{"id":460501,"date":"2025-09-29T21:49:19","date_gmt":"2025-09-29T21:49:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/460501\/"},"modified":"2025-09-29T21:49:19","modified_gmt":"2025-09-29T21:49:19","slug":"cannabis-schwarzmarkt-bisher-kaum-verdraengt-antenne-muenster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/460501\/","title":{"rendered":"Cannabis-Schwarzmarkt bisher kaum verdr\u00e4ngt &#8211; Antenne M\u00fcnster"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Eineinhalb Jahre nach der umstrittenen Cannabis-Legalisierung in Deutschland sieht eine erste Auswertung keinen dringenden Korrekturbedarf &#8211; aber auch noch keine entscheidenden Effekte auf illegale Beschaffungswege. Es zeichne sich ab, dass die nun zul\u00e4ssigen Anbauvereinigungen \u00abf\u00fcr die vom Gesetzgeber beabsichtigte Verdr\u00e4ngung des Schwarzmarktes bislang keinen relevanten Beitrag leisten\u00bb, hei\u00dft es in einem in Berlin vorgelegten Bericht. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sprach von \u00abbedenklichen Tendenzen\u00bb und k\u00fcndigte an, \u00fcber m\u00f6glichen Handlungsbedarf zu beraten.\u00a0<\/p>\n<p>Der Suchtforscher Jakob Manthey vom Universit\u00e4tsklinikum Hamburg-Eppendorf sagte bei der Vorstellung der ersten Erkenntnisse, offensichtlich sei die Erwartung der meisten Expertinnen und Experten eingetreten: \u00abEs passiert kurzfristig relativ wenig.\u00bb Er erl\u00e4uterte mit Blick auf das deutsche Modell der Legalisierung, dass man sich nach wie vor anstrengen m\u00fcsse, um an Cannabis zu gelangen, das nicht an jeder Stra\u00dfenecke verkauft werde.\u00a0<\/p>\n<p>Die noch von der Ampel-Koalition umgesetzte Legalisierung l\u00e4sst seit 1. April 2024 Kiffen und Anbau f\u00fcr Vollj\u00e4hrige mit vielen Beschr\u00e4nkungen zu. Erlaubt ist der Anbau von bis zu drei Pflanzen in Privatwohnungen. Aufbewahren darf man bis zu 50 Gramm Cannabis, unterwegs dabei haben 25 Gramm. Vorgeschrieben sind Abst\u00e4nde etwa zu Spielpl\u00e4tzen und Schulen, Konsum vor Minderj\u00e4hrigen ist verboten. Zul\u00e4ssig sind auch nicht-kommerzielle Anbauvereinigungen mit bis zu 500 Mitgliedern. F\u00fcr Jugendliche unter 18 ist Cannabis weiterhin verboten.<\/p>\n<p>Die Evaluation war bereits im Gesetz festgelegt worden. Im Blick standen nun zun\u00e4chst Folgen f\u00fcr den Kinder- und Jugendschutz und die Besitzmengen. \u00abDie vorliegenden Ergebnisse lassen bis jetzt keinen dringenden Handlungsbedarf in Bezug auf die untersuchten Bereiche erkennen\u00bb, hei\u00dft es in dem Bericht des Forschungsverbunds, zu dem auch Experten des Uniklinikums D\u00fcsseldorf und des Instituts f\u00fcr Kriminologie der Uni T\u00fcbingen geh\u00f6ren. \u00abRobuste Aussagen\u00bb k\u00f6nnten noch nicht abgeleitet werden. Weitere Analysen sind vorgesehen.<\/p>\n<p>Cannabis-Markt auf bis zu 823 Tonnen gesch\u00e4tzt<\/p>\n<p>Die Produktion in Anbauvereinigungen, die seit Juli 2024 beantragt werden konnten, habe weniger als 0,1 Prozent des Gesamtbedarfs ausgemacht, hei\u00dft es in dem Zwischenbericht. Zw\u00f6lf bis 14 Prozent seien durch medizinisches Cannabis gedeckt worden. Die Marktanteile des privaten Eigenanbaus und des Schwarzmarkts konnten noch nicht quantifiziert werden. Gesch\u00e4tzt wurde ein Gesamtbedarf f\u00fcr 2024 von 670 bis 823 Tonnen. Eine zentrale Rolle bei den Bezugsquellen n\u00e4hmen weiter illegale Weitergaben im sozialen Umfeld ein.\u00a0<\/p>\n<p>Kinder und Jugendliche\u00a0<\/p>\n<p>Der Suchtforscher Daniel Kotz vom Uniklinikum D\u00fcsseldorf sagte mit Blick auf bisher vorliegende Daten, dass sich der sinkende Trend beim Anteil Cannabis konsumierender Jugendlicher nach der Teillegalisierung fortsetze. Laut Bericht gibt es Hinweise auf einen R\u00fcckgang bei cannabisbezogenen Meldungen an die Jugend\u00e4mter &#8211; und auch bei Suchtberatungen, die Jugendliche in Anspruch nehmen. Ein m\u00f6glicher Einfluss der Legalisierung auf akute oder chronische Gesundheitsprobleme bei Jugendlichen k\u00f6nne derzeit nicht bestimmt werden.<\/p>\n<p>Gesundheitsschutz und Verkehr<\/p>\n<p>Ein seit etwa 15 Jahren zu beobachtender Anstieg bei der Zahl erwachsener Konsumenten setze sich wahrscheinlich leicht fort, erl\u00e4uterte Manthey. Genaue Implikationen f\u00fcr den Gesundheitsschutz besonders im Stra\u00dfenverkehr lie\u00dfen sich noch nicht bestimmen. Die Zahl der Unf\u00e4lle unter Einfluss berauschender Mittel sei vor und nach Inkrafttreten des Gesetzes gestiegen, hei\u00dft es im Bericht &#8211; der konkrete Einfluss der Legalisierung sei mit weiteren Auswertungen zu ermitteln. Generell gibt es demnach Hinweise auf einen leichten Anstieg akuter Gesundheitsprobleme infolge von Cannabiskonsum unter Erwachsenen.<\/p>\n<p>Kriminalit\u00e4t und Besitzmengen<\/p>\n<p>Der T\u00fcbinger Kriminologe J\u00f6rg Kinzig sprach von der quantitativ bedeutendsten Entkriminalisierung in der Geschichte der Bundesrepublik. Laut Bericht gaben nur wenige befragte Konsumenten an, gelegentlich gegen Konsumverbote zu versto\u00dfen. Das Ahndungsrisiko sei auch verschwindend gering. Unter befragten Beamten von Polizei und Ordnungsbeh\u00f6rden monierten demnach viele praktische Probleme bei der Umsetzung. Die Besitzmenge von 25 Gramm sei zu gro\u00df und hinderlich f\u00fcr Ermittlungen. Eine Vereinfachung der Regeln und eine Harmonisierung mit Rauchverboten sei \u00fcberlegenswert, empfiehlt der Bericht.<\/p>\n<p>Gesundheitsministerin Warken sagte der Deutschen Presse-Agentur: \u00abDie Zwischenevaluation des Cannabisgesetzes zeigt trotz der teilweise noch fehlenden weiteren Datengrundlage bedenkliche Tendenzen.\u00bb Deutliche Kritik von Sicherheitsbeh\u00f6rden an den Regelungen k\u00f6nne die Politik nicht einfach ignorieren. \u00abWir werden zusammen mit den Koalitionsfraktionen und den Sicherheitsbeh\u00f6rden m\u00f6glichen Handlungsbedarf er\u00f6rtern m\u00fcssen.\u00bb<\/p>\n<p>Die SPD-Rechtspolitikerin Carmen Wegge sagte indes, der Bericht best\u00e4tige, dass die Legalisierung \u00abder richtige und l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Schritt\u00bb gewesen sei. Der Ansatz bew\u00e4hre sich, Konsumenten zu entkriminalisieren, Pr\u00e4vention zu st\u00e4rken und Polizei und Justiz zu entlasten. Nachzusteuern sei aber etwa beim Zugang zu Anbauvereinigungen. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag eine \u00abergebnisoffene Evaluierung\u00bb des Gesetzes in diesem Herbst vereinbart.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen-Fraktionsvize Misbah Khan hielt Warken vor, reflexhaft in alte Denkmuster einer \u00fcberholten Verbotskultur zur\u00fcckzufallen. Die Teillegalisierung habe \u00abkeine dramatischen negativen Auswirkungen auf unsere Gesellschaft gehabt\u00bb. Linke-Gesundheitspolitiker Ates G\u00fcrpinar sagte: \u00abPanikmache rund um das Cannabisgesetz erweist sich einmal mehr als unbegr\u00fcndet.\u00bb Zu hohe H\u00fcrden verhinderten aber, dass legale Strukturen tats\u00e4chlich Wirkung entfalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Eineinhalb Jahre nach der umstrittenen Cannabis-Legalisierung in Deutschland sieht eine erste Auswertung keinen dringenden Korrekturbedarf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":460502,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1843],"tags":[3364,29,30,141,8970,1209,437],"class_list":{"0":"post-460501","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenster","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-gesundheit","12":"tag-muenster","13":"tag-nordrhein-westfalen","14":"tag-sucht"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115289795052632518","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/460501","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=460501"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/460501\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/460502"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=460501"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=460501"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=460501"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}