{"id":464462,"date":"2025-10-01T09:58:11","date_gmt":"2025-10-01T09:58:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/464462\/"},"modified":"2025-10-01T09:58:11","modified_gmt":"2025-10-01T09:58:11","slug":"saturnmond-stoesst-organische-verbindungen-aus-informationen-fuer-medien-und-journalistinnen-freie-universitaet-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/464462\/","title":{"rendered":"Saturnmond st\u00f6\u00dft organische Verbindungen aus \u2022 Informationen f\u00fcr Medien und Journalist*innen \u2022 Freie Universit\u00e4t Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Der Saturnmond Enceladus schleudert permanent gro\u00dfe Mengen von Eiskristallen ins All, die aus einem Ozean in seinem Innern stammen. Forscher*innen der Universit\u00e4t Stuttgart und der Freien Universit\u00e4t Berlin haben nun ganz frisch emittierte Partikel chemisch analysiert, die direkt aus einem unterirdischen Ozean des Saturnmondes stammen. Dazu nutzten sie Daten der Raumsonde Cassini. Sie konnten einige potenziell biologisch relevante organische Molek\u00fcle nachweisen, die damit zum ersten Mal in Eispartikeln aus einem Ozean au\u00dferhalb der Erde entdeckt wurden. Die <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41550-025-02655-y\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ergebnisse der Studie<\/a> sind im Fachmagazin Nature Astronomy erschienen.<\/p>\n<p>Enceladus misst ungef\u00e4hr 500 Kilometer im Durchmesser; seine Oberfl\u00e4che ist von einer durchschnittlich 25 bis 30 Kilometer dicken H\u00fclle aus Eis bedeckt. \u201eIm Jahr 2005 entdeckte die NASA-Raumsonde Cassini \u00fcber seinem S\u00fcdpol eine riesige Wolke aus Gas- und Eispartikeln\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Nozair Khawaja, der die Studie am <a href=\"https:\/\/www.irs.uni-stuttgart.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Institut f\u00fcr Raumfahrtsysteme<\/a> (IRS) der Universit\u00e4t Stuttgart und am Institut f\u00fcr Geologische Wissenschaften der Freien Universit\u00e4t (FU) Berlin durchgef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Messungen von Cassini offenbarten sp\u00e4ter, dass im Innern des Trabanten ein Ozean aus fl\u00fcssigem Wasser vorhanden sein muss. Sie zeigten zudem, dass die Eispartikel organische Molek\u00fcle enthalten. \u201eAllerdings waren die untersuchten Partikel nicht frisch, sondern befanden sich schon einige Zeit in einer Umlaufbahn um den Mond\u201c, betont Khawaja, der inzwischen als Forschungsgruppenleiter an die FU Berlin gewechselt ist.<\/p>\n<p><strong>Flug an den Rand des Eis-Geysirs<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2008 flog Cassini in 21 Kilometern H\u00f6he \u00fcber der Mondoberfl\u00e4che an den Rand des \u201eEis- und Gas-Geysirs\u201c. Die dabei gesammelten Daten stammen daher aus frischen Eispartikeln, die sich noch wenige Minuten zuvor im Bauch des Trabanten befunden hatten. <a href=\"https:\/\/www.geo.fu-berlin.de\/en\/geol\/fachrichtungen\/planet\/staff\/team\/khawaja\/index.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Khawaja<\/a>, der die Studie geleitet hat, hat diese Messwerte nun zusammen mit dem Doktoranden Thomas R. O\u2019Sullivan, seinem Stuttgarter Kollegen Prof. Ralf Srama vom IRS sowie der Arbeitsgruppe f\u00fcr Planetologie und Fernerkundung um Prof. Frank Postberg von der FU Berlin ausgewertet. An der Studie waren auch Forscher*innen aus den USA und Japan beteiligt.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Analyse best\u00e4tigt zum einen die Ergebnisse, die bei der Analyse anderer Cassini-Daten erhalten wurden\u201c, sagt Khawaja. \u201eWir k\u00f6nnen nun also ziemlich sicher sein, dass auch die in \u00e4lteren Eisk\u00f6rnern im E-Ring entdeckten einfachen sowie komplexen Verbindungen aus dem Enceladus-Ozean stammen. Wir vermuten, dass diese Molek\u00fcle in sogenannten Hydrothermalfeldern auf Enceladus synthetisiert werden &#8211; das sind Schlote am Grunde des Ozeans, aus denen hei\u00dfes Wasser aufsteigt. In den Weltmeeren der Erde gibt es im Umfeld vergleichbarer hydrothermaler Felder Hinweise auf Leben.\u201c<\/p>\n<p><strong>Organische Verbindungen relevant f\u00fcr potenziell biologische Molek\u00fcle <\/strong><\/p>\n<p>Die beteiligten Wissenschaftler*innen identifizierten in den Eispartikeln auch Molek\u00fcle, die noch nie zuvor in einem Ozean au\u00dferhalb der Erde nachgewiesen wurden. Darunter sind auch solche, die als Bausteine komplexer Verbindungen dienen k\u00f6nnen. Derartige Molek\u00fcle, zu denen beispielsweise die sogenannten Pyrimidine z\u00e4hlen, wurden auch schon auf den Asteroiden Bennu und Ryugu nachgewiesen. Auf der Erde sind Pyrimidine unverzichtbare Bestandteile der DNA.<\/p>\n<p>In den zuvor analysierten Eispartikeln waren diese Verbindungen nicht gefunden worden. Ein Grund f\u00fcr diese Diskrepanz ist vermutlich, dass Cassini bei seiner Reise zum Eis-Geysir mit besonders hohem Tempo unterwegs war. Das erleichterte es einem zentralen Messinstrument an Bord der Raumsonde, verl\u00e4ssliche Daten zu organischen Partikeln zu sammeln. Die Rede ist vom sogenannten <a href=\"https:\/\/www.irs.uni-stuttgart.de\/en\/research\/satellitetechnology-and-instruments\/cosmic-dust\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eCosmic Dust Analyzer\u201c<\/a> (CDA), einer Art Sensor, der unter Leitung von Ralf Srama am IRS betrieben wurde. Die Eispartikel schlagen mit hoher Geschwindigkeit auf dem Instrument ein und werden fragmentiert. Die Bruchst\u00fccke verlieren dabei Elektronen und sind dann positiv geladen. Sie lassen sich von einer negativ geladenen Elektrode anziehen und erreichen die Sonde umso schneller, je leichter sie sind.<\/p>\n<p><strong>Hohes Flugtempo enth\u00fcllt versteckte Signale in den Cassini-Daten<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man die Flugzeit aller positiv geladener Bruchst\u00fccke misst, erh\u00e4lt man ein sogenanntes Massenspektrum. Daraus kann man dann R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Ursprungsmolek\u00fcl ziehen. \u201eIst die Geschwindigkeit beim Zusammensto\u00df zu niedrig, finden sich in diesem Massenspektrum in manchen F\u00e4llen St\u00f6reinfl\u00fcsse\u201c, erkl\u00e4rt Khawaja. \u201eDie Signaturen, die die Molek\u00fcle hinterlassen, sind dann nicht mehr eindeutig interpretierbar &#8211; sie werden gewisserma\u00dfen maskiert.\u201c<\/p>\n<p>Cassini hatte 2008 beim Vorbeiflug an dem Eis-Geysir aber ein sehr hohes Tempo: Die Sonde war mit fast 65.000 km\/h unterwegs statt &#8211; wie sonst \u00fcblich &#8211; mit 40.000 km\/h oder weniger. Aufgrund der hohen Energie, die die Kollision mit den Eispartikeln bei dieser Geschwindigkeit freisetzt, werden bestimmte St\u00f6reinfl\u00fcsse in diesem Bereich des Massenspektrums eliminiert.<\/p>\n<p><strong>Vielversprechende Forschungsergebnisse f\u00fcr k\u00fcnftige Raummissionen<\/strong>\u00a0<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist Cassini inzwischen Geschichte &#8211; die Sonde wurde 2017 kontrolliert zum Absturz gebracht. \u201eDoch selbst heute noch gew\u00e4hren die Daten, die ihre Messinstrumente vor vielen Jahren aufgezeichnet haben, neue Einblicke in den Ozean im Innern des Saturnmondes\u201c, erkl\u00e4rt Frank Postberg von der FU Berlin. Die Forschungsergebnisse zu Enceladus sind so vielversprechend, dass die Europ\u00e4ische Weltraumorganisation ESA f\u00fcr 2040 bereits eine Anschluss-Mission dorthin plant. An Bord werden dann Messinstrumente sein, die den Eispartikeln aus dem Innern des Trabanten deutlich mehr R\u00e4tsel entrei\u00dfen k\u00f6nnen. \u201eUnsere Resultate werden dabei helfen, diese Instrumente zu designen und die Raummission zu planen\u201c, sagt Khawaja.<\/p>\n<p><strong>Zur Studie<\/strong><\/p>\n<p>An der Studie waren Wissenschaftler*innen der Universit\u00e4t Stuttgart, der Freien Universit\u00e4t Berlin, der University of Colorado, Boulder (USA), der University of Washington, Seattle (USA) und des Earth-Life Science Instituts (ELSI) am Institute of Science in Tokyo (Japan) beteiligt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Saturnmond Enceladus schleudert permanent gro\u00dfe Mengen von Eiskristallen ins All, die aus einem Ozean in seinem Innern&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":464463,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[135],"tags":[29,118954,30,190,189,194,191,193,192],"class_list":{"0":"post-464462","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wissenschaft-technik","8":"tag-deutschland","9":"tag-geowissenschaften-planetologie-kooperationen-raumfahrt-forschung-studie","10":"tag-germany","11":"tag-science","12":"tag-science-technology","13":"tag-technik","14":"tag-technology","15":"tag-wissenschaft","16":"tag-wissenschaft-technik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115298324037217948","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/464462","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=464462"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/464462\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/464463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=464462"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=464462"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=464462"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}