{"id":464875,"date":"2025-10-01T13:42:19","date_gmt":"2025-10-01T13:42:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/464875\/"},"modified":"2025-10-01T13:42:19","modified_gmt":"2025-10-01T13:42:19","slug":"sozialbetrug-in-hamburg-steigende-zahlen-aber-keine-mafioesen-strukturen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/464875\/","title":{"rendered":"Sozialbetrug in Hamburg: Steigende Zahlen &#8211; aber keine mafi\u00f6sen Strukturen"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schrottimmobilien-102.webp\" alt=\"Ein verm\u00fcllter Garten hinter einem Wohnhaus\" title=\"Ein verm\u00fcllter Garten hinter einem Wohnhaus | Jobcenter team.arbeit.hamburg\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Steigende Zahlen beim Sozialbetrug in Hamburg (1 Min)<\/p>\n<p>\n            Stand: 01.10.2025 15:09 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">In einigen St\u00e4dten des Ruhrgebiets gehen Jobcenter gegen kriminelle Banden vor, die im gro\u00dfen Stil beim B\u00fcrgergeld betr\u00fcgen. Kommt das Ph\u00e4nomen auch in der Metropole Hamburg vor?<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Ole-Jonathan G\u00f6mmel, Marc-Oliver Rehrmann und Lucas Riemer<\/p>\n<p class=\"\">Dirk Heyden breitet einen Stapel Fotos auf dem Schreibtisch aus. Darauf zu sehen: winzige Zimmer, Schimmel an den W\u00e4nden, verdreckte Hinterh\u00f6fe. Entstanden sind die Bilder in diesem Jahr in verschiedenen Wohnh\u00e4usern in den Hamburger Stadtteilen Harburg, Rahlstedt oder Bergedorf. &#8222;Schrottimmobilien&#8220;, sagt Heyden. Er ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Hamburger Jobcenters, Deutschlands gr\u00f6\u00dftem Jobcenter. &#8222;Sie m\u00fcssen sich das beispielsweise so vorstellen: Es gibt dort keine Fluchtwege, es gibt keine WCs, es gibt keine ordentliche Kochgelegenheit.&#8220; Diese minderwertigen Wohnungen werden oft \u00fcberbelegt oder zu \u00fcberteuerten Mieten an Sozialleistungsempf\u00e4nger vermietet, f\u00fcr die das Jobcenter die Miete bezahlt.<\/p>\n<p>    Sondereinheit soll Betrug aufdecken<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schrottimmobilien-100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/schrottimmobilien-100.webp\" alt=\"Eine schmutzige Toilette in einem Hinterhof\" title=\"In einer vom Hamburger Jobcenter entdeckten Schrottimmobilie mussten die Bewohner eine Toilette im Hinterhof nutzen. | Jobcenter team.arbeit.hamburg\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    In einer vom Hamburger Jobcenter entdeckten Schrottimmobilie mussten die Bewohner eine Toilette im Hinterhof nutzen.<\/p>\n<p class=\"\">Das sogenannte &#8222;Fachteam organisierter Leistungsmissbrauch&#8220;, eine Art Sondereinheit, soll seit 2019 im Hamburger Jobcenter solche und andere F\u00e4lle von organisiertem Sozialleistungsmissbrauch aufdecken. Schrottimmobilien seien das Hauptproblem, sagt Heyden. Opfer seien dabei h\u00e4ufig Gefl\u00fcchtete, etwa aus der Ukraine, die von ihren Vermietern ausgebeutet werden.<\/p>\n<p class=\"\">Dass Menschen aus anderen EU-Staaten mithilfe gef\u00e4lschter Arbeitsvertr\u00e4ge B\u00fcrgergeld beantragen, das ihnen eigentlich nicht zusteht, sei in der Hansestadt dagegen bislang nur vereinzelt registriert worden. Zuletzt waren aus <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/buergergeld-mafia-jobcenter-100.html\" title=\"Jobcenter k\u00e4mpfen gegen &quot;B\u00fcrgergeld-Mafia&quot;\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nordrhein-Westfalen F\u00e4lle bekannt geworden<\/a>, bei denen kriminelle Banden Menschen aus Rum\u00e4nien und Bulgarien mithilfe gef\u00e4lschter Arbeitsvertr\u00e4ge B\u00fcrgergeld beantragen lassen und dieses dann einkassieren. Bundesarbeitsministerin B\u00e4rbel Bas (SPD) sprach daraufhin von &#8222;mafi\u00f6sen Strukturen&#8220;.<\/p>\n<p>    Zahl der F\u00e4lle von Sozialleistungsbetrug steigt<\/p>\n<p class=\"\">Ein Blick in die <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/hamburg\/textlink-296970~splash.html\" title=\"Polizeiliche Kriminalstatistik Hamburg 2024\" data-url=\"https:\/\/www.polizei.hamburg\/resource\/blob\/1053710\/30efad000cc60586a22280031dad1ea0\/pks-2024-jahrbuch-do-data.pdf\" class=\"js-link-dialog\" data-type=\"external\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS)<\/a> zeigt: Im Jahr 2024 wurden in Hamburg 107 Sozialleistungsbetrugsf\u00e4lle registriert, bei denen ein Schaden in H\u00f6he von rund 1,45 Millionen Euro entstand. Von den 117 ermittelten Tatverd\u00e4chtigen waren 57 Prozent deutsche Staatsb\u00fcrgerinnen oder Staatsb\u00fcrger. Die Tendenz ist damit steigend: 2023 gab es nach Angaben der PKS 99 erfasste F\u00e4lle von Sozialleistungsbetrug, 2022 waren es 77. Unklar ist allerdings, bei wie vielen der F\u00e4lle es sich um Betrug beim B\u00fcrgergeld handelte, da diese nach Angaben des Hamburger Senats statistisch nicht gesondert erfasst werden. Dazu kommt eine Dunkelziffer in unbekannter H\u00f6he.<\/p>\n<p class=\"\">Jobcenter-Chef Heyden f\u00fchrt die steigenden Fallzahlen vor allem auf verst\u00e4rkte Ermittlungen zur\u00fcck, auch durch das Fachteam des Jobcenters, das mit Polizei und anderen Beh\u00f6rden zusammenarbeitet. Das f\u00fcnfk\u00f6pfige Team hat seit 2019 in mehr als 2.600 F\u00e4llen ermittelt und allein im Bereich der Schrottimmobilien Forderungen in H\u00f6he von rund einer Million Euro erstritten.<\/p>\n<p>    &#8222;Keine mafi\u00f6sen Strukturen&#8220; in Hamburg<\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/heyden-100.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/heyden-100.webp\" alt=\"Dirk Heyden, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Jobcenters Hamburg\" title=\"Dirk Heyden ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Hamburger Jobcenters. | NDR\/Lucas Riemer\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Dirk Heyden ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Hamburger Jobcenters.<\/p>\n<p class=\"\">Anders als in manchen St\u00e4dten in Nordrhein-Westfalen gebe es in Hamburg keine Auff\u00e4lligkeiten bei B\u00fcrgergeld-Empf\u00e4ngern aus Rum\u00e4nien und Bulgarien, sagt Heyden. Tats\u00e4chlich gab es im Mai 2025 nach Angaben der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit in Hamburg rund 135.000 erwerbsf\u00e4hige Leistungsberechtigte, davon kamen jeweils weniger als 2.000 aus Bulgarien und Rum\u00e4nien, Tendenz sinkend. Von Strukturen wie teilweise in Nordrhein-Westfalen k\u00f6nne in Hamburg keine Rede sein, so Heyden.<\/p>\n<p class=\"\">Bundesweit profitieren die Sozialsysteme erheblich von den Beitr\u00e4gen rum\u00e4nischer Arbeitnehmer, sagt der Arbeitsmarkt- und Migrationsforscher Herbert Br\u00fccker vom Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, einer Forschungseinrichtung der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit. Bei Menschen aus Rum\u00e4nien, die in Deutschland leben, gebe es prozentual weniger B\u00fcrgergeld-Bezieher als bei Deutschen. &#8222;Rum\u00e4nen sind Netto-Einzahler in unsere Sozialsysteme&#8220;, sagt Br\u00fccker.<\/p>\n<p>    Situation nicht vergleichbar<\/p>\n<p class=\"\">Dass Hamburg beim organisierten Sozialbetrug nicht mit St\u00e4dten wie Gelsenkirchen oder Duisburg vergleichbar ist, best\u00e4tigt Malte Habscheidt von der Diakonie in der Hansestadt. &#8222;Mafi\u00f6se Strukturen begegnen uns nicht in unserer t\u00e4glicher Arbeit&#8220;, sagt Habscheidt. Bei Menschen aus Rum\u00e4nien, die nach Hamburg kommen, sei viel mehr das Problem, dass sie unter falschen Versprechungen nach Hamburg gelockt w\u00fcrden, sie dann doch keine ertragreiche Arbeit f\u00e4nden und schlie\u00dflich auf der Stra\u00dfe landeten.<\/p>\n<p class=\"\">Zu einer \u00e4hnlichen Einsch\u00e4tzung kommt der Hamburger Senat in einer <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/hamburg\/textlink-296968~splash.html\" title=\"Antwort des Senats auf eine Gro\u00dfe Anfrage der AfD zum B\u00fcrgergeldbetrug\" data-url=\"https:\/\/www.buergerschaft-hh.de\/parldok\/dokument\/91282\/23_00655_mafioese_strukturen_beim_buergergeldbezug_in_hamburg_ausmass_behoerdliche_erkenntnisse_und_massnahmen_gegen_sozialleistungsmissbrauch_durch_ausbeuteri#navpanes=0\" class=\"js-link-dialog\" data-type=\"external\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Antwort auf eine Gro\u00dfe Anfrage der AfD<\/a>. &#8222;Den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden (liegen) keine Erkenntnisse \u00fcber &#8218;mafi\u00f6se Strukturen&#8216; beim B\u00fcrgergeldbezug in Hamburg vor, sondern nur Erkenntnisse \u00fcber begrenzte Einzelf\u00e4lle, die sich nicht schwerpunktm\u00e4\u00dfig einzelnen Bezirken, Stadtteilen, Branchen oder bestimmten Unternehmen zuordnen lassen&#8220;, hei\u00dft es darin.<\/p>\n<p>    &#8222;Elektronischer Datenaustausch nicht fl\u00e4chendeckend m\u00f6glich&#8220;<\/p>\n<p class=\"\">In derselben Antwort konstatiert der Senat bei der Verfolgung von Sozialleistungsbetr\u00fcgern &#8222;praktische H\u00fcrden in der beh\u00f6rden\u00fcbergreifenden Zusammenarbeit&#8220;. So seien die IT-Systeme nicht kompatibel, weswegen ein &#8222;elektronischer Datenaustausch derzeit nicht fl\u00e4chendeckend m\u00f6glich&#8220; sei. Auch Jobcenter-Chef Heyden bem\u00e4ngelt den Datenaustausch zwischen verschiedenen Beh\u00f6rden, der derzeit oftmals aufgrund von Datenschutz-Gesetzen schlicht verboten sei. &#8222;Der Gesetzgeber w\u00e4re klug beraten, die Rechtsgrundlagen daf\u00fcr zu schaffen, dass so ein Austausch tats\u00e4chlich stattfindet&#8220;, sagt Heyden.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/zoll-164.webp\" alt=\"Ein Mitarbeiter vom Zollamt macht sich Notizen.\" title=\"Ein Mitarbeiter vom Zollamt macht sich Notizen. | Hauptzollamt Osnabr\u00fcck\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Die Frau hatte dem Jobcenter Lingen verheimlicht, dass ihr Lebensgef\u00e4hrte einen Job hat &#8211; jetzt muss sie 22 Monate in Haft.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/wdr-sozialbetrug-100.webp\" alt=\"Meldekontrolle in einem Hochhaus in Duisburg. Symbolbild\/Themenbild: Sozialbetrug\" title=\"Sozialbetrug | dpa\/Christoph Reichwein\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Im Ruhrgebiet gebe es mafi\u00f6se Strukturen, die das Sozialsystem ausnutzen, sagt Hagens CDU-Oberb\u00fcrgermeisterkandidat. Ist das so?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Steigende Zahlen beim Sozialbetrug in Hamburg (1 Min) Stand: 01.10.2025 15:09 Uhr In einigen St\u00e4dten des Ruhrgebiets&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":464876,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[29,30,692],"class_list":{"0":"post-464875","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-hamburg"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115299204983765901","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/464875","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=464875"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/464875\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/464876"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=464875"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=464875"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=464875"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}