{"id":457591,"date":"2025-09-28T18:36:45","date_gmt":"2025-09-28T18:36:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/457591\/"},"modified":"2025-09-28T18:36:45","modified_gmt":"2025-09-28T18:36:45","slug":"von-der-fremdenlegion-in-die-ddr-deutsche-soeldner-in-frankreichs-diensten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/457591\/","title":{"rendered":"Von der Fremdenlegion in die DDR: Deutsche S\u00f6ldner in Frankreichs Diensten"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nDie deutsche \u00dcberrepr\u00e4sentation ist kein Zufall, denn Deutschland kann seiner Jugend kurz <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/zweiter-weltkrieg-ueberblick-militaerischer-verlauf-100.html\" title=\"1939 - 1945: Der Zweite Weltkrieg - Milit\u00e4rischer Verlauf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg<\/a> oft nicht mal das nackte \u00dcberleben sichern. Allein in den Kriegsgefangenenlagern der franz\u00f6sischen Besatzungszone sitzen 870.000 kampferfahrene ehemalige Wehrmachts- und <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/waffen-ss-100.html\" title=\"Die Waffen-SS - Himmlers Armee\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Waffen-SS-Soldaten<\/a>. Sie hungern und haben keine Perspektive \u2013 f\u00fcr die Werber der Fremdenlegion eine leichte Beute. Nicht nur einzelne Soldaten, sondern ganze Einheiten verpflichten sich geschlossen als S\u00f6ldner.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie zweite Generation der deutschen Fremdenlegion\u00e4re stellen Jugendliche im Alter zwischen 16 und h\u00f6chstens 25 Jahren, die selbst nicht mehr oder nur noch <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ns-zeit\/zweiter-weltkrieg\/1945\/ende-zweiter-weltkrieg-102.html\" title=\"1945: Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in den letzten Tagen im Krieg gek\u00e4mpft<\/a> haben, die aber unter seinen Folgen leiden. Damit sind nicht nur fehlende Arbeits- und Ausbildungspl\u00e4tze gemeint, sondern auch zerr\u00fcttete famili\u00e4re Verh\u00e4ltnisse, in denen viele dieser jungen M\u00e4nner aufwachsen. Die V\u00e4ter sind oft gefallen oder in Kriegsgefangenschaft. Viele M\u00fctter lassen sich zudem nach einer \u00fcberst\u00fcrzt geschlossenen Kriegsehe scheiden. Hinzu kommen Spannungen mit neuen Stiefv\u00e4tern, wenn verwitwete oder geschiedene M\u00fctter erneut heiraten.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Familie als Heimstatt f\u00e4llt weg, und die Fremdenlegion wird zur Ersatzfamilie \u2013 auch f\u00fcr Joachim Schriever, dessen Mutter mit einem Franzosen nach Frankreich \u00fcbersiedelt und ihn in Deutschland zur\u00fcckl\u00e4sst. Als er daraufhin wegen kleinerer Straftaten geschnappt wird, muss er sich entscheiden: Gef\u00e4ngnis oder Fremdenlegion. &#8222;Da haben sie mir gesagt, wenn Sie in die Legion gehen, werden Sie nach f\u00fcnf Jahren automatisch Franzose und k\u00f6nnen dann in Frankreich bleiben. Abenteuerlust hatte ich sowieso, also habe ich mich zur Legion gemeldet&#8220;, erinnert sich Schriever.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nBewerber, die sich aus Abenteuerlust, aus Angst vor strafrechtlicher Verfolgung, Liebeskummer oder wegen einer ungewollten Vaterschaft und entsprechender Unterhaltsanspr\u00fcche und \u00e4hnlichen Motiven melden, sind \u00fcbrigens \u2013 allen Legenden zum Trotz \u2013 eindeutig in der Minderheit. Denn auch wenn die Legion in dem Ruf steht, tolerant gegen\u00fcber Au\u00dfenseitern, Gescheiterten und Kriminellen zu sein, ist die Auslese in jenen Jahren relativ streng, weil es schlicht und einfach zu viele Bewerber gibt. Wer ein zu langes Strafregister vorweist, wird abgewiesen, sofern das bekannt wird oder bei den vielen Vernehmungen w\u00e4hrend der Rekrutierung ein solcher Verdacht aufkommt.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung3\" class=\"jumpLabel\">Stellvertreterkonflikt im Kalten Krieg<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nAls sich das kommunistisch gewordene China in die K\u00e4mpfe auf Seiten der Viet Minh einschaltet, entwickelt sich der Kolonialkrieg in Vietnam zu einem Stellvertreterkonflikt des Kalten Krieges. Auch <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/politik-gesellschaft\/gruendung-verfassung-wilhelm-pieck-100.html\" title=\"Auferstanden aus Ruinen: Gr\u00fcndung der DDR\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die neu gegr\u00fcndete DDR<\/a> mischt indirekt mit. Die Viet Minh versuchen mit Unterst\u00fctzung aus Ost-Berlin, die deutschen Legion\u00e4re zum \u00dcberlaufen und zur &#8222;R\u00fcckkehr in die DDR&#8220; zu bewegen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nZu diesem Zweck werden Flugbl\u00e4tter gedruckt, Parolen an die W\u00e4nde verlassener D\u00f6rfer gemalt, eine auf Deutsch redigierte Zeitschrift aufgelegt sowie Schallplattenaufnahmen mit politischen Appellen und dem Versprechen der baldigen Heimreise dicht vor den Stellungen der Fremdenlegion abgespielt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Viele von Euch wurden unter Ausnutzung Eurer Notlage als Kriegsgefangene in die Fremdenlegion gepresst. Nun werdet ihr f\u00fcr den schmutzigen Krieg der franz\u00f6sischen Imperialisten gegen das um Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit k\u00e4mpfende Volk Vietnams missbraucht. Verlasst die Sklaverei der Fremdenlegion! Geht zur vietnamesischen Volksarmee \u00fcber und schafft Euch damit die M\u00f6glichkeit zur R\u00fcckkehr in die Heimat!&#8220;, t\u00f6nt es in Richtung der deutschen Legion\u00e4re.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDer Erfolg ist relativ bescheiden: W\u00e4hrend des ganzen Indochinakrieges werden lediglich 1.325 erfolgreiche Desertionen verzeichnet \u2013 das sind nur 1,8 Prozent aller 72.833 in Indochina in den Jahren 1945-1954 eingesetzten Soldaten der Fremdenlegion. Auch einer der beiden Leiter der deutschen Propaganda-Abteilung in den Diensten der Viet Minh, Erwin Borchers, gesteht das indirekt ein: &#8222;In die K\u00f6pfe dieser schlecht entnazifizierten, verirrten und verwirrten Landsleute und Landsknechte &#8218;mehr Licht&#8216; zu bringen, ist schwer&#8220;, schreibt er in einem Brief an den DDR-Botschafter in Peking.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung4\" class=\"jumpLabel\">1.500 Fremdenlegion\u00e4re in der DDR<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nZwischen 1951 und 55 werden sieben Spezialtransporte zur R\u00fcckf\u00fchrung von \u00dcberl\u00e4ufern aus Vietnam organisiert. Sie kommen \u00fcber China, die Sowjetunion und Polen in ein Aufnahmelager nach Bischofswerda. Dort wird ihnen Wohnraum, Arbeit und die &#8222;richtige&#8220; politische Haltung vermittelt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nMit den &#8222;Heimkehrern&#8220; hat die DDR etwas vor. Sie sollen als Zeugen in einer Propagandakampagne gegen den franz\u00f6sischen &#8222;Imperialismus&#8220; herhalten. Die DDR-Wochenschau &#8222;Der Augenzeuge&#8220; berichtet 1952 von einer Pressekonferenz mit den ehemaligen Legion\u00e4ren. Auch Joachim Schriver ist bei dieser Pressekonferenz dabei. &#8222;Uns wurde alles in den Mund gelegt, was wir sagen sollten. Dass sie uns betrunken gemacht h\u00e4tten, damit wir unterschreiben&#8220;, erinnert er sich.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung5\" class=\"jumpLabel\">Propaganda und Stasi-\u00dcberwachung<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Wir wissen, dass wir auch gegen die Interessen des deutschen Volkes handelten, als wir uns an die franz\u00f6sischen Gelds\u00e4cke verkauften&#8220;, sagt ein anderer Teilnehmer der Pressekonferenz vor laufender Kamera. &#8222;Wir haben eine gro\u00dfe Schuld wieder gut zu machen. Wir werden das tun, indem wir durch vorbildliche Arbeit den Kampf aller deutschen Patrioten um den Frieden und die demokratische Wiedervereinigung Deutschlands unterst\u00fctzen.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDoch in Wahrheit bringen die intensiven politischen Schulungen, die noch in Vietnam beginnen und in der DDR fortgesetzt werden, nur wenig. &#8222;Man glaubt, man k\u00f6nnte sie umerziehen, aus ihnen neue, andersartige Gesch\u00f6pfe machen, aber bei der ersten Gelegenheit bricht dann ihre wahres Wesen wieder durch. Es war alles nur eine Maske&#8220;, konstatiert Erwin Borchers.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nVon Anfang an werden die ehemaligen Fremdenlegion\u00e4re au\u00dferdem von der Stasi \u00fcberwacht \u2013 man f\u00fcrchtet ausl\u00e4ndische Agenten und Saboteure in ihren Reihen. Regelm\u00e4\u00dfig fertigt die Staatssicherheit Berichte \u00fcber jeden der rund 1.500 Ehemaligen der Fremdenlegion in der DDR an. Vorankommen im Beruf ist f\u00fcr die meisten von ihnen unm\u00f6glich, und das ist Absicht: &#8222;In verantwortlichen Positionen des wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Lebens ist kein ehemaliger Legion\u00e4r in der DDR t\u00e4tig&#8220;, stellt das MfS 1967 zufrieden fest. Erst nach der Wiedervereinigung 1990 k\u00f6nnen sie offen \u00fcber ihre Vergangenheit in der franz\u00f6sischen S\u00f6ldnertruppe reden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die deutsche \u00dcberrepr\u00e4sentation ist kein Zufall, denn Deutschland kann seiner Jugend kurz nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg oft&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":202749,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,129,548,663,3934,3980,156,66255,66256,13,66254,3982,6371,66258,66257,14,15,12689,12,12966,66259,10649],"class_list":{"0":"post-457591","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-ddr","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-france","15":"tag-frankreich","16":"tag-fremdenlegion","17":"tag-fremdenlegionaere","18":"tag-headlines","19":"tag-indochina","20":"tag-kalter-krieg","21":"tag-kolonialismus","22":"tag-kolonialkrieg","23":"tag-legionaere","24":"tag-nachrichten","25":"tag-news","26":"tag-propaganda","27":"tag-schlagzeilen","28":"tag-soeldner","29":"tag-stellvertreterkonflikt","30":"tag-vietnam"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115283373778658381","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/457591","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=457591"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/457591\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/202749"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=457591"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=457591"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=457591"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}