{"id":46517,"date":"2025-04-20T09:19:08","date_gmt":"2025-04-20T09:19:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/46517\/"},"modified":"2025-04-20T09:19:08","modified_gmt":"2025-04-20T09:19:08","slug":"mit-schuelerhilfe-und-interflug-als-die-ddr-feldhasen-nach-frankreich-exportierte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/46517\/","title":{"rendered":"Mit Sch\u00fclerhilfe und Interflug: Als die DDR Feldhasen nach Frankreich exportierte"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nIn den Beh\u00f6rden und Staatlichen Forstwirtschaftsgebieten habe damals Aktionismus eingesetzt. Im &#8222;VEB\u00a0Vereinigte\u00a0Netz- und Seilwerke\u00a0Heidenau&#8220; lief die Produktion von Fangnetzen an, gleichzeitig wurden vielerorts die Hasenf\u00e4nger aus der J\u00e4gerschaft geschult. In Schulen \u00fcbten die Acht- bis Zehntkl\u00e4ssler das Treiben in Sch\u00fctzenkette, damit m\u00f6glichst wenige Hasen ausbrechen konnten.\n<\/p>\n<p>Immer wieder sonntags &#8230;<\/p>\n<p class=\"text\">\nDass die Sache wichtig war, zeigte sich nach Schneiders Worten daran, dass man besonders aktiven Jagdleitern Versprechungen machte: Sie sollten Jagdwaffenfreigaben und Geldpr\u00e4mien bekommen und die Sch\u00fcler schmackhaftes Essen. Grunds\u00e4tzlich seien die Fangtage auf Sonntage gelegt worden, um keinen Arbeits- und Unterrichtsausfall zu haben. Zeiten und Orte der Fangaktionen wurden oft \u00f6ffentlich gemacht, was viele Schaulustige anlockte. Um das langohrige Exportgut nicht zu dezimieren, waren in Gebieten mit besonders gro\u00dfen Populationen normale Hasenjagden untersagt worden.\n<\/p>\n<p>Genossen und Waidgenossen beim Gro\u00dfkampftag<\/p>\n<p class=\"text\">\nFriedrich Schneider erinnert sich an einen Novembersonntag im Kreis Gro\u00dfenhain, als der Vorsitzende des Rates des Kreises vorm Hasenfang eine Rede hielt: &#8222;Liebe Waidgenossen, liebe Genossen, liebe Sch\u00fcler! Zum heutigen Hasengro\u00dfkampftag w\u00fcnsche ich allen die besten Erfolge zum Wohle der Deutschen Demokratischen Republik!&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSo lief der Hasenfangtag ab: &#8222;Es wurden spezielle Netze aufgestellt. Vor den Netzen lagen erfahrene J\u00e4ger als F\u00e4nger, w\u00e4hrend Sch\u00fcler aus umliegenden Schulen als Treiber im Einsatz waren und die Hasen aus dem Gras auf die L\u00e4ufe brachten&#8220;, erkl\u00e4rt Jagdexperte Schneider. Und weiter: &#8222;Als sich die Hasen in den Netzen verfangen hatten, sprangen die J\u00e4ger auf, fitzten sie heraus und steckten sie in vorbereitete Holzkisten.&#8220; Bei der Aktion seien innerhalb von vier Stunden 120 Hasen gefangen worden.\n<\/p>\n<p>Per Flugzeug nach S\u00fcdfrankreich<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Kisten mit den Hasen seien anschlie\u00dfend nach Dresden gebracht und wenige Stunden sp\u00e4ter mit weiteren gefangenen Hasen aus anderen Gebieten per Interflug-Flugzeug nach S\u00fcdfrankreich geflogen worden. Denn die Franzosen sind ein jagdfreudiges Volk, erz\u00e4hlt Friedrich Schneider. Sie hatten in den 1960er-Jahren ihre eigenen Hasenbest\u00e4nde arg dezimiert. Da kam die DDR ins Spiel. Der Arbeiter- und Bauernstaat brauchte st\u00e4ndig Devisen und auch der Feldhasenexport brachte etwas ein. Wie viel ist allerdings nicht bekannt.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nBesonders die gro\u00dfen Felder in der DDR, die durch die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) bewirtschaftet wurden, boten aufgrund des strukturarmen, offenen Gel\u00e4ndes ideale Lebensbedingungen f\u00fcr Feldhasen. Dadurch war der Bestand in einigen Regionen hoch genug, um regelm\u00e4\u00dfig Hasen f\u00fcr den Export zu fangen, ohne die lokalen Populationen langfristig zu gef\u00e4hrden. Solche Gebiete lagen h\u00e4ufig in den gro\u00dfen Agrarlandschaften der Magdeburger B\u00f6rde, im Leipziger Raum, in der Lausitz sowie in Teilen von Th\u00fcringen und Mecklenburg-Vorpommern.\n<\/p>\n<p>Monokultur sorgte f\u00fcr niedrigere Hasenpopulation<\/p>\n<p class=\"text\">\nAber die Hasenexporte endeten Mitte der 1970er-Jahre, weil die Tierbest\u00e4nde rapide abgenommen hatten. Das lag nicht nur an den Fangaktionen, sondern vor allem an der Intensivierung und chemischen D\u00fcngung der \u00c4cker sowie am Verlust von Gr\u00fcnland in der DDR. In Monokulturen wie etwa im Mais fanden die Hasen kaum noch Lebensr\u00e4ume. Unter den Maisst\u00e4ngeln gibt es nur nackten Ackerboden.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDoch der Feldhase, urspr\u00fcnglich ein Steppenbewohner, ben\u00f6tigt eine strukturreiche Offenlandfl\u00e4che. &#8222;Der Hase braucht zum \u00dcberleben eine &#8218;Hasenapotheke&#8216;. Das sind Gr\u00e4ser und Unkr\u00e4uter&#8220;, wei\u00df der erfahrene J\u00e4ger Friedrich Schneider. Besonders Brachen mit Wildkr\u00e4utern seien eine wichtige Futtergrundlage. Die sogenannte Hasenapotheke umfasst mehrere Dutzend Wildpflanzen wie Baldrian, <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/mdr-garten\/pflegen\/duengen\/loewenzahn-jauche-pflanzenschutz-duenger-natur-100.html\" title=\"Nat\u00fcrlicher D\u00fcnger: L\u00f6wenzahnjauche\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">L\u00f6wenzahn<\/a> oder Wilde M\u00f6hre.\u00a0\n<\/p>\n<p>Gute Nachricht zu Ostern<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie Zahl der als gef\u00e4hrdete Art eingestuften Feldhasen ist <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/wissen\/umwelt-klima\/feldhasen-population-zaehlung-deutschland-100.html\" title=\"Wie geht es eigentlich den Hasen?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bundesweit zuletzt stabil geblieben<\/a>.\u00a0Im Durchschnitt tummelten sich vergangenes Fr\u00fchjahr 19 Langohren pro Quadratkilometer auf Wiesen und Feldern. Vor allem in Hessen und Rheinland-Pfalz haben sich die Zahlen verbessert, hei\u00dft es vom Deutschen Jagdverband (DJV).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den Beh\u00f6rden und Staatlichen Forstwirtschaftsgebieten habe damals Aktionismus eingesetzt. 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