{"id":460146,"date":"2025-09-29T18:37:12","date_gmt":"2025-09-29T18:37:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/460146\/"},"modified":"2025-09-29T18:37:12","modified_gmt":"2025-09-29T18:37:12","slug":"mohrenstrasse-in-berlin-opfer-und-sklave-ist-falsch-historiker-meldet-fund-zur-biografie-anton-wilhelm-amos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/460146\/","title":{"rendered":"Mohrenstra\u00dfe in Berlin: \u201eOpfer und Sklave ist falsch\u201c \u2013 Historiker meldet Fund zur Biografie Anton Wilhelm Amos"},"content":{"rendered":"<p>Der Historiker Michael Zeuske legt in einem Gastbeitrag in der \u201eBerliner Zeitung\u201c dar, dass der schwarze Philosoph Anton Wilhelm Amo \u2013 Namensgeber f\u00fcr die fr\u00fchere Mohrenstra\u00dfe \u2013 wohl nie Sklave war. Vielmehr k\u00f6nnte er in Westafrika elit\u00e4ren Kreisen angeh\u00f6rt haben.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Michael Zeuske, Historiker und Experte f\u00fcr globale und atlantische Sklaverei, argumentiert in einem Gastbeitrag in der \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/historiker-ueber-anton-wilhelm-amo-erster-schwarzer-philosoph-ist-richtig-opfer-und-sklave-falsch-li.2357797\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/historiker-ueber-anton-wilhelm-amo-erster-schwarzer-philosoph-ist-richtig-opfer-und-sklave-falsch-li.2357797&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Berliner Zeitung<\/a>\u201c, dass der Gelehrte Anton Wilhelm Amo, der als erster schwarzer Philosoph und Jurist an deutschen Universit\u00e4ten gilt, f\u00e4lschlicherweise als Opfer von Versklavung gilt. Nach Amo war Ende August die fr\u00fchere Mohrenstra\u00dfe in Berlin-Mitte benannt worden.<\/p>\n<p>Der Senior-Professor des Center for Dependency und Slavery Studies der Universit\u00e4t Bonn fasst seinen Fund \u00fcber Amo selbst folgenderma\u00dfen zusammen: \u201eErster schwarzer Philosoph im deutschsprachigen Raum ist richtig, Opfer und Sklave falsch.\u201c<\/p>\n<p>Zeuske betont, dass Amo sowohl in Europa als auch in Westafrika vielmehr elit\u00e4ren Kreisen angeh\u00f6rt haben k\u00f6nnte. Als Beleg f\u00fchrt er zwei Dokumente aus dem Bestand der \u201eZweiten Westindischen Compagnie (WIC)\u201c an, die sich heute im \u201eNationaal Archief\u201c in Den Haag befinden. <\/p>\n<p>So legt Zeuske dar, dass Amo 1746 \u2013 nachdem sein Dienstherr, der Herzog von Braunschweig verstorben war \u2013\u00a0um eine kostenlose \u00dcberfahrt an Bord eines Schiffes der WIC nach Westafrika bat. Amo war bereits 1707 mit einem Schiff der WIC nach Europa gelangt. Seiner Bitte wurde stattgegeben, er durfte als Passagier an Bord des Compagnie-Schiffs \u201eCatherina Galeij\u201c zur\u00fcck nach Guinea reisen.<\/p>\n<p>\u201eWelcher Sklave oder ehemalige Sklave, sp\u00e4terer Philosophie-Professor hin oder her, konnte darum bitten, ohne etwas zu bezahlen von Europa nach Westafrika per Schiff transportiert zu werden? Richtig: keiner \u2013 v\u00f6llig unm\u00f6glich\u201c, schreibt Zeuske. Er argumentiert, dass die WIC gewusst haben muss, dass Amo auch in Afrika zur Elite geh\u00f6rte. Dementsprechend privilegiert sei er behandelt worden. <\/p>\n<p>Ebenfalls geht aus diesem Dokument hervor, dass Amo nach Europa von Christian Bodel begleitet wurde, einem Sergeant, der einen hohen milit\u00e4rischen Posten in der WIC besetzte\u00a0\u2013 laut Zeuske ein weiteres Indiz, dass Amo schon in seiner Heimat einen hohen Rang einnahm: \u201eeine hochrangige Begleitung f\u00fcr einen hochrangigen Jungen.\u201c<\/p>\n<p>Vertrag mit indigenem K\u00f6nig regelte Amos \u00dcberfahrt<\/p>\n<p>Zeuske pr\u00e4sentiert in seinem Gastbeitrag noch ein weiteres Dokument \u2013\u00a0einen Vertrag von 1706 \u2013 der nach Angaben des Historikers in der Amo-Forschung bis heute keine Rolle spielt. Der Vertrag wurde zwischen dem damaligen Generaldirektor der WIC und einem Oberk\u00f6nig der Agonnaze-Nation in Westafrika, zu der auch Amo geh\u00f6rt haben soll, geschlossen. In diesem Dokument, so erl\u00e4utert Zeuske, steht Amo abermals in Verbindung mit dem Sergeant Christian Bodel, der ihn nach Europa begleitete. <\/p>\n<p>\u201eDie Analyse beider Dokumente erlaubt es uns festzuhalten, dass weder der junge Amo noch der Amo am Hof in Wolfenb\u00fcttel jemals Sklave gewesen ist. Der Vertrag von 1706 erlaubt es im Gegenteil, von Amo als Mitglied einer indigenen Sklavenj\u00e4ger- und Sklavenhalter-Gemeinschaft zu sprechen, die damals Agonnaze-Nation oder Agonnazen genannt worden sind und mit den Niederl\u00e4ndern verb\u00fcndet waren\u201c, f\u00fchrt Zeuske aus. Deren Anf\u00fchrer, sogenannte Caboceers, seien indigene lokale Machthaber und Sklavenhalter gewesen, so der Historiker.<\/p>\n<p>Sein Fazit: \u201eDer Junge Amo kann durchaus der Neffe oder Sohn eines solchen Caboceers gewesen sein. Daf\u00fcr spricht, dass er \u00fcberhaupt so prominent in dem Vertrag von 1706 erw\u00e4hnt wird und einen Milit\u00e4r als Schutz und Leibwache neben sich hat.\u201c <\/p>\n<p>Die \u201eMohrenstra\u00dfe\u201c war im August nach einem langen juristischen Hin und Her offziell umbenannt worden. Der Bezirk und mehrere Initiativen trieben die Umbenennung voran. Ihnen galt der Begriff \u201eMohr\u201c als rassistisch. <\/p>\n<p>jho mit dpa <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Historiker Michael Zeuske legt in einem Gastbeitrag in der \u201eBerliner Zeitung\u201c dar, dass der schwarze Philosoph Anton&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":460147,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[36390,296,29,30,17638,110,118117],"class_list":{"0":"post-460146","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-ghana","9":"tag-berlin","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-guinea","13":"tag-newsteam","14":"tag-sklaven"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115289040076137410","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/460146","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=460146"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/460146\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/460147"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=460146"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=460146"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=460146"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}