{"id":458180,"date":"2025-09-29T00:11:11","date_gmt":"2025-09-29T00:11:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/458180\/"},"modified":"2025-09-29T00:11:11","modified_gmt":"2025-09-29T00:11:11","slug":"europas-natur-unter-stress-schuld-ist-oft-die-landwirtschaft-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/458180\/","title":{"rendered":"Europas Natur unter Stress: Schuld ist oft die Landwirtschaft &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Europas Natur steht unter Stress. Der Kontinent erw\u00e4rmt sich im Zuge des Klimawandels zweimal schneller als der globale Durchschnitt, was einen erheblichen Anpassungsdruck ausl\u00f6st. Dazu setzt das Wirtschaften des Menschen der Artenvielfalt sowie B\u00f6den und Wassersystemen zu. Das sind die Kernbotschaften des Berichts zum Stand von Europas Umwelt, den die Europ\u00e4ische Umweltagentur (EEA) an diesem Montag ver\u00f6ffentlichte.\u00a0Es gebe zwar einige Fortschritte,\u00a0erkl\u00e4rt EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall, die Analyse ist f\u00fcr sie aber \u201eein klarer Aufruf zum Handeln, um die Umweltverschmutzung weiter zu reduzieren, die Natur wiederherzustellen und die biologische Vielfalt zu sch\u00fctzen\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Alle f\u00fcnf Jahre legt die EEA den Bericht vor, die Umweltagentur geh\u00f6rt zur Europ\u00e4ischen Union, weitere Mitglieder sind Island, Liechtenstein, Norwegen, die Schweiz und die T\u00fcrkei. Die L\u00e4nder des westlichen Balkans wie Albanien oder Serbien kooperieren mit ihr. So kann die EEA auf Daten aus 38 L\u00e4ndern zugreifen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Auf den insgesamt 232 Seiten des Berichts stehen auch positive Nachrichten. Im Vergleich zu 1990 sei der Aussto\u00df an Treibhausgasen in der EU um gut ein Drittel zur\u00fcckgegangen, der Anteil der erneuerbaren Energien habe sich seit 2005 verdoppelt. Im Kampf gegen den Klimawandel sei der Staatenbund weltweit f\u00fchrend, hei\u00dft es. Zudem werde die Luft immer besser, durch gesetzliche Ma\u00dfnahmen habe sich vor allem die Feinstaubbelastung verringert. Die Zahl der so ausgel\u00f6sten vorzeitigen Todesf\u00e4lle sei seit 2005 um fast die H\u00e4lfte zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>Die Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Pflanzen und Tiere werden t\u00e4glich kleiner<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Diese Erfolge stehen f\u00fcr die EEA allerdings im Schatten der Probleme, die sich weiter versch\u00e4rfen. Vor allem der R\u00fcckgang der Biodiversit\u00e4t bereitet den Analysten Sorgen. 81 Prozent der nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4ume seien in einem schlechten oder sehr schlechten Zustand, genauso wie die Population von 39 Prozent der Vogelarten sowie 62 Prozent der restlichen in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Europa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europa<\/a> heimischen Tierarten. Bei den meisten sei der Trend r\u00fcckl\u00e4ufig. Nur 38 Prozent der Seen, Fl\u00fcsse und K\u00fcstengew\u00e4sser seien \u00f6kologisch in Ordnung, in Deutschland nur neun Prozent. Fischerei, Tourismus und wirtschaftliche Nutzung setzten den Wassersystemen zu.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Als Verursacher der Probleme stehen zwei Bereiche im Zentrum der Kritik: erstens der Fl\u00e4chenfra\u00df durch Neubaugebiete, Verkehr und Ansiedlung von Gewerbe. So wird allein in Bayern nach Angaben des Landesamtes f\u00fcr Statistik t\u00e4glich eine Fl\u00e4che von 14 Fu\u00dfballfeldern neu f\u00fcr Siedlungen und Verkehr genutzt. Dadurch werden die Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Pflanzen und Tiere kleiner. Zudem ging die F\u00e4higkeit der Natur, Treibhausgase aufzunehmen, im Vergleich zum vergangenen Jahrzehnt um rund ein Drittel zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Der zweite Problembereich ist die Ern\u00e4hrung, vor allem die industrielle <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Landwirtschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Landwirtschaft<\/a>. Sie sei \u201edie gr\u00f6\u00dfte Belastung sowohl f\u00fcr Oberfl\u00e4chen- als auch f\u00fcr Grundwasser\u201c, so die Umweltagentur. Weil die Landwirte zu viel D\u00fcnger und Pestizide ausbringen, verursachten sie den R\u00fcckgang vieler Tierarten und verschlechterten die Qualit\u00e4t der B\u00f6den. In Deutschland etwa seien rund ein Drittel aller Grundwasserk\u00f6rper nicht mehr als Trinkwasser nutzbar. \u201eDer Bericht macht deutlich, dass Europa seinen Kurs beibehalten und seine Klima- und Umweltziele sogar noch ehrgeiziger gestalten muss\u201c, sagt Teresa Ribera, Vizepr\u00e4sidentin der EU-Kommission.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Vertreter der Landwirtschaft sehen das gr\u00f6\u00dftenteils anders. Schon die Bauernproteste Anfang 2024 in Deutschland und anderen EU-L\u00e4ndern richteten sich auch gegen Umweltauflagen, die die landwirtschaftliche Arbeit verkomplizieren. Unter diesem Druck drehte die EU-Kommission einige Vorschriften zur\u00fcck, die neue Bundesregierung aus Union und SPD zeigt sich ebenfalls bauernfreundlich.<\/p>\n<p>Bauernverband bef\u00fcrchtet neue B\u00fcrokratie<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">So hat Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) die sogenannte Stoffstrombilanz gekippt, wonach gr\u00f6\u00dfere Betriebe ihren N\u00e4hrstofffluss dokumentieren mussten. Das sollte verhindern, dass D\u00fcnger-\u00dcbersch\u00fcsse ins Grundwasser oder Fl\u00fcsse und Seen sickern. Bei der Agrarministerkonferenz der L\u00e4nder am vergangenen Freitag klagten Minister von Union und SPD \u00fcber die neue EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur, diese sei nicht praktikabel und abzulehnen, sagte etwa Sven Schulze (CDU), Sachsen-Anhalts Agrarminister. Eine Forderung der Minister: Die EU m\u00fcsse neue Pestizide zulassen, damit die Bauern ihre Ernten sch\u00fctzen k\u00f6nnten \u2013 etwa vor Sch\u00e4dlingen, die aufgrund des Klimawandels neu eingewandert seien.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Ebenfalls am Freitag forderte der Deutsche Bauernverband zusammen mit weiteren Organisationen die Bundesregierung auf, das auf den Weg gebrachte EU-Gesetz zur Boden\u00fcberwachung zu stoppen. Dieses soll eine nachhaltige Bewirtschaftung bewirken, was f\u00fcr die Betriebe allerdings eine Folge hat, die sie ablehnen: neue B\u00fcrokratie.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Auf der anderen Seite leidet die Ern\u00e4hrungswirtschaft mit am meisten unter Naturzerst\u00f6rung und Erderw\u00e4rmung. Besonders betroffen ist nach dem Bericht der Umweltagentur S\u00fcdeuropa, konkret Spanien, S\u00fcditalien, Zypern und Rum\u00e4nien. So h\u00e4tten D\u00fcrren oder \u00dcberschwemmungen zuletzt erhebliche Einbu\u00dfen f\u00fcr Landwirte verursacht, was h\u00f6here Preise f\u00fcr Verbraucher zur Folge hatte, etwa beim Oliven\u00f6l. Das Weltwirtschaftsforum stuft generell den Zusammenbruch von \u00d6kosystemen als zweitgr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr die Wirtschaft im kommenden Jahrzehnt ein.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Deshalb m\u00fcsse sich Europa dringend und schnell an die neuen Bedingungen im Klimawandel anpassen, schreibt die Umweltagentur. Das betreffe speziell die Landwirtschaft, um auch k\u00fcnftig genug Lebensmittel produzieren zu k\u00f6nnen. Aber auch Gesellschaft und Wirtschaft im Allgemeinen: So lebten zw\u00f6lf Prozent der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung in Gebieten, die von \u00dcberschwemmungen bedroht sind. Gleichzeitig seien in vielen L\u00e4ndern nicht einmal die H\u00e4lfte aller Geb\u00e4ude versichert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Extremwetter wie D\u00fcrren oder Starkregen f\u00fchren so zu h\u00f6heren Kosten, wird im Bericht ausgef\u00fchrt. Am schlimmsten erwischte es zuletzt Slowenien, wo 2023 \u00dcberschwemmungen Sch\u00e4den in H\u00f6he von 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verursachten. Besonders betroffen seien bei den Naturkatastrophen h\u00e4ufig sozial schwache Gruppen wie \u00c4ltere, Kinder, einkommensschwache Gruppen und Menschen mit Behinderungen. \u201eDie Kosten der Unt\u00e4tigkeit sind enorm, und der Klimawandel stellt eine direkte Bedrohung f\u00fcr unsere Wettbewerbsf\u00e4higkeit dar\u201c, erkl\u00e4rt dazu EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra und betont: \u201eUm unsere Wirtschaft zu sch\u00fctzen, m\u00fcssen wir unseren Kurs beibehalten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Europas Natur steht unter Stress. 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