{"id":465631,"date":"2025-10-01T20:34:14","date_gmt":"2025-10-01T20:34:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/465631\/"},"modified":"2025-10-01T20:34:14","modified_gmt":"2025-10-01T20:34:14","slug":"wir-saegen-an-dem-ast-auf-dem-wir-sitzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/465631\/","title":{"rendered":"\u00bbWir s\u00e4gen an dem Ast, auf dem wir sitzen\u00ab"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.giessener-allgemeine.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" allgemeine=\"\" data-k5a-pos=\"1_giessenerAllgemeine\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gie\u00dfener Allgemeine<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.giessener-allgemeine.de\/kreis-giessen\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" gie=\"\" data-k5a-pos=\"2_kreisGiessen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kreis Gie\u00dfen<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 01.10.2025, 21:42 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.giessener-allgemeine.de\/autor\/sarah-volk-cy9im0fy.html\" title=\"Zur Autorenseite von Sarah Volk\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" volk=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sarah Volk<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/39938431-sv-grandl-peter-gila-4c-2U7a.jpg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"792\" width=\"1408\" alt=\"sv_Grandl_Peter_1_c_Gila_4c_1\"\/>\u00bbWenn wir gegen alles immer nur sehr sachlich und sehr n\u00fcchtern argumentieren, werden wir wenig bewegen\u00ab, sagt Autor Peter Grandl.. \u00a9\u00a0pv<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Was passiert, wenn digitale F\u00e4lschungen immer besser werden? Mit dieser Frage hat sich Autor Peter Grandl in seinem neuesten Roman \u00bbReset\u00ab besch\u00e4ftigt. Am Samstag liest er daraus in Hungen. \u00bbMir geht es darum, ein Bewusstsein daf\u00fcr zu schaffen, wie fragil all das ist, was wir f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich halten\u00ab, sagt Grandl im Interview.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Herr Grandl, wie sieht die Welt aus, die Sie in Ihrem neuesten Roman \u00bbReset\u00ab beschreiben? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Reset beginnt im Hier und Jetzt. Und pl\u00f6tzlich wird die Welt \u00fcberschwemmt von Fake News. Wir wissen nicht mehr, was wahr oder falsch ist. Sowohl auf Handys als auch im Fernsehen, im Radio und im Internet sind Nachrichten vorhanden, aber kein Mensch wei\u00df mehr, ob sie stimmen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Wie weit ist das von unserer jetzigen Realit\u00e4t entfernt? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Nicht weit. Die Computertechnologien werden immer besser und es gibt schon jetzt viele gef\u00e4lschte Videos. Dort sieht man beispielsweise, wie Donald Trump, Wladimir Putin und Kim Jong-un zu \u00bbStaying Alive\u00ab tanzen. Es sieht echt aus, aber es ist eine KI-Animation. Auch aus alten Vintage-Fotos lassen sich farbige Videos erstellen. Dann f\u00e4ngt die Oma auf dem Foto pl\u00f6tzlich an zu lachen. Diese Animationen werden immer besser und es ist nur noch ein kleiner Schritt, bis das auch in Echtzeit funktioniert.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Wie k\u00f6nnen wir uns das dann vorstellen? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Denken Sie beispielsweise an den Enkeltrick. Es wird bald m\u00f6glich sein, dass k\u00fcnftig kein \u00bbFremder\u00ab mehr anruft, um Geld zu ergaunern, sondern scheinbar der Enkel selbst. Er wird f\u00fcr Sie vollkommen real erscheinen, in Wort und Bild, mit seiner Stimme, seinem Gesicht und der eigent\u00fcmlichen Gestik. Man kann mit ihm reden, er kann antworten. Davon sind wir nicht mehr weit entfernt, dass Deepfakes so \u00fcberzeugend und in Echtzeit ausspielbar sind, dass wir \u00fcber einen Videoanruf get\u00e4uscht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Wie passt Ihr neustes Buch zu Ihrer bisherigen Arbeit, in der Sie sich mit verschiedenen Arten des Extremismus besch\u00e4ftigt haben? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Die Romane, die ich bisher geschrieben habe, sind alle gesellschaftskritisch. Sie besch\u00e4ftigen sich mit der Frage, was passieren muss, damit der Status quo, der Staat, in dem wir leben, die Werte, die wir f\u00fcr uns aufgestellt haben, morgen zusammenbrechen und nicht mehr existieren. Das ist eigentlich der Kern all meiner Romane. Damit will ich daf\u00fcr sensibilisieren, dass wir wirklich sch\u00e4tzen, was wir haben und dass es nicht verloren gehen darf.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Was k\u00f6nnte denn dazu f\u00fchren, dass dieser Status quo verloren geht? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Ich hatte Unterst\u00fctzung von einem Experten, der in der Zeit von Kanzlerin Merkel Cyberberater f\u00fcr die Bundesregierung war und jetzt f\u00fcr das Pentagon arbeitet. Er erkl\u00e4rte mir, dass die gr\u00f6\u00dfte Gefahr, die von KI ausgeht, all das ist, was mit der Kompromittierung von Nachrichten zu tun hat. Daran arbeiten bereits die Milit\u00e4rs weltweit. Das hat mich weit mehr erschreckt als alles, was wir aus Science-Fiction-Dystopien kennen, in denen b\u00f6se KI-Maschinen die Menschheit ausrotten. Die Wahrheit ist aber, dass k\u00fcnstliche Intelligenz nicht per se intelligent ist. Es steht immer ein Mensch dahinter, der sie steuert. Und was ich in dem Roman beschreibe, ist laut Experten ein naheliegendes Szenario. Dass wir durch die KI, beziehungsweise von den Leuten, die sie steuern, so kompromittiert werden, dass wir nicht mehr wissen, was wahr und was falsch ist.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Wie sind Sie auf diese Gefahr aufmerksam geworden? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Ich wollte anfangs gar kein Buch \u00fcber KI schreiben, sondern \u00fcber die Hybris des Menschen. Der Mensch weckt alle m\u00f6glichen Kr\u00e4fte, aber hat diese nicht mehr im Griff. Wir s\u00e4gen schon die ganze Zeit an dem Ast, auf dem wir sitzen. Und da ist die KI nur noch das T\u00fcpfelchen auf dem I. Ich beginne den Roman mit dem Zitat von Mephistopheles aus Faust: \u203aDer Mensch irrt, solange er strebt.\u2039 Und das ist, wovor wir Angst haben m\u00fcssen. Nicht die KI ist das Problem, sondern der Mensch, der sich vollkommen \u00fcbersch\u00e4tzt. Das ist das eigentliche Thema. Deswegen steht auch nirgendwo im Klappentext etwas von KI. Mir geht es um den Menschen, der sich selbst zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Sie haben gesagt, dass sich das Thema auch durch Ihre anderen Romane zieht. Warum ist Ihnen das so wichtig? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Weil wir oft vergessen, wie gut wir es eigentlich haben &#8211; bis es zu sp\u00e4t ist. Es gibt dieses sch\u00f6ne Zitat von Hermann Hesse: \u203aMan erkennt das Paradies erst, wenn man daraus vertrieben wurde.\u2039 Genau das beschreibt unsere Zeit sehr treffend. Wir neigen dazu, den Status quo zu kritisieren, ohne zu sehen, auf welch hohem Niveau wir klagen. Mir geht es darum, ein Bewusstsein daf\u00fcr zu schaffen, wie fragil all das ist, was wir f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich halten: Frieden, Demokratie, Informationsfreiheit. Wenn wir nicht sensibler werden &#8211; geopolitisch, gesellschaftlich, \u00f6kologisch &#8211; dann steuern wir sehenden Auges auf eine Welt zu, die wir so nicht wollen. Meine Romane sollen kein moralischer Zeigefinger sein, aber vielleicht ein Warnsignal: Schaut hin, bevor es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Denken Sie denn, da ist noch etwas zu retten? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Ja, ich bin absoluter Optimist! Ich habe drei S\u00f6hne, ich w\u00fcnsche mir viele Enkel und eine gl\u00fcckliche Zukunft f\u00fcr alle. Sogar mein Roman \u00bbReset\u00ab hat ein positives Ende, weil ich denke, wir kriegen die Kurve. Ich glaube wirklich, wir packen das. Es m\u00fcssen sich nur gen\u00fcgend Menschen daf\u00fcr einsetzen, die Augen offen halten und sensibel f\u00fcr alle Gefahren sein. Und wir m\u00fcssen populistisch dem entgegenwirken, was wir gerade durch die AfD, auf TikTok oder durch die amerikanische Regierung erleben. Wenn wir gegen alles immer nur sehr sachlich und sehr n\u00fcchtern argumentieren, werden wir wenig bewegen. Deswegen packe ich meine Themen immer in Spannungsromane. Ich denke, Populismus muss man mit Populismus bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Sie denken also, dass es einen Punkt gibt, an dem man diesen Gefahren nicht mehr nur auf inhaltlicher Ebene begegnen kann? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Man muss die Botschaften anders verpacken. Man muss sie schmackhaft machen. Zu Entertainment machen, um genauso gegenwirken zu k\u00f6nnen, wie es von der anderen Seite bereits passiert. Als ich mein erstes Buch \u00bbTurmschatten\u00ab geschrieben habe, in dem es um Rechtsradikalismus geht, habe ich gesagt, ich h\u00e4tte genauso gut ein Sachbuch schreiben k\u00f6nnen. Beinah w\u00e4re es auch so gekommen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Warum wurde es dann ein Roman? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">H\u00e4tte ich ein Sachbuch geschrieben, dann w\u00e4re es, wie Eulen nach Athen zu tragen. Es h\u00e4tten nur die Leute gelesen, die es nicht mehr lesen m\u00fcssen. Bei denen kann ich keinen Hebel mehr umlegen. Aber ich habe immer gesagt, ich will, dass die Botschaft auf dem Schulhof ankommt. Stellvertretend ist damit nat\u00fcrlich die junge Generation gemeint. Wenn ich dort spannende Geschichten mit starken Botschaften erz\u00e4hle, die im Kopf was bewegen, dann habe ich mein Ziel erreicht.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Denken Sie, das hat funktioniert? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Ja, zum einen ist das Buch \u00bbTurmschatten\u00ab als Streamingserie verfilmt worden. Das hei\u00dft, dieser Schulhofgedanke hat fantastisch funktioniert, weil die Breitenwirkung dadurch viel gr\u00f6\u00dfer wurde. Zum anderen wurde ich angesprochen von Organisationen wie \u203aSchule ohne Rassismus\u2039 oder der Bildungsinitiative \u203aGerman Dream\u2039, unterst\u00fctzt durch die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung. F\u00fcr die bin ich pro bono an drei bis vier verschiedenen Schulen im Monat. Dort halte ich Lesungen oder spreche im Klassenverband \u00fcber demokratische Werte. Im Austausch mit den Sch\u00fclern lerne auch ich viel. Ich bin sehr froh dar\u00fcber, dass ich dort eingeladen werde und dabei sein darf. Ich kann etwas bewirken. Und wenn es nur ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein ist.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Jetzt sind Sie in Hungen im Rahmen des Krimifestivals zu Gast. Wie angsteinfl\u00f6\u00dfend wird eine Lesung mit dem Buch \u00bbReset\u00ab? <\/strong><\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Ich glaube, dass es eine spannende Lesung wird. Das Buch ist in zwei H\u00e4lften geteilt und so gestaltet sich auch die Lesung. Erst das dystopische Szenario und dann der Weg raus aus dieser Dystopie. Genauso halte ich es auch bei der Lesung. Ich mache klar, wie es um uns steht und wie ernst die Situation mit Deep Fakes im Internet und digitalen Kompromittierungen ist. Aber dann finde ich auch in der Lesung wieder zur\u00fcck und erz\u00e4hle teilweise auch humorvolle Szenarien und Geschichten, die Hoffnung und einen Ausblick geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gie\u00dfener Allgemeine Kreis Gie\u00dfen Stand: 01.10.2025, 21:42 Uhr Von: Sarah Volk DruckenTeilen \u00bbWenn wir gegen alles immer nur&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":465632,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-465631","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115300825041808517","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/465631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=465631"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/465631\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/465632"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=465631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=465631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=465631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}