{"id":462370,"date":"2025-09-30T14:56:12","date_gmt":"2025-09-30T14:56:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/462370\/"},"modified":"2025-09-30T14:56:12","modified_gmt":"2025-09-30T14:56:12","slug":"kitamuras-roman-die-probe-beleuchtet-identitaet-und-mutterschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/462370\/","title":{"rendered":"Kitamuras Roman \u201eDie Probe\u201c beleuchtet Identit\u00e4t und Mutterschaft"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/literatur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"3_literatur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Literatur<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 30.09.2025, 16:23 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autor\/judith-von-sternburg-xaw4z3af4.html\" title=\"Zur Autorenseite von Judith von Sternburg\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" von=\"\" sternburg=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Judith von Sternburg<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/39910110-katie-kitamura-steht-an-einen-tuereingang-gelehnt-und-laechelt-in-die-kamera-D7a.jpg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"792\" width=\"1408\" alt=\"Katie Kitamura steht an einen T&#xFC;reingang gelehnt und l&#xE4;chelt in die Kamera.\"\/>Katie Kitamura. \u00a9\u00a0Insidefoto\/Imago Images<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Im Zentrum steht eine Schauspielerin, die sich mit existenziellen Fragen und \u00fcberraschenden Wendungen in ihrem Leben auseinandersetzen muss.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Ein Roman wie ein Kristall, der ein Vexierspiel erm\u00f6glicht. Dreht sich das Ganze ein unauff\u00e4lliges St\u00fcck weiter, ist wieder alles anders. V\u00f6llig anders. Katie Kitamuras Roman \u201eDie Probe\u201c f\u00fchrt, wie schon die Vorg\u00e4ngerb\u00fccher der 1979 US-Amerikanerin \u2013 \u201eTrennung\u201c, \u201eIntimit\u00e4ten\u201c \u2013, in eine nicht \u00fcble Welt von heute. Menschen, die interessante Berufe haben und sich auszudr\u00fccken und ihr Leben zu reflektieren wissen, geraten dabei trotzdem in Situationen, in denen sie auf milde Weise den Boden unter den F\u00fc\u00dfen verlieren. Das hat eine existenzielle Seite, vielleicht, es gibt tempor\u00e4re Obdachlosigkeiten, Gr\u00fcnde, davonzulaufen, Gr\u00fcnde, sich auf eine Suche zu begeben. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Nicht allerdings in \u201eDie Probe\u201c, diesmal nicht von Kathrin Razum, sondern von Henning Ahrens aus dem Englischen \u00fcbersetzt. In \u201eDie Probe\u201c findet alles direkt vor der Nase der Protagonistin statt, einer sehr erfolgreichen Film- und Theaterschauspielerin. Ihr Name wird nicht genannt, er muss aber so exotisch sein (so asiatisch?), dass ihr aus beruflichen Gr\u00fcnden eine \u00c4nderung angeraten wird. Macht sie nicht, geht dann auch so. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Sie erz\u00e4hlt selbst, eine selbstbewusste, noch in der Verunsicherung vern\u00fcnftige Erz\u00e4hlerinnenstimme. Wer sich f\u00fcrs Theater interessiert, wird nicht nur seine Freude daran haben, wie Kitamura das Milieu erfasst, Menschen wie Situationen, auch die Schauspielerin selbst ist eine fesselnde, interessante Figur, ernsthaft mit ihrem Beruf befasst.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Der Titel ist bereits mehrdeutig, selbstverst\u00e4ndlich bezieht er sich auf das, was eine Schauspielerin immer wieder machen muss. \u00dcber weite Strecken des Romans ringt sie mit einer neuen Rolle, findet keinen Zugang, leidet dem Text gegen\u00fcber, dem sie kein Unrecht tun will durch eine schwache Leistung ihrerseits. Parallel dazu werden aber auch im Buch selbst Dinge ausprobiert. Und wie.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">In Teil 1 isst die Schauspielerin mit einem Xavier zu Abend. Man kennt sich fl\u00fcchtig, er ist jung und sch\u00f6n, und die Leute blicken wohlwollend her\u00fcber. Er \u201eahnte offenbar nicht, wie intensiv die Wirkung war, oder schien sich nicht im Klaren dar\u00fcber zu sein, dass es in der Welt, in der er sich bewegte, noch weitere Menschen gab\u201c. Es folgt jedoch kein Flirt \u2013 den die ber\u00fchmte Schauspielerin vielleicht erwartete \u2013, sondern ein verbl\u00fcffendes Bekenntnis. Xavier ist sicher, dass sie seine Mutter ist. Nun gibt es viele Ungewissheiten im Leben. Die Frage der eigenen Mutterschaft geh\u00f6rt nicht dazu. <\/p>\n<p>Wer Mutter ist, wei\u00df das doch<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Kitamura hat sich also etwas Besonderes herausgegriffen, ein Coup, eine totale Sicherheit, die dennoch angekratzt wird. Denn Xavier ist nicht zu \u00fcberzeugen, und die Schauspielerin denkt an ihre Abtreibung \u2013 und wie sie in Interviews dar\u00fcber sprach (warum eigentlich, Trost suchend, was auch immer) und wie sie und die Interviewer in stiller Einigkeit verbr\u00e4mten, was passiert war. Mit Wendungen wie: Sie habe das Kind \u201eweggegeben\u201c. Es h\u00e4tte also, das ist es, was Xavier glaubt, eine Freigabe zur Adoption sein k\u00f6nnen. Und w\u00e4hrend doch klar ist, dass das nicht der Fall ist, dreht sich der Kristall ein St\u00fcck, und in Teil 2 ist es eigentlich schon keine Frage mehr, dass Xavier ihr Sohn ist.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Das ist nicht die letzte erstaunliche Wendung, es ist angenehm, Xavier um sich zu haben, und ad hoc zeigt sich eine traditionelle Vater-Mutter-Kind-Geschichte. Der Vater, Tomas, der Mann der Schauspielerin schon in Teil 1, hat seine Reibereien mit dem Sohn, der es ihm recht machen will. Sie hingegen genie\u00dft es, dass der empfindsame Sohn fast immer im Theater ist, wenn sie spielt. Die Rolle, die ihr Kopfzerbrechen bereitet hat, geht ihr inzwischen von der Hand, ein Triumph. Ja, es gibt auch Entfremdungen. \u201eVielleicht bedeutete es genau das, ein erwachsenes Kind zu haben\u201c, so die Schauspielerin als abgekl\u00e4rte Mutter. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Als Xavier wieder bei den Eltern \u2013 den \u201eEltern\u201c? \u2013 einzieht, sind die erst z\u00f6gerlich, dann gl\u00fccklich. Selbst als er fragt, ob seine Freundin eine Weile bei ihm wohnen kann, sagen sie nicht Nein, \u201ewas in erster Linie darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren war, dass uns inzwischen weit mehr an Xaviers Bleiben lag als diesem selbst\u201c. Hana nervt sie bereits mit ihrem federleichten H\u00e4ndedruck.<\/p>\n<p>Das Buch<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-factBox-paragraph\"><strong>Katie Kitamura:<\/strong> Die Probe. Roman. Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Hanser, M\u00fcnchen 2025. 175 S., 22 Euro. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Der Kristall dreht sich weiter, jetzt wird es anstrengend in der Kleinfamilie, warten Sie\u2019s ab. Die Kritik hat sich dabei schon an Yasmina Reza erinnert gef\u00fchlt, jene sanfte, aber unaufhaltsame Eskalation unter kultivierten Menschen. Da ist etwas dran, auch wenn es nicht turbulent wird.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Im Vordergrund bleibt die Unklarheit bei intensiver Gef\u00fchlslage. Kitamura baut Spiegel mit \u00fcberraschenden Seitengeschichten ein. Die Schauspielerin ist von einem Film beeindruckt, in dem ein Darsteller \u2013 seine \u201eschauspielerischen Glanzleistungen\u201c haben ihr nie imponiert \u2013 diesmal in spektakul\u00e4rer Weise einen desorientierten Menschen spielt. Nun erf\u00e4hrt sie, dass der Mann tats\u00e4chlich mit einer beginnenden Demenz k\u00e4mpft, als Schauspieler damit zwar unhaltbar geworden ist, sich aufgrund seines fabelhaften Spiels in eben jenem Film jedoch nicht retten kann vor Angeboten. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">\u201eIch wei\u00df noch, dass ich die Enth\u00fcllung damals als schockierend, ja desillusionierend erlebte, sie ver\u00e4nderte meine Wahrnehmung seines Spiels.\u201c Leben und Spiel sind f\u00fcr den Profi scharf getrennt. Das Echte ist nicht blo\u00df eine Entt\u00e4uschung. Es z\u00e4hlt auch weniger als das Spiel.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">\u201eDie Probe\u201c huldigt nicht nur an dieser Stelle dem Beruf der Protagonistin. Der Roman endet dazu, nach einer weiteren unerwarteten Wendung, mit einer starken, sch\u00f6nen Theaterszene. \u201eRingsumher das lauernde Dunkel\u201c, der Text aber, \u201eein Strang von W\u00f6rtern, stabil wie ein Kabel\u201c, erscheint als Trost, Halt und als wahre Nabelschnur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Literatur Stand: 30.09.2025, 16:23 Uhr Von: Judith von Sternburg DruckenTeilen Katie Kitamura. \u00a9\u00a0Insidefoto\/Imago Images Im Zentrum&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":462371,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-462370","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115293833619429244","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/462370","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=462370"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/462370\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/462371"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=462370"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=462370"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=462370"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}