{"id":457049,"date":"2025-09-28T13:37:10","date_gmt":"2025-09-28T13:37:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/457049\/"},"modified":"2025-09-28T13:37:10","modified_gmt":"2025-09-28T13:37:10","slug":"muenchen-erstes-heimspiel-der-philharmoniker-nach-dem-gent-eklat-jubel-fuer-dirigentin-dalia-stasevska-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/457049\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen: Erstes Heimspiel der Philharmoniker nach dem Gent-Eklat: Jubel f\u00fcr Dirigentin Dalia Stasevska &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Es ist das erste Heimspiel der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchner_Philharmoniker\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchner Philharmoniker<\/a>, seit sie vor einigen Wochen vom \u201eFlanders Festival Gent\u201c ausgeladen worden waren. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/gaza-israel-antisemitismus-flanders-festival-ghent-li.3311414\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Grund war, dass die Festivalleitung Lahav Shani, dem aus Israel stammenden designierten Chefdirigenten<\/a>, eine unzureichende Distanzierung von der israelischen Regierung und dem Gazakrieg attestierte. Die Solidarit\u00e4t mit den Philharmonikern reichte daraufhin in Belgien und Deutschland bis in die politische Spitze. Was die M\u00fcnchnerinnen und M\u00fcnchner von ihren Philharmonikern halten, zeigt sich nun in der Isarphilharmonie. Ein volles Haus, ein Applaus, der stets bereit ist, zum Jubel zu werden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Eigentlich braucht dieses Konzert die Genter Geschichte nicht, um seinerseits Geschichten zu erz\u00e4hlen. Gleich zwei Deb\u00fcts werden gefeiert, und beide haben mit starken K\u00fcnstlerinnenpers\u00f6nlichkeiten zu tun. Am Dirigentinnenpult gastiert Dalia Stasevska. Die ukrainisch-finnische Dirigentin sammelt seit 2022 Hilfsg\u00fcter-Spenden f\u00fcr die Ukraine. Sie bei ihrer energetischen Leitung der Philharmoniker zu sehen, ist ein Erlebnis, dazu gleich mehr. Und als Pianistin ist Gabriela Montero zu Gast. Sie musizierte schon 2009 bei der Amtseinf\u00fchrung von Barack Obama, das waren Zeiten. Jetzt spielt sie \u201eEin Prosit der Gem\u00fctlichkeit\u201c, auch dazu gleich mehr.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Der \u201eMorgenstimmung\u201c aus Griegs \u201ePeer Gynt\u201c-Suite Nr. 1 eine neue Lesart abzuringen, muss man erst einmal zustande bringen. Stasevska versucht es. Sie gibt erstaunliche agogische Dehnungen vor. Die Musik klingt dadurch sehr elastisch und federnd. Da die Dirigentin im selben Atemzug auf der dynamischen Seite des Ausdrucks kleine und kleinste Schweller einstreuen l\u00e4sst, f\u00fchrt das gleichzeitig zu eigent\u00fcmlich pr\u00e4gnanten Betonungen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">In Summe ergibt das f\u00fcr die ber\u00fchmte Melodielinie einen etwas kuriosen Schlingerkurs \u2013 und es durchzuckt einen der Gedanke, dass man \u201eMorgenstimmung\u201c zur Wiesnzeit eigentlich kaum besser einfangen kann. Wirklich zauberhaft ist, wie feinsinnig die Musik im zweiten Satz verlischt und wie anmutig das Mazurka-Tempo des dritten Satzes gelingt. \u201eIn der Halle des Bergk\u00f6nigs\u201c tritt dann Stasevskas \u00fcberragende Qualit\u00e4t zu Tage, das Orchester mit entfesselt animierendem Dirigat anzutreiben. Nach der Pause wird sie damit auch Dvo\u0159\u00e1ks Achte befeuern \u2013 mit dem virtuosen Fl\u00f6tensolo des Finalsatzes an der Spitze.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Zuvor aber Prokofjews Drittes Klavierkonzert. Wenn Gabriela Montero sagt, dieses Werk sei \u201eabsolutely crazy\u201c, dann beschreibt das ziemlich treffend, mit welcher Geschwindigkeit es am Ende \u00fcber die Ziellinie brettert. Montero sitzt dazu gelassen auf ihrem Lehnstuhl. Anfangs war die Koordination mit dem Orchester noch nicht ideal. Als man sich auf ein gemeinsames Schrittma\u00df geeinigt hat, verleihen Montero und Stasevska der kernigen Musik mit rhythmischem Esprit viel Charme. Absolut hinrei\u00dfend ist \u2013 denn keineswegs ist dieses Klavierkonzert blo\u00dfes Krafttraining\u2013, wie Montero andernorts den lyrischen Klavierdiskant mit dem Orchester verwebt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Bekannt ist die Pianistin haupts\u00e4chlich f\u00fcr ihre Improvisationen. Und dass sie dieses K\u00f6nnen als Zugabe zeigt, hebt den Abend von anderen Klassikkonzerten deutlich ab. Welche Melodie sie als Grundlage nehmen solle, fragt sie ins Publikum, und ein Herr l\u00e4sst den Finger in die H\u00f6he schnellen. Er darf\u00a0\u2013 und pr\u00e4sentiert eine jahreszeitlich kreative Idee: ein Prosit der Gem\u00fctlichkeit.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Montero bittet das gesamte Publikum zur Gesangseinlage. Und wirklich: Noch schneller als zuvor Montero und die Philharmoniker auf ein gemeinsames Prokofjew-Tempo einigen sich alle wundersam auf eine Tonart. Seltsam, dass Montero diesem sch\u00f6nen Unisono die zweite H\u00e4lfte der Melodie nicht entnehmen kann. Letztlich bleiben als Thema f\u00fcr ihre Improvisation die drei quartsextakkordischen Anfangst\u00f6ne \u00fcbrig. Aber das ist nicht tragisch, denn wie Montero daraus live auf der B\u00fchne mit grandiosem Musikhandwerk, enormem Repertoire an musikalischen Bausteinen und nat\u00fcrlich (\u201eI feel it happen\u201c) ganz viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen eine Art opulente Bach-Invention zusammenbaut, ist mitrei\u00dfend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist das erste Heimspiel der M\u00fcnchner Philharmoniker, seit sie vor einigen Wochen vom \u201eFlanders Festival Gent\u201c ausgeladen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":457050,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,29,30,3371,2392,109860,1268,108889,149],"class_list":{"0":"post-457049","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-konzerte-muenchen","12":"tag-kultur-in-muenchen","13":"tag-lahav-shani","14":"tag-muenchen","15":"tag-muenchner-philharmoniker","16":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115282198183916243","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/457049","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=457049"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/457049\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/457050"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=457049"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=457049"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=457049"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}