{"id":464430,"date":"2025-10-01T09:41:17","date_gmt":"2025-10-01T09:41:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/464430\/"},"modified":"2025-10-01T09:41:17","modified_gmt":"2025-10-01T09:41:17","slug":"ruecktritt-nach-angriff-bedrueckendes-signal-hamburgs-antisemitismusbeauftragter-stefan-hensel-gibt-sein-amt-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/464430\/","title":{"rendered":"R\u00fccktritt nach Angriff: \u201eBedr\u00fcckendes Signal\u201c \u2013 Hamburgs Antisemitismusbeauftragter Stefan Hensel gibt sein Amt auf"},"content":{"rendered":"<p>Hamburgs erster Antisemitismusbeauftragter, Stefan Hensel, tritt \u00fcberraschend zur\u00fcck. Er nennt massiven Hass und einen Angriff als Gr\u00fcnde. Der 45-J\u00e4hrige hatte das Amt seit 2021 inne und pr\u00e4gte die Strategie gegen Antisemitismus in der Hansestadt.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Stefan Hensel, Hamburgs erster Antisemitismusbeauftragter, gibt sein Amt auf. Wie Gleichstellungssenatorin Maryam Blumenthal (Gr\u00fcne) mitteilte, bleibt er bis zur Bestellung einer Nachfolge im Amt, l\u00e4ngstens aber bis 31. Dezember. Der R\u00fccktritt kommt \u00fcberraschend: Erst im November 2024 hatte der rot-gr\u00fcne Senat Hensel f\u00fcr eine zweite Amtszeit best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>\u201eDer zeitliche Aufwand und die anhaltende Konfrontation mit Hass und pers\u00f6nlichen \u00dcbergriffen sind im Rahmen eines Ehrenamts f\u00fcr mich nicht mehr vereinbar\u201c, erkl\u00e4rte der 45-J\u00e4hrige. Im Mai dieses Jahres waren Hensel und seine Tochter im Hamburger Stra\u00dfenverkehr im Auto von einem Mann aus Jordanien <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article256211180\/stefan-hensel-jordanier-bedroht-hamburgs-antisemitismusbeauftragten.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/regionales\/hamburg\/article256211180\/stefan-hensel-jordanier-bedroht-hamburgs-antisemitismusbeauftragten.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">attackiert<\/a> worden. Der 57-j\u00e4hrige Angreifer soll ihn beschimpft und beim Weiterfahren gen\u00f6tigt haben, bis die Polizei eingriff. Hintergrund soll gewesen sein, dass Hensel und seine Tochter im Auto ein hebr\u00e4isches Lied spielten. Die Hamburger Landespolitik verurteilte die Tat.<\/p>\n<p>Der Fall verdeutlicht die wachsende Bedrohung f\u00fcr Menschen, die sich gegen Antisemitismus engagieren. Bundesweit steigen die Zahlen antisemitischer Straftaten seit Jahren. F\u00fcr Hamburg war Hensel seit 2021 zentrale Ansprechperson f\u00fcr Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft.<\/p>\n<p>Doch in der j\u00fcdischen Community in Hamburg war er nicht unumstritten. Offenkundig wurde das bei seiner Wiederbestellung. Die J\u00fcdische Gemeinde Hamburg, die die Mehrheit der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung mit traditioneller und orthodoxer Ausrichtung vereint, schlug Hensel f\u00fcr eine zweite Amtszeit vor. Die liberale j\u00fcdische Gemeinde, der Israelitische Tempelverband, favorisierte einen anderen Kandidaten. Nach der Entscheidung f\u00fcr Hensel klagte der Tempelverband. <\/p>\n<p>Das Verwaltungsgericht erkl\u00e4rte die Auswahl f\u00fcr rechtsfehlerhaft, lie\u00df Hensel aber im Amt. Dass er nun selbst geht, werten Beobachter als Hinweis auf die Grenzen des Ehrenamts \u2013 und auf die Aggressivit\u00e4t, der Antisemitismusbeauftragte ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Hensel \u00fcbernahm das Amt 2021, als Hamburg als eines der letzten Bundesl\u00e4nder eine solche Stelle einrichtete. Er baute Strukturen auf, entwickelte eine Landesstrategie gegen Antisemitismus und initiierte eine Dunkelfeldstudie, die erstmals systematisch antisemitische Erfahrungen von J\u00fcdinnen und Juden in Hamburg erfasste. Die Ergebnisse flossen in politische Handlungsempfehlungen ein.<\/p>\n<p>Neben Konzeptarbeit setzte Hensel auf Dialog. Mit der Reihe \u201eWir m\u00fcssen reden\u201c brachte er Menschen aus Politik, Kultur und Gesellschaft zusammen. Bildungsreisen nach Israel und Polen erg\u00e4nzten das Programm. Sein Ziel: j\u00fcdisches Leben sichtbar machen \u2013 nicht nur im Schatten der Shoah, sondern als selbstverst\u00e4ndlichen Teil der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Wissenschaftssenatorin Blumenthal, in deren Beh\u00f6rde die T\u00e4tigkeit des Antisemitismusbeauftragten organisatorisch angegliedert ist, w\u00fcrdigte Hensels \u201eengagierten Einsatz\u201c: \u201eEr hat die Sichtbarkeit j\u00fcdischen Lebens sp\u00fcrbar gest\u00e4rkt. Umso bedauerlicher ist es, dass ihn Hass und Hetze zu diesem Schritt veranlasst haben.\u201c Das mache deutlich, wie wichtig der Kampf gegen Antisemitismus bleibe. <\/p>\n<p>Als \u201eempfindlichen Verlust und bedr\u00fcckendes Signal\u201c bezeichnet Oppositionsf\u00fchrer Dennis Thering den R\u00fcckzug von Hensel. \u201eDass Hass und Hetze ihn zu diesem Schritt gezwungen haben, ist besch\u00e4mend und zeigt, wie tief das Problem des Antisemitismus in Hamburg verwurzelt ist\u201c, so der Christdemokrat, der Hensels Arbeit als \u201eklug, beharrlich und menschlich beeindruckend\u201c bezeichnete.<\/p>\n<p>Seine Nachfolge wird laut Thering eine gro\u00dfe Aufgabe \u00fcbernehmen m\u00fcssen: \u201eDenn die Realit\u00e4t ist: Antisemitismus hat in Hamburg leider viel zu viel Raum. Das sollte insbesondere dem rot-gr\u00fcnen Senat zu denken geben.\u201c Lippenbekenntnisse reichten nicht aus. Die Stadt brauche endlich eine konsequente, ressort\u00fcbergreifende Strategie, die j\u00fcdisches Leben sch\u00fctzt und Antisemitismus entschieden bek\u00e4mpft \u2013 im Alltag, in Schulen, im Netz und auf unseren Stra\u00dfen, so Thering.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich \u00e4u\u00dferte sich der Gr\u00fcnen-Fraktionsvorsitzende in der B\u00fcrgerschaft, Michael Gwosdz: \u201eDer Kampf gegen Antisemitismus ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir mit aller Kraft weiterverfolgen werden.\u201c Wie wichtig und aktuell diese Aufgabe leider auch heute sei, zeigten neben den allgemeinen Zahlen die direkten Angriffe, die Hensel immer wieder erfahren musste. \u201eDass diese v\u00f6llig inakzeptablen Attacken mit zu seiner R\u00fccktrittsentscheidung beigetragen haben, nehmen wir mit gro\u00dfem Bedauern auf\u201c, so Gwosdz. <\/p>\n<p>Wer Hensel nachfolgt, ist offen. Die Wissenschaftsbeh\u00f6rde k\u00fcndigte eine schnelle Neubesetzung an. Hensel selbst m\u00f6chte sich eigenen Angaben zufolge \u201ezuk\u00fcnftig den positiven Seiten j\u00fcdischen Lebens widmen\u201c. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hamburgs erster Antisemitismusbeauftragter, Stefan Hensel, tritt \u00fcberraschend zur\u00fcck. Er nennt massiven Hass und einen Angriff als Gr\u00fcnde. 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