahrzehntelang hat Deutschland seine Verteidigung in die H\u00e4nde der USA gelegt.<\/p>\n<p>Nun m\u00fcsse das Land in k\u00fcrzester Zeit Verantwortung f\u00fcr seine eigene Sicherheit \u00fcbernehmen.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"WERBUNG Die Bundeswehr soll zur &#8222;st\u00e4rksten konventionellen Streitmacht Europas&#8220; werden, erkl\u00e4rte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Mai. Vor&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":456282,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,685,29,548,663,158,3934,3935,775,13,14,15,747,12,64],"class_list":{"0":"post-456281","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-bundeswehr","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europaeische-union","15":"tag-europe","16":"tag-european-union","17":"tag-friedrich-merz","18":"tag-headlines","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-ruestungsindustrie","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-usa"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115280405090295438","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/456281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=456281"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/456281\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/456282"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=456281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=456281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=456281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}