{"id":458315,"date":"2025-09-29T01:27:10","date_gmt":"2025-09-29T01:27:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/458315\/"},"modified":"2025-09-29T01:27:10","modified_gmt":"2025-09-29T01:27:10","slug":"talk-zu-trump-russland-und-gaza-miosga-kann-wadephul-nicht-aus-der-reserve-locken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/458315\/","title":{"rendered":"Talk zu Trump, Russland und Gaza: Miosga kann Wadephul nicht aus der Reserve locken"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine au\u00dfenpolitisch bedeutsame Woche geht zu Ende. Chefdiplomat Wadephul hat Deutschland bei den UN in New York vertreten und berichtet im Talk von Caren Miosga \u00fcber seine Eindr\u00fccke. Doch wenn es darum geht, klar zu den Konflikten dieser Welt Stellung zu beziehen, steht ihm seine Rolle im Weg.<\/strong><\/p>\n<p>Es kann sehr unbefriedigend sein, Johann Wadephul zuzuh\u00f6ren. Etwa wenn er die Frage beantworten soll, ob Donald Trump ein lupenreiner Demokrat ist. Oder ob die israelische Regierung beim Krieg im Gazastreifen das V\u00f6lkerrecht bricht. Deutschlands Chefdiplomat macht seinem Titel alle Ehre und windet sich am Sonntagabend bei Caren Miosga aus konkreten Antworten auf dr\u00e4ngende Fragen dieser komplizierten Zeit.<\/p>\n<p>Die Sendung beginnt mit einem R\u00fcckblick auf einen typisch erratisch auftretenden Donald Trump, der es bei seiner Rede bei der UN-Vollversammlung am Dienstag mit den Fakten wieder einmal nicht so genau nahm. Beispielsweise lobte er die neue deutsche Bundesregierung f\u00fcr ihre vermeintliche Abkehr von erneuerbaren Energien und R\u00fcckkehr zur Atomkraft. Das stimmt nat\u00fcrlich nicht, doch Unwahrheiten wie diese st\u00f6ren Au\u00dfenminister Wadephul angeblich nicht. &#8222;F\u00fcr mich ist entscheidend, was der amerikanische Pr\u00e4sident am Ende des Tages macht und nicht, was er sagt.&#8220;<\/p>\n<p>Damit l\u00e4sst ihn Moderatorin Miosga nicht so schnell davonkommen. Daf\u00fcr ereignen sich in der zweiten Amtszeit Trumps zu viele absurde, aber auch gef\u00e4hrliche Dinge. Wadephul versucht, das Augenmerk auf die j\u00fcngsten politischen Initiativen der Trump-Regierung in Bezug auf eine diplomatische L\u00f6sung des Kriegs im Gazastreifen zu lenken. Zu innenpolitischen Verwerfungen in den USA, etwa die beispiellose Verfolgung politischer Gegner und offensichtliche Beeinflussung der Justiz durch die Trump-Administration, will sich Wadephul nicht \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Er nehme die Amerikaner, allen voran seinen Amtskollegen Marco Rubio, als verl\u00e4ssliche Partner wahr. Und nat\u00fcrlich k\u00f6nne er Missst\u00e4nde, die die Europ\u00e4er oder Deutschen betreffen &#8211; wie etwa die Zollpolitik oder Visa-Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr Journalisten &#8211; ansprechen. Doch eine Sache m\u00f6chte der CDU-Politiker klarstellen: Er betreibe keine Au\u00dfenpolitik, die sich in die Innenpolitik eines anderen Landes einmische. Er wolle auch nicht als jemand auftreten, der alles besser wei\u00df als andere. Das sei nicht im deutschen Interesse. Und \u00fcberhaupt m\u00fcsse Deutschland eine gewisse Bescheidenheit an den Tag legen, schlie\u00dflich gebe es den demokratischen Rechtsstaat in den USA schon viel l\u00e4nger als die Bundesrepublik. Doch gerade diesen h\u00f6hlen Trump und seine Handlanger zusehends aus, f\u00fchrt Miosga an. Es sei nicht seine Aufgabe, dazu Stellung zu nehmen, sondern die von Journalisten, den oppositionellen Demokraten und der Justiz, entgegnet Wadephul.<\/p>\n<p>&#8222;Wir sind schon in einer Art unerkl\u00e4rtem Krieg&#8220;<\/p>\n<p>Ist Donald Trump also nun ein lupenreiner Demokrat, ein Verfechter der Demokratie, will Miosga wissen. Wadephul antwortet nur auf mehrmalige Nachfrage. &#8222;Er ist ein Demokrat.&#8220; Er sei demokratisch gew\u00e4hlt. Aber: &#8222;Ich glaube nicht, dass der deutsche Au\u00dfenminister derjenige sein sollte, der in dieser Art und Weise Zensuren verteilen sollte oder kategorisieren sollte.&#8220; Er m\u00fcsse sich so verhalten, dass er in optimaler Position zu einem von Deutschlands engsten Verb\u00fcndeten stehe. Europa und die Nato k\u00f6nnten sich nur wirkungsvoll verteidigen und abschrecken, &#8222;wenn die USA hinter uns stehen&#8220;.<\/p>\n<p>Und so bei\u00dft sich Miosga an dem charmant argumentierenden Wadephul die Z\u00e4hne aus. Nicht nur beim Thema Trump. Mutma\u00dflich russische Drohnen und Kampfjets sorgten in Staaten wie D\u00e4nemark, Polen und Estland zuletzt f\u00fcr Alarmstimmung. Der Kreml testet die Nato. Wann werden Provokationen wie diese Konsequenzen nach sich ziehen? Trotz wachsender Unsicherheiten und offensichtlicher Abwehrschwierigkeit sieht der deutsche Au\u00dfenminister den deutschen Luftraum als sicher an. Doch er gibt zu: Gerade in Sachen Drohnen befinde sich die Bundesregierung momentan in einer Aufholjagd, rechtliche Fragen und Zust\u00e4ndigkeiten m\u00fcssten noch per Gesetz gekl\u00e4rt werden. Angesichts des seit Jahren andauernden russischen Angriffskriegs in der Ukraine und der Bedeutung von Drohnen auf dem Schlachtfeld ist das auf eine ganz andere Art unbefriedigend.<\/p>\n<p>Der ebenfalls in der Talkshow anwesende Christoph von Marschall mahnt zur Eile. &#8222;Wir sind nicht mehr im Frieden&#8220;, sagt der diplomatische Korrespondent des &#8222;Tagesspiegel&#8220;. &#8222;Wir sind schon in einer Art unerkl\u00e4rtem Krieg.&#8220; Seit Monaten w\u00fcrden Angriffshandlungen durch Russland geschehen, sei es mit Drohnen oder etwa mit Schleppankern, die Datenkabel in der Ostsee zerst\u00f6rten. Doch wie sollte die Nato, wie sollte Deutschland auf die nicht akzeptablen Handlungen Russlands reagieren? Sollten russische Kampfjets beim Eindringen in Nato-Luftraum abgeschossen werden? Wadephul: Das entscheide nicht der deutsche Au\u00dfenminister, sondern Nato-Offiziere und die integrierte Luftverteidigung des B\u00fcndnisses.<\/p>\n<p>Von Marschall w\u00fcnscht sich, die Bundesregierung m\u00f6ge offener mit den Menschen reden. Die wollten nicht beruhigt werden, sondern h\u00e4tten ohnehin das Gef\u00fchl, dass ihr Lebensstandard und ihre Sicherheit bedroht sind. Es gehe darum, zu vermitteln, wie das Land mit dieser Bedrohungslage umgehen will. Auch die geladene Politikwissenschaftlerin Daniela Schwarzer erkennt eine ge\u00e4nderte Wahrnehmung in der Bev\u00f6lkerung. Es brauche jetzt eine gesamtgesellschaftliche Diskussion dar\u00fcber, was daf\u00fcr n\u00f6tig ist, damit Deutschland tats\u00e4chlich &#8222;kriegst\u00fcchtig&#8220; ist, wie es Verteidigungsminister Boris Pistorius einst formulierte. Deutschland habe viel zu verteidigen: seine demokratischen Werte und das, was in den vergangenen Jahrzehnten alles erreicht wurde.<\/p>\n<p>Beim Nahost-Konflikt widerspricht Wadephul<\/p>\n<p>Der dritte Themenkomplex des Talks dreht sich schlie\u00dflich um den Krieg in Gaza. Zuletzt wagten sich mehrere westliche Staaten vor und verk\u00fcndeten die Anerkennung eines pal\u00e4stinensischen Staates. Deutschland h\u00e4lt sich dahingehend zur\u00fcck. Und das \u00e4ndert sich auch am Sonntagabend nicht. Berlin m\u00fcsse auf dem Weg bleiben, der in den 1990er Jahren in Oslo vereinbart wurde, sagt Wadephul. Israelis und Pal\u00e4stinenser m\u00fcssten eine Zwei-Staaten-L\u00f6sung gemeinsam aushandeln.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Journalisten von Marschall ist fraglich, welchen Einfluss Deutschland \u00fcberhaupt auf die Konfliktparteien im Nahen Osten aus\u00fcben kann. Aus seiner Sicht ist der Fokus auf diesen Konfliktherd \u00fcbertrieben. Er w\u00fcrde behaupten, &#8222;in Israel und im Nahen Osten fragt niemand danach, was Deutschland sagt oder was Europa sagt.&#8220; &#8222;Das stimmt wirklich nicht&#8220;, widerspricht Wadephul. Arabische Au\u00dfenminister w\u00fcrden ihn dringend darum bitten, auf Israel einzuwirken, weil sie w\u00fcssten, dass Deutschland einen gewissen Einfluss habe. Und bei einer Bewertung der humanit\u00e4ren Katastrophe im Gazastreifen m\u00fcsse sich auch Berlin klar positionieren. Vor den Vereinten Nationen sprach Wadephul von einer &#8222;H\u00f6lle auf Erden&#8220;.<\/p>\n<p>So vehement er sich f\u00fcr die deutsche Rolle im Friedensprozess einsetzt, so wenig l\u00e4sst sich Wadephul bei der Bewertung des Kriegsgeschehens in die Karten blicken. Das milit\u00e4rische Vorgehen Israels in Gaza wird seit l\u00e4ngerem kritisiert. Deutschland hat daraus durchaus Konsequenzen gezogen und liefert etwa keine Waffen mehr, die im Kriegsgebiet eingesetzt werden k\u00f6nnten. Doch ist das, was in dem Pal\u00e4stinensergebiet passiert, v\u00f6lkerrechtswidrig? Das m\u00fcssten Gerichte entscheiden, sagt Wadephul.<\/p>\n<p>Sanktionen f\u00fcr Israel? &#8222;Es kommt darauf an&#8220;<\/p>\n<p>Politikwissenschaftlerin Schwarzer formuliert eine Art Ultimatum. Am Ende der neuen Woche, die mit einem Treffen von Israels Premier Benjamin Netanjahu und US-Pr\u00e4sident Trump im Wei\u00dfen Haus beginnt und in der ein 21-Punkte-Friedensplan im Fokus stehen wird, m\u00fcsse geschaut werden, ob Israel wirklich an einer L\u00f6sung interessiert ist. Dann m\u00fcsse die Bundesregierung klar benennen, wo sie steht. <\/p>\n<p>Miosga versucht es ein letztes Mal: W\u00fcrde sich Deutschland im Fall der F\u00e4lle m\u00f6glichen europ\u00e4ischen Sanktionen gegen Netanjahus Regierung anschlie\u00dfen? &#8222;Es kommt darauf an&#8220;, sagt Wadephul. Das m\u00fcsse die Bundesregierung intern beraten. &#8222;Ich kann das nicht allein entscheiden.&#8220; Ob dieser stoische, stets abw\u00e4gende Duktus beim Publikum gut ankommt, ist fraglich. Doch immerhin entsteht der Eindruck, Wadephul sei ein durch und durch gewissenhafter Diplomat. Das ist in Zeiten wie diesen schon viel wert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine au\u00dfenpolitisch bedeutsame Woche geht zu Ende. 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