{"id":458444,"date":"2025-09-29T02:46:10","date_gmt":"2025-09-29T02:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/458444\/"},"modified":"2025-09-29T02:46:10","modified_gmt":"2025-09-29T02:46:10","slug":"tote-studentin-hanna-prozess-wird-neu-aufgerollt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/458444\/","title":{"rendered":"Tote Studentin Hanna: Prozess wird neu aufgerollt"},"content":{"rendered":"<p>Traunstein\/Laufen (dpa) &#8211; War es Mord? Oder ein tragischer Unfall? Der Prozess um den Tod der Studentin Hanna in Aschau in Oberbayern wird neu aufgerollt. Das Landgericht Traunstein verhandelt von diesem Montag (9.30 Uhr) an &#8211; aus Platzgr\u00fcnden in den R\u00e4umen des Amtsgerichts Laufen &#8211; erneut gegen den jungen Mann, der 2024 wegen Mordes an Hanna verurteilt wurde. Inzwischen ist der Verurteilte aber wieder auf freiem Fu\u00df.\u00a0<\/p>\n<p>Worum geht es in dem Fall?\u00a0<\/p>\n<p>Am 3. Oktober 2022 kehrt die 23 Jahre alte Medizinstudentin Hanna nicht von einer Partynacht in der Diskothek \u00abEiskeller\u00bb in ihr 885 Meter entferntes Elternhaus im oberbayerischen Aschau zur\u00fcck. Ermittlungen ergeben, dass sie in den B\u00e4rbach fiel, ihre Leiche wird viele Kilometer weiter im Fluss Prien gefunden. Die Ermittler gehen schnell von einem T\u00f6tungsdelikt aus, fahnden nach dem mutma\u00dflichen T\u00e4ter &#8211; und nehmen schlie\u00dflich einen damals 20 Jahre alten Mann aus dem Ort fest. Der Beschuldigte war in der Nacht um den Tatort herum joggen.\u00a0<\/p>\n<p>Was wird dem jungen Mann vorgeworfen?\u00a0<\/p>\n<p>Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er die Medizinstudentin verfolgte, aus sexuellen Motiven von hinten angriff und in den Bach warf, wo sie ertrank. Er soll ihr mindestens f\u00fcnfmal auf den Kopf geschlagen und sie dann stranguliert haben. Ihm wird Mord aus Heimt\u00fccke vorgeworfen.\u00a0<\/p>\n<p>Wie ging der erste Prozess aus?\u00a0<\/p>\n<p>Der erste Prozess am Landgericht Traunstein endete 2024 mit einem Schuldspruch. Das Gericht sah die Vorw\u00fcrfe als erwiesen an. Der Argumentation der Verteidigung, es k\u00f6nne sich um einen Unfall gehandelt haben, folgten die Richter nicht. Der zur Tatzeit 20-J\u00e4hrige wurde als Heranwachsender zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt. \u00abEs handelte sich nicht um einen Unfall\u00bb, sagte die Vorsitzende Richterin Jacqueline A\u00dfbichler damals in ihrer Urteilsbegr\u00fcndung.\u00a0<\/p>\n<p>Warum wurde das Urteil aufgehoben?<\/p>\n<p>Der Angeklagte legte Revision ein, und der Bundesgerichtshof (BGH) hob das Urteil auf. Der Grund ist zun\u00e4chst einmal ein formaler: Der BGH-Senat begr\u00fcndete seine Entscheidung mit einem Verfahrensfehler, den auch die Verteidigung im Prozess ger\u00fcgt hatte. Richterin A\u00dfbichler h\u00e4tte an dem Urteil nicht mehr mitwirken d\u00fcrfen, entschied der BGH. Die Richterin hatte sich im Laufe des Prozesses &#8211; einige Monate vor dem Urteil &#8211; in E-Mails mit dem Staatsanwalt \u00fcber die rechtliche W\u00fcrdigung von Erkenntnissen aus dem Prozess ausgetauscht, die Verteidigung hier\u00fcber aber in Unkenntnis gelassen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Verteidigung stellte &#8211; als sie davon erfuhr &#8211; im Prozess einen Befangenheitsantrag, der abgelehnt wurde. Dies hielt der Nachpr\u00fcfung durch den Karlsruher Senat nicht stand. \u00abMit dem heimlichen Vorgehen konnte beim Angeklagten der Eindruck entstehen, dass die Vorsitzende sich nicht mehr unparteilich ihm gegen\u00fcber verhielt\u00bb, teilte der BGH mit. Nun muss eine andere Jugendkammer des Landgerichts Traunstein den Fall erneut verhandeln.\u00a0<\/p>\n<p>Warum ist der Angeklagte nicht mehr in U-Haft?<\/p>\n<p>Der Haftbefehl gegen den Angeklagten wurde aufgehoben, weil inzwischen Zweifel an der Aussage des Hauptbelastungszeugen bestehen. Das Landgericht Traunstein teilte mit, ein forensisch-psychologischer Experte sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Angaben des Zeugen aus dem vergangenen Verfahren nicht glaubw\u00fcrdig seien. Ein dringender Tatverdacht des Beschuldigten sei deshalb derzeit nicht mehr anzunehmen. Der Haftbefehl wurde aufgehoben, der Mann aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen.\u00a0<\/p>\n<p>Wie geht es nun im neuen Prozess weiter?\u00a0<\/p>\n<p>Anklageverlesung, Beweisaufnahme &#8211; es geht noch einmal ganz von vorn los an diesem Montag in der Ausweich-Verhandlungsst\u00e4tte, dem Laufener Amtsgericht. 26 Verhandlungstage hat das Gericht angesetzt, das Urteil k\u00f6nnte demnach kurz vor Weihnachten, am 19. Dezember, fallen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Verteidigerin des jungen Mannes, Regina Rick, die auch Justizopfer Manfred Genditzki in seinem erfolgreichen Wiederaufnahmeverfahren vertrat, hat drei Gutachten vorgelegt, die beweisen sollen, dass die Studentin nicht get\u00f6tet wurde, sondern bei einem Unfall ums Leben kam. In einem sogenannten Opening Statement zu Beginn des Prozesses plant sie, die Sicht der Verteidigung darzulegen.\u00a0<\/p>\n<p>Ihr Mandant selbst werde sich aber nicht zur Sache \u00e4u\u00dfern, sagte Rick kurz vor dem Start der Verhandlung der Deutschen Presse-Agentur: \u00abWir werden ihn nicht sprechen lassen.\u00bb Sie verteidigt den inzwischen 23-J\u00e4hrigen gemeinsam mit Yves Georg. Die Verteidigerin will den Angeklagten nach eigenen Worten einer Befragung durch die Staatsanwaltschaft nicht aussetzen. Ob er sich zu seinen pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnissen \u00e4u\u00dfern werde, war noch offen. \u00abDas Ziel ist der Freispruch wegen erwiesener Unschuld\u00bb, sagte Rick.<\/p>\n<p>Der junge Mann hatte sich allerdings in der Zeitung ge\u00e4u\u00dfert: \u00abUnschuldig im Gef\u00e4ngnis ist jede Minute zu lang\u00bb, sagte er dem \u00abM\u00fcnchner Merkur\u00bb. \u00abIch hoffe, es kl\u00e4rt sich alles auf. F\u00fcr meine Familie und f\u00fcr die Familie von der Hanna.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Traunstein\/Laufen (dpa) &#8211; War es Mord? Oder ein tragischer Unfall? 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