{"id":462349,"date":"2025-09-30T14:45:27","date_gmt":"2025-09-30T14:45:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/462349\/"},"modified":"2025-09-30T14:45:27","modified_gmt":"2025-09-30T14:45:27","slug":"ukrainisches-theaterfestival-muenchen-ein-abend-zum-lachen-und-weinen-eine-kritik-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/462349\/","title":{"rendered":"Ukrainisches Theaterfestival M\u00fcnchen: Ein Abend zum Lachen und Weinen \u2013 eine Kritik &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eDas Theater braucht die Freiheit, provozieren zu d\u00fcrfen \u2013 die Gesellschaft die Freiheit, herausgefordert zu werden.\u201c Diese Worte stehen zum Auftakt \u00fcber dem Ukrainischen Theaterfestival, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/pasinger-fabrik-ukrainisches-theaterfestival-kritik-lux.WXSp9JWJEuhP89iWtomsYe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">das zum zweiten Mal<\/a> in der Pasinger Fabrik stattfindet (noch bis 5. Oktober). Von dem Wunsch nach Freiheit und dem Ende der Unterdr\u00fcckung handelt auch das Er\u00f6ffnungsst\u00fcck \u201eBorschtsch. \u00dcberlebensrezept meiner Uroma\u201c. Die in Osteuropa beliebte Suppe ist f\u00fcr die Menschen in der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ukraine<\/a> zu einem Symbol der Hoffnung geworden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Drei Rezepte, drei Geschichten. Es ist Fr\u00fchjahr 2022, kurz nach der russischen Invasion. Oleh, gespielt von Dmitriy Balashow, versucht verzweifelt, seine Mutter Ljuba (Julia Sleoneva) zur Flucht zu bewegen. Doch die kocht, geblendet von russischer Propaganda, in aller Seelenruhe Borschtsch, diese Suppe aus Rote Bete und Wei\u00dfkohl, die in der Ukraine wie in Russland ein Nationalgericht ist. Eine Seelenruhe, die kurz darauf von einer Bombenexplosion ersch\u00fcttert wird.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In der zweiten Szene explodiert zwar keine Bombe, aber der Geschichtslehrer Illja Leonidowytsch (Volodymyr Melnyk) bastelt gerade an einer, als seine Sch\u00fclerin Lera (Anastasia Kostur), hereinst\u00fcrmt und Suizid begehen will. Sie erz\u00e4hlt von ihrer Vergewaltigung durch einen Burjaten. \u201eDas, was mir passiert ist, ist f\u00fcr immer\u201c, sagt sie und bewegt damit nicht nur ihren Lehrer, der in einem im Angesicht des Krieges geradezu absurden Liebesverh\u00e4ltnis zu ihr steht, sondern auch das \u00fcberwiegend ukrainische Publikum in der Wagenhalle der Pasinger Fabrik.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der dritte und letzte Teil handelt von einem Gespr\u00e4ch zwischen der 85-j\u00e4hrigen Nadja Juchymiwna und deren Hund Tapsi, der sie vor einem russischen Soldaten besch\u00fctzt und diesen totbei\u00dft. Das Publikum jubelt. Nadja pustet daraufhin Seifenblasen, in deren schillernden Licht sich die Hoffnung auf baldige Rettung spiegelt. Sie skandiert noch \u201eunsere [Panzer] sind schon ganz nah\u201c, bevor das St\u00fcck endet und ihre Worte in tosendem Applaus untergehen. Die Menschen springen von ihren Sitzen auf.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das St\u00fcck, geschrieben von Maryna Smiljanez und inszeniert von Tetiana Hubrii, die auch an den Kammerspielen gearbeitet hat, beruht auf wahren Begebenheiten. Rund 40 Interviews hat Smiljanez in den besetzen Gebieten f\u00fcr ihr Theaterskript gef\u00fchrt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eBorschtsch\u201c weckt Erinnerungen. Erinnerungen, die niemand nachvollziehen kann, dem nicht das gleiche Leid widerfahren ist. Theaternebel, Licht und laute bedrohliche Musik verst\u00e4rken diesen emotionalen Effekt. Auf der B\u00fchne wie im Saal wird viel geweint \u2013 und zugleich gelacht. Ein Wechselbad der Gef\u00fchle, das von patriotischen \u201eSlawa Ukrajini\u201c-Rufen (Ehre der Ukraine) durchbrochen wird. Am Ende der Vorstellung h\u00e4lt Regisseurin Hubrii die ukrainische Flagge hoch.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/71090664-912a-445f-b4fe-b2d0f81a954a.jpg\"   alt=\"Neben der Produktion \u201eBorschtsch\u201c (Foto) zeigt das Festival noch drei weitere St\u00fccke, zum Abschluss gibt es am 5. Oktober ein Konzert mit der ukrainischen Band \u201eKvartyrnyk\u201c.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Neben der Produktion \u201eBorschtsch\u201c (Foto) zeigt das Festival noch drei weitere St\u00fccke, zum Abschluss gibt es am 5. Oktober ein Konzert mit der ukrainischen Band \u201eKvartyrnyk\u201c. (Foto: Theaterstudio Soloway)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Wucht der Emotionen, die das ukrainische Publikum wie eine Welle ergreift, ist ersch\u00fctternd. Auch f\u00fcr nicht ukrainische Besucher, die sich aber trotz der herzlichen und offenen Art der ukrainischen Community wohl etwas verloren f\u00fchlen. Das mag auch an der Sprachbarriere liegen \u2013 das St\u00fcck wurde bis auf einen Akt auf Ukrainisch mit deutschen Untertiteln gespielt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Der Gegensatz, die tiefe Kluft zwischen Trag\u00f6die und Komik, erscheint bisweilen befremdlich, ist aber wohl Alltag f\u00fcr die Ukrainer in ihrem \u00dcberlebenskampf: Gerade noch hat sich das Publikum im Saal die Tr\u00e4nen aus den Augen gewischt, da herrscht am B\u00fcfett im Vorraum gel\u00f6ste Stimmung. Friedenspostkarten und ukrainische Kaffeebohnen werden verkauft, Kiewer U-Bahn-Karten versteigert. Der Erl\u00f6s geht an die Soldaten an der Front und zwei (Veteranen-)Theaterprojekte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende ist gro\u00df an diesem Theaterabend, die Sehnsucht nach Frieden und bedingungsloser Souver\u00e4nit\u00e4t allgegenw\u00e4rtig. Die Menschen sind in die Fabrik gekommen, um ihr Leid zu teilen, sich am Borschtsch zu w\u00e4rmen und Trost zu finden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><strong>Ukrainisches Theaterfestival, <\/strong><strong>noch bis 5. Oktober 2025<\/strong><strong>, mit Publikumsgespr\u00e4chen, Pasinger Fabrik, August-Exter-Stra\u00dfe 1, Informationen unter <\/strong><strong><a href=\"https:\/\/pasinger-fabrik.de\/Veranstaltung\/soloway-2025-ukrainisches-theaterfestival\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.pasinger-fabrik.de<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eDas Theater braucht die Freiheit, provozieren zu d\u00fcrfen \u2013 die Gesellschaft die Freiheit, herausgefordert zu werden.\u201c Diese Worte&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":462350,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[147,772,29,30,2392,1268,4423,14832,149,3372,317],"class_list":{"0":"post-462349","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-ausland","9":"tag-bayern","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-kultur-in-muenchen","13":"tag-muenchen","14":"tag-pasing","15":"tag-pasing-obermenzing","16":"tag-sueddeutsche-zeitung","17":"tag-theater-muenchen","18":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115293790314667277","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/462349","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=462349"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/462349\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/462350"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=462349"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=462349"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=462349"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}