{"id":461771,"date":"2025-09-30T09:35:19","date_gmt":"2025-09-30T09:35:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/461771\/"},"modified":"2025-09-30T09:35:19","modified_gmt":"2025-09-30T09:35:19","slug":"dorothee-elmiger-die-hollaenderinnen-fuer-buchpreis-nominiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/461771\/","title":{"rendered":"Dorothee Elmiger: \u00abDie Holl\u00e4nderinnen\u00bb f\u00fcr Buchpreis nominiert"},"content":{"rendered":"<p>Portr\u00e4t einer Ausnahmeautorin \u2013 <\/p>\n<p>Dorothee Elmiger sp\u00fcrt der Gewalt nach, und wir fragen uns: D\u00fcrfen wir das sehen?<\/p>\n<p class=\"ContentHead_lead____SsS link_regular__O0hk0 link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs\">\u00abDie Holl\u00e4nderinnen\u00bb steht verdientermassen auf der Shortlist f\u00fcr den Deutschen und den Schweizer Buchpreis. Wir haben eine der spannendsten Schweizer Autorinnen der Gegenwart getroffen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1W7S0sbcadbAuane_ZYyMz.jpg\"  width=\"100\" height=\"100\"  alt=\"Nora Zukker\" class=\"AuthorImage_root__WCxj_ ContentMetaInfo_authorimage__Mp4LD AuthorImage_-content-head__3qDob\" style=\"background-color:#878787\"\/>Publiziert heute um 10:45 Uhr<img decoding=\"async\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/8v6OEsFEqBrBzXpmAOEJlA.jpg\" alt=\"Dorothee Elmiger (40) ist eine der spannendsten Autorinnen der Gegenwart. Sie l\u00e4sst sich Zeit f\u00fcrs Schreiben und bleibt ihrem Stil auf bewunderswerte Art treu.\" title=\"Dorothee Elmiger (40) ist eine der spannendsten Autorinnen der Gegenwart. Sie l\u00e4sst sich Zeit f\u00fcrs Schreiben und bleibt ihrem Stil auf bewunderswerte Art treu.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#876959\"\/><\/p>\n<p>Dorothee Elmiger (40) l\u00e4sst sich Zeit f\u00fcrs Schreiben und bleibt ihrem Stil auf bewundernswerte Art treu.<\/p>\n<p>Foto: Ga\u00ebtan Bally (Keystone)<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Sie interessiere sich gar nicht f\u00fcrs Erfinden, sagt Dorothee Elmiger bei einem Espresso in Z\u00fcrich. Man muss ihr nicht lange zuh\u00f6ren, um zu merken: Von dieser Autorin und ihrer Kunst geht ein besonderer Zauber aus. Das Erfinden ist f\u00fcr die 40-J\u00e4hrige eine Art, an etwas zu gelangen, was eben nicht erfunden ist.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Mit ihrem neuen Roman \u00abDie Holl\u00e4nderinnen\u00bb steht sie jetzt, wie schon mit ihrem letzten Buch, <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ich-gehe-gern-in-dunkle-techno-keller-518128249618\" class=\"HtmlText_root__A1OSq\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">\u00abAus der Zuckerfabrik\u00bb (2020)<\/a>, auf der Shortlist f\u00fcr den <a class=\"HtmlText_root__A1OSq\" href=\"https:\/\/www.berneroberlaender.ch\/deutscher-buchpreis-shortlist-2025-mit-sechs-finalisten-466572153588\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schweizer und den Deutschen Buchpreis.<\/a> Ganz gereicht hat es bis jetzt noch nie. Sie w\u00e4re eine w\u00fcrdige Gewinnerin.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Wer ist diese Frau, die seit f\u00fcnfzehn Jahren auf bewundernswerte Art ihrem ganz eigenen Stil treu bleibt? Die S\u00e4tze sagt wie: \u00abEin Text ist etwas K\u00fcnstliches und keine Simulation des Lebens.\u00bb Oder: \u00abF\u00fcr das Schreiben gibt es keine Erfahrung, man beginnt mit jedem Buch neu.\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">\u00abDie Holl\u00e4nderinnen\u00bb, ihr viertes Buch, ist einer der aufregendsten Titel in diesem Herbst. Eine knapp 160-seitige Erz\u00e4hlung. Wer denkt, toll, das kann ich zwischen Bus und B\u00fcro lesen: nix da. Und wer denkt, ach so, da wird viel zitiert, da werden Referenzen hergestellt, muss ich etwa parallel googeln, um alles zu entr\u00e4tseln, und obendrauf ist es konsequent in indirekter Rede geschrieben \u2013 nein, danke: Halt, halt!<\/p>\n<p>Dorothee Elmigers B\u00fccher entziehen sich jedem Genre<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Wir haben es mit einer Art Kunst-Ideenroman zu tun, der sich immer mehr in einen Trip verwandelt, das ist unheimlich gut gemacht. \u00abDie Holl\u00e4nderinnen\u00bb wird von manchen auch als True-Crime-Fiction gelesen (es ist aber eigentlich ein Kommentar zur True-Crime-Obsession).<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Das w\u00e4re sonst sehr zeitgem\u00e4ss, Elmigers B\u00fccher entziehen sich aber virtuos einem bestimmten Genre. Gegenw\u00e4rtig ist aber die Frage, die die Autorin antreibt: \u00abWarum leben wir auch heute noch in einer Gesellschaft, die, trotz aller Einsichten, durchtr\u00e4nkt ist von Gewalt und Herrschaftsverh\u00e4ltnissen? Im Umgang mit der sogenannten Natur, in der Familie, unseren Liebesbeziehungen, in der Sprache \u2013 und in der Kunst.\u00bb<\/p>\n<p>Die Holl\u00e4nderinnen verschwinden, und auf dem Tisch steht eine Schinkenkeule<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Im Buch soll die Erz\u00e4hlerin eine Vorlesung halten. Sie nutzt diesen Moment aber, um von einem Abenteuer im s\u00fcdamerikanischen Regenwald, zu dem sie eingeladen wurde, zu erz\u00e4hlen. Eine Theatergruppe bricht in den Dschungel auf, um Spuren eines Vermisstenfalls zu finden. Zwei Holl\u00e4nderinnen sind, und das ist wahr, 2014 bei einer Wanderung im Urwald von Panama verschwunden und nie mehr zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1y_d7KyVKvpA24IXA0GWAm.jpg\" alt=\"\u00abIm ersten Moment wirkt meine Arbeit nicht besonders spektakul\u00e4r, aber ich frage mich auch: Bin ich r\u00fccksichtslos?\u00bb, sagt Dorothee Elmiger, die jetzt mit ihrem Roman f\u00fcr den Deutschen und den Schweizer Buchpreis nominiert ist.\" title=\"\u00abIm ersten Moment wirkt meine Arbeit nicht besonders spektakul\u00e4r, aber ich frage mich auch: Bin ich r\u00fccksichtslos?\u00bb, sagt Dorothee Elmiger, die jetzt mit ihrem Roman f\u00fcr den Deutschen und den Schweizer Buchpreis nominiert ist.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#615A3D\"\/><\/p>\n<p>\u00abIm ersten Moment wirkt meine Arbeit nicht besonders spektakul\u00e4r, aber ich frage mich auch: Bin ich r\u00fccksichtslos?\u00bb, sagt Dorothee Elmiger, die jetzt mit ihrem Roman f\u00fcr den Deutschen und den Schweizer Buchpreis nominiert ist.<\/p>\n<p>Foto: Georg Gatsas<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Angeleitet wird dieses Experiment von einem namenlosen Theatermacher, dem es haupts\u00e4chlich um sich selbst geht. Und wenn gerade nicht, zitiert er gerne Werner Herzog oder Adorno. Immer mehr wird deutlich, wenn Mitglieder der Gruppe der Erz\u00e4hlerin von vermeintlich Allt\u00e4glichem erz\u00e4hlen, welches Grauen darin steckt, ausgel\u00f6st durch die Bedr\u00e4ngnis des Dschungels. Und so legt die Sprache einen ganz eigenen Horror frei, der sich aber auch konkret zeigt, wenn immer mehr Ziegen tot geboren werden oder der Kameramann eine verst\u00f6rende Leidenschaft beim Pferdez\u00e4hmen entdeckt.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Hinreissend sind auch die Milieubeschreibungen: In einer Wohnung steht eine Schinkenkeule, von der sich die G\u00e4ste feine Scheiben abschneiden, bis alle mit ihren fettigen Fingern herumstehen und \u00fcber russische Drohnen und Didier Eribon diskutieren und unentschlossen sind dar\u00fcber, wie man Ingeborg Bachmanns Todesarten geschickt ins Englische \u00fcbersetzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Damit Elmiger schreiben kann, muss sie alle Konventionen und Regeln von sich wegstossen, dann kann sie sich ins Ungewisse hineinfallen lassen. \u00abF\u00fcr mich ist das Schreiben eine radikale und freie Form, mich mit der Welt zu besch\u00e4ftigen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Idealerweise bekomme sie dabei etwas zu fassen, das in der \u00abWirklichkeit\u00bb geschieht, und bewege sich beim Weiterforschen dann ausserhalb des Erwartbaren. Und wie!<\/p>\n<p>Dorothee Elmiger liest selber viel, \u00abum in Stimmung zu kommen\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Ihre B\u00fccher erscheinen in Abst\u00e4nden von f\u00fcnf bis sechs Jahren. \u00abIn der heutigen Zeit, in der man stets produktiv und effizient sein soll, zu sagen, ich probiere die n\u00e4chsten drei Jahre einfach etwas aus, ist eigentlich v\u00f6lliger Irrsinn.\u00bb Aber das gelte es auszuhalten, \u00abdass man in diesem Sinne v\u00f6llig versagt\u00bb.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Am liebsten h\u00e4tte sie einen Zettelkasten mit Exzerpten, um dieses Gestr\u00fcpp, das sp\u00e4ter Text wird, zu sammeln. Und nat\u00fcrlich muss, wer viel zitiert und dies zu einer eigenen Erz\u00e4hlung verwebt, viel lesen. \u00abZum Beispiel Thomas Bernhard, um in Stimmung zu kommen\u00bb, erz\u00e4hlt sie und lacht.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Der Theatermacher arbeitet mit Laien an realen Schaupl\u00e4tzen und bringt sie zunehmend in Bedr\u00e4ngnis. Beim Lesen entsteht eine Atmosph\u00e4re, in der wir uns fragen: Was haben wir gesehen und geh\u00f6rt, das gar nicht f\u00fcr uns bestimmt ist? \u00abEs geht f\u00fcr mich auch da immer um die Gewaltfrage\u00bb, sagt Elmiger. \u00abWo bedient man sich Geschichten anderer? Und wo passieren in der Kunst Grenzverletzungen?\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Die konsequent indirekte Rede ist ein stilistisches Spiel, eine Art Filter. Auf der allerersten Seite steht, vorweggenommen, bei dem, was wir sp\u00e4ter lesen werden, handelt es sich wom\u00f6glich um eine \u00abZudringlichkeit\u00bb. So zu erz\u00e4hlen ist Ausdruck f\u00fcr Elmigers Skepsis gegen\u00fcber dem ungebrochenen Erz\u00e4hlen. \u00abDie indirekte Rede war f\u00fcr mich ein spielerischer Umgang mit der Frage: Muss man sich immer selbst in den Text hineinschreiben?\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Und sie spart nicht an m\u00e4nnlichen Autorit\u00e4ten. Adorno, Thomas Bernhard, Klaus Kinski, Wolfram Lotz, Joseph Conrad und Werner Herzog, sie treten alle auf und werden sehr unterhaltsam ein bisschen vorgef\u00fchrt. \u00abEs w\u00e4re aber vermessen, zu glauben, ich k\u00f6nnte demontieren \u2013 und das interessiert mich auch gar nicht.\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Herzog hat nun ein Instagram-Profil. Es folgen ihm knapp 500\u2019000 Leute, er folgt niemandem. Wir schauen uns das Video an, wie der 83-j\u00e4hrige Star-Regisseur hinter einem Grill steht, darauf ein St\u00fcck Fleisch. In seinem herzogschen Englisch erz\u00e4hlt er, es sei der Moment gekommen, dass er mit uns auch Dinge abseits seiner Kunst teile. Dorothee Elmiger ist begeistert. \u00abEs w\u00e4re interessant, zu wissen, wer ihn filmt.\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Sie selbst will sich nicht von allen Seiten beleuchten lassen, sie hat zwar ein Instagram-Profil, ist dort aber eher abwesend. Wie hoch ist der Druck von aussen? \u00abIch stelle mir ab und zu die Frage, kann ich es mir leisten, da nicht mitzumachen?\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Als der Roman im August erschienen ist, war sich die Kritik einig, Vorlage f\u00fcr die Figur des Theatermachers sei Milo Rau, ob ihn Elmiger gar parodiere? \u00abIch bin auch der Theatermacher!\u00bb, sagt sie mit einem Schalk, vor dem man sich in Acht nehmen sollte.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Diese Figur sei interessant, weil der Theatermacher einen \u00e4hnlichen Grundimpuls habe wie sie. \u00abIm ersten Moment wirkt meine Arbeit nicht besonders spektakul\u00e4r, aber ich frage mich auch: Bin ich r\u00fccksichtslos? In welche Hierarchien bin ich verstrickt und wann begehe ich eine Grenzverletzung?\u00bb<\/p>\n<p>\u00abDie Holl\u00e4nderinnen\u00bb ist ein ein ungem\u00fctliches, aber nicht z\u00e4hes Buch<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Wer ihr Werk kennt, weiss, dass sie nicht vom Leben abschreibt. Dass sie aus Raus Poetikvorlesungen zitiert, ist Teil dieses Spiels mit der Intertextualit\u00e4t, dem Kern ihrer Kunst.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Er hat sich unterdessen selbst in einem Artikel ge\u00e4ussert. Er sei kein Adorno- oder Herzog-Fan. Aber: \u00abWas w\u00e4re dagegen einzuwenden, selbst zum Material zu werden?\u00bb Es scheint ihm schon zu schmeicheln, sich vielleicht etwas \u00abin Elmigers Buch aufzul\u00f6sen\u00bb.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Obwohl sich ein Unbehagen durch den Roman zieht, ist es kein schweres, z\u00e4hes Buch. Daf\u00fcr gibt es zu viel zu entdecken. Und Elmiger ist begabt genug, um aus dem Gestr\u00fcpp ihres Materials eine eigenst\u00e4ndige Erz\u00e4hlung zu machen.<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Man wird ins Dschungeldickicht hineingerissen, schaut dabei zu, wie rechts und links alles in Gewalt und Angst abgleitet, bis man von durchaus Zuversichtlichem zur\u00fcckgezogen wird. Sie sei keine fatalistische Person, findet Elmiger. \u00abDer Akt des Schreibens an sich ist immer dem Leben zugewandt. Deshalb ist der Text f\u00fcr mich nicht verzweifelt.\u00bb<\/p>\n<p class=\"ArticleParagraph_root__lhFZo ArticleContainer_content-width__FRl7F link_focus__0ZMwx link_externalicon-big__ZdPgo link_externalicon__qcwXs ArticleElement_article-element__q93eL\">Und so ist auch das Ende ein schelmischer New Turn. Man denkt: Moment! Jetzt schaut uns die Autorin doch dabei zu, wie sich vor uns pl\u00f6tzlich ein Science-Fiction-artiges \u00abflimmerndes, instabiles\u00bb Portal \u00f6ffnet und dann \u2013 wer weiss. Wobei, Dorothee Elmiger will doch eigentlich gar nicht sehen, was nicht f\u00fcr ihre Augen bestimmt ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/BNyWR4zu4d5BUo1AC_D0kT.jpg\" alt=\"Dorothee Elmiger: Die Holl\u00e4nderinnen. Hanser, 2025. 160 S., ca. 33 Fr.\" title=\"Dorothee Elmiger: Die Holl\u00e4nderinnen. Hanser, 2025. 160 S., ca. 33 Fr.\" class=\"ResponsiveImage_root__ZDz10 responsive-image\" style=\"background-color:#2B4A20\"\/><\/p>\n<p>Dorothee Elmiger: Die Holl\u00e4nderinnen. Hanser, 2025. 160 S., ca. 33 Fr.<\/p>\n<p class=\"DynamicTeaser_boxtitle__B6piN\">Dorothee Elmiger \u2013 eine der spannendesten Autorinnen der Gegenwart<\/p>\n<p><strong>Nora Zukker <\/strong> ist die Literaturredaktorin im Ressort Leben und berichtet schwerpunktm\u00e4ssig \u00fcber deutschsprachige Gegenwartsliteratur.<a class=\"ArticleAuthorBio_moreinfo__cqyvz link_underlinelink__K5Zr0\" rel=\"author nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.berneroberlaender.ch\/author\/61676793\/nora-zukker\" target=\"_blank\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p class=\"Feedback_root__fr_Mi ArticleContainer_content-width__FRl7F\">Fehler gefunden?<a href=\"mailto:tagesleitung.korrektorat@tamedia.ch?subject=Hinweis%20auf%20Fehler%20%7C%20Nora%20Zukker%20%7C%20Dorothee%20Elmiger%20sp%C3%BCrt%20der%20Gewalt%20nach%2C%20und%20wir%20fragen%20uns%3A%20D%C3%BCrfen%20wir%20das%20sehen%3F&amp;body=Ich%20habe%20in%20diesem%20Inhalt%20einen%20Fehler%20entdeckt%3A%20https%3A%2F%2Fwww.tagesanzeiger.ch%2Fdorothee-elmiger-die-hollaenderinnen-fuer-buchpreis-nominiert-563617810319\" class=\"Feedback_feedbacklink__VyDCi link_underlinelink__K5Zr0\">Jetzt melden.<\/a><\/p>\n<p>0 Kommentare<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Portr\u00e4t einer Ausnahmeautorin \u2013 Dorothee Elmiger sp\u00fcrt der Gewalt nach, und wir fragen uns: D\u00fcrfen wir das sehen?&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":461772,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-461771","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115292572069496983","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/461771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=461771"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/461771\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/461772"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=461771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=461771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=461771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}