{"id":460330,"date":"2025-09-29T20:16:29","date_gmt":"2025-09-29T20:16:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/460330\/"},"modified":"2025-09-29T20:16:29","modified_gmt":"2025-09-29T20:16:29","slug":"experte-aus-kiel-erklaert-hintergruende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/460330\/","title":{"rendered":"Experte aus Kiel erkl\u00e4rt Hintergr\u00fcnde"},"content":{"rendered":"<p class=\"\">\n                    <b>Herr Peters, warum diese H\u00e4ufung verst\u00f6render Drohnenfl\u00fcge gerade jetzt?<\/b><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Bei Drohnen wie zuletzt in D\u00e4nemark geht es nicht um Spionage, sondern in erster Linie darum, ein Gef\u00fchl der Unsicherheit in der Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fcren und Probleme in der Reaktion aufzuzeigen. Das wiederum soll dann die Legitimit\u00e4t politisch Handelnder in Europa unterminieren. So dass die Leute den Eindruck haben: Ihr setzt uns mit eurem politischen Handeln \u2013 Stichwort Ukraine-Unterst\u00fctzung \u2013 einer Gefahr aus, mit der ihr nicht umgehen k\u00f6nnt. Der Ger\u00e4tetyp ist eher nicht dazu geeignet, Dinge konkret auszukundschaften. Das sind Multikopter-Drohnen mit vier oder sechs Rotoren wie man sie\u00a0im Prinzip\u00a0aus dem\u00a0Elektrohandel\u00a0kennt.\n            <\/p>\n<p>\n                \u201eGerade jetzt steht Europa an einem kritischen Punkt.\u201c\n            <\/p>\n<p>Johannes Peters<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr Sicherheitspolitik an der Universit\u00e4t Kiel<\/p>\n<p class=\"\">\n                    <b>Aber weshalb haben die Angreifer das dann nicht schon vor ein paar Monaten in dieser Intensit\u00e4t gemacht?<\/b><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Gerade jetzt steht Europa an einem kritischen Punkt. Die Staatengemeinschaft muss sich \u00fcberlegen, wie viel sie wirklich einzusetzen bereit ist, um f\u00fcr die Ukraine langfristig als Sicherheitspartner zur Verf\u00fcgung zu stehen. Eine europ\u00e4ische Sicherungstruppe in der Ukraine nach einem Waffenstillstand, eine EU- oder gar Nato-Mitgliedschaft der Ukraine?\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Dazu stehen Entscheidungen an, Vorbereitungen dazu sollen auch auf dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs in Kopenhagen Mitte dieser Woche getroffen werden. Das und die d\u00e4nische EU-Ratspr\u00e4sidentschaft D\u00e4nemarks bringt das Land aktuell ins Visier f\u00fcr Drohnenfl\u00fcge.  Ebenso wie D\u00e4nemark Ank\u00fcndigung vor etwa zwei Wochen, weitreichende Pr\u00e4zisionsflugk\u00f6rper zu beschaffen.\n            <\/p>\n<p>\n                                Johannes Peters ist Leiter der Abteilung Maritime Strategie und Sicherheit am Institut f\u00fcr Sicherheitspolitik der Universit\u00e4t Kiel<br \/>\n                            Foto: Universit\u00e4t Kiel<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/johannes-peters-institut-sicherheitspolitik-universitt-kiel.jpg\" title=\"Johannes Peters ist Leiter der Abteilung Maritime Strategie und Sicherheit am Institut f\u00fcr Sicherheitspolitik der Universit\u00e4t Kiel\" alt=\"Johannes Peters ist Leiter der Abteilung Maritime Strategie und Sicherheit am Institut f\u00fcr Sicherheitspolitik der Universit\u00e4t Kiel\" class=\"lightbox__single-image__content__image-wrapper__img\" loading=\"lazy\" width=\"375\" height=\"259\"\/>Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize<\/p>\n<p>SchliessenX ZeichenKleines Zeichen welches ein X symbolisiert<\/p>\n<p><img class=\"lightbox--enabled__container__image-wrapper__img\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"\">\n                    <b>Aber wird der R\u00fcckhalt europ\u00e4ischer Regierungen f\u00fcr derartige Entscheidungen nicht eher gr\u00f6\u00dfer je verunsicherter sich die Bev\u00f6lkerung durch Russland f\u00fchlt, auch in Form von Drohnen?<\/b><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das kommt auf die Bev\u00f6lkerung an. Aber in Deutschland habe ich den Eindruck, dass das eher nicht so ist. Obwohl wir ein prim\u00e4res Ziel russischer Informationskriegsf\u00fchrung sind, neigen die Leute eher dazu zu sagen: Wenn der Krieg in der Ukraine vorbei ist, sind wir wieder sicher. Und wenn wir Russland Paroli bieten, sei es doch nur zu unserem Nachteil.\n            <\/p>\n<p class=\"\">Weiterlesen: <a href=\"https:\/\/www.shz.de\/lokales\/flensburg\/artikel\/drohnen-in-der-luft-diese-regeln-gelten-in-deutschland-49324620\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nach Drohnensichtung an d\u00e4nischen Flugh\u00e4fen: Diese Regeln gelten in Schleswig-Holstein<\/a><\/p>\n<p>\n                \u201eEs gibt belastbare Indizien in den sozialen Medien, dass das von Schiffen auf der Ostsee aus passiert sein k\u00f6nnte.\u201c\n            <\/p>\n<p>Johannes Peters<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr Sicherheitspolitik an der Universit\u00e4t Kiel<\/p>\n<p class=\"\">\n                    <b>Wen vermuten Sie denn als diejenigen, die diese Kurzstrecken-Drohnen wie in D\u00e4nemark in die Luft haben steigen lassen, da sie aus Russland nie und nimmer herbeifliegen k\u00f6nnten?<\/b><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Es gibt durchaus belastbare Indizien in den sozialen Medien, dass das von Schiffen auf der Ostsee aus passiert sein k\u00f6nnte. Von Schiffen, die entweder direkt der russischen Schattenflotte zuzuordnen sind oder solchen mit einer zumindest russischsprachigen Besatzung. Da gibt es beispielsweise Hinweise auf ein Schiff mit einer Crew, die deutlich gr\u00f6\u00dfer war als zum Betrieb des Schiffs n\u00f6tig. Aber ganz genau wei\u00df man es nicht.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Deshalb hat D\u00e4nemark ja auch Grenzkontrollen zu Deutschland versch\u00e4rft, um zu verhindern, dass auf diesem Weg verd\u00e4chtige Drohnen ins Land hinein- oder aus ihm herausgebracht werden. Es ist nur die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, aber es zeigt, dass da eine gewisse Nervosit\u00e4t herrscht.\n            <\/p>\n<p>            Absch\u00fcsse k\u00f6nnen Hysterie f\u00f6rdern<\/p>\n<p class=\"\">\n                    <b>Kann man den Absendern keinen gr\u00f6\u00dferen Gefallen tun als sie abzuschie\u00dfen wie der d\u00e4nische Justizminister meint?<\/b><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Es ist tats\u00e4chlich die Frage, wie viel Hysterie man da ins Spiel bringen will. Das ist ja genau das, was Russland sich davon erhofft. Andererseits muss man gegen\u00fcber der Bev\u00f6lkerung Handlungsf\u00e4higkeit demonstrieren. Es gibt nicht die eine L\u00f6sung f\u00fcr alles.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das beginnt schon bei der Frage, was man unter Abschuss versteht. Ja, man kann kinetisch auf Drohnen einwirken, aber sie auch mit elektromagnetischen Verfahren unbrauchbar machen. Was opportun ist, h\u00e4ngt von der Drohne ab, von der Umgebung, von den F\u00e4higkeiten vor Ort.\n            <\/p>\n<p>\n                \u201eW\u00fcnschenswert ist daher ein bundesweit einheitlicher Rechtsrahmen, der die Drohnenabwehr auch im inneren in die H\u00e4nde der Bundeswehr legt.\u00a0\u201c\n            <\/p>\n<p>Johannes Peters<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr Sicherheitspolitik an der Universit\u00e4t Kiel<\/p>\n<p class=\"\">\n                    <b>Wenn die Verantwortlichen die Vorf\u00e4lle der letzten Tage jetzt als allerletzten Weckruf f\u00fcr die Verwundbarkeit des Luftraums begreifen \u2013 was m\u00fcssen sie als erstes tun, um das Ruder herumzurei\u00dfen?<\/b><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das, was man jetzt ank\u00fcndigt, ist genau richtig. Wir wissen schon l\u00e4nger, dass die prim\u00e4r zust\u00e4ndigen Landespolizeien der Aufgabe weder personell noch materiell gewachsen sind. W\u00fcnschenswert ist daher ein bundesweit einheitlicher Rechtsrahmen, der die Drohnenabwehr auch im Inneren in die H\u00e4nde der Bundeswehr legt.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Diese\u00a0Handlungssicherheit h\u00e4tte man da schon seit L\u00e4ngerem herstellen k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt dann auch, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, dass diejenigen, die verantwortlich sind, mit den Mitteln ausgestattet sind, Drohnen unsch\u00e4dlich zu machen.\n            <\/p>\n<p>            Nachteile elektromagnetischer Sperrglocken<\/p>\n<p class=\"\">\n                    <b>Und wer hat da den gr\u00f6\u00dften Nachholbedarf?<\/b><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das kommt darauf an, wo man die Verantwortung hingibt. Grunds\u00e4tzlich gilt: Solche Drohnenrisiken sind ja punktuell und treten kurzfristig auf. Wenn man erst mit 50 Kilometer Anfahrt Ger\u00e4te herbeiholen m\u00fcsste, w\u00e4re das nutzlos. Also muss entschieden werden, inwiefern man Bundeswehrliegenschaften und kritische Infrastruktur selbst mit entsprechenden Mitteln ausr\u00fcstet?\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Eine elektromagnetische Sperrglocke \u00fcber einem Milit\u00e4rstandort aufzubauen, ist technisch recht einfach m\u00f6glich. Aber es hat Konsequenzen. Dann kann auch in dieser Liegenschaft selber niemand mehr mit dem Handy telefonieren. Die Anwohner werden gro\u00dfe Probleme mit ihrem Handynetz bekommen. Vorkehrungen kommen immer mit einem Preisschild, sowohl pekuni\u00e4r als auch gesellschaftlich.\n            <\/p>\n<p class=\"\">Auch interessant: <a href=\"https:\/\/www.shz.de\/deutschland-welt\/schleswig-holstein\/artikel\/nach-drohnen-ueber-daenemark-sorge-um-sicherheit-in-schleswig-holstein-49323926\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"noopener\">Nach Drohnen-Schock in D\u00e4nemark: Geheimdienst-Kontrolleur mahnt zum Handeln in Deutschland<\/a><\/p>\n<p>            Ostseeraum bleibt im Fokus<\/p>\n<p class=\"\">\n                    <b>Wo vermuten Sie wird es nach D\u00e4nemark mit einer H\u00e4ufung von St\u00f6rungen durch Drohnen weitergehen?<\/b><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Der gesamte Ostseeraum wird weiter stark im Fokus russischer Aktivit\u00e4ten stehen, nicht nur der \u00f6stliche. \u00c4hnlich Gro\u00dfbritannien als ein Schl\u00fcsselakteur der Verteidigungsf\u00e4higkeit Europas. Genaueres wird dann davon abh\u00e4ngen, welche politischen Konstellationen sich ergeben: Welche L\u00e4nder sozusagen als lohnenswert erachtet werden, dort die \u00f6ffentliche Meinung durch hybride Attacken zu beeinflussen.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    <b>Deutschland ist daf\u00fcr ein Paradekandidat?<\/b><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das ist etwas, was wir zu lange nicht sehen wollten. Aber wir sind tats\u00e4chlich aus russischer Sicht das zentrale Land in Europa, das es zu destabilisieren gilt.\n            <\/p>\n<p>\n                \u201eWir haben mit der ehemaligen innereutschen Grenze eine Sollbruchstelle. Russland bearbeitet sie seit Jahren gezielt.\u201c\n            <\/p>\n<p>Joahnnes Peters<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr Sicherheitspolitik an der Universit\u00e4t Kiel<\/p>\n<p class=\"\">\n                    <b>Weil wir die gr\u00f6\u00dfte Nation Europas sind?<\/b><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Wir haben die meisten Einwohner, wir sind die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft, wir haben eine hochpotente Verteidigungsindustrie, wir haben eine der gr\u00f6\u00dften Armeen Europas, wir sind ein Sleeping Giant, der dabei ist, aufzuwachen. Und wir haben mit der ehemaligen innerdeutschen Grenze eine Sollbruchstelle. Russland bearbeitet sie seit Jahren gezielt. In den neuen Bundesl\u00e4ndern sind verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele Menschen mit einem ganz anderen Russlandbild aufgewachsen als im Westen. Das macht Deutschland zu einem absoluten Einfallstor auf dem Radar der Russen.\n            <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Peters, warum diese H\u00e4ufung verst\u00f6render Drohnenfl\u00fcge gerade jetzt? 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