{"id":463615,"date":"2025-10-01T02:07:11","date_gmt":"2025-10-01T02:07:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/463615\/"},"modified":"2025-10-01T02:07:11","modified_gmt":"2025-10-01T02:07:11","slug":"wie-karlsruhe-zur-residenz-des-rechts-wurde-baden-wuerttemberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/463615\/","title":{"rendered":"Wie Karlsruhe zur &#8222;Residenz des Rechts&#8220; wurde &#8211; Baden-W\u00fcrttemberg"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t<strong><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t\tKaum ein anderer Ort steht so f\u00fcr die deutsche Justiz wie Karlsruhe. Bundesgerichtshof, Bundesverfassungsgericht und Bundesanwaltschaft haben hier ihren festen Sitz. Wie kam es dazu?<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/strong><br \/>\n\t\t\t\u00a0<\/p>\n<p>Quelle: Deutsche Presse-Agentur (dpa). <br \/>Die BZ-Redaktion hat diese Meldung nicht redaktionell bearbeitet.<\/p>\n<p>Karlsruhe (dpa\/lsw) &#8211; Wenn in Deutschland wichtige Gerichtsentscheidungen fallen, blickt die juristische Welt oft &#8222;nach Karlsruhe&#8220;. Die Stadt ist zum Synonym der Institutionen geworden, die seit knapp 75 Jahren in ihr zu Hause sind. Hier wacht das Bundesverfassungsgericht \u00fcber die Einhaltung des Grundgesetzes, der Bundesgerichtshof (BGH) pr\u00e4gt als letzte Instanz in Zivil- und Strafverfahren die Rechtssprechung, und die Bundesanwaltschaft kl\u00e4rt F\u00e4lle von Terrorismus oder Spionage auf und bringt sie zur Anklage.<\/p>\n<p>Seit ihrer Gr\u00fcndung am 1. Oktober 1950 sitzen BGH und Bundesanwaltschaft in der F\u00e4cherstadt. Aber warum dort? Das habe vor allem pragmatische Gr\u00fcnde gehabt, sagt Detlev Fischer. Er war von 2005 bis 2015 Richter am BGH und leitet das Rechtshistorische Museum im Bibliotheksgeb\u00e4ude des Gerichts.<\/p>\n<p class=\"ngZwiti\">Suche nach Kultur und Wohnraum<\/p>\n<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg habe die junge Bundesrepublik eine neue Gerichtsspitze gebraucht, sagt Fischer im Gespr\u00e4ch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der traditionsreiche Standort Leipzig, wo das Reichsgericht zuvor \u00fcber Jahrzehnte seinen Sitz hatte, lag nun in der DDR und sei deshalb ausgeschieden.<\/p>\n<p>&#8222;Ganz Westdeutschland stand zur Wahl und es haben sich viele St\u00e4dte beworben&#8220;, sagt Fischer. Die Politik habe dabei verschiedene Anforderungen gestellt: So solle die Stadt \u00e4hnlich zum Vorg\u00e4nger Leipzig eine gewisse kulturelle Bedeutung mitbringen. Au\u00dferdem m\u00fcsse gen\u00fcgend Wohnraum f\u00fcr die Richterschaft und sonstige Mitarbeitende zur Verf\u00fcgung stehen &#8211; &#8222;was nat\u00fcrlich schwierig war im zerst\u00f6rten Nachkriegs-Deutschland&#8220;, so Fischer.\u00a0<\/p>\n<p class=\"ngZwiti\">K\u00f6ln war Adenauers Favorit<\/p>\n<p>Lange galt K\u00f6ln demnach als Favorit &#8211; nicht zuletzt, weil es dort schon ein oberstes Gericht f\u00fcr die britische Besatzungszone gab. Auch Kanzler Konrad Adenauer (CDU) habe sich f\u00fcr seine fr\u00fchere Heimatstadt eingesetzt. Doch der damalige Justizminister und geb\u00fcrtige Franke Thomas Dehler (FDP) wollte den Gerichtssitz bewusst nach S\u00fcddeutschland verlagern, sagt Fischer. Schlie\u00dflich entschied sich der Bundestag 1950 gegen K\u00f6ln und f\u00fcr Karlsruhe.<\/p>\n<p>&#8222;Damit war der erste gro\u00dfe Stein f\u00fcr die &#8222;Residenz des Rechts&#8220; in Karlsruhe gelegt&#8220;, sagt Fischer. Die Bundesanwaltschaft zog als Staatsanwaltschaft des Bundes mit. Ein Jahr sp\u00e4ter folgte das Bundesverfassungsgericht. Dabei spielten Fischer zufolge auch die Kosten eine entscheidende Rolle. Man habe gedacht, BGH und Verfassungsgericht k\u00f6nnten sich etwa eine Verwaltung oder eine Bibliothek teilen. Ein weiterer Punkt war demnach die Vorgabe, dass ein Drittel der Richter am Bundesverfassungsgericht Bundesrichter sein m\u00fcssen. Auch darum sei die N\u00e4he zum gr\u00f6\u00dften Bundesgericht von Vorteil gewesen.<\/p>\n<p class=\"ngZwiti\">Justiz von politischer Macht trennen<\/p>\n<p>Dass die obersten Gerichte nicht in der Hauptstadt sitzen, hat \u00fcbrigens eine lange Tradition. Die Praxis reiche weit zur\u00fcck, sagt Fischer. Schon das Reichskammergericht (1495-1806) war nicht in Wien, sondern in Speyer und zuletzt in Wetzlar angesiedelt. Die Tradition sei im Bismarckreich mit Leipzig fortgef\u00fchrt und auch in der Weimarer Republik beibehalten worden.\u00a0<\/p>\n<p>Die Idee war demnach, die Justiz r\u00e4umlich vom Zentrum der politischen Macht zu trennen. Erst die Nationalsozialisten h\u00e4tten mit dieser Tradition teilweise gebrochen und den neu errichteten Volksgerichtshof in Berlin platziert, so Fischer. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei der F\u00f6deralismus dann wieder aufgegriffen worden, sodass heute wieder alle Bundesgerichte au\u00dferhalb der Hauptstadt stehen.<\/p>\n<p>\u00a9 dpa\u200d-infocom, dpa:251001\u200d-930\u200d-107771\/1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kaum ein anderer Ort steht so f\u00fcr die deutsche Justiz wie Karlsruhe. 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