{"id":463872,"date":"2025-10-01T04:29:12","date_gmt":"2025-10-01T04:29:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/463872\/"},"modified":"2025-10-01T04:29:12","modified_gmt":"2025-10-01T04:29:12","slug":"lazar-rauschender-roman-mit-zu-viel-schlaumeierei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/463872\/","title":{"rendered":"&#8222;L\u00e1z\u00e1r&#8220;: Rauschender Roman mit zu viel Schlaumeierei"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/coverbiedermann-100.webp\" alt=\"Cover Buch: Nelio Biedermann: &quot;Lazar&quot;\" title=\"Cover Buch: Nelio Biedermann: &quot;Lazar&quot; | Rowohlt\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>\n            Stand: 01.10.2025 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Der 22-j\u00e4hrige Schweizer Schriftsteller Nelio Biedermann erz\u00e4hlt die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie in den F\u00e4ngen des katastrophalen 20. Jahrhunderts &#8211; die Geschichte seiner eigenen Familie.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/alexander-solloch,solloch372.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Alexander Solloch<\/a><\/p>\n<p class=\"\">Was tun Schriftsteller eigentlich, dass sie so gefeiert werden? Eva L\u00e1z\u00e1r, eine junge Frau im Budapest der 1950er-Jahre, gerade verliebt in einen Untergrunddichter, hat einen f\u00fcrchterlichen Verdacht: Eigentlich ist der Schriftsteller ein R\u00e4uber; er raubt seinen Figuren die Selbst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<blockquote><p>\n        Er legt ihnen Kriege in den Weg, schreibt ihnen Depressionen ins Gem\u00fct oder entrei\u00dft ihnen ihre erste Liebe. Ein Machtgef\u00e4lle wie zwischen T\u00e4ter und Opfer, wenn auch nur in der Fiktion. Die Figuren k\u00f6nnen sich nicht wehren, der Schriftsteller macht mit ihnen, was er will, l\u00e4sst sie leiden und vergeblich hoffen, um sich seiner \u00dcberlegenheit zu vergewissern.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Nelio Biedermann erz\u00e4hlt atmosph\u00e4risch dicht und emotional<\/p>\n<p class=\"\">Eva, die nun selbst zur Figur in einem Roman geworden ist, fasst diesen gut zusammen: Kriege, Depressionen, Liebe, Liebesleid, die Vergeblichkeit aller Dinge, davon erz\u00e4hlt &#8222;L\u00e1z\u00e1r&#8220; in der Tat ausschweifend. Aber ihr Vorwurf ist ungerecht: Nicht der Schriftsteller in seinem Wahn denkt sich das alles aus; es ist das Leben, es ist Schicksal. Die Arbeit, nein: die Kunst des Schriftstellers besteht einzig darin, eine Sprache zu finden f\u00fcr all das viele Elend und das kleine bisschen Gl\u00fcck. Und Nelio Biedermann &#8211; gute G\u00fcte, der hat eine Sprache, dass es nur so rauscht!<\/p>\n<p class=\"\">Der Roman beginnt im Schnee, und er endet im Schnee, und dazwischen liegen viele Jahrzehnte voller D\u00fcsternis, denn die Geschichte der s\u00fcdungarischen Adelsfamilie L\u00e1z\u00e1r ist eine Geschichte des Niedergangs. Fielen die Vorfahren noch dem Alkohol, der Depression oder dem Wahnsinn zum Opfer, so sind Lajos und seine Kinder wenn nicht schuld-, so doch aber hilflos dem W\u00fcten der Weltgeschichte ausgesetzt. Krieg, Verstrickung in den innerlich doch abgelehnten Nationalsozialismus, Flucht, Enteignung, Verfolgung machen alle Ambition, alle Tr\u00e4ume zunichte. Wie atmosph\u00e4risch, wie wundersam lakonisch, wie erdr\u00fcckend, dass es einem die Gurgel zuschn\u00fcrt, ist das auf vielen Seiten beschrieben!<\/p>\n<blockquote><p>\n        Schon glaubt er, Schritte zu h\u00f6ren; sie kommen auch n\u00e4her, aber dann entfernen sie sich. Und der Streifen Licht unter seiner T\u00fcr ist verschwunden. Es war nicht der Tag, es ist Mitternacht; man hat gerade das Flurlicht gel\u00f6scht, der letzte Diener ist gegangen &#8211; und er wird nun die ganze Nacht leiden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Klischees und sprachliche Schlaumeiereien<\/p>\n<p class=\"\">Und doch, und doch &#8211; da ist etwas sehr Seltsames an diesem Roman. Irgendetwas stimmt da nicht! Es ist, als w\u00e4re ein Trio aus Takis W\u00fcrger, Roland Schimmelpfennig und Florian Illies nachts bei Nelio Biedermann eingebrochen und h\u00e4tte an seinem Manuskript herumgepfuscht.<\/p>\n<blockquote><p>\n        Wie S\u00e1ndor lebte Herr Jakubowski in der Vergangenheit &#8211; aber einen anderen Ort gibt es f\u00fcr manche Menschen nicht. Wie seltsam der Tod war, und wie leicht er das Leben durcheinanderbringen konnte! Der Schriftsteller f\u00fcrchtet sich vor nichts mehr als vor dem Gl\u00fcck. Da aber weder Lilly noch Lajos Schriftsteller waren, lebten sie in ihrem Gl\u00fcck wie Tiere.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\">Leider ist dieser in der Anlage so verhei\u00dfungsvolle Roman voll von solchen Schlaumeiereien f\u00fcrs Poesiealbum, voll auch von sprachlichen Unget\u00fcmen und h\u00f6lzernen Klischees, seltsam unorganisch hineingezwungen in einen Text, der doch eigentlich so viel mehr verspricht. Man fragt sich: Ist hier zu wenig oder zu viel lektoriert worden?<\/p>\n<p>    Mehr Vermeer wagen!<\/p>\n<p class=\"\">Eva L\u00e1z\u00e1r sinniert \u00fcber den Unterschied zwischen einem Schriftsteller und einem Maler wie Vermeer. Der Schriftsteller eigne sich also brutal das ganze Leben seiner Figuren an, w\u00e4hrend Vermeer all ihre Geschichten \u2026<\/p>\n<blockquote><p>\n        \u2026 nur andeutete, nie mehr als einen fl\u00fcchtigen Blick in ihr Leben gew\u00e4hrte, als sei es ihm wichtig, ihnen ihre Geheimnisse zu lassen. Er hielt nur Augenblicke fest und positionierte seine Figuren fast immer an Fenstern, so dass sie die M\u00f6glichkeit hatten, hinauszublicken.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\">Genau so aber w\u00fcnscht man sich den n\u00e4chsten Roman Nelio Biedermanns. Mehr andeuten, mehr in der Schwebe lassen, mehr Vermeer wagen!, m\u00f6chte man ihm zurufen, diesem so wahnsinnig begabten, sonderbaren, jungen Schriftsteller.<\/p>\n<p>        <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/coverbiedermann-100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/coverbiedermann-100.webp\" alt=\"Cover Buch: Nelio Biedermann: &quot;Lazar&quot;\" title=\"Cover Buch: Nelio Biedermann: &quot;Lazar&quot; | Rowohlt\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>        <\/a><\/p>\n<p>      L\u00e1z\u00e1r<\/p>\n<p>von Nelio\u00a0Biedermann<\/p>\n<dl>\n<dt class=\"dtHidden\">Seitenzahl:<\/dt>\n<dd>336 Seiten<\/dd>\n<dt class=\"dtHidden\">Genre:<\/dt>\n<dd>Roman<\/dd>\n<dt>Verlag:<\/dt>\n<dd>Rowohlt<\/dd>\n<dt>ISBN:<\/dt>\n<dd>978-3-7371-0226-1<\/dd>\n<dt>Preis:<\/dt>\n<dd>24 \u20ac<\/dd>\n<\/dl>\n<p>        Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Romane-Buch-Rezensionen-Lesungen-und-Podcasts,romane107.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Romane<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 01.10.2025 06:00 Uhr Der 22-j\u00e4hrige Schweizer Schriftsteller Nelio Biedermann erz\u00e4hlt die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie in den&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":463873,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,7718,29,214,30,118852,118851,118850,1800,215],"class_list":["post-463872","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-buecher","tag-books","tag-buecher","tag-buchtipp","tag-deutschland","tag-entertainment","tag-germany","tag-lazar","tag-nelio-biedermann","tag-neue-buecher","tag-romane","tag-unterhaltung"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115297030367099560","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463872","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=463872"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463872\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/463873"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=463872"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=463872"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=463872"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}